Diese Woche werden auf ProSieben die derzeit beliebtesten US-Serien, "Lost" und "Desperate Housewives" fortgesetzt. Aber auch "Grey's Anatomy" startet in die zweite Staffel. Zudem erscheint die grandiose fünfte Staffel der phänomenalen Serie "Six Feet Under" auf DVD. Wir haben für Sie alle TV-Highlights der aktuellen Prämierenwoche zusammengefasst und bewertet.
Sommerpause ade
Die Sommerpause ist vorbei, endlich wird das Fernsehen wieder spannend. Diese Woche starten zwei der zur Zeit angesagtesten US-Serien: "Desperate Housewives" und vor allem "Lost". Letztere beweist, dass Serien, die auf dem Kontinuitätskonzept beruhen, durchaus hochwertig sein können und nicht langatmig wirken müssen; dass sie die Zuschauer nicht ewig auf die "große Auflösung" warten lassen müssen, was durch künstliches Langstrecken eines meist leeren Konzepts erreicht wird.
Kein Wunder, dass "Surface" abgesetzt wurde
"Surface" ist solch ein Beispiel, wie misslungen eine Kontinuitätsserie sein kann, wie sehr eine solche Serie dem Zuschauer auf die Nerven gehen kann, wenn sie durch gekünstelte Wendungen und völlig unglaubwürdige Charakterentwicklungen auf billigste Art und Weise versuchen die Natur einer Kontinuitätsserie dazu zu benutzen, den Zuschauer Woche für Woche an den Bildschirm zu locken. Bei Serien wie "Surface" erkennt man all die fatalen Nachteile einer Konituitätsserie und wünscht sich das gute alte Einzelepisodenkonzept a la "Raumschiff Voyager" zurück: Die Autoren sind gezwungen, sich jede Woche etwas völlig Neues, Unerwartetes auszudenken und behandeln nicht nur eine fortlaufende und alles an Kreativität erstickende Prämisse, die mit reichlich langatmigen Füllepisoden vollgestopft wird, so dass die Zahl gelungener Episoden an einer Hand abzuzählen sind. Kein Wunder, dass "Surface" abgesetzt wurde.
"Lost" - Juwelenstück der Fernsehlandschaft
Das Kontinuitätskonzept kann glücken, wenn es zum Inhalt der Serie passt sowie bei "Lost", wo Überlebende eines Flugzeugabsturzes auf einer einsamen Insel gefangen sind und einen Weg in die Zivilisation zurückfinden müssen. Hier kann man nicht anders als auf Kontinuität zurückzugreifen, um die Chronologie des Überlebenskampfs einzufangen. Darum funktioniert die Serie prächtig und verliert auch in ihrer zweiten Staffel nicht an Frische. Wie die Ereignisse des ersten Jahres weitergesponnen werden, ist schlicht weg grandios und an vielen Stellen atemberaubend spannend. Hier wird das Potenzial vollends ausgeschöpft. Auf das dritte Produktionsjahr kann man daher mehr als gespannt sein. Die zweite Staffel startet am Montag (11. September 2006) um 20:15 Uhr auf ProSieben mit einer Doppelfolge, wo das Geheimnis um die geheimnisvolle Luke gelüftet wird. Exzellente Schauspieler, eine gekonnte Regie und Produktion auf dem höchsten Niveau zeichnen des Juwelenstück der Fernsehlandschaft auch in der zweiten Staffel aus.
"Desperate Housewives" - eine Kopie der ersten Staffel
Wo das Kontinuitätskonzept bei "Lost" also weiterhin prächtig funktioniert, zeigt es - nicht überraschend - Ermüdungserscheinungen bei "Desperate Housewives". Die Serie ist in ihrer zweiten Staffel schlicht zu voraussehbar geworden und die Konflikte wirken, nein sie sind eine Kopie der ersten Staffel. Doch das brillante und mit viel Freude agierende Schauspielensemble lassen Langeweile wenn nur aufkeimen, niemals aber erblühen. Allein dem Ensemble ist es zu verdanken, dass die Serie einen Grundunterhaltungswert hat, von dem andere Serien nur träumen können. Es wird interessant, welchen Kurs "Desperate Housewives" in Zukunft einschlagen wird. Die zweite Staffel startet am Dienstag (12. September 2006) um 20:15 Uhr ebenfalls auf Prosieben und ebenfalls mit einer Doppelfolge.
