Schon wegen seiner auffälligen Ringe ist der Gasriese Saturn einer der ungewöhnlichsten Planeten unseres Sonnensystems. Doch Aufnahmen der Cassini-Sonde deuten an, dass sich schon bald einer dieser Ringe auflösen könnte.
Schon seit Juli 2004 untersucht die Raumsonde Cassini den Saturn. Dabei macht sie auch Bilder im ultravioletten Lichtbereich. Donald Shemansky von der 'University of Southern California' wertet diese Bilder aus. Dabei entdeckte er eine enorme Wolke aus Sauerstoffatomen, die aus dem E-Ring austrat. So gingen dem Ring auf einmal 125 Millionen Kilogramm Sauerstoff verloren.
"Bei dieser Verlustrate würde der Ring in ungefähr 100 Millionen Jahren verschwinden, im kosmischen Maßstab eine sehr kurze Zeit", so Shemansky. Die Ursache für diesen Substanzverlust wird unter den Forschern noch diskutiert. So könnten Eispartikel aus dem E-Ring mit Material aus den Ringen A, B oder C kollidiert sein. Aber ebenso könnte eine Eiseruption auf dem Saturn-Mond Enceladus oder ein Meteoriteneinschlag für die Auflösungserscheinung verantwortlich sein.
Die Ringe bestehen zum größten Teil aus Trümmern von ehemaligen Monden, welche durch Meteoriteneinschläge zerbrachen oder durch Gravitationsschwankungen zerrissen wurden. Sie sind somit jünger als der Saturn selbst und werden auch nicht für alle Ewigkeit bestehen bleiben. Die Forscher geben ihnen eine Lebenszeit von mehreren Milliarden Jahren. "Wir haben jetzt direkte Beweise, dass die Ringe von Prozessen geformt und verändert werden, die sehr schnell ablaufen", so Shemansky.
Die Sauerstoffwolke hatte sich schon nach zwei Monaten aufgelöst. Doch sie scheint kein einmaliges Ereignis gewesen zu sein. "Es ist ein Fakt, dass irgend etwas die feinen Körner des äußeren Ringes vernichtet", glaubt der Wissenschaftler.
Jedoch glaubt er ebenfalls an die Möglichkeit, dass verloren gegangenes Material zumindest teilweise durch ein Recycling-Prozess ersetzt wird. So bilden kleine Monde in unmittelbarer Nähe zu den Ringen eine mögliche Materialquelle. Aber auch interaktive Plasma-Prozesse könnten die Ringe wieder auffüllen. So sorgt das starke Magnetfeld des Saturns dafür, dass sich um den Planeten eine Blase aus elektrisch geladenem Gas bildet. Die Ringe könnten dieses Plasma aufnehmen und den Materieverlust des E-Ringes ausgleichen.
(mb); STVC-Meldung vom 07.01.2005; Quelle: Spiegel-Online
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