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Warum 'Star Trek' enden muss(te)

"Enterprise" bedeutet das vorläufige Ende von 'Star Trek'. In der folgenden Kolumne erfahren Sie, was die Fehler von 'Enterprise' sind und wo der größere Zusammenhang liegt. Warum wurden überhaupt Fehler gemacht und warum waren diese sogar unvermeidlich? Warum musste es mit 'Star Trek' soweit kommen? Eine kurze, aber dennoch ausführliche Analyse des Ex-Chefredakteurs Shen Li - viel Spaß beim Lesen!

Vorwort

Sehr geehrte BesucherInnen,

beim Suchen im Internet zu einem ganz anderen Thema tauchte plötzlich eine der zahlreichen Forum-Seiten auf der Trefferliste auf, wo heiß über meine letzte Kolumne 'Warum Raumschiff Voyager keine Vergewaltigung von Star Trek ist' diskutiert wurde. Und plötzlich habe ich Lust bekommen, mir meinen umfangreichsten Artikel nochmals zu Gemüte zu führen. Auch ein Jahr später muss ich mich selbst loben: Der Artikel ist einfach genial und trifft Vieles auf den Punkt - vor allem stellt der Artikel viele Fehler von 'Star Trek' vor, die letzten Endes zu seinem Untergang führten. So ist dieser Artikel auch nach einem Jahr aktueller denn je zuvor. Diese Artikelreihe hat das Ende von 'Star Trek' bereits vor Jahren kommen sehen - das zeigt den Realismusgehalt! Es lohnt sich also durchaus, sich (nochmals) näher damit zu beschäftigen! Im Moment haben Sie jedenfalls viel Zeit - es gibt so gut wie keine neuen Informationen zu 'Star Trek'!

Damit eines klar ist: Diese folgende Kolumne hat nicht die Absicht, wieder eine Diskussion über die allseits beliebte 'Vergewaltigungs-Reihe' zu entflammen, vielmehr will sie nochmals verdeutlichen, warum es mit 'Star Trek' soweit kommen musste und was eventuell bei der nächsten Serie verbessert werden könnte. Dennoch, eine komplett neue Kolumne zu schreiben, wäre eine Wiederholung und daher veröffentliche ich einfach die folgende Passage aus 'Warum Raumschiff Voyager keine Vergewaltigung von Star Trek ist', die bereits den kompletten Inhalt meiner eigentlichen Kolumne 'Warum Star Trek enden muss(te)' enthält.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

[...]

Warum 'Star Trek' enden muss(te)

"Eine solch friedvolle Zukunft kann es wirklich geben", sagte man zu Zeiten von "Das nächste Jahrhundert".

"Eine solch friedvolle Zukunft kann es niemals geben, Krieg wird immer ein Teil der Menschheit bleiben", sagte man zu Zeiten von "Deep Space Nine".

"Erst mit Krieg wird Sciencefiction aufregend", sagt man zu Zeiten von "Enterprise".

Es ist erstaunlich, wie sehr sich das "Star Trek"-Universum in den letzten 20 Jahren zum Negativen hin gewandelt hat. Wie sehr sich die Qualität zum Negativen hin gewandelt hat. Wie sehr sich die Fans zum Negativen hin gewandelt haben.

Sicherlich entsteht eine gewisse Müdigkeit, wenn man soviele "Star Trek"-Episoden gesehen hat und es ist verständlich, dass man eine neue Richtung sehen will, die gänzlich anders ist als die vorherige. Sicherlich ist "Star Trek" sehr niveauvolles Fernsehen mit einer gewissen Bodenständigkeit. Ist es da ein Wunder, dass man bei jedem Bruch dieser Bodenständigkeit in Entzückung geraten kann, weil man etwas Rebellisches, Aufregendes und Frisches spürt?

