Space...the Final Frontier. These are the voyages of the starship Enterprise. Its five-year mission: to explore strange new worlds, to seek out new life and new civilizations, to boldly go where no man has gone before.
Mit diesen Worten startete im Jahre 1966 eine neue Serie im US-Fernsehen, die im Laufe der Zeit das Leben vieler Menscher beeinflussen und zu einem bis dahin ungeahnten Mythos aufsteigen sollte. Eine Serie, die "dahin gehen werde, wo noch ein Mensch zuvor gewesen ist". Und wie viele von euch bereits wissen tat sie das auch, indem die sozialen Probleme der amerikanischen Gesellschaft und der ganzen Welt in einer noch nie da gewesenen Form aufzeigte. Doch wie weit stieß sie tatsächlich in diese unbekannten Weiten vor, zu dieser besagten "letzten Grenze"? Und wie viel hatte diese Grenze mit dem Thema dieses Artikels, nämlich Sex, zu tun?
Nun, um diese Frage beantworten zu können muss man sich erst einmal vor Augen führen, in welcher Zeit die Serie ausgestrahlt wurde und wie die gesellschaftlichen Verhältnisse in jenen Tagen waren. Die amerikanische Gesellschaft ließ sich diesbezüglich als konservativ und daher prüde bezeichnen. Der Mann war derjenige in der Familie, der arbeiten ging und für deren Wohl verantwortlich war, während sich die Frau um das Heim und die Kinder zu kümmern hatte. Themen wie Sex spielten sich nur in den eigenen vier Wänden ab ... und das auch nur bei heruntergelassenen Rollos und bei Anbruch der Dunkelheit. Homosexualität und Sex zwischen unterschiedlichen Völkergruppen waren zu Zeiten der Rassentrennung ein totales Tabu. Gene Roddenberry hatte eine Vision von einer besseren zukünftigen Gesellschaft, in der es die oben genannten Probleme nicht mehr geben werde ... und eine Idee wie er auf diese Problematiken in seiner Serie aufmerksam machen konnte.
TOS war (im Gegensatz zu ihren Nachfolgern Voyager und Enterprise) nie eine Serie, die Sex dazu benutzte, um dadurch die Einschaltquoten (und die Eiweißproduktion in der Lendengegend junger Pubertierender) in die Höhe zu treiben. In Wahrheit war sie sogar das Gegenteil. Die Frauen wurden nicht wie T'Pol oder Seven of Nine als Lustobjekte eingesetzt. Vielmehr, wurden die Frauen in TOS respektiert und als starke Persönlichkeiten dargestellt. Es gab Königinnen, Heldinnen, Kriegerinnen, Priesterinnen oder gar weibliche Bösewichte. Fast alle Frauen in TOS machten Karriere und konnten selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Arbeitende Frauen waren die Norm und nicht Ausnahmen, was einen Gegensatz zu der von Männern dominierten Gesellschaft des Amerikas in den 60er Jahren darstellte.
TOS war zu keinem sexistisch, jedoch dennoch sexy. Die Frauen wurde nicht vor die Wahl gestellt, ob sie stark aber unattraktiv waren, oder sexy aber schwach und billig. Die Königinnen und Heldinnen waren sexy, und dennoch strahlten sie auch immer noch Stärke und großes Selbstbewusstsein aus. Dieser Ansatz war zu dieser Zeit revolutionär, denn diese Frauen stellten eine sexuelle Emanzipation dar, in der Frauen dem Mann absolut gleichgestellt waren.
Eine oft genannter Kritik in TOS war, dass die Uniformen der weiblichen Crew-Mitglieder zu sexy gewesen sei. Die Uniformen waren tatsächlich sehr kurz, so dass viele nackte Beine zu sehen waren, was gerade zu dieser Zeit viele Menschen empörte. Aber was war daran so verwerflich, vor allem wenn man dann noch bedenkt, dass Kirk fast in jeder zweiten Episode mit zerrissenem Hemd seinen nackten Oberkörper dem breiten Publikum präsentierte und sich daran niemand störte.
