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Meine Zeit in Australien

Webmaster Shen Li treibt sich noch immer in Australien herum und weil er dort soviel erlebt, konnte er seinem Versprechen nicht nachkommen, seinen geschaetzten BesucherInnen woechentlich von seinen Australien-Erlebnissen zu berichten. Dies holt er nun in diesem Artikel nach.

Sehr geehrte BesucherInnen,

mittlerweise bin ich schon vier Monate in Australien und ich habe noch nie in meinem bisherigen Leben innerhalb so kuerzester Zeit soviel erlebt. Australien ist ein gigantischer Kontinent voller atemberaubender Landschaften und freundlicher Menschen. Da ich extrem viel zu tun und erleben hatte, konnte ich mein Versprechen nicht einhalten, Ihnen eine woechentliche Kolumne zu praesentieren.

Ich befinde mich zur Zeit in Western Australia - in dem langweiligen Kaff Exmouth und warte auf meine zweite Walhai-Tour. Ich habe hier absolut nix zu tun, weshalb ich die Zeit habe, Ihnen meine Reise in Kuerze zusammenzufassen:

Monat 1

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Sydney mit Harbour Bridge und Opera House

Am 10. Januar 2005 ging es los. Nach rund 23 Stunden Flugzeit mit einem kurzen Stopp in Singapur kamen wir am 12. Januar in Sydney an. Es war so unreal. Man war ploetzlich am anderen Ende der Welt und man kommt sich doch nicht so vor. Sydney ist eine Grossstadt wie jede andere - zwar sehr schoen und an vielen Stellen sehr aussergewoehnlich, doch letzten Endes eine weitere westliche Metropole. Das war zu erwarten gewesen, doch trotzdem ein wenig enttaeuschend.

Ich kam mit Organisation - ein grosser Fehler. Denn jeder, der nach Australien kommt, kann alles von Deutschland aus organisieren. Alles ist so gut - zu gut - organisiert hier und ein Anruf genuegt, und man kann ueberall alles problemlos buchen. Buerokratie ist in Australien ein Fremdwort. Die Australier sind relaxed und easy-going.

Da ich mir bewusst war, dass dies nicht das wahre Australien sein kann, entschied ich mich dazu, die City so schnell wie es geht, zu verlassen und die Natur Australiens zu erkunden. Dabei hatte ich stets im Hinterkopf, dass ich nicht nur zum Urlaub hier bin, sondern auch um hier zu arbeiten. Ich musste meine Ausgaben also stets im Auge behalten und kraeftig arbeiten, um meine sechs Monate hier ohne Geldprobleme geniessen zu koennen. Ich wollte urspruenglich 8 Monate bleiben, musste aber auf 6 Monate reduzieren, da ich wegen Studiumorganisation im Juli zurueck sein muss.

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Blue Mountains

Zwei Travelmates und ich entschieden uns dazu, zusammenzureisen. Wir bereisten den suedoestlichen Abschnitt Australiens bis nach Melbourne herunter. In Melbourne angekommen blieben wir nur wenige Stunden, denn Fruitpicking-Arbeit erwartet uns in Shepparton - 3 Stunden noerdlich von Melbourne. Wir hielten Fruitpicking gerademal 2 Tage durch, da dies die allerschlimmste Sklavenarbeit war, die wir je erledigen durften. Hinzukommt, dass wir fuer jede Arbeit 30% Steuern blechen muessen. Wir wollten nicht mehr laenger unter 40 Grad Celsius, 12 Stunden lang Birnen pfluecken und einen Minimallohn verdienen. Wir hatten Ansprueche und das war gut so.

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Die amerikanische Seite von Down Under

Nach zwei Tagen Fruitpicking reisten wir nach Melbourne zurueck, um dort Arbeit zu finden. In der City, so sagten wir uns, kann es nur besser werden. Waehrend der eine Travelmate nicht so richtig Arbeit finden konnte und sich dazu entschied, mit einer Freundin in Mildura nochmals Fruitpicking zu machen, musste der andere nach Deutschland zurueckfliegen, da sein Vater zwischenzeitlich verstorben war. Auf mich alleine gestellt, musste ich mich also durch eine fremde Stadt kaempfen.

