Eines der zahlreichen Events hier im STVC: Wir stellten unseren Usern die Aufgabe eine Kurzgeschichte zu verfassen, welche 5 Schlagwörter beinhalten mußte. Die Community hat gewählt, wir präsentieren Ihnen nun die Gewinner!
Platz 1: Benjamin_Sisko mit...
Exodus
Nun bin ich hier alleine. Der letzte meiner Art. Ein Soldat des letzten großen Krieges. Ich wandle einsam über einen sterbenden Planeten. Einen Planeten, den wir selbst getötet haben. Wo früher noch mit Pfingstrosen bedeckte Wiesen gediehen, erstreckt sich heute eine endlos kahle und trockene Wüste vor meinen Augen. Überall wo früher die mit Menschen überfüllten Metropolen waren, liegen heute verwesende ihre Leichen in den Ruinen. Niemand ist mehr da, um sie begraben. Nur der Wind bedeckt sie sanft mit dem Sand der Wüste. Der Wind, die letzten Atemzüge des Planeten.
Dabei warst Du doch wie eine Mutter zu uns. Du hast unsere ersten Schritte beobachtet, als wir diese Welt betraten. Du hast gesehen, wie wir uns immer weiter entwickelt haben und uns vor jeglichen Gefahren beschützt. Deine Atmosphäre schützte uns vor den Gefahren des Weltalls und gab uns die Luft zum Atmen. Du stelltest uns Medizin bereit, damit wir unsere Krankheiten heilen konnten. Du gabst uns alles, damit wir uns zu einer großartigen Kultur entwickeln konnten.
Ich wandle geradewegs auf die Ruinen einer riesigen Metropole zu, die einstmals Millionen von Menschen beherbergte. Meine Augen brennen von dem ständigem Sand, der sich seit dem Ende des Krieges in der Luft befindet. Orientierungslos irre ich umher. Der Sand gestattet es mir nicht mein Ziel selbst zu wählen. Alles was sich mehr als zehn Meter entfernt, kann ich nur als verschwommene Schemen erkennen. Die Reste der Ruinen sehen für mich wie riesige Monster aus, die nur darauf warten, dass ich ihnen in die Arme laufe, damit sie mich verspeisen können. Doch ich habe keine Angst vor ihnen. Zum Weglaufen ist es nun zu spät. Im Gegenteil, ich laufe sogar auf sie zu, weil ich von ihnen gefressen werden möchte. Denn nur dann bin sicher vor dem gewaltigen Zorn einer Mutter, die ihre Kinder verstoßen hat.
Dabei gabst uns doch so vieles, ohne viel dafür zu verlangen. Dein Land war groß und reich an Nahrung und Wasser. Genug, damit all Deine Söhne und Töchter ohne Sorgen aufwachsen konnten. Doch wir waren habgierig und voller Neid gegenüber unseren Geschwistern. Wir wollten immer mehr, der Stärkste unter Deinen Kindern sein, Macht über die anderen haben. Wir begannen uns zu hassen. Wir bekriegten uns. Während die einen immer reicher und mächtiger wurden, kämpften die Anderen mit Hunger und Armut. Immer mehr wurden sie zum Vergnügen und zur Bereicherung der Starken ausgenutzt. Doch Du hast dabei nur zugeschaut, in der Hoffnung, dass sich nur um einen kleinen Streit unter Geschwistern handeln würde, der sich von alleine wieder auflösen würde. Warum hast Du nie ein Machtwort gesprochen? Wo warst Du? Oder fühlten wir uns schon so erwachsen, dass wir glaubten, nicht mehr auf Dich hörten zu müssen?
Mit allerletzter Kraft erreiche die Fassade eines alten Gebäudes. Der Sturm wird immer stärker. Es fällt mir schwer zu atmen. Meine Augen sind nun geschlossen. Ich bin müde. Meinen Weg kann ich nur noch ertasten. Die Wand ist glatt. Der sandige Wind hat dafür gesorgt. Gefühlte Stunden taste ich an der Wand entlang. Meine Kraft lässt nach. Ich kann mich kaum mehr auf meinen Beinen halten. Sie geben nach. Ich stürze. Geradewegs der Wand entgegen. Doch die Wand gibt nach. Was ist passiert? Ich kann plötzlich wieder freier atmen. Der Sand ist kaum noch zu spüren. Bin ich vielleicht tot? An Schwäche zusammengebrochen und gestorben? Ganz vorsichtig öffne ich meine Augen. Ich sehe Wände, Regale, eine Decke und eine Tür, durch die ich gefallen bin. Hinter mir tobt der Sturm und versucht mich wieder einzufangen. Mit letzter Kraft krieche weiter in den vor mir liegenden Raum hinein und verschließe die Tür, damit er mich nicht mehr finden kann. Hier bin ich fürs erste sicher, bis der Sturm sich gelegt. Aber was dann? Was soll ich dann tun?
