Es handelt sich um die beste Staffel von ganz 'Star Trek'. Noch nie war eine Sciencefiction-Serie so lebhaft, so originell, so dramatisch und so urkomisch. Die fünfte 'Raumschiff Voyager'-Staffel ist Legende und darf in keiner seriösen Sciencefiction-Sammlung fehlen. Wenn Sie nur Geld für ein 'Star Trek'-Box-Set haben, so müssen Sie sich die fünfte 'Raumschiff Voyager'-Staffel anschaffen.
26 Episoden. Davon 23 Episoden äußerst gelungen. Davon wiederum 15 Highlights-Episoden. Und davon fünf Klassiker-Episoden. Welche 'Star Trek'-Staffel kann schon da mithalten? Mit der fünften, atemberaubenden 'Raumschiff Voyager'-Staffel wurde ein unfassbar gutes Sciencefiction-Jahr hingelegt, das seit dem nicht mehr überboten wurde.
Es ist vor allem Charme, welcher die fünfte Staffel auszeichnet und der vielen aktuellen Sciencefiction-Produktionen fehlt. Es ist aber auch der gewisse Witz, der die fünfte Staffel überzieht und die Serie von allen aktuellen Sciencefiction-Produktionen abhebt. Nicht zuletzt ist es auch die ungeheure Originalität, mit der die fünfte Staffel die Serie 'Raumschiff Voyager' endgültig zum Kult avancieren und noch weiter, zur Legende, werden lässt.
Während andere Serien nicht über ihr Kriegsgegner-A-intrigiert-gegen-Kriegsgegner-B-was-zum-Krieg-mit-Kriegsgegner-C-führt-Konzept hinauswachsen, kommt die fünfte 'Raumschiff Voyager'-Staffel mit mutigen und frischen Ideen daher, die noch heute vergeblich von anderen, miserablen Serien kopiert werden - so zum Beispiel von 'Enterprise'.
Die Charaktere stehen in der fünften Staffel ganz deutlich im Vordergrund. Nirgendwo findet sich in einer Sciencefiction-Serie besseres Charakterdrama vor als eben in dieser Staffel. Nirgendwo gelingt der Mix aus Weltraumabenteuer und Drama sogut wie eben in dieser Staffel und nirgendwo blitzt das Sense Of Wonder so oft durch wie hier.
Die fünfte Staffel demonstriert eindrucksvoll, dass das Einzelepisodenkonzept, wenn die Ideen da sind, dem Kontinuitätskonzept um das Vielfache überlegen ist. Jede Episode hier ist ein kleines Kino-Kunststück, kommt mit einer unverwechselbaren Atmosphäre daher und besticht durch großartiges Schauspiel. Eine einzige Episode der fünften 'Raumschiff Voyager'-Staffel ist dementsprechend gehaltvoller als eine ganze 'Enterprise'-Staffel, die ab ihrer dritten Staffel an jede Idee nur noch ins Ellenlange zieht, nur um mit der ach so tollen Kontinuität aufwarten zu können. 26 Kunststücke bietet eine einzige Staffel einer beeindruckenden Einzelepisodenserie wie 'Raumschiff Voyager'. Das kann keine einzige Staffel einer Kontinuitätsserie behaupten.
'Raumschiff Voyager'-Basher und sonstige Action-Knaben-Geschöpfe werden diese Staffel hassen, weil sie all ihre dumme Kritik gnadenlos ungültig werden lässt. Weil sie ihnen vor allem zeigt, wie sehr sich die Serie in den vergangenen Staffeln nach vorn entwickelt hat. Weil sie ihnen zeigt, dass jegliche Kritik an der Serie von Unwissendheit zeugt. Die Serie hat mit ihrer fünften Staffel ein Niveau erklommen, das auch in absehbarer Zeit nicht mehr überboten werden kann.
Wer die fünfte 'Raumschiff Voyager'-Staffel nicht mag, der wird in seinem ganzen Leben niemals etwas mögen, dem man soetwas wie Anspruch zusprechen würde oder als Kunst bezeichnen kann; der ist kein 'Star Trek'-Fan; der wird immer ein Action-Knabe bleiben.

Begonnen hat alles mit dem starken Auftakt 'Nacht'. Ab dieser Episode an übernimmt Brannon Braga das Zepter der Serie. Wenn man sich seine aktuellen 'Enterprise'-Ergüsse anschaut, so mag man kaum glauben, dass Brannon Braga einmal so kreativ gewesen ist. Die Grundidee von einer absoluten Leere im All ist frisch und die Autoren schaffen es, das Potenzial dieser starken Grundidee hinreichend auszuschöpfen.