Doch Entzückung ist gerade hierbei das Fatale, da man diese Entzückung mit Qualität verwechselt. Indem man alle Tabus bricht - alles, was "Star Trek" auszeichnet, ins Gegenteilige konvertiert; "Star Trek" der Bodenständigkeit entzieht - zeigt man, dass einem nichts mehr dazu einfällt, wie man die Stärken hätte ausbauen können. Man will daher alle Verrücktheiten mal ausprobieren, ohne Rücksicht auf Niveauverlust zu nehmen, nur um etwas Frische und Aufgewecktheit in eine starre Sache zu bringen. Muss man sich nicht selbst treu bleiben, muss man seiner Arbeit nicht eine gewisse Loyalität entgegenbringen? Was ist die Logik daran, etwas Neues zu tun, indem man das Alte ruiniert? Auf welchem Fundament soll das Neue beruhen?

Indem man fundamentlos durch den Weltraum irrt, begibt man sich auf das problematische Niveau der meisten Sciencefiction-Serien hinab: Sie sind zu verspielt, zu anspruchslos, zu ungeordnet. Die Serie dient lediglich als Spielweise für die pubertären Autoren, die sich nicht um tiefgründige Geschichten und sorgfältig ausgearbeitete Charaktere scheren, sondern eine durchgeknallte Idee nach der anderen zum Besten geben, sich dabei keineswegs um einen gewissen Anspruch bemühen - ihre Kindheitsbedürfnisse noch einmal ausleben wollen, ohne ein gewisses Erwachsensein zu zeigen. Je trashiger, je übertriebener, je anspruchsloser, desto besser wird es in der Sciencefiction-Gemeinde aufgenommen, was viel über den jungen Altersdurchschnitt in dieser Gemeinde aussagt.

Bestes Beispiel hierfür ist wohl das Finale der dritten "Enterprise"-Staffel, wo tatsächlich ein außerirdischer Nazi auftaucht. Diese blödsinnige Idee wird für allgemein gut und erfrischend befunden, weil sie eben so "verrückt" ist. Zu verrückt eben für "Star Trek" und daher automatisch gut. Aber wo ist die Qualität, Frische in etwas bringen zu wollen, indem man Blödsinniges zeigt? Es mag einen als Zuschauer überraschen und man spürt, dass da etwas ist, was niemals zuvor in "Star Trek" in dieser Form gezeigt wurde, aber gleichzeitig muss man sich auch fragen, warum es so gezeigt wird wie es gezeigt wird. Purer Provokationsversuch und Selbstbeweis - also einem Selbstzweck dienend - oder ein Zeichen für Genialität und Einfallsreichtum? Solange man der ersten Frage zustimmt, solange ist es das billigste Mittel, um die eigene Serie wieder aufzupeppen. Bei anderem Sciencefiction-Müll mag es zwar klappen, aber da "Star Trek" nun mal für anspruchsvolle Sciencefiction steht, ist die besagte Szene geradezu peinlich.

An diesem Nazi-Beispiel erkennt man auch sehr gut, dass "Star Trek" zu lange läuft und die Autoren einfach keine Lust mehr haben und daher diese Blödsinnigkeit als eine Art Befreiung sehen. Die Zuschauer schließt sich ihnen an. Das ist insofern traurig, als dass es zeigt, dass das Konzept von "Star Trek", das praktisch unendlich viele Geschichten erlaubt, sich dennoch totläuft, weil man nicht imstande ist, es zu renovieren, OHNE es zuerst zerstören zu müssen. Das zeigt, dass "Star Trek" definitiv neue Kreativführung braucht bzw. eine Kreativpause einlegen sollte.

Doch auch bei "Deep Space Nine" war es nicht anders. Man denke nur an die Folge "Die Belagerung von AR-558". Nur weil man "Star Trek"-Optimismus satt ist, zeigt man eine Folge, in der sich alle abschlachten. Eine pubertäre Rebellion, die nur dazu da ist, um zu provozieren, jedoch nicht, um das eigene Erwachsensein zu verdeutlichen.

Man bringt auf diese Weise etwas Frische in das "Star Trek"-Universum, keine Frage. Doch senkt man zugleich auch das Niveau. Sobald einem also nichts mehr einfällt und man einer Sache überdrüssig ist, schlägt man solange auf diese Sache ein, bis es in Tausende Teile zerspringt und das, obwohl man diese Sache weiter ausbauen möchte. Wo ist da die Logik? Wo wird da eine Qualitätssteigerung erzielt?