Wir wussten es nicht. Woher sollten wir auch wissen, dass wir uns selbst töten, wenn wir Dich töten. Mit jedem Krieg, jedem gerodeten Wald, jedem Stück Müll, das wir unachtsam wegwarfen kamen wir unserem eigenen Schicksal einen Schritt näher. Erst als wir den Ereignishorizont schon lange überschritten hatten, merkten wir, was wir angerichtet hatten. Dabei sandtest Du uns genügend Anzeichen, dass etwas mit Dir nicht mehr stimmte. Du überschwemmtest unsere Küsten, während anderenorts die Gewässer unter der enormen Hitze austrockneten. Deine Winde zerstörten unser Zuhause. Deine Atmosphäre war vergiftet, Dein Regen zerstörten unsere Ernten und ließ auch uns krank werden. Aber anstatt dass wir alle gemeinsam versuchten, das Unmögliche zu schaffen, um doch noch aus diesem schwarzen Loch zu entkommen, fielen wir übereinander her wie die Barbaren. Wie immer in unserer Geschichte suchten wir die Lösung in der Konfrontation als in der Vernunft.
Ich versuche mir einen Überblick von meiner Umgebung zu machen. Überall stehen Regale, in denen Bücher und Zeitschriften aller Art angeboten wurden. Bücher und Zeitschriften, die das Wissen und die Kunst mehrerer tausend vergangener Zivilisationen enthielten. Viele aber auch, die nur zu unser Unterhaltung fungierten, indem über das Leben anderer Menschen berichteten, die täglich auf Schritt und Tritt verfolgt wurden. Am hinteren Ende des Gebäudes wartet bereits der Besitzer hinter der Theke des Ladens. Ruhig sitzt er da und beobachtet mich. Mit weit aufgerissen Augen. In seinem Kopf und in seiner Brust befinden sich mehrere Einschusslöcher. Seinem Geruch und Aussehen nach zu urteilen, hält er hier bestimmt schon mehrere Monate Wache. Seine Kasse steht offen. Geplündert. Vor ihm liegt ein aufgeschlagenes „Flash Gordon“ Comic-Heft. Einer dieser irrealen Superhelden, wie Superman, Batman oder Spiderman, die einem Tag alleine die ganze Welt retten. Ohne auch nur ins Schwitzen zu geraten, brachten sie die Erde wieder ins Gleichgewicht und vertrieben ihre Peiniger. Viele Menschen verehrten sie.
Superhelden gab es noch vor einigen Jahren genug. Millionen von ihnen gab es, die täglich unter Einsatz ihres Lebens alles bewerkstelligten, um unserer Mutter zu helfen. Sie versuchten jeden Tag unter ständiger Angst zwischen ihren Geschwistern zu schlichten. Sie gingen dahin, wo jedem einzelnen von uns der Mut der fehlte, in der festen Hoffnung, dass sich die Rivalen wieder mit sich selbst und ihrer Mutter vertrügen. Andere wiederum versuchten, unsere Mutter wieder gesund pflegen, indem sie uns vor den drohenden Gefahren warnten, wenn wir weiter nicht auf sie hörten. In den Comics rettete ein Held die Welt vor Millionen Bösewichten. In der realen Welt genügte ein Bösewicht, um die Arbeit von Millionen Superhelden zu Nichte zu machen. So war dies auch an dem Tage, an dem wir erkannten, dass wir unsere Mutter und damit unsere Zivilisation, wie wir sie bisher kannten zum Tode verurteilt hatten. Unsere Superhelden zeigten uns noch ein letzten Ausweg, wie wir wieder ganz von Vorne hätten beginnen können. Es war der einzige Weg, der unser aller überleben hätte sichern können, der daran aber scheiterte, dass ein paar Bösewichter an ihrer Macht festhielten. Sie waren nicht dazu bereit, ihren Wohlstand aufzugeben und ihn mit ihren schwächeren Geschwistern zu teilen. Sie waren nicht dazu bereit, ihre technologischen Errungenschaften aufzugeben, die unsere Mutter so verletzten. Es war der Tag, an dem auf dieser Welt der letzte große Krieg ausbrach. Der Tag, an dem wir alle zu Soldaten und Mördern wurden.