Wenn also ein nackter männlicher Oberkörper niemand störte, wiese regte man sich dann über leicht entblößte weibliche Beine auf? Gene Roddenberrys Zukunftsvision zeigt hierbei deutlich, dass dies 200 Jahre später niemanden mehr stört. Die Männer oder besser gesagt die Gesellschaft hat sich an entblößte nackte Haut gewöhnt und sieht die Frauen nicht als ein Sexsymbol, sondern respektiert sie als die Personen und Kameraden, die sie in Wirklichkeit sind.
Deutlich wird dies unter anderem in der Folge "Miri", in der Janice Rand Kirk unter Tränen gesteht, dass sie von ihm verlangte, ihre Beine anzusehen. Was sie damit wirklich ausdrücken wollte ist dies, dass sie wollte, dass er sie als eine Frau sieht und nicht als eine Person oder eine Kameradin. Das Erstaunliche daran ist, dass SIE ihn auffordern musste, von ihm angestarrt zu werden, damit er sie auf diese Weise sehen konnte.
In dieser Zukunft sind die Frauen selbstbewusst. Die Männer an Bord der Enterprise benötigen auf die Situation oder das Verhalten bezogene Hinweise, um den ersten Schritt zu wagen. Es werden so etwas wie ein feierlicher Anlass oder eine romantische Umgebung benötigt, sowie Frauen, die sich offen gegenüber ihnen verhalten. Wenn sich eine Frau schüchtern verhält, antworten die Männer in ähnlicher Weise, aber wenn sie mit ihren Augen flirten oder sie ihre Stimme auf eine bestimmte Weise verändern, wachen die Männer auf und alles verändert sich. Das Interessante an TOS ist, dass sich die Männer zurückhaltend und neutral gegenüber einer Frau verhalten, solange diese es nicht ausdrücklich wünscht, dass man mit ihnen flirtet.
Die Männer in TOS nehmen diese Einladungen oftmals soft an, aber auch nicht immer. Sie sichern sich das Recht, dies auch nicht zu tun. Wenn einem Mann die Art und Weise nicht gefällt, wie sie mit ihm redet, oder er einfach keine Lust dazu hat, dann reagiert er eben nicht auf diese Anmachversuche und damit ist die Sache dann auch erledigt. Vergleicht man dies mit in den 60er Jahren vorherrschenden Zuständen, so weißt dies ein eindeutiges Spiegelbild zwischen der Rolle des Mannes und der Frau in diesen Dingen auf.
Anders verhielt sich die Situation in der Episode "Die Frauen des Mr. Mudd", in der sich die Frauen offenherzig gegenüber jedem präsentierten (ausgenommen Eve, die ein wenig mehr konservativer eingestellt war). In Folge dessen, scharten sich die Männer um sie. Die Männer auf der Enterprise verhielten sich dabei wie pubertierende Teenager, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine schöne Frau sehen. Dabei wird die Tatsache, dass es an Bord der Enterprise viele, mindestens ebenso attraktive und darüber hinaus noch intelligentere Frauen gibt, total ignoriert. Das Verhalten der Männer könnte man höchstens auf die Venusdroge zurückführen, die Frauen schöner macht und dadurch die tiefverwurzelte Begierde wieder in den Vordergrund drängte.
Als sich in der Folge "Wen die Götter zerstören" das grünhäutige Orion-Sklavenmädchen über Kirk hermachte, hat er ihre Annährungsversuche abgewiesen. Das grausame daran war, dass sie seine Hinweise nicht verstand, was aber sicherlich auch damit zu tun hatte, dass sie eine dieser Primitiven und Verrückten war. Yvonne Craig, die Darstellerin der Marta war übrigens die erste Person, die das lange Zeit kursierende Gerücht, dass William Shatner ein Kopfhaar-Toupet trägt in einem Interview "offiziell" bestätigte. Dies hat jedoch mit dem eigentlichen Artikel nichts zu tun, jedoch finde ich, dass es eine Erwähnung wert ist.
