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Methusalem bricht Entfernungsrekord

In den tiefen des Weltalls haben deutsche Forscher einen Galaxienhaufen entdeckt. Bisher wurde kein Galaxienhaufen gefunden, der noch weiter entfernt ist. Diese Entdeckung birgt eine Überraschung: Niemand ahnte, dass es schon im jungen Universum so komplexe Strukturen gab.

Die Forscher des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching wollten mit ihren Teleskopen und dem Röntgensatelliten XMM-Newton eigentlich nur die nahe gelegene Galaxie NGC 7314 untersuchen. Doch auf den Bildern entdeckten sie in rund neun Milliarden Lichtjahren Entfernung einen massereichen Galaxienhaufen.

Dies bedeutet, dass das Universum schon knappe 5 Milliarden Jahre nach seiner Entstehung komplexe Strukturen bildete. Den bisherigen Theorien zufolge entstanden solche Gruppen von Hunderten oder Tausenden Sternensystemen, welche durch ihre wechselseitige Anziehungskraft aneinander gebunden sind, erst viel später in der Geschichte des Alls.

Der neu entdeckte Galaxienhaufen XMMU J2235.3-2557 ist jedoch rund 1000 Mal massereicher als unsere Milchstrasse. Die Röntgenstrahlung der bis zu 100 Millionen Grad heißen Gase des Galaxiensystems waren von 'XMM-Newton' aufgefangen worden.

"Die helle Röntgenquelle weist auf eine hohe Masse hin", erklärte Georg Lamer vom Astrophysikalischen Institut Potsdam, der das Objekt zusammen mit Astronomen der europäischen Weltraumbehörde ESA und der University of Michigan erspäht hat. Da weiter entferne Galaxien bisher nur mit optischen Teleskopen beobachtet wurden, konnten deren Massen nicht ermittelt werden.

Das erste Indiz für eine große Entfernung war der Umstand, dass 'XMM-Newton' im Schnitt nur alle 150 Sekunden ein Lichtteilchen von 'XMMU J2235.3-2557' registrieren konnte, obwohl Galaxienhaufen neben Quasaren die stärksten Röntgenquellen darstellen. Eine in der nähe des Mondes positionierte 100-Watt Glühbirne könnte die gleiche Anzahl von Photonen ans menschliche Auge schicken.

Anschließend bestätigten optische Beobachtungen mit einem 8,2-Meter-Teleskop des 'Very Large Teleskope' der europäischen Südsternwarte in Chile den Anfangsverdacht. "Die optischen Bilder zeigen ganz Erstaunliches", sagte ESO-Astronom Piero Rosati. "Schon in dieser frühen Periode der kosmischen Geschichte sehen wir diese riesige und voll entwickelte Struktur. Das bedeutet, dass wir es mit einem alten Galaxienhaufen in einem jungen Universum zu tun haben."

Nun soll die Suche nach ähnlich alten Galaxiehaufen intensiviert werden. "Wenn wir wissen, wie viele es gab, können wir Aussagen zur Massendichte des Universums treffen", sagte Lamer. Diese Information ist wichtig um eine Vorhersage über die Zukunft des Alls machen zu können. Derzeit nehmen Astronomen an, dass sich das Universum für alle Zeiten immer weiter ausdehnt.

(mb); STVC-Meldung vom 13.03.2005; Quelle: Spiegel-Online [1097 Aufrufe; 0 Kommentare]

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