Mittlerweile hat sich der Sturm da draußen wieder gelegt. Es ist Nacht geworden. Am Himmel sind nun wieder die Sterne zu sehen. Wunderschön. Es ist lange her, seit ich sie das letzte Mal gesehen habe. Am Horizont bildet sich ins seiner ganzen Pracht ein Polarlicht. Es weißt mir den Weg zu meiner letzten großen Mission. Zu dem Ort, wo alles begann. Der Ort, an dem alles nochmals neu beginnen wird. Er hat mich zu sich gerufen und ich folge ihm blind. Seine Stimme begleitet mich nun schon seit Tagen. Oder bilde ich mir das alles nur ein? Plagt mich etwa nur mein Gewissen? Bin ich schuldig an all diesen Morden? Ich habe doch nur die Befehle meiner Vorgesetzten ausgeführt. Aber macht es das leichter? Wie fühlten sich wohl die Piloten der Frecce Tricolori, die nur nach Befehlen handelten, obwohl sie sich der Gefahr eindeutig bewusst waren? Gingen sie abends mit einem reinen Gewissen nach Hause zu ihren Familien, in dem Wissen, dass sie für den Tod von 67 Zuschauern und 3 ihrer Kameraden nicht schuldig waren, da sie nur die Anweisungen ihrer Vorgesetzten befolgten? Oder hätten sie es verhindern können, wenn sie den Mut aufgebracht hätten sich ihnen zu widersetzen. Warum taten sie es nicht? Warum taten wir es nicht? Warum ziehen immer die Unschuldigen in den Krieg und nie die Menschen, die ihn anderen Menschen erklären? Denn dann gäbe es keine Kriege.
Der Krieg war schrecklich und erbarmungslos. Wir zogen von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf. Wir plünderten von den Schwachen, damit wir unseren Wohlstand vergrößern konnten. Wir ermordeten jeden, damit wir unser Diebesgut nicht mehr mit anderen teilen mussten, damit wir mehr Wasser und Nahrung für uns hatten. Wir entledigten uns unseren schwächeren Geschwistern, wie mit alten Kleidungsstücken, die wenn man sie nicht mehr brauchte einfach auf den Müll warf. Ganze Landstriche wurden entvölkert, bis es die Schwachen nicht mehr gab. Dann griffen sich die Starken gegenseitig an. Doch die Zeit, die uns noch blieb war zu knapp und die Aufwände für einen konventionellen Krieg waren zu hoch. Es musste alles ganz schnell und einfach gehen. Also setzten wir die furchtbarsten Waffen, die wir uns vorstellen konnten. Nukleare Waffen. Es gab einen gewaltigen Knall. Der Schrei unserer Mutter, als wir ihr das Schwert durch ihr Herz stießen. Innerhalb von nur zwei Tagen wurde sämtliche verbliebene Metropolen die Welt dem Erdboden gleichgemacht. Niemand darin überlebte. Die Erde und die Gewässer waren verstrahlt. Wer das „Glück“ hatte zu dieser Zeit in keiner der Metropolen gewesen zu sein, verbrachte nun seine restliche Zeit als einsamer Vagabund. So etwas wie Staaten und Vorgesetzte gab es nun nicht mehr. Von nun an war jeder im Kampf ums Leben auf sich alleine gestellt. Jeden Tag auf der Suche nach Wasser und Nahrung. In ständiger Gefahr lebend wegen eines Bechers sauberen Wasser im Schlafe kaltblütig ermordet zu werden.
