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Lobo der Wolf
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Lobo der Wolf

Die Sonne bricht zögerlich durch das dichte Unterholz, während der Tag anbricht. Die Zweige knacken und brechen, als ich erwache. Ich frage mich, wie lange ich wohl geschlafen habe. Au... Mist... Mein Hinterlauf schmerzt immer noch von dem Streifschuss, den sie mir verpasst haben.
Ich heiße Lobo und wurde vor zwei Tagen von meinem Rudel getrennt. Seitdem wandere ich durch Land und versuche sie zu finden. Doch so sehr ich auch suche und heule, ich finde weder Witterung, noch Spur, noch bekomme ich eine Antwort. Das Schlimme ist, daß wir in einem Rudel leben. Allein geht es zwar auch zur Not, doch das Leben im Rudel ist weitaus besser, zumal dort alle sind, die ich schätze und verehre.
Ron, unser Alpha Wolf und Führer. Trice, seine Lebensgefährtin und unsere Herrin, ihre Welpen Mirko und Jane, Crane, mein bester Freund im Rudel und all die anderen. Wo sie jetzt wohl sind? Ob sie mich vermissen? Bestimmt.
Ob wohl viele von ihnen verletzt sind? Ob sie gefangen sind? Hoffentlich nicht. Es war schlimm genug, daß Rich sein Leben lassen musste und Marice, die sich todesmutig zwischen die Menschen und ihre Jungen stellte, einfach erschossen wurde.
Menschen... Dieses Wort... Nichtmal wert, ausgesprochen, geschweige denn gedacht zu werden.

Was haben sie uns nicht schon alles angetan? Gejagt, ermordet, die Überlebenden zur Belustigung in Zoos und Tierparks gesperrt und hilflos versucht, einige unserer Kameraden wieder einzuwildern. Wieso wollen sie uns einwildern? Wir sind wild. Wir brauchen diese Hilfe nicht, wir wollten sie nie. Ja... Menschen sind das Übel dieser Welt. Sie töten ihresgleichen genauso eiskalt wie sie unsereinen umbringen.

Ich blicke zum Himmel hoch. Hmm, schon so spät, ich hatte lang geschlafen. Es war Zeit weiterzuziehen, in der Hoffnung, etwas fressbares zu finden. Die Hoffnung, das Rudel zu finden schwindet von Tag zu Tag.

Ich gehe einige Schritte, aber mein verletzter Hinterlauf macht mir Probleme. Verflucht nochmal, so kann man doch nicht anständig jagen! Ich lecke ein paarmal über die Wunde, um sie vom Dreck zu befreien, aber besser wird sie dadurch auch nicht. Ich hinke weiter und hoffe, hier nicht auf Menschen zu treffen, denn mit diesem Handicap habe ich keine Chance, wenn es zu einem Kampf kommt oder ich flüchten müsste.
Aber wie gesagt, auch eine Jagd gestaltet sich sehr schwer mit einem verletzten Hinterlauf. Achja, Ihr fragt Euch, warum ich tagsüber auf den Beinen bin? Tja, ich würde schon lieber nachts jagen, aber ich hab erfahren, daß die Menschen nun schon nachts nach uns suchen. Sie durchstöbern das Unterholz und den Wald und jagen uns raus aufs freie Feld, dort geraten wir ins Kreuzfeuer und da heil rauszukommen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Ich würde liebend gerne nachts jagen, denn die Nacht ist unser Freund, Begleiter und Beschützer. In der Nacht ist es friedlich und ruhig, man kann zu sich selbst finden und nachdenken. Und es ist kühler, was vor allem jetzt im Sommer mehr als angenehm ist, denn de Hitze am Tag ist ja mit einem Fell wie wir es haben nicht auszuhalten. Aber letzte Nacht ging es mir zu schlecht. Mein Bein schmerzte und blutete mehr als jetzt, ich konnte kaum einen Schritt tun, ich sah Beute einige Meter weiter, es wäre kein Problem gewesen, sie zu schnappen, aber mit dem Lauf konnte ich es nicht. Ein gräßliches Gefühl, nicht jagen zu können, die Beute zu sehen und sie laufenlassen zu müssen.
Ja...Allein hat man es als Wolf sehr, sehr schwer.

