Den Wissenschaftlern am Europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf ist es zum ersten Mal gelungen, im Teilchenbeschleuniger LHC Protonen nahezu bei Lichtgeschwindigkeit kollidzieren zu lassen.
Zwei Protonenbündel mit 3,5 Tera-Elektronenvolt sind im 27 Kilometer langen Ringtunnel aufeinandergetroffen. Bei dem Aufprall entstand eine Energie von dieben Tera-Elektronenvolt. Die bei dem Zusammenstoß entstandenen Teilchentrümmer werden nun von den Detektoren im Teilchenbeschleuniger ausgewertet.
Beim dritten Versuch gelang es den Physikern die Teilchen erfolgreich kollidieren zu lassen. Um 13 Uhr kam es dann zu dem Zusammenprall der Protonen mit einer dreifach höheren Energie als jemals zuvor. Im Kontrollraum des weltweit größten Teilchenbeschleunigers brachen die Forscher in Applaus aus, als die Detektoren die Kollision zeigten. Die Experimente sollen eineinhalb bis zwei Jahre dauern. Dabei wollen die Forscher physikalische Bedingungen wie kurz nach dem Urknall herstellen. Man erhofft sich davon Aufschluss über den Ursprung und Aufbau unserer Welt.
Der Teilchenbeschleuniger wurde im September 2008 eingeweiht. Er ist 27 Kilometer lang und verläuft unterirdisch im Grenzgebiet zwischen Frankreich und der Schweiz. Bereits nach wenigen Tagen musste der LHC deaktiviert werden. Einige Kabel waren durchgebrannt. Zur Reparatur musste der auf minus 271 Grad abgekühlten Ring wieder aufgewärmt werden. Dies dauerte viel länger als es ursprünglich geplant war. Im November 2009 konnte man damit beginnen den LHC wieder hochzufahren. Jetzt hat er seine Betriebsgeschwindigkeit erreicht.
Bei den aktuellen Experimenten ist man auf der Suche nach den sogenannten Higgs-Teilchen, die auch "Gottesteilchen" genannt werden. Dieses Teilchen bewirkt, dass die kleinsten Bausteine, die Elemantarteilchen über Masse verfügen. Higgs-Teilchen gelten als letztes fehlende Mosaiksteinchen im sogenannten Standardmodell der Teilchenphysik. Mit diesem Modell kann man den Ursprung der Welt erklären.
Laut dem CERN-Direktor Rolf Dieter Heuer verhält sich die Suche nach den Higgs-Teilchen wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
"Aber die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen machen Sie ja auch nicht, ohne sich vorher überlegt zu haben, wie sie danach suchen wollen. Wenn man die richtigen Suchalgorithmen entwickelt, dann kann man auch in einem großen Heuhaufen etwas finden."
(mb); STVC-Meldung vom 30.03.2010; Quelle: tagesschau.de
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