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Droht Städten weltweit die Bevölkerungskatastrophe?

Irgendwann im Jahre 2008 wird die Menschheit den Übergang von einer ländlichen zu einer städtischen Spezies schaffen. Das bedeutet, mehr als die Hälfte der weltweiten Bevölkerung wird in Städten leben. Da die meisten Länder nicht im Entferntesten auf diese Entwicklung eingestellt sind, droht eine Bevölkerungskatastrophe.

Die Geschwindigkeit und das Ausmaß, in dem sich die Landflucht vollzieht, sind in der gesamten menschlichen Geschichte beispiellos. Innerhalb einer Generation werden bereits 60% der Weltbevölkerung in Städten leben, in Zahlen: 5 Billionen Menschen. Damit kippt ein Gleichgewicht, das zuvor Jahrtausende gehalten hat.

Allen voran in dieser Entwicklung stehen Afrika und Asien: Es wird erwartet, dass sich die Stadtpopulation dieser Länder im genannten Zeitraum verdoppelt. Schon jetzt wächst die Zahl der Menschen in den Städten wöchentlich um eine Million. Geschätzte Werte für Afrikanische Städte um 2030 belaufen sich auf einen Zuwachs von 440 Millionen, für Lateinamerika und die Karibik erwartet man etwa 200 Millionen. Asien soll seine Stadtbevölkerung angeblich sogar nahezu verdoppeln, auf insgesamt 2,6 Billionen.

Viele Städte, besonders in Entwicklungsländern, kämpfen jetzt schon gegen dringende Probleme, beispielsweise Kriminalität, Trinkwassermangel, fehlende Kanalisation und sich ausbreitende Slums. Aber all diese Probleme verblassen angesichts derer, die sich aus dem fortschreitenden Wachstum ergeben könnten. Falls diese Veränderungen nicht eingeplant werden, wird die Situation in einer Katastrophe enden, da sie zu schnell passieren werden, als dass man einfach darauf reagieren könnte.

Auch Klima und Städte haben erheblichen Einfluss auf einander. Der Klimawechsel wird beispielsweise den Energiebedarf für Klimaanlagen erhöhen, was wiederum zu den schädlichen Treibhausgasen beiträgt. Manche Städte könnten sogar unbewohnbar werden wenn die zusätzliche Erwärmung zu dem so genannten "Hitzeinsel"-Phänomen beiträgt, durch das die Temperatur in den Städten um nochmals 2-6C erhöht wird. Außerdem beeinträchtigen Hitze, Verschmutzung, Smog und bodennahes Ozon die umliegenden Gegenden. Ernteerträge sinken, Gesundheitsrisiken steigen und Unwetter und Tornados treten vermehrt auf. Besonders dramatisch werden jedoch die Auswirkungen auf die Wasserversorgung eingeschätzt.

Allerdings kann Urbanisation auch positive Aspekte haben. Im industriellen Zeitalter konnte ohne sie kein Land nennenswertes wirtschaftliches Wachstum erzielen. Zwar konzentriert sich in den Städten die Armut mehr als auf dem Land, jedoch liegen dort auch die Hoffnungen der Armen auf ein besseres Leben. Zudem ist dort der Zugang zu ärztlicher Versorgung und Bildung wesentlich besser.

Was jetzt gerade stattfindet, kann durchaus die zweite große Welle globaler Urbanisation genannt werden. Während der ersten Welle, die um das achtzehnte Jahrhundert herum stattfand, wurden viele Modelle entwickelt, mit denen man dem rapiden Wachstum Herr werden wollte. Eines davon, die Gartenstadt, wurde in vielen Städten, auch in Deutschland, umgesetzt.

(ms); STVC-Meldung vom 04.07.2007; Quelle: The Guardian [1160 Aufrufe; 4 Kommentare]

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