Ich bin nun gleich da. Ich habe mein Ziel nun schon vor Augen. Das Polarlicht, dem ich gefolgt bin, beginnt langsam hinter einem steil aufragenden Gipfel zu verblassen. Hier am Fuße eines Berges stehe ich nun, wo einst alles angefangen hatte. Er sagte, er werde hier auf mich warten, jedoch würde er sich mir nicht von sich aus zu erkennen geben. Jedoch würde ich ihn erkennen, wenn ich reinen Herzens wäre. Der Aufstieg ist schwierig und kräftezehrend. Schon seit Tagen habe ich nichts mehr gegessen. Ich bin müde. Aber ich darf mich jetzt noch nicht hinlegen. Ich habe eine Mission zu erfüllen. Erst dann kann ich ruhen. Vor mit brennt ein mit Dornen übersäter Busch. Die Dürre und die Hitze der letzten Tag müssen ihn entzündet haben. Nur noch ein paar Meter, dann habe ich den Gipfel erreicht. Hier sollte ich ihn erwarten. Dann schenkt er mir die Möglichkeit, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, sofern ich ihn überzeugen kann, dass die Menschheit eine weitere Chance verdient hatte. Aber wo bleibt er? Habe ich mir die Stimmen vielleicht doch nur eingebildet, vielleicht bin ich sogar wahnsinnig aufgrund der großen Einsamkeit geworden? Das wird es wohl sein. Wie sonst könnte es wohl es sein, dass der Dornbusch vor mir brennt und dennoch nicht verbrennt? Wer sollte mich denn hier erwarten, wenn ich doch der letzte meiner Art bin. Ich habe den Glauben verloren. Den Glauben daran, hier etwas vorzufinden, das die Menschheit retten könnte. Vielleicht verdiente sie einfach keine weitere Chance mehr. Meine Aufgabe habe ich nicht erfüllt. Wie zu oft, wenn ich die Möglichkeit hatte es zu verändern habe ich versagt. Ich bin müde. Ich werde mich jetzt schlafen legen und ruhen. Für immer.
Platz 2: Komivo mit...
Die Essenz
"Frecce Tricolori" las Flash Gordon in einem Buch und stellte in jenem Moment fest, dass der Ereignishorizont eine tote Metapher war und er manchmal selbst nicht verstand, was er da so dachte. "Was solls", rief er aus, "man muss des Italienischen nicht mächtig sein um eine gute Kurzgeschichte zu schreiben." Sprachs und machte sich ans Werk. Einmal, zweimal, dreimal tunkte er die Feder ins Tintenfass und schrieb aufs Pergament: "Pfingstrose und Polarlicht bilden nur in der Schrift eine Alliteration. In vertontem Wort jedoch vergeht der schöne Schein." Gordon blinzelte, streute Salz über die feuchte Tinte und rollte das Manuskript zusammen. "Eigentlich," so dachte er bei sich, "bin ich ja gar nicht Flash Gordon. Aber auch das, scheint mir, ist nicht relevant. Unmittelbar soll sie sein, kurz soll sie sein, ein offenes Ende soll sie haben. Und soll sie sich heutzutage gut verkaufen, dann muss sie verrückt sein. Komplett unverständlich. Die Kurzgeschichte." Lachend und blinzelnd und mit zusammen gerolltem Manuskript steht er da. Flash Gordon, der eigentlich nicht Flash Gordon ist. Irrelevant
ebenfalls Platz 2: Abgesandter_Sisko mit...
Zero
"Heute, nun heute könnte es wirklich so weit sein. Vielleicht sehe ich dich nicht mehr wieder und ich wollte dir nur sagen wie sehr... wie sehr es mir Leid tut, dass ich kein besserer Vater... dass ich nicht öfter bei dir sein... Ich wünsche mir nur so sehr dass du glücklich wirst. Vielleicht einen netten Mann findest und ein schönes Leben hast und ihr alle in Frieden leben könnt. Sorglos und in Freiheit und vielleicht..."
"Captain?", hallte es dumpf. "Captain hören sie mich?"
Jason Lisbonna starrte auf den kleinen Monitor an seinem Bett. Glühend helle Buchstaben brannten in seinen Augen und am unteren Rand erschien die Aufschrift: "Nachricht versenden?"
"Captain?", vernahm er zu einem leisen Klopfen. Jason lies sich zurück aufs Bett fallen, schloss die Augen, streifte mit seiner Hand langsam über das raue, abgenutzte Laken, spürte die kalte, harte Matratze unter sich, dachte nach, seufzte, fragte in die Stille schwere, wichtige Fragen. So viel Zeit... so wenig blieb noch.