Ich seufze und streife weiter durch die Gegend, als mir ein Geruch in die Nase steigt. Moment mal...Das riecht nach Hase. Ok, wir bevorzugen eigentlich größere Beute, aber es war besser als nichts. Ich bleib stehen und strecke die Nase in die Luft. Meine Rute erstarrt und meine Ohren stellen sich.
Hmm....34 Sprung vor mir, leicht zu fangen, trotz dem verletzten Fuß. Der Wind geht günstig, er weht mir ins Gesicht. Perfekt. eine schönere Chance hätte sich mir nicht bieten können. Ich drücke mich ins Gras und schleich voran, drauf bedacht, nicht von dem Grasfresser bemerkt zu werden.
Ihr denkt jetzt vielleicht, hey was ziehst Du über die Menschen her, Du jagst doch selbst? Das stimmt auch, ich jage und ich töte andere Lebewesen, aber nicht aus Hass wie es die Menschen tun, oder aus Spaß. Nein. Ich töte, um zu fressen, oder um die Jungen, oder das Rudel oder mich zu verteidigen, anders als die zweibeinigen Bestien.

Im Gegensatz zu den Menschen habe ich auch Respekt vor anderen Lebewesen. Ich würde das Karnickel nicht töten, wenn es nicht sein müsste. Hätte ich ordentlich Nahrung gefunden letzte Nacht, hätte Meister Lampe nichts zu befürchten.
Ich schleiche weiter und das Langohr merkt noch immer nichts. Noch zwei Sprung ich bin da, noch ein Sprung, der Wind dreht, mist, der Hase wittert mich, rennt los, ich springe auf, laufe hinterher, vergesse sogar meinen verletzten Lauf, springe, die Schnauze aufgerissen, die Lefzen hochgezogen, so daß mein gesamtes Gebiss, meine tödlichste Waffe sichtbar ist und die Sonne reflektiert, lande fast schon auf dem Hasen und beiße zu.

Die Jagd ist zu Ende.

Ein schöner Happen, aber bei weitem nicht genug. Wir haben eigentlich immer Hunger, denn wir haben eines gelernt. Friß soviel Du kannst, Du weißt nicht, wann es wieder etwas gibt. Ich lasse mir den Hasen schmecken und seufze. Seit zwei Nächten das erste Fressen. Ach tut das gut.

Nagut, es war nicht viel, aber wenigstens etwas. Die Frage ist, wann ich wohl wieder etwas bekomme. Mein Magen knurrt wie Rico, wenn er sauer ist und das will was heißen.
Rico...Was für ein Wolf. Ich bin mir sicher, wenn Ron uns eines Tages verlässt, wird Rico sein Nachfolger. Er hat einfach alles, was ein Wolf dafür braucht. Führungsstärke, Intelligenz, Ausstrahlung und das Herz am richtigen Platz. Rico ist ein sehr ernster Wolf und wenn ich an ihn denke, fällt mir auch gleich Rilly ein., ein junger Spring-ins-Feld, der Rico dauernd ärgert und seine frechen Witze reisst. Rico tut zwar so, als würde ihn das nicht berühren und ist dann immer besonders um eine ernste Miene bemüht, aber innerlich kugelt er sich sicher. So lustig und fröhlich Rilly auch ist, er weiß auch, wie es im Leben eines Wolfes zugeht. Er ist jung und hat Spass daran, aber er kann ebenfalls sehr ernst sein.

Ich streiche durch die Wiese und sehe über mir die Falken und Habichte kreisen, aber auch sie scheinen nichts zu entdecken und wenn doch, sind es wahrscheinlich eh nur kleine Mäuse.
Nichts gegen Mäuse, doch die geringe Menge an Fleisch die sie bieten, rechtfertigen den Aufwand nicht.

Ich ziehe weiter durch die Gegend, die Sonne steht jetzt schon hoch am Himmel und ist verdammt heiß. Ich sollte mir einen Unterschlupf suchen und warten, bis es kühler ist, denn diese Hitze ist ja unerträglich. Aber ich muss weiter, mein Rudel finden, denn ich fühle mich so verflucht einsam und meine Überlebenschancen sinken immer weiter, je länger ich alleine bin.

Ich wandere durch das hohe Gras, in dem meine Färbung mit der Umgebung verschmiltzt und mich für die Augen anderer unsichtbar macht, während die Halme an meinem Fell entlangstreichen.

Ich rieche etwas und bleibe stehen um den Geruch zu überprüfen. Hmm...Schafe. Diese grasfressenden, doofen Viecher, die der Mensch hält, damit sie ihm das Gras kurzfressen und ihm ihren Pelz geben. Wieso schneiden die Menschen das Gras eigentlich? Da lässt es sich doch nicht mehr anständig jagen und die ganzen Tiere können dann auch nicht mehr dort leben. Ich schätze, man muss ein Mensch sein, um das zu verstehen.

Ich suche nach einem Weg, um nicht an den Schafen vorbeizumüssen, denn sie werden sicher bewacht und außerdem sind dort Hunde dabei.