Monat 2 und Monat 3

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Melbourne - die wahre Metropole

Melbourne ist eine Sensation. Melbourne ist die beste Grossstadt, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Ich verweilte dort 2 Monate, weil ich dort eine Arbeit in einer Kleidungsfabrik fand. Am Wochenende verkaufte ich Eiscreme. So hatte ich so gut wie kein freies Wochenende und schuftete wie ein Tier, um genug Geld fuer den Rest meines Trips zusammenzubekommen. Ich hatte Glueck - nicht nur die Chefs waren grossartig und unglaublich nett, auch die Arbeit, die ich erledigte, war vergleichsweise gut bezahlt und einfach.

Ganz anders war hingegen mein allererster Job - ich habe in einem Absteige-Hostel gearbeitet, um freie Unterkunft zu bekommen. Das heisst, Toiletten saubermachen, Duschen saubermachen und dabei Kondome aufsammeln, Staubsaugen gehoehrten zum Tagesprogramm. Aber als Backpacker ist man sowieso ganz unten hier und man gewoehnte sich schnell an diese Tatsache.

Aber zurueck zu Melbourne: Hier hatte ich meine beste Zeit. Ich durfte sowohl den Formel-1-Grand-Prix als auch das spektakulaere Moomba-Festival miterleben. Diese Stadt ist so kosmopolitisch. Melbourne ist eine Grossstadt, hat aber das Feeling einer Kleinstadt - familiaer, aber nicht konservativ.

Ich lebte in einem Apartment mit sechs weiteren Leuten - das ist deutlich billiger als Hostels. Und so kamen wir alle jeden Tag nach der Arbeit, sassen zusammen, tranken Wein und schauten auf der Coach gemuetlich fern. Es war so grossartig. Durch die Arbeit bekam ich einen geregelten Tagesablauf und fuehlte mich gar nicht mehr wie ein Fremder. Ich war zuhause!

Melbourne ist eine Stadt, die man gesehen haben muss - sollte ich das naechste Mal in Australien sein, werde ich in Melbourne landen.

Nach zwei Monaten harter Arbeit hatte ich genug Geld zusammen und beschloss, nun endlich richtig zu reisen.

Monat 4

Waehrend man in Deutschland eher die konservative Einstellung pflegt wie "Das moechte ich mal im Leben machen" oder "Das ist mir zu verrueckt" bucht man in Australien einfach und tut es am naechsten Tag. Hier ist alles soviel einfacher und billiger. Ein gutes Beispiel ist Tandemspringen - das bisher waghalsigste Erlebnis in meinem Leben. Ich habe es genossen, mein Limit ueberschritten zu haben. Ich habe den Adrenalinrausch des freien Falls erlebt und moechte ihn wieder erleben.

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Twelve Apostels

Dem Tandemsprung sollten noch viele weitere Aktivitaeten folgen. Dazu gehoeren: Klettern auf einen 60m hohen Baum, Abseilen vor- und rueckwaerts, Python um den Hals haengen, Schnorcheln im Korallenriff, Sandboarding, Schnorcheln mit dem groessten Fisch der Welt, dem Walhai...Die Liste wird waehrend der naechsten 2 Monate noch erheblich erweitert werden. So will ich Bungee Jumping unbedingt mal ausprobieren und meine Open-Water-Tauchlizenz hier machen. In Australien ist alles so billig und unvergleichbar mit anderen Orten auf der Welt.

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Great Ocean Road

Ich reiste von Melbourne den grossartigen Great Ocean Road hinunter bis nach Adelaide - der langweiligsten Stadt, die ich je gesehen habe. Adelaide erinnerte mich teilweise an Berlin, so europaeisch ist diese kleine Stadt, die sich Grossstadt nennt, aber nichts zu bieten hat.