"Captain?" Diesmal pochte es lauter an der Tür und der Hall der drei Schläge drang in Jasons Ohr und stach messerscharf in sein Bewusstsein. Heute war es soweit. Heute würde es heißen: Alles oder nichts. Heute ging es um das eigene Leben, das eigene Überleben! Die Zukunft! Und um seine kleine Lucia! Ruckartig stand er auf, streifte seine Uniform glatt und erreichte mit drei Schritten die Tür.
"Neuigkeiten, Tara?", fragte Jason direkt und eilte sofort den engen Korridor entlang.
"Ja, Captain. Wir wurden benachrichtigt, dass Kaiserin Naoh sich in Kürze per Funk melden wird." Tara hielt Schritt. Die Anspannung schimmerte unter dem selbst erlegten Mantel der Disziplin hindurch, und Jason spürte förmlich wie sich jene immer schwerer werdende Kette um Taras Beine schlang und sich höllisch grinsend hinter ihrem Blick bemerkbar machte.
"Warst du schon einmal in Südeuropa?", fragte Jason ruhig.
"Nein, Captain. Nur in Skandinavien, das Polarlicht erforschen.", murmelte sie angespannt und von der Frage überrascht.
"Meine Eltern haben ein kleines Häuschen am Waldrand, jenseits der Metropolen. Als Kinder sind meine Brüder und ich oft in den Wald gerannt. Woher kommen sie Tara?"
"Denver City, Sir."
"Ein Großstadtkind... Hauptbrücke", befahl Jason nachdem sie den Lift betraten. "Auf einem wirklich kleinen Hügel, mitten im Wald, befand sich ein Naturzuchtinstitut der KFT. Ein Anblick von unendlichem rot... Pfingstrosen. Und wissen sie warum ausgerechnet Pfingstrosen?"
Tara hob fragend die Schultern.
"Weil sie die höchste Pollenzahl pro Blüte besitzt. Sie ist außergewöhnlich. Und das ist die Menschheit auch. Auch wir besitzen ein großes Potential, als einzelne Person sind wir vielleicht schwächer als die Cann's, aber in der Gesamtzahl sind wir schlauer, stärker, kreativer und zu Außergewöhnlichem im Stande. Hab keine Sorge. Die Menschheit wird überleben. Wir werden überleben. Und es wird uns auch nach dem heutigen Tag geben!"
Die Tür glitt auf und Tara war dankbar dafür leicht versetzt hinter ihrem Captain den kurzen Gang entlang zu laufen und nicht in Verlegenheit zu geraten etwas sagen zu müssen. Schweigend erreichten beide die Brücke und traten ein. Die Stimmung war greifbar angespannt. Tara nickte ihrer Schwester zu und nahm an ihrer Station Platz.
"Captain?"
"Commander Lares.", begrüßte Jason Lisbonna seine stellvertretende Offizierin. "Wie ist die Situation?"
"Unverändert. Der Geheimdienst bestätigt, dass die Cann's noch bei der Venus versammelt sind. Captain ich denke...", ihre Stimme verstummte, als er seine Hand auf ihre Schulter legte.
I"st in Ordnung, Jenny.", sagte Jason leise und ruhig. "Du hast recht, es sollten Alle erfahren."
"Alle mal herhören", rief Jason und die Gespräche verstummten. "Wir wurden angewiesen euch folgende Informationen nicht zu geben, aber Commander Lares und ich sind der Meinung, dass ihr erfahren solltet, worum es geht." Alle blickten stirnrunzelnd und fragend auf die beiden Führungsoffiziere.
"Jenny, wenn du soweit wärst...", deutete Jason nickend.
"Die Lage ist ernst. Die Cann's haben uns in die Enge getrieben. Die Saturnmonde IO und EUROPA wurden ausgelöscht. Pluto haben wir bereits seit Monaten verloren. Die Merkurminen existieren nicht mehr und die Marskolonien wurden fast fünf Tage lang ohne Unterbrechung bombardiert, bis es unseren Streitkräften gelang durch die Linien zu brechen und die Bomber auszuschalten. Die annähernd sieben Milliarden Bewohner des Marses... ausgelöscht.", sie blickte kurz in die ernsten Gesichter der Untergebenen, bevor sie mit ungewohnt zittriger Stimme fortfuhr.