Hunde...Seltsame Verwandte von uns, die bei den Menschen leben. Sie verzichten auf Freiheit und die wilde Natur und auf vieles andere, sie tun unterwürfig alles was von ihnen verlangt wird und es macht ihnen sogar Spaß. Sie haben immer ein Dach über dem Kopf und immer was zu fressen. Sie brauchen keinen Unterschlupf suchen, wenn es stürmt oder regnet. Doch sie sind nicht frei, sie wissen nicht, wie es ist, einfach nur zu laufen und zu jagen.

Sie vollführen die tollsten Kunststücke und freunden sich an mit unserem ärgsten Feind. Unsere Artgenossen wurden Freunde unserer Feinde und somit auch unsere Feinde... Welche Ironie.
Ein Pfad mitten im hohen Gras, ein guter Schleichweg, um an den Schafen und Menschen vorbeizukommen.

Meine Sinne sind angespannt und ich hoffe, daß ich heil und unbemerkt vorbeikomme, ich will keinen Ärger mit den Menschen oder meinen Artgenossen. Langsam Pfote für Pfote schleiche ich voran, immer drauf bedacht, keinen Lärm zu machen.
Es ist lächerlich, daß sich ein stolzer Jäger wie ich wie ein Dieb durchs hohe Gras stehlen muss. Wir sind erfahrener, stärker, schneller und weiser als die Menschen, aber sie haben uns fast ausgerottet, nur weil sie Angst vor uns hatten, weil sie uns für gefährlich hielten, sie jagten uns, rotteten uns fast aus und die letzten von uns wissen nicht, wie lange sie noch leben werden, wie sie den Menschen entkommen sollen.

Da fällt mir ein...Wo jagen die Menschen denn? Sie sitzen nur auf ihren Hochsitzen und schießen auf uns, nachdem uns andere Menschen aus dem Wald getrieben haben. Sowas nenne ich nicht jagen, sondern das ist unterstes Niveau und eines echten Jägers nicht wert. Die wissen nicht, was jagen ist. Wenn ich mich an ein Opfer heranschleiche, losspringe, es stundenlang hetze, die gesamte nacht, dann irgendwann fasse und ihm den tödlichen Biss verpasse, dann ist das zumindest für mich eine Jagd.

Ich höre ein Bellen und daraufhin schnelle Schritte, die in meine Richtung kommen. War ja klar, daß ich nicht ganz unbemerkt bleibe. Aus dem Dickicht bricht ein Hund hervor, ewas kleiner als ich und versucht mich anzugreifen, aber ich weiche den Angriffen aus, fletsche die Zähne und knurre und belle. Ich will keinen Artgenossen angreifen, aber wenn es nicht anders geht, bitte. Er schnappt nach mir und springt, aber ich packe ihn kurz und stoße ihn weg, er greift wieder an, ich wehre ihn erneut ab, da plötzlich ertönen Schreie, menschliche Schreie und ich ahne was jetzt kommt.
Ein Mensch kommt angerannt und ruft wütend nach seinem Hund, der nur das getan hat, was ihm im Blute liegt, deswegen mache ich meinem Artverwandten auch keinen Vorwurf, vielleicht hätten wir das auch ohne Blutvergießen klären können, aber das auftauchen dieses Menschen zerstört alles. Er fummelt an seinem Gewehr herum und mir wird klar, daß die Situation nun erst richtig ernst wird. Ich wirbel herum und renne los, hinter mir höre ich, wie der Kerl sein Gewehr durchlädt und schießt. Ich hoffe, er schießt daneben, aber ich merke, wie an einigen stellen meines leibs die schrotkugeln einschlagen, ich jaule auf vor Schmerzen, aber ich renne weiter. Er schießt weiter und ich schlage einen Haken, um den Kugeln auszuweichen, er schießt ein drittes mal und ich renne weiter und springe hin und her, damit er mich nicht trifft und in mir erwachen die Erinnerungen an die Nacht vor 2 Tagen, als sie uns in unserem eigenen Revier überfielen und das halbe Rudel dezimierten, die Alten ermordeten und die Jungen entführten. Getrieben von panischer Angst haste ich weiter und zum ersten mal merke ich wie es ist, gejagt zu werden. Ich renne und renne, aber meine Kräfte schwinden langsam und der Alte ruft seinem Hund zu, er solle mich fassen und der kleine flitzt los, um mich zu packen, aber ich bin vorbereitet, soll er nur kommen, ich bin gewappnet. Ich bin müde, verletzt und geschwächt, aber noch nicht geschlagen...
Der Hund rennt auf mich zu und ich stehe da und erwartete ihn, er springt mich an, ich stoße ihn weg, er spring mich erneut an und ich stoße ihn wieder weg, meine Wunden schmerzen, aber ich kämpfe weiter, kassiere einen Biss, beisse zurück, ich will nicht mit ihm kämpfen, aber es bleibt mir keine wahl, ich muss mich verteidigen und fliehen, solange ich kann, aber da kommt der Mann angerannt und schießt, ich bekomme eine volle ladung ab und werde von der Wucht zu Boden geschleudert.