Von Adelaide aus fuhr ich mit der Faehre zum Kangaroo Island, um das Leben auf einer australischen Schafsfarm kennenzulernen - und wurde dort Vegetarier. Ich moechte das Schreckenserlebnis auf Kangaroo Island nicht weiter ausfuehren, es genuegt, wenn ich schreibe, dass ich hier meine schlimmste Australien-Zeit hatte.

Zurueck in Adelaide buchte ich ein Zugticket nach Perth - endlich an die Westkueste. Die Zugfahrt mit dem Indian Pacific dauerte 2 volle Tage und war langweilig, da man nur Wueste sah.

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Das wunderschoene Perth

In Perth angekommen erkundete ich erstmal den Suedwesten mit seinen tollen Waeldern und Kuestenabschnitten und buchte eine Tour nach Exmouth quer durch den Zentralwesten.

Nun bin ich hier in Exmouth und haenge fest. Ein Traum von mir war es gewesen, mit dem Walhai zu schnorcheln - das tat ich auch, nur leider bekamen wir keinen Walhai zu sehen. Und so muss ich zwei volle Tage hier ausharren, um meinen freien zweiten Versuch in Angriff nehmen zu koennen. Ich hoffe, ich werde Glueck haben. Wenn nicht, auch nicht schlimm, das Catering auf den Schiffen ist so oder so exzellent!

Monat 5 und 6

Ja, ich habe noch viel vor. Bald geht es in den Norden und dann ins Outback. Den letzten Monat werde ich an der Ostkueste verbringen und meine letzte Woche in Sydney. An der Ostkueste erwartet mich unter anderem eine Segeltour.

Fazit

Jeder sollte mal nach Australien kommen. Das einzige Teure hier ist der Flug, der Rest ist spottbillig. Ich kann jedem, der Abitur gemacht hat, nur empfehlen, das Working Holiday Visa zu beantragen. Gleich zu studieren, ist nicht meine Sache, schliesslich will man nach 13 Jahren Schule eine Auszeit. Hier in Australien kann man mit dem Arbeitsvisum die besten Erlebnisse in seinem Leben sammeln. Man arbeitet und reist herum. So kann man sich seine Reise hier verdienen und ist nicht vom Geld der Eltern abhaengig. Eigentlich ein geniales Konzept, waeren da nur nicht die hohen Steuern.

Ich habe hier in Australien eine Freiheit, Unabhaengigkeit und vor allem Selbststaendigkeit kennengelernt, die ich nie mehr im Leben missen moechte. Das Australien-Erlebnis kann einem niemand nehmen und man hat nichts zu verlieren!

Ich kann - im Gegensatz zu vielen anderen - eine Anreise mit Organisation nur empfehlen. Die organisation kuemmert sich um die ersten Tage, die man hier in Australien verbringt. So hat man ein wenig Stuetze in der ersten Zeit und man ist nicht komplett verloren. Zudem hat man gleich zu Anfang Reiseleute, denen man sich anschliessen kann (aber nicht muss - es ist ja keine Klassefahrt). Nichtsdestotrotz kann man alles alleine organisieren. Es ist wirklich denkbar einfach und man spart Geld! Ich bin mit der Organisation "Travelworks" nach Australien gekommen. Die Website dazu finden Sie unter diesem Link.

Ausblick

Ich bin im Juli wieder zurueck und werde viele Verbesserungen am STVC vornehmen. Dazu gehoeren neue Community-Features und ein Kommentar-Artikel zur Absetzung von "Enterprise". Spaetestens jetzt sollten Sie unsere "Vergewaltigungs-Reihe" lesen und feststellen, dass nicht alles Unfug ist, was dort angefuehrt ist. Wir haben die Absetzung von "Enterprise" als erste kommen sehen.

Als Webmaster werde ich dem STVC allerdings nicht mehr dienen, dazu ist mir meine Zeit zu knapp geworden. Nichtsdestotrotz werden Sie wieder regelmaessiger von mir lesen und hoeren.

Alle Bilder unterliegen meinem Copyright. Mehr Bilder und Infos auf Anfrage.

Bis Juli!

Ihr Shen Li.

(sl); STVC-Meldung vom 03.05.2005; Quelle: STVC [1031 Aufrufe; 0 Kommentare]

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