Eine erste größere Auswertung der Daten, welche die Huygens-Sonde über den Saturnmond Titan gesammelt hat, wurde nun von der ESA präsentiert. Die Ergebnisse zeichnen ein bizarres Bild: Vom Stickstoff-geschwängerten Himmel regnet brennbares Methan auf Hügelketten von Wassereis.
Drei Stunden und 44 Minuten hat 'Huygens' Daten aus der Atmosphäre und von der Oberfläche des Saturnmondes Titan zur Erde gefunkt. Nun haben Forscher erste Schlussfolgerungen aus den enormen Datenmengen gezogen.
Frühere Spekulationen wurden bestätigt. "Wir haben zahlreiche Anzeichen für Flüssigkeit gefunden", sagte Martin Tomasko von der 'University of Arizona' in Tucson. Er deutet die Kanäle, welche sich durch helle Hügelketten winden als Beweis für Regen aus Methangas, welches auf dem minus 170 bis minus 180 Grad kalten Titan zu Flüssigkeit kondensiert.
Tomasko erklärt, dass das dunkle Material auf dem Grund der Kanäle und auf den weiten Ebenen organisch sei, während die Hügel aus Wassereis bestünden. Tomasko zeichnet sich für die Sinkflug-Kamera und das Spektral-Radiometer an Bord von 'Huygens' verantwortlich. "Niederschlag, Erosion und mechanischer Abrieb ähneln den Vorgängen, die auch die Erde formen. Allerdings sind auf Titan exotische Stoffe im Spiel."
Die Wissenschaftler entdeckten sogar Anzeichen auf eine gewisse Art von Vulkanismus. Doch dringt keine Lava an die Oberfläche des Mondes, sondern eine Mischung aus Wassereis und Ammoniak. Anzeichen für Flüsse, Seen oder gar Meere aus Methan wurden hingegen nicht gefunden. Wahrscheinlich versickert das Gas nach den Niederschlägen schnell im Boden. Der Boden zeigt eine sandartige Konsistenz. Dennoch spiele das Methan laut 'Huygens'-Missionsmanager Jean-Pierre Lebreton eine wichtige Rolle auf dem Titan: "Es ist dort ähnlich bedeutsam wie das Wasser für die Erde. Es hat nicht geregnet, als 'Huygens' gelandet ist, aber wahrscheinlich schon wieder am Tag darauf."
Lebreton hatte außerdem noch eine gute Nachricht. Ein Großteil der Daten, etwa über die Windverhältnisse in der Titan-Atmosphäre, war verloren gegangen, da eine der beiden Sendekanäle von 'Huygens' ausfiel. Doch diese ***** können mit Hilfe der Radioteleskope auf der Erde wahrscheinlich bis zu 90 Prozent rekonstruiert werden.
Die Gashülle des Titans besteht - neben der Erde als einzigster Himmelskörper in unserem Sonnensystem - vor allem aus Stickstoff. Dies haben Messungen während des Sinkfluges bestätigt. Laut US-Forscher Toby Owen vom 'Institute for Astronomy' in Honolulu sind auch Spuren des Edelgases Argon nachgewiesen worden.
Owen meint, dass es gut ist, dass Sauerstoff nur in gebundener Form in gefrorenem Wasser und nicht in der Atmosphäre vorkommt, "Denn sonst wäre Titan längst explodiert. Wir haben hier eine brennbare Welt."
(mb); STVC-Meldung vom 24.01.2005; Quelle: Spiegel-Online
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