Das Sciencefiction-Genre steckt momentan in einer Krise. Qualitativ hochwertige Produktionen sind absolute Mangelware. Umso überraschender daher der Film 'Code 46', welcher mit minimalistischen Mitteln eine fesselnde Liebesgeschichte in einer von Genetik bestimmten Zukunft erzählt und ausnahmsweise nicht mit protzigen Effekten und ausufernder Action für Unterhaltung sorgt. Ein echter Geheimtipp für alle anspruchsvollen Sciencefiction-Fans!
Inhalt:
In einer nahen Zukunft lebt die Menschheit in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der man nur durch sogenannte 'Papelles' - spezielle Reiseversicherungs-Visa - von einem Ort zum anderen reisen kann. Agent William Geld reist nach Shanghai, um in einem Betrugsfall zu ermitteln und enttarnt dank eines Empathie-Virus' schnell die Täterin: Maria Gonzales. Diese verrät er jedoch nicht, denn er hat sich unsterblich in sie verliebt und fühlt sich zu ihr auf eine geheimnisvolle Art und Weise hingezogen...
Kritik:
'Code 46' ist einer der Filme, die rein inhaltlich betrachtet zum Vergessen sind. Hauchdünn kommt eine Story über Genetik und Liebe daher und bedient sich etlicher abgedroscher Sciencefiction-Klischees. Doch was 'Code 46' dennoch zu einem unvergesslichen Kinoerlebnis macht, ist die Umsetzung. Selten zuvor fühlte man sich auf so realistische Art und Weise in eine nahe Zukunft versetzt. Die kühle futuristische Optik braucht keine umwerfenden Specialeffects, sondern bedient sich bestehender, extravaganter Architektur wirklich existierender Metropolen. Die trance-artige Musik ist einer der besten Soundtracks der letzten Zeit und unterstützt das intensive Kinoerlebnis nachhaltig.
Großartig sind auch die Darsteller, allen voran Samantha Morton. Ihr faszinierendes Gesicht manifestiert sich in den Köpfen der Zuschauer. Das minimalistische Schauspiel der Protagonisten unterstützt nur das kühle Flair des Filmes und intensiviert zugleich Augenblicke ihrer Intimität. Durch die ausschließliche Fixierung auf die Charaktere verzettelt sich der Film außerdem nie - die rührende Liebesgeschichte, welche ein ungeheures Tabu bricht, funktioniert eben deshalb so prächtig.
'Code 46' ist ein dystopisches 'Lost In Translation'. Der Film handelt ebenfalls um Einsamkeit und Verlorensein in der Gesellschaft. Um Finden und Gefundenwerden. Um eine tragische Liebe, die keine Zukunft hat. Es ist ein Film, der den Zuschauer aufs Tiefste berührt und sie die lächerliche Story vergessen lässt. Der Film enthält trotz oder wegen des Sciencefiction-Hintergrunds eine simple Aussage, nämlich die, dass der Mensch, solange dessen Bedürfnisse kontrolliert oder gar unterdrückt werden, niemals glücklich werden kann. Der Film macht aber gleichzeitig Hoffnung und zeigt, dass die Liebe - das, was uns alle verbindet - letzten Endes obsiegt.
'Code 46' ist also viel weniger ein Sciencefiction-Film im eigentlichen Sinne, sondern eine gelungene Liebesgeschichte, welche eine düstere Zukunftsvision dazu benutzt, um seine fesselnde Romanze zu entfalten und zu verstärken. Es gibt etliche Momente, die so schön und intensiv sind, dass man für immer darin schwelgen möchte. Einer dieser Momente ist die fabelhafte Tanzsszene in einem Club. Selten war Kino so intensiv gewesen.
Fazit:
'Code 46' ist ein großartig besetzter und gefilmter Sciencefiction-Streifen mit geradezu magischen Momenten der Leidenschaft. Ein Geheimtipp nicht unbedingt für Sciencefiction-Action-Fans, aber umso mehr für solche mit anspruchsvollerem Geschmack.
Tipp:
Der Soundtrack zu 'Code 46' ist erstklassig und ist für jeden, der den Film gesehen und schätzen gelernt hat, ein Muss! Unter diesem Link können Sie den Soundtrack kaufen.
Den Film können Sie unter diesem Link auf DVD kaufen oder ausleihen.
(sl); STVC-Meldung vom 19.01.2006; Quelle: STVC
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