"Die Cann's wollen heute die Entscheidung herbeiführen. Sie sind bei weitem in der Überzahl und was noch schlimmer ist: sie sind verzweifelt. Unsere Flotten haben ihnen mehrere hohe Verluste beschert. Die Heimat ist weit entfernt. Nachlieferungen erhalten sie immer seltener... Heute werden sie einen letzten Angriff starten. Mit allem was sie haben."
"Und wie sollen wir uns verhalten?", fragte ein Offizier dazwischen.
"Es wurde entscheiden, dass wir uns dem Kampf stellen.", sagte Jason laut und blickte jeden einzelnen kurz an. "Keine Versteckspiele mehr. Keine Flucht und Gegenangriff Taktik. Keine Fallen. Ein offener Kampf. Flotte gegen Flotte, ohne Ausnahme."
Schweigen.
"Wir oder sie!", rief der Captain grimmig.
"Die Zeit spricht gegen uns.", fuhr Jenny fort, "Wir sind in unserem eigenen Sonnensystem eingekesselt. Wir haben kaum Kontakt zu den Kolonien. Keinen Nachschub. Angreifen ist unsere beste Chance."
"Gut Leute, jetzt wisst ihr was los ist. Macht euch bereit, es wurde entschieden, dass wir zur Venus fliegen, um die Schlacht von der Erde fern zu halten. In wenigen Minuten gehtÂ’s los. Die meisten Crews wissen nicht was auf sie zukommt. Sie springen und werden sich inmitten der letzten großen Armada der Menschheit befinden!"
Die wenigen Sekunden, die nach dieser Ansprache folgten, erschienen ihm wie in Zeitlupe. Jenny hatte sich schnell gedreht und schritt energisch an ihre Station in der Mitte der Brücke. Langsam wehte ihr Haar mit jedem Schritt, das Klacken der Schuhe war lange Zeit das einzige klare Geräusch neben seinem eigenen, tiefen Atmen, während Alle leise ihre Plätze einnahmen und die Bildschirme aufflackerten. Jasons Hand fühlte sich sonderbar trocken und rau an und als er auf sie herab blickte versank er beim Anblick seiner Finger in tiefe Gedanken und fragte eine ferne Macht nach der Schönheit des Gefühls sich selbst wahrnehmen und spüren zu können. Unter der Haut pulsierte das Blut, brannte nach Leben, verlangte nach mehr Zeit.
"Captain?", vernahm er eine schüchterne Stimme. Er blinzelte bevor er sie ansprach.
"Leutnant Lee. Was liegt ihnen auf dem Herzen?" Eine junge, hübsche Frau. Sie war selten in der Kantine mit den Anderen, nahm an nur wenigen der sozialen Aktivitäten auf dem Schiff teil und er hatte sich nie gefragt aus welchem Grund.
"Wir fliegen in den Tod, nicht?", fragte sie leise.
"Nicht wenn es nach Commander Lares geht.", antwortete er grinsend. "Haben sie eine Familie auf der Erde, Haruku?"
"Die Kinder meines Bruders. Und zwei Tanten. Und eine Cousine mit vier Kindern.", sprach sie rasch. Jason lächelte leicht, legte seine Hand kurz auf ihre Schulter und sie verstand. An seinem eigenen Platz angekommen erwartete ihn Jenny mit einer versteinerten Miene.
"Neue Befehle erhalten?", fragte er überrascht und sie löste ihren kleinen Bildschirm aus der entsprechenden Verankerung und überreichte ihn ihm. Kurz huschte Entsetzen über ihr Gesicht, doch wie so oft lies sie sich nichts anmerken. Mit einem Blick fragte sie ihren Captain, ob die Crew unterrichtet werden sollte und er schüttelte unmerklich leicht den Kopf und Jenny verstand: Noch nicht. Aber wann war der richtige Zeitpunkt für eine solche gravierende Neuigkeit? Die beste Einheit der Flotte, die berüchtigte Frecce Tricolori, war beim Versuch das Führungsschiff der Canns direkt und gezielt anzugreifen, vollständig eliminiert worden. Neunzigtausend der besten und modernsten Raumschiffe und die USST Rambomesser.