Nach spektakulären Episoden wie 'Die Drohne', in der ein Borg aus dem 29. Jahrhundert der Crew einige Überraschungen bereitet und 'Extreme Risiken', in der B'Elanna den Tod ihrer Maquis-Kollegen verarbeitet, folgt die Sensationsfolge 'In Fleisch und Blut'. In Zeiten, in denen in der Sciencefiction nicht genug gekämpft werden kann und dieser Trend dank 'Deep Space Nine' auch in 'Star Trek' Einzug hält, widersetzt sich 'In Fleisch und Blut' dem Mainstream und wartet mit einer überraschungsvollen Geschichte über Spezies 8472 auf, in der nicht mit dieser gekämpft, sondern Frieden geschlossen wird.

Danke schön 'Raumschiff Voyager' für diese Rebellion! Danke schön 'Raumschiff Voyager' für diese bewusste Abgrenzung von der Stiefschwester 'Deep Space Nine'. Und Danke schön 'Raumschiff Voyager' für die Rückkehr zu den wahren 'Star Trek'-Idealen!
Die folgende Episode 'Es war einmal' ist zwar nicht sehr tiefgründig, aber versprüht soviel Charme und kann mit einem so originellen Holodeckprogramm aufwarten, dass die abgedroschene Grundidee mehr als wett gemacht wird.

Was jetzt kommt, ist ein 'Star Trek'-Klassiker ohnegleichen. Nicht nur ist die Erzählweise geschickt, originell und frisch, auch hat man in 'Star Trek' kein erschütternderes Drama erlebt. Von der unglaublichen Grundidee mal ganz zu schweigen. 'Temporale Paradoxie' sieht eine unter Eis begrabene 'Voyager' vor - und es gilt nicht nur, die Ursache dahinter zu ergründen, sondern vor allem darum, diese zu verhindern. Die 100. 'Raumschiff Voyager'-Episode spiegelt die gesamte Serie wieder: Zeitlose und mitreißende Sciencefiction.
Erschütternd geht es in den nachfolgenden Episoden 'Das Vinculum', in der Seven Of Nine verschiedene Persönlichkeiten annimmt, und 'Inhumane Praktiken', in der das Thema Menschenversuche im Vordergrund steht, weiter.
'Dreißig Tage' ist zwar keine absolut gelungene Episode, überzeugt aber wiedermal durch Originalität und Charme. Das Konzept eines Wasserplaneten zeigt, dass das 'Star Trek'-Konzept alle Arten von Geschichten erlaubt, auch nach Hunderten von Episoden.

Selten gab es in 'Star Trek' eine elegantere und überraschendere Episode als 'Kontrapunkt', in der Janeway Katz und Maus spielt und dabei ihre Sinnlichkeit einsetzt. Aus einer scheinbar sinnlosen Idee über das Schmuggeln von Telepathen durch den Raum einer Telepathen-feindlichen Spezies entwickelt sich eine der besten Episoden der Serie. Eine Episode, die sehr gut das weibliche Element der Serie in den Vordergrund rückt und in keiner der anderen Serien vorstellbar wäre. Das Bild von einer Janeway, die am Ende der Episode alleine auf der Brücke sitzt und Richtung Kamera blickt, ist an Dramaturgie kaum zu überbieten.

Danach folgt eine der besten Episoden von ganz 'Star Trek': 'Verbogene Bilder'. In dieser Episode muss sich der Doktor zwischen den Leben zweier Patienten entscheiden und muss mit den Konsequenzen seiner Entscheidung zu leben lernen. Eine Charakterstudie, die viel über unsere menschlichen Werte aussagt. Grandios gespielt und einfühlsam gespielt ist es gerade diese Art von Episoden, die einen zum 'Star Trek'-Fan werden lässt.

Die Erfolgswelle reist nicht ab. Mit 'Chaoticas Braut' betritt die orginellste 'Star Trek'-Episode die Bühne. Die Schwarz-Weiß-Hommage an die 30er-Jahre-Sciencefiction ist allein von der Grundidee her frisch und neu - die Umsetzung setzt da noch einen drauf. Selten war 'Star Trek' so originell und lustig wie eben in 'Chaoticas Braut'.

Nach zwei weiteren gelungenen Episoden ('Schwere' und 'Euphorie'), die beeindruckend mit Atmosphäre zu spielen wissen, folgt einer der besten Doppelteiler von ganz 'Star Trek': 'Das ungewisse Dunkel'. In diesem entscheidet sich Seven Of Nine für die Rückkehr ins Kollektiv. Janeway ist damit nicht einverstanden und vermutet dahinter den Einfluss der Borg-Königin.

