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Nasa gibt grünes Licht für Rückflug

Die NASA teilte mit, dass ein Stück gerissener Isolierdecke unterhalb eines der Cockpit-Fenster keine Gefahr darstelle und das Shuttle am Montag problemlos landen könne. Ein Vertraulicher Bericht, den eine anonyme Quelle der New York Times zuspielte kritisiert Schlamperei.

"Wir haben gute Neuigkeiten", teilte Nasa-Astronautin Julie Payette von der Bodenstation der Besatzung mit. "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Abdeckung unterhalb der Luke sicher für eine Heimkehr ist." Somit ist keine weitere Reparatur am Äußeren des Shuttles Discovery nötig. Soichi, der japanische Raumfahrer an Bord des Shuttles regierte verhalten auf die Nachricht. "Das sind... na ja... ich würde sagen, gute Neuigkeiten."

Trümmerteile, die beim Start der Raumfähre offenbar vom Haupttank abgefallen waren, hatten einen Riss in einer Isolierdecke direkt unterhalb des Cockpitfensters verursacht. Die kissenähnlichen Isolierdecken schützen die Raumfähren an Stellen, die weniger stark hitzegefährdet sind als die Unterseite, die einen Kachelschild besitzt.

Nach ersten Untersuchung hatte die NASA eine erneute Reparatur im All nicht ausgeschlossen. Im Windkanal wurde von Aerodynamiker der US-Raumfahrtbehörde getestet, welchen Schaden ein vermutlich höchstens vier Gramm schweres Stück der Isolierung auslösen könnte, sollte es sich denn losreißen. Dass das fragliche Stück zu heiß werden könne, betrachtete die Nasa jedoch nicht als Gefahr, da es sich an der Oberseite der Raumfähre befindet.

Während einer ersten Reparatur im All hatte der US-Astronaut Steve Robinson am Mittwoch heraushängendes Fugen-Füllmaterial entfernt. Da die beiden Streifen an der Unterseite des Shuttles waren befürchteten NASA-Ingenieure, dass es beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zu einer punktuellen Überhitzung des Hitzeschildes kommen könne. Im Februar 2003 war das Space Shuttle Columbia wegen eines Defektes am Hitzeschild beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Damals verloren alle sieben Astronauten an Bord ihr Leben.

Für die Discovery gaben die NASA-Experten nach dem Test im Windkanal Entwarnung. Die Discovery hatte rund 13,5 Tonnen Lebensmittel und Ausrüstungsgegenstände zur Internationalen Raumstation ISS gebracht und wird rund elf Tonnen Abfall und alte Austrüstungsgegenstände zur Erde bringen. Am Freitag war auch das Lastenmodul Raffaello in dem Shuttle verstaut worden. Die sieben Astronauten der Discovery haben die Raumfähre am Samstag von der ISS abgekoppelt und bereiten sich nun auf den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre am frühen Montagmorgen vor.

Vertraulicher Bericht kritisiert Schlamperei

Jetzt wurde ein Bericht vom Dezember 2004 bekannt. Es werden die Sicherheitsmaßnahmen bei der Anbringung der Schaumstoffisolierung am Haupttank der Discovery hart kritisiert. Die Isolierschicht ist das zentrale Problem. Beim Start des Space Shuttles Columbia hatten heruntergefallene Stücke den Hitzeschild beschädigt. Diese Beschädigungen waren der Grund für das Verglühen der Raumfähre beim Wiedereintritt. 200 Millionen Dollar hatte die NASA investiert um die Tankisolierung zu verbessern - jedoch ohne den gewünschten Erfolg, wie es sich beim Start der Discovery vor einigen Tagen zeigte.

Die 'New York Times' erhielt aus anonymer Quelle einen Bericht, in dem der Raumfahrt-Sicherheitsexperte und langjährige Nasa-Mitarbeiter Conley Perry dem US-Luftfahrtkonzern Lockheed Martin Schlamperei vorwirft. In der Michoud Assembly Facility in New Orleans, wo die Außentanks der Space Shuttles montiert werden, sei die Qualitätskontrolle noch immer nicht ausreichend - obwohl die Einrichtung nach der "Columbia"-Katastrophe heftig kritisiert worden war.

Der Haupttank ist mit flüssigem Wasserstoff und Sauerstoff gefüllt und soll vor Vereisung geschützt werden. Dazu wird Schaumstoff per Hand aufgetragen. Der New York Times zufolge heißt es in Perrys Bericht, dass Lockheed Martin bei der Suche nach Fehlerquellen bei diesem wichtigen Arbeitsschritt "nicht sorgfältig gearbeitet" habe. Obwohl die NASA beteuerte, sich bei der Erhöhung der Sicherheit so viel Zeit wie nötig zu nehmen habe bei Lockheed Martin weiterhin der Zeitplan den Vorrang.

Auch nach zwei Jahren Arbeit bedeute das Schaumstoff-Problem noch immer eine Gefahr. "Diese Variable hätte hinreichend beseitigt werden können", betont Perry in dem Report. "Aber es gibt sie weiterhin." Lockheed Martin wies die Vorwürfe zurück. Man überlasse der NASA die Kommentierung von Details aus dem Bericht. "Aber Sicherheit und Qualität sind die treibenden Kräfte hinter unserer Arbeit am Außentank", sagte eine Sprecherin des Konzerns.

Dennoch ist es eine Fakt, dass beim Start der Discovery Schaumstoffteile vom Haupttank abgebrochen seien. Diese Teile sind so groß, dass sich die NASA gezwungen sieht, erneut alle Shuttle-Starts auszusetzen. Eines der Stücke war volle 83 Zentimeter lang und rund 400 Gramm schwer. Noch vor dem Start hatte die NASA damit gerechnet, dass nur noch Schaumstoffteile von höchstens einem Gramm Gewicht abfallen würden.

Die Besatzung hatte Glück, denn der große Brocken löste sich erst zwei Minuten nach dem Start, als der Shuttle bereits kurz vor der Umlaufbahn war. Dort war der Luftwiederstand bereits so gering, dass das Stück nicht mit voller Wucht die Fähre traf, sondern davonschwebte.

Der New York Times zufolge hat Perry seinen Bericht den Sicherheitsbeauftragten der NASA zugestellt. Der Ingenieur hat jahrzehntelang in der Raumfahrtbehörde gearbeitet. Schon 1967 war er an der Untersuchung des Feuers in einer Apollo-Kapsel beteiligt, bei dem drei Astronauten starben. 1993 ging er in den Ruhestand, wurde aber nach dem "Columbia"-Unglück reaktiviert und beobachtete für die Nasa die Qualitätssicherung in der Michoud-Fabrik.

(mb); STVC-Meldung vom 08.08.2005; Quelle: Spiegel-Online [1304 Aufrufe; 0 Kommentare]

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