Der Kommunikationsoffizier, ein guter Mann und Freund von Jason, aktivierte den großen Hauptbildschirm auf dem das Logo des Erdreiches erschien. "Es geht los."
Auf dem Bildschirm war nun die Kaiserin der Erde und des Erdreiches zu sehen, Naoh die Vierte und in einer kurzen Ansprache bedankte sie sich bei allen Menschen, die die Erde verteidigt haben und weiterhin verteidigten und bat um den Segen der Götter in dieser dunkelsten aller Stunden. Jason gelang es nicht sich zu konzentrieren. Zu sehr hatte ihn die neueste Information erschüttert. Als unerwartet Musik erklang, blickte er auf und sah wie abwechselnd Naturaufnahmen, Bauwerke und Menschen in Alltagssituationen abgebildet wurden. Niemand auf der Brücke sprach. Die Bilder verfehlten nicht die beabsichtigte Wirkung, die bedrückte Stimmung war etwas gewichen, dass man vielleicht als Entschlossenheit bezeichnen konnte.
"Sir, mehrere Schiffe sind bereits mit Kurs auf die Venus gesprungen.", meldete Tara McLane.
"Gut. Alles vorbereiten, wir springen auch. Sollen die Cann's von einem Sturm weggefegt werden. Leutnant Lee! Sowie die Koordinaten freigegeben werden, springen!", befahl Jason.
Der Bildschirm flackerte erneut auf.
"Sir, Admiral Hasson schickt eine verschlüsselte Nachricht an alle Schiffe des siebenundvierzigsten Flügel der elften Flotte.", berichtete Leutnant Battistudas von der Kommunikationsstation aus.
"Schön, schön.", murmelte Jason zynisch.
"In den nächsten Sekunden startet die Operation Flash Gordon. Wir springen zur Venus. Dort hat sich die Cann Flotte versammelt.", sprach ein älterer, ziemlich erschöpft wirkender Mann in kurzem, militärisch zackigem Tonfall." Die dritte, zwölfte und dreißigste Flotte sind soeben mit je einer Milliarde Schiffe von der Mondbasis aus gesprungen. Wenn wir in zwölf Sekunden springen, erwartet uns also bereits eine tobende Schlacht." Der Admiral hielt kurz inne und seine strenge Fassade bröckelte. "Mögen die Götter mit uns sein, meine Kinder." Die Nachricht brach ab und gleichzeitig wurden die Koordinaten freigegeben.
"Sprung eingeleitet!", rief Haruku Lee und Jason spürte den eisigen Hauch der Wahrheit. Vor seinen Augen blitzte noch einmal seine Tochter auf und deren Lachen verhallte in seinen Ohren wie ein Echo einer längst vergangenen Zeit, die nicht wieder kommen würde. An seiner Seite hörte er Jenny Lares murmeln: "Drei... Zwei.. Eins.."
Ein weißes Licht blendete sie und auf dem Bildschirm brannte das All. Ein Schiff explodierte vor ihnen, Trümmer wurden gegen die Hülle geschleudert und gleichzeitig flackerten auf allen Bildschirmen Meldungen und Statistiken auf. Jason betrachtete mit seiner Stellvertreterin die taktische Anzeige und versuchte, sich ein Gesamtbild der nahen Umgebung zu verschaffen, während seine Crew der einstudierten Arbeit nachging. Eine bedrückende Stille herrschte im Raum.
"Siehst du das hier?", fragte Jenny Lares und huschte mit ihrem Finger über einen kleinen Bereich auf der dargestellten Karte.
"Captain.", meldete sich Leutnat Espinosa, der leitende Analytiker. "Keine Chance taktisch vorzugehen. Das ganze ist... ein Knäuel."
In einer schmerzhaften Lautstärke übertönte das Bersten der Schiffshülle den nächsten Satz.
"Versucht trotzdem eine Vorgehensweise zu berechnen!", wiederholte Jason.
"McLane", rief Jenny zwischenzeitlich, "Status?"
"Bordgeschütze, funktionieren einwandfrei. Zielvorrichtung hat Probleme mit der Freund/Feind Erkennung, ich versuche einen anderen Algorithmus!", kam von Tara McLane hastig während sie mit zwei Bildschirmen hantierte. Auf dem Bildschirm sah man im Sekundentakt etwas in naher Umgebung explordieren, während im Hintergrund tausende Explosionen auszumachen waren. Ein zweites Mal wurde das Schiff getroffen und ruckartig kam auf dem Hauptschirm die Venus bildschirmfüllend ins Bild.