In der Episode "Griff in die Geschichte" hat Kirk bei Edith Keeler nie den ersten Schritt getan, da die verschiedenen Umwerbungsversuche in Konflikt miteinander standen. Sie blieb immer ruhig und gelassen und hielt ihn auf Abstand, da es in ihrer Zeit üblich war, dass die Frauen eine passive Rolle einnahmen und die Männer die Aggressoren waren. Kirk ist nie in die Offensive gegangen, den in seiner Zeit machen die Männer nichts, bis sie einem Mann ein deutliches Zeichen geben, das sie etwas von ihm will. Keiner der beiden konnte somit dem anderen einen Anlass liefern, ihm grünes Licht zu geben, so dass sie gegenseitig blockierten, trotz einer starken gegenseitigen Zuneigung, die sie für einander hegten.
Lobenswert ist, dass die Folge eine starke und intelligente Frau in den Mittelpunkt stellt und dies, wie eine Selbstverständlichkeit behandelt, obwohl es dies in den 60er Jahren absolut nicht war. Keeler vertritt genau Roddenberrys positive Zukunftsvision. Die Folge gesteht ein, dass eine solche Zukunftsvision nicht immer Erfolg haben kann. Kirk und Spock stellen klar, dass ihre Ansichten zwar durchaus richtig sind, Keeler sie aber leider in der falschen Zeitepoche hatte, in einer Zeitepoche in der eine Friedenspolitik verheerende Auswirkungen gehabt hätte.
Nachweislich hatte Kirk zweimal Sex in TOS. Mit Miramanee in "Der Obelisk" (ich verkneife mir jetzt mal an dieser Stelle einen Kommentar, ob es da einen Zusammenhang mit dem Titelnamen besteht) und mit Deela in "Was summt denn da?". In beiden Fällen war er aber keinesfalls der Aggressor. Die Situation hatte sich für ihn ergeben und er hatte nur darauf reagiert.
Nachdem wir uns aber nun sehr ausführlich der Frau in TOS gewidmet haben, werde ich nun beim Thema Sex nochmals ein wenig weiter ausholen und an ein paar Punkten noch zeigen, was der Zuschauer über und mit außerirdische Paarungspraktiken noch so alles erfuhr.
Über das Sexleben der Vulkanier erfuhren wir das erste Mal in der Folge "Weltraumfieber". Diese haben in der Regel nur alle sieben Jahre Sex miteinander haben, das mit dem sogenannten Pon Farr, dem Blutfieber eingeleitet wird. Die Betroffenen verlieren dabei die völlige Kontrolle über ihre geistigen und emotionalen Fähigkeiten und müssen nach einem geeigneten Paarungspartner suchen. Gelingt ihnen dies nicht, droht ihnen aufgrund eines neuronalen Ungleichgewichts der Tod. Ebenso verlangt ein vulkanisches Ritual einen Kampf auf Leben und Tod, sofern sich mehrere Konkurrenten um einen Partner streiten. Der Sex dient bei diesem Volk ausschließlich zur Art- und Selbsterhaltung und wird nur zur reinen Freude praktiziert.
Die Folge "Metamorphose" kann als eine Folge von nicht heterosexuellen Beziehungen verstanden werden. In dieser Episode verkehrt Zephram Cochrane regelmäßig mit einer außerirdischen Lebensform, das er als das Companion bezeichnet. Trotz ihrer engen Verbindung reagiert Cochrane zurückweisend, als ihm bewusst wird, dass diese Lebensform weiblich ist (Cochrane dachte zuerst sie sei geschlechtlos). Spock beschreibt diese Reaktion als "Faszinierend, eine total engstirnige Ansicht". Und in Bezug auf das Companion sagt McCoy "Es gibt diesbezüglich nichts verwerfliches. Es ist nur eine andere Form von Leben, das ist alles. Sie sollten sich an solche Dinge gewöhnen".