Eine Rettungsmission beginnt. Der Doppelteiler ist vor allem eine Charakterstudie und - wie die Serie selbst - viel weniger Action. Beeindruckend wird das Verhältnis von Janeway und Seven ins Zentrum gerückt. Auch wird Seven Of Nines Geschichte eingehend und einfühlsam erforscht. Hut ab!

Nach dem eher durchschnittlichen Trip in 'Das Generationsschiff' kommt die sadistischste 'Star Trek'-Episode: 'Endstation: Vergessenheit'. Das Duplikat der 'Voyager'-Crew aus der Vierten-Staffel-Episode 'Dämon' fliegt Richtung Heimat und wird sich ihrer Duplikat-Existenz immer mehr bewusst. Diese Episode ist mutig und zeigt sich erfrischend respektlos gegenüber der Stammcrew. Ein ungewohntes Bild, das polarisiert und zart besaitete 'Star Trek'-Fans ins Entsetzen stürzen lässt. Davon abgesehen ist es wiedermal eine gelungene und tiefgehende, aber vor allem intelligente Charakterstudie über die menschlichen Werte. Mehr davon!
Die einzige wirklich schwache Episode dieser Staffel folgt mit 'Der Fight'. Eine Episode zum Vergessen! Teilweise aber überzeugend durch die dichte Atmosphäre. Dasselbe gilt für die übernächste Episode 'Verheerende Gewalt' - der missratenen 'Alien'-Hommage von 'Star Trek'.

Entschädigt wird der Zuschauer durch die sehr gelungene Episode 'Die Denkfabrik', in der ein Team aus verschiedenen Spezies Lösungsstrategien für alle Probleme anbietet - gegen Bezahlung selbstverständlich. Die 'Voyager' fliegt mitten in eine Verschwörung dieses Teams. Originell und geschickt aufgebaut verdeutlicht 'Die Denkfabrik' abermals das hohe Niveau der fünften Staffel.

Romantischer als in 'Liebe inmitten der Sterne' ging es niemals zuvor in 'Star Trek' zu. Seven Of Nine entscheidet sich zu einem Date und lässt sich vom Doktor leiten, der sich Hals über Kopf in sie verliebt. Einfach nur rührend und ein Muss für alle Fans! Das ist auch Sciencefiction! Es ist nicht nur Krieg!

In '23 Uhr 59' spielt zum ersten Mal in 'Star Trek' ein Charakter zwei verschiedene Rollen aus zwei verschiedenen Zeitepochen. Eine ungewöhnliche Episode, die abermals die Originalität der fünften Staffel unterstreicht.

Eine originellere Zeitreise als in 'Zeitschiff Relativity' hat man bis dato noch nicht in 'Star Trek' gesehen. Es ist ein temporeiches Abenteuer, bei dem Seven Of Nine versuchen muss, eine Zeitbombe zu entschärfen. Anfangen tut die Episode mit dem 'Voyager'-Schiff im Trockendock und arbeitet sich bis zum 29. Jahrhundert vor. Eine herrliche Zeitreise, die all die Elemente Witz, Charme und Originalität, welche die fünfte Staffel auszeichnen, kombiniert.

Nach der sehr moralischen und tragischen Episode 'Geheimnisvolle Intelligenz', in der eine Bombe sich ihrer Selbst bewusst wird, kommen wir zu einem der besten Cliffhanger der 'Star Trek'-Geschichte: 'Equinox'. Dieser Cliffhanger zeigt ein zweites Sternenflottenschiff, das im Delta-Quadranten gestrandet ist und einen völlig anderen - moralisch bedenklichen - Weg eingeschlagen hat als die 'Voyager'. Die Grundidee ist abermals originell und sorgt bereits im Vorfeld für atemberaubende Spannung. Diese findet sich dann entsprechend en masse in der brillanten Umsetzung wieder. Hinzu kommen phänomenale Gastschauspieler. Ein großartiger Cliffhanger, der viel Lust auf die folgende Staffel macht und einen in seiner Meinung bestärkt, dass die fünfte 'Raumschiff Voyager'-Staffel die beste von ganz 'Star Trek' ist.
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Immer wieder empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang natürlich unsere enorm populäre 'Vergewaltigungs-Reihe', die meistgelesene deutsche 'Star Trek'-Artikelreihe aller Zeiten.
(sl); STVC-Meldung vom 02.01.2005; Quelle: STVC
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