Man sollte also immer kritisch blicken und sich nicht von der angeblichen Frische blenden lassen. Man darf "Star Trek" nicht verbessern, indem man es zum Durchschnitt degradiert. Man muss seine Stärken ausbauen und Wege finden, "Star Trek"-Geschichten neu zu erzählen, ohne sich dabei aber den typischen Sciencefiction-Mainstream-Elementen wie Krieg bedienen zu müssen! Das ist der große Kunstgriff, den man seit dem Ende von "Raumschiff Voyager" nicht hinbekommen hat und der in "Deep Space Nine" fehlgeschlagen war.

Leider ist es auch so, dass "Star Trek" es versäumt hat, wieder etwas Eigenständiges zu produzieren. Daher wiegt man sich auf die sichere Seite der Mainstream-Elemente. Bei "Deep Space Nine" nahm dies zwar ihren Anfang, war aber nur halb so schlimm wie bei "Enterprise", da "Deep Space Nine" noch unter großem Einfluss von "Das nächste Jahrhundert" und "Raumschiff Voyager" - beides hochwertige Qualitätsschwesterserien - stand. Bei "Enterprise" erlaubt aber allein die Prämisse die Einbindung von mehr Mainstream-Elementen und so wird der Geist der Forschung endgültig aufgegeben und stattdessen vom Unheil des Kriegs verdrängt. Faszination wird kleingeschrieben, Adrenalin umso größer. Sciencefiction wird zu Warfiction. "Star Trek" zu Durchschnitt. Aus Anspruchssciencefiction wird Trivialsciencefiction. Und das alles für den Preis der angeblichen Frische!

Es ist wie ein Teufelskreis: Weil sich die Sciencefiction ausschließlich darauf reduziert, findet sie keine erwachseneren Zuschauer und damit automatisch darauf zugeschnittene, niveauvollere Drehbücher. Und weil die Sciencefiction keine erwachsenen Zuschauer findet und eben Action-Knaben bedienen muss, bleibt sie bei diesen Spielthemen wie Krieg. Daher gibt es soviel Sciencefiction-Schrott.

Es ist im Moment nicht mehr die Frage, ob es "Star Trek" gibt, sondern vielmehr die Frage, in was sich "Star Trek" verwandelt (hat)!

Doch wir sollten optimistisch sein und hoffen, dass Autoren und Fans der Kriegs-Phase bald überdrüssig werden und die nächste "Erfrischungs-Phase" sich wieder wichtigeren, menschlicheren Themen widmet!

Ein Anfang wurde gemacht: 'Enterprise' wurde zum Glück beendet. Und eine wichtige Voraussetzung wurde ebenfalls erfüllt: Der 'Deep Space Nine'-Kriegsmarsch hat nicht für höhere Quoten gesorgt. Auch der actionlastige 'Star Trek Nemesis'-Film floppte!

Deutlicher konnte nicht gezeigt werden, wie sehr man sich lieber auf die alten 'Star Trek'-Ideale zurückbesinnen sollte! 'Star Trek' ist eben keine Trivialsciencefiction, wo berichtet wird über einen Krieg zwischen Gegner A und B, und dann einen Nebenkrieg zwischen Gegner C und D und wenn dies nicht ausreicht, eine Intrige zwischen A und C, die dann zum Krieg zwischen D und E führt. Gutes 'Star Trek' handelte schon immer von wichtigen Themen: den Menschen.

Hoffnung auf besseres "Star Trek", ja, Hoffnung auf bessere Sciencefiction sollte man als "Star Trek"-Fan niemals aufgeben!

[...]

Weiterführende Links

Dies ist nur ein winziger Auszug aus dem Artikel 'Warum Raumschiff Voyager keine Vergewaltigung von Star Trek ist'. Wenn Sie mehr über den schlechten Einfluss von 'Deep Space Nine' und 'Enterprise' sowie mehr zu dem traurigen Schicksal von 'Raumschiff Voyager' lesen möchten, folgen Sie bitte einfach diesem Link. Zum Nachdenken anregender Lesestoff für Tage ist garantiert!

(sl); STVC-Meldung vom 18.08.2005; Quelle: STVC [1242 Aufrufe; 0 Kommentare]

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