In der Folge "Gefährlicher Tausch" würde Kirks Körper mit dem Dr. Lester (ein weiblicher Charakter) vertauscht, wodurch sich Kirk auf sehr feminine Weise verhält. Im Weitesten Sinne kann man in dieser Episode ein Zeichen von Transsexualität sehen, was jedoch in meinen Augen stark übertrieben wirkt, da diese Episode andere Aussaugen in den Vordergrund stellte. Die Folge entscheidet sich ganz klar für die Persönlichkeit. Die Folge ist der Meinung, dass sie es ist, die uns wirklich definiert, auch wenn sie mit einem völlig anderen Aussehen kombiniert wird, ist es unsere Persönlichkeit, die uns zu dem macht, was wir sind.
Die Folge "Platons Stiefkinder" sorgte bei ihrer Ausstrahlung im Jahre 1968 für einen handfesten Skandal. Der interessanteste Aspekt ist die von Kirk, gegenüber Alexander, gepredigte Toleranz innerhalb der Föderation. Kirk versichert Alexander, dass weder die Größe, noch die Hautfarbe in der Föderationsgesellschaft eine Rolle spielt (damit spricht sich Star Trek zum ersten Mal ganz offen gegen die Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe aus). Die Föderation akzeptiert nicht nur die Andersartigkeit, sie lebt sogar von den Unterschieden ihrer verschiedenen Mitglieder.
Dazu passt dann auch der Kuss zwischen Kirk und Uhura. Dieser Kuss ist ein Thema für sich allein. Es handelte sich dabei um den allerersten Kuss zwischen einem Weißen und einer Farbigen im amerikanischen TV. Um die Kuss-Problematik gibt es bis heute viele Gerüchte und mindestens so viele verschiedene Geschichten, wie Beteiligte an der Produktion der Folge. Zum Beispiel soll William Shatner selbst dafür gewesen sein, die ursprünglich zwischen Spock und Uhura geplante Kuss-Szene auf Kirk umzuschreiben, weil er erkannte, welche Signalwirkung diese Szene haben könnte. Angeblich soll die Szene zunächst auch niemand als irgendwie anstößig empfunden haben. Erst Regisseur David Alexander soll kurz vor den Dreharbeiten bemerkt haben, um was für einen Kuss es sich dabei handelt. Er soll dann die Studiobosse von Paramount informiert haben, die daraufhin kalte Füße bekamen und die Produktion der Folge überwachten.
Es gibt auch das Gerücht, dass die Szene in zwei Versionen gedreht wurde, eine mit dem Kuss, und eine ohne den Kuss. Das war offenbar ein Angebot von Roddenberry an die Studiobosse, um diese zu beruhigen. Man wollte sich hinterher entscheiden welche Szene man in die endgültige Fassung nimmt. Die Szene wurde am Ende eines Drehtages aufgenommen und William Shatner soll in der Version ohne Kuss absichtlich eine dermaßen schlechte Darbietung gegeben haben, dass man sie unmöglich in die fertige Folge nehmen konnte. Da der Drehtag zu Ende war und man aufgrund des knappen Budgets nicht überziehen durfte, konnte die Szene auch nicht noch einmal gedreht werden, also musste man die Version mit dem Kuss in die Folge nehmen.
Homo- oder Transsexuelle Charaktere konnte TOS noch nicht aufweisen, auch wenn dies ein großen Wunsch von Roddenberry war. Die Zeit und die Gesellschaft waren damals einfach noch nicht bereit für derartiges.
Lieder sind wir nun schon am Ende angekommen. Ich hoffe, dass euch der Artikel einigermaßen gefallen hat und ihr vielleicht noch etwas gelernt habt, was ihr bisher über TOS noch nicht wusstet. Es würde mich freuen, wenn ihr auch bei dem nächsten Artikel wieder dabei wärt, wenn ich zeige, wie Gene Roddenberry Sex in TNG verwirklicht hatte.
Quellen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Sexuality_in_Star_Trek
http://allyourtrekarebelongto.us/tossex.htm
http://startrek-index.de/tv/tos/
Dieser Artikel wurde uns von Daniel Knaus zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!
(sl); STVC-Meldung vom 28.03.2008; Quelle: STVC
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