Sensationsfund mit Hilfe des "Hubble"-Teleskops: In Milliarden Lichtjahren Entfernung haben Astronomen einen gewaltigen Ring aus Dunkler Materie entdeckt - jener geheimnisvollen Substanz, die das Universum vermutlich im Innersten zusammenhält.
James Jee von der Johns Hopkins University war zunächst alles andere als begeistert: "Ich war genervt, als ich den Ring sah", gibt der Astronom zu Protokoll. "Ich dachte, er sei ein Artefakt, was bedeutet hätte, dass wir in unserer Datenverarbeitung einen Fehler haben." Er habe nicht an sein eigenes Forschungsergebnis glauben können. "Aber je mehr ich mich bemühte, den Ring loszuwerden, desto deutlicher wurde er. Es hat mehr als ein Jahr gedauert, bis ich mich selbst überzeugt hatte, dass der Ring wirklich da ist." Er habe so etwas "noch nie gesehen", sagt Jee.
Für die Astronomen dieser Welt könnte das, was Jee und seine Kollegen der Welt am Dienstagabend europäischer Zeit präsentierten, einen lang erwarteten Durchbruch darstellen: Mit dem Weltraumteleskop "Hubble" hat das internationale Team in einem fünf Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxienhaufen einen Ring Dunkler Materie entdeckt. Diese außergewöhnliche Materieform lässt sich nur indirekt beobachten, denn sie sendet kein sichtbares Licht oder sonstige elektromagnetische Strahlung aus. Was Dunkle Materie eigentlich ist, weiß noch niemand. Wissenschaftler vermuten, dass es sich um besondere Elementarteilchen handelt, die bisher nicht direkt nachgewiesen werden konnten, aber überall im Weltraum vorhanden sind.
Der Ring mit einem Durchmesser von 2,6 Millionen Lichtjahren entstand bei dem gewaltigen Zusammenstoß zweier Galaxienhaufen und weist eine wellenartige Struktur auf - wie ein Teich, in den ein Stein gefallen ist.
Dadurch dass die Dunkle Materie dort so weit von anderen Objekten entfernt ist, könne man nun genauere Beobachtungen über die Eigenschaften der Substanz machen. Durch den Verlauf nach der Galaxien-Kollision könne man zum Beispiel erkennen, wie Dunkle Materie auf Gravitation reagiert. Jees Kollege Holland Ford freut sich: "Die Natur macht ein Experiment für uns, das wir nicht im Labor machen können."
(tk); STVC-Meldung vom 22.05.2007; Quelle: Spiegel Online
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