Wurde unsere Sonne in einem riesiger interstellarer Nebel voll enormer Sterne die in gewaltigen Supernovae explodieren und dabei gigantische Energien freisetzen geboren? Stimmt die bisherige Annahme, dass die Umgebung eher ruhig war nicht?
Yangting Lin von der chinesischen Akademie der Wissenschaften und Laurie Leshin von der 'Arizona State University' glauben, dass unser Sonnensystem in einer rauen Umgebung entstanden ist. Ihr Beweis wirkt harmlos: Es ist ein Meteorit der über der chinesischen Stadt Ningqiang herab kam. Für Astronomen ist klar, dass der zur Klasse der kohligen Chondriten gehörende Meteorit aus der Anfangszeit unseres Sonnensystems stammt. Im Innern fanden sie sogar Einschlüsse von noch älterem Material.
Gerade diese Einschlüsse könnten den Beweis für die neue Theorie liefern. Denn sie enthalten Sodalit. Das Mineral enthält neben reichlich Chloratomen auch eine auffällig große Anzahl von Schwefel-36-Atomen. Dieses Isotop kann nur durch den radioaktiven Zerfall vom Chlorisotop Chlor 36 in dem Meteoriten entstanden sein, schreiben die Forscher in der Online-Ausgabe des Fachblatts 'Proceedings of the National Academy of Sciences'.
Nun stellt sie die Frage, wie das Chlor 36 in den Meteoriten kam. Da das Isotop eine Halbwertzeit von 300.000 Jahren hat, ist alles Chlor 36 aus der Frühzeit des Sonnensystems längst zerfallen. "Heute gibt es in unserem Sonnensystem kein natürliches Chlor 36 mehr", sagt Laurie Leshin, Direktorin des Zentrums für Meteoritenstudien an der 'Arizona State University', "Aber wir haben nun einen direkten Beweis, dass es einmal hier war"
Es gibt zwei Ereignisse, die für das Vorhandensein von Chlor 36 in die Ursuppe unserer planetaren Nachbarschaft verantwortlich sein können. Zum einen eine nahe gelegene Supernova, zum anderen Strahlung aus einer Nebelwolke. "Wir haben wirklich starke Argumente dafür, dass das Chlor-Isotop von einer Supernova produziert wurde, die in der Nähe unseres sich gerade formierenden Sonnensystems explodierte", sagt Leshin, die schon im vergangenen Jahr nachwies, dass in der Zeit der Sonnenentstehung das Isotop Eisen-60 vorhanden war. Auch dies lässt sich nur durch eine Supernova erklären.
Wenn sich diese Theorie über die Entstehung unseres Sonnensystem erhärtet, könnten neue Erklärungen für die Größe, Form und elementare Zusammensetzung des Sonnensystems nötig werden. Denn die meisten Astronomen glauben, dass sich unser Sonnensystem in einem langwierigen Prozess in einer ruhigen Umgebung gebildet haben [Wir berichteten].
Den Originalartikel von Yangting Lin und ihren Kollegen in der Online-Ausgabe des Fachblatts 'Proceedings of the National Academy of Sciences' finden sie unter diesem Link.
(mb); STVC-Meldung vom 28.01.2005; Quelle: Spiegel-Online
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