TV-Tipp: "Grey's Anatomy"
Der TV-Tipp der Woche geht an "Grey's Anatomy" - die neue frische und überraschend unterhaltende neue Ärzteserie. Ab Dienstag (12. September 2006) um 22:15 Uhr startet die zweite Staffel. "Grey's Anatomy" fügt dem Ärzteserien-Genre zwar nichts wirklich Bahnbrechendes hinzu, doch hat die Serie auch nicht diesen Anspruch, sondern konzentriert sich mit einer erstaunlichen Leichtigkeit auf ihre sehr sympathischen Charaktere, die zudem herausragend besetzt sind. Damit hat die Serie einen umwerfenden Erfolg und damit begründet sich auch ihr Charme - der Erfolgsfaktor einer jeden Erfolgsserie. Die Serie ist in den USA längst zum Kult avanciert und man wünscht ihr in dem jetzigen Zustand noch eine lange Lebenszeit ohne jegliche Krankheiten.
"Six Feet Under" - ein monumentales Kunstmeisterwerk
Doch all die aufgezählten Serien sind nichts, aber auch gar nichts im Vergleich zu der besten TV-Serie aller Zeiten: "Six Feet Under". Diese Serie ist keine TV-Serie, sie ist schlicht und ergreifend ein monumentales Kunstmeisterwerk. Wie im Rahmen einer Bestattungsfamilie mit Themen wie Leben, Liebe, (Homo-)Sexualität, Einsamkeit und Tod umgegangen wird, erübrigt sich jeder Lobesrede. Die Dialoge sind geschliffen und von literarischer Qualität, die Schauspieler agieren wie man es von perfekten Schauspielern erwartet und die Produktion übertrifft sogar die so mancher Kinofilme. Es ist der ungeheure Realismus der Serie; brillant in Szene gesetzte Geschichten, die jeden Kitsch umgehen und wie keine andere Serie die Zuschauer treffsicher zum Nachdenken anregen. Es ist eine Serie, die in ihrer Tragik manchmal so erschütternd wie das Leben ist und dieses folglich meisterhaft wiederspiegelt.
Welch ein Jammer, dass der Erfinder der Serie, der großartige Alan Ball, sein Meisterwerk nach fünf Staffeln beendet hat, weil ihm "die Ideen ausgegangen" sind - solch eine Verantwortung empfindet er für die Serie, dass er diese nicht auf Teufel komm heraus hinausziehen will, wie es manch andere Produzenten tun. Man sieht hier aber auch sehr schön den kreativen Spielraum des Bezahlsenders HBO, der aufgrund seines Abonnement-Geschäftssystems nicht dem Quotendruck unterliegt und bei Serien auf höchste Qualität achtet. Eben auf solch einem Sender kann eine Serie wie "Six Feet Under" entstehen und gedeihen.
Die fünfte Staffel fährt dann das volle Programm abermals auf und steigert das Serienniveau ins bisher Unbekannte. Die Serie entfaltet ihr volles Potenzial gänzlich und in einem kreativen Opferungsakt endet "Six Feet Under" mit der wohl tragischsten TV-Episode der TV-Geschichte. Jeder Fan, der die Serie auch nur sporadisch verfolgt hat, wird hier zu Tränen gerührt. Die finale Episode "Everything Ends" zeigt aber leider auch auf, dass so bald keine so bewegende Serie wie "Six Feet Under" mehr kommt. Das Ende von "Six Feet Under" ist definitiv der größte Verlust für die TV-Landschaft in jüngerer Zeit, eine Landschaft, die sich aber mutiger und innovativer denn je gibt, was zu hoffen lässt, dass irgendwann wieder ein absoluter TV-Schatz wie "Six Feet Under" die heimischen Bildschirme erblickt.
Während sich VOX noch Zeit lässt mit der Ausstrahlung der fünften und letzten Staffel, erscheint die komplette Staffel-DVD-Box am Freitag (15. September 2006) auf "Amazon.de" unter diesem Link.
(sl); STVC-Meldung vom 10.09.2006; Quelle: STVC
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