"Haruku,", rief Jason nach vorne, "die Hilfssensoren sind weg. Schaffst du das allein?" Er nahm ihr Schweigen als Bestätigung auf.
"Jenny! Hilf mir mal.", verlangte Leutnant Battistuta von der Kommunikation. Commander Lares sprang auf und hechte hinüber. "Sie versuchen uns zu hacken!"
"Julio, dein Team soll Battistuta helfen!", befahl Jason Leutnant Espinosa. "Wenn die uns hacken ist alles vorbei. Und Haruki, wir sollten..."
Gleichzeitig schrie jene auf und alle flogen von ihren Sitzen und wurden auf den Boden geschleudert. Sekundenlang krachte Lärm in ihre Ohren und wütete durch den Raum bis unerwartet Stille und Finsternis einkehrte. Die Notbeleuchtung sprang an und Jason war als letzter wieder auf den Beinen und blickte sich um. Nachdem Tara ihm kopfschüttelnd seine Befürchtung bestätigte ergriff er das Wort. Seltsamerweise mit einer Mischung aus Enttäuschung und Erleichterung.
"OK Leute, es ist vorbei."
Fassungslos und ungläubig starrten sie ihn an, bis Leutnant Battistuta anfing zu lachen.
"Operation Flash Gordon haben sie das genannt...", lachte er. "Dachten der Name einer alten Heldenfigur würde ausreichen..."
"He Diago, reiß dich zusammen.," rief Julio Espinosa verärgert. Niemand sprach. Die Stille und der ausgefallene Bildschirm... Niemand würde vermuten, dass sie sich inmitten der größten Schlacht aller Zeiten befanden.
"Es tut mir Leid.", brach Hiraku das Schweigen. Es ist meine Schuld, ich habe ein Flaggschiff gerammt."
"Nun... immerhin sind wir nicht explodiert.", antwortete Jason trocken. Woher der Anflug von Humor kam, konnte er nicht sagen. Wieder schwiegen alle.
"Du... du kennst Flash Gordon?", fragte Hiraku schüchtern.
"Natürlich.", bestätigte Diago und blickte Hiraku an, als ob sie ihn noch nie zuvor angesprochen hätte, was Jason sogar als recht wahrscheinlich einstufte.
"Als Kind las ich immer die Geschichte der Neuauflage des Jahres 2130, in der Flash am Ereignishorizont von Lord Kazumis Schwarzem Loch die fliegende Basis und die Rakete der Zerstörung fand."
W"ow, ich glaube ich habe dich in der ganzen Zeit noch nie so viel sprechen hören.", meinte Diago nur, woraufhin Haruki verlegen den Kopf senkte.
"Hallo?", rief Julio verdutzt dazwischen. "Seit ihr noch klar im Kopf? Wir treiben inmitten der Schlacht und könnten jede Sekunde abgeschossen werden, und ihr redet über Flash Gordon? Wen interessiert das? Macht lieber euren Frieden mit euch. Und betet. Zeit ein paar letzte Sachen loszuwerden, finde ich."
"Ich... ich wünschte, ich hätte meinen Freund nie verlassen nur um Karriere zu machen.", rief Tara sogleich. "Es tut mir Leid, hörst du?" Und auf einmal war die Brücke erfüllt von Kommentaren und Gesprächen, Wünschen und Reue, Tränen und Gelächter. Alle zusammen, alle für sich. Ein harter Schlag traf das Raumschiff, lauter und stärker als alles zuvor, mehrfach erklang ein Knacken an der Schiffshülle und erneut schleuderte etwas das Schiff. Die Notbeleuchtung fiel vollständig aus und inmitten der Dunkelheit erklang Jennys heisere Stimme, die jeden aus der eigenen Gedankenwelt und den kurzen, eigenen privaten Bildern im inneren Auge riss: "Jason. Ich bin schwanger."
(Nähere Infos zum Event bzw des Ablaufs erfahren sie hier, weitere Geschichten finden Siehier.)
(dn); STVC-Meldung vom 27.08.2007; Quelle: STVC
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