Der Mann schaut zu mir runter, ich blicke hoch und knurre, aber das scheint ihn nicht zu beeindrucken, ich versuche aufzustehen, doch er stellt mir einen Fuß auf den Leib. Ich knurre noch lauter, während er mir sein Gewehr vors gesicht hält.

Er will schiessen, aber plötzlich hören wir ein lautes Knurren, das aber nich von mir herrührt, er hebt den Kopf, richtet die Flinte in die Richtung aus der es kam, aber ich weiß, wer es ist.

Crane steht auf einem Felsen und starrt mit zornigen Augen auf den Zweibeiner. Eine Sekunde später springt Crane los und der Mann schiesst, aber Crane erwischt ihn im Flug und beide stürzen zu Boden. Crane versucht aufzustehen, aber er ist zu stark getroffen und blutet aus mehreren Schusswunden.
Crane... Mein bester Freund... Ich stehe auf und ein wütendes Knurren entrinnt mir, der Mann dreht sich um, ist unvorbereitet, ich springe ihn an, reisse den Mörder zu Boden, beisse ihn überall hin, wo ich nur kann, er schreit und heult und sein Hund greift mich an, packt mich am Hals, doch mit letzter kraft greift Crane zu und schleudert die Töle zur Seite. Ich beisse den kerl weiter, zerfetze seine Kleider und lasse schließlich von ihm ab, denn ich will ihn am leben lassen.

Wir Wölfe sind Jäger, keine Mörder.

Während der Kerl blutend und geschlagen am Boden liegt, gehe ich zu Crane. Er schnauft schwer, aber er lebt noch. Ich lecke seine Wunden, beschnüffele ihn und stoße ihn vorsichtig mit der Schnauze an.

Crane schaut mich mit traurigen, aber stolzen Augen an, er weiß, daß er das richtige getan, daß der das edelste getan hatte, was es gibt, er hatte seinem Freund das Leben gerettet - und muss das nun mit seinem eigenen bezahlen. Ich verabschiede mich von ihm und schaue zu wie das Leben Cranes Körper verlässt. Er ist und bleibt mein bester Freund und wird für immer in meinem Herzen und meiner Erinnerung leben.
Crane mein Kamerad... Ich werde Dich niemals vergessen.
Ich stimme ein Heulen an, das über eine Stunde geht und verlasse diesen Ort der Trauer mit einem tiefen Stich im Herzen, doch ich kann es nicht ändern und ich muss darüber hinwegkommen. Einige Meter weiter drehe ich mich ein letztes mal zu ihm um, nicke ihm zu und gehe dann endgültig.
Tja, ich bin noch am Leben und verletzt, ich muss einen Ort finden, an dem ich mich ausruhen kann, der sicher ist, aber wo nur?

Der Weg geht langsam bergan und ich entdecke einige Höhlen weiter oben, sieht aus, als wären die Menschen hier seltener. Ich betrete die Höhle und schaue mich um. Sieht interessant aus, nur etwas kalt und leblos. Meine Schritte hallen wider, während ich auf dem blanken Fels durch den Berg wandere.
Interessant, was die Natur so alles schafft, was sie fertigt und in welcher Pracht und Schönheit, während das, was die Menschen erfinden meistens eh nur Schrott ist und nicht lange hält.

Hier lässt es sich jedenfalls fürs erste aushalten, ich denke hier findet mich keiner, besser gesagt ich hoffe es. Morgen wandere ich weiter und vielleicht finde ich dann endlich mein Rudel und meine Freunde.

Ich gähne ausgiebig und lege mich dann zu Boden, um erschöpft, verletzt und todmüde einzuschlafen.
Ich wache ziemlich spät auf und strecke mich erstmal. Mein Schlaf war tief und lang gewesen, aber wirklich besser geht es mir immer noch nicht. Meine Glieder schmerzen und meine Wunde am Lauf hat sich mittlerweile entzündet. Na toll, ich hoffe nur, daß das bald wieder verheilt.

Ich verlasse die Höhle und überschaue erstmal die Gegend, die sich mehrere Sprung vor mir ausbreitet. Welch eine Aussicht, welch ein Land, welch ein Revier. Ein Stolz und ein Gefühl der Freude erfüllte mich, als ich unser Revier überschaute, doch zugleich fielen mir die Menschen wieder ein, wie sie uns aus unserer Heimat verdrängten, uns jagten, fingen und ermordeten.

Die Sonne kitzelt meine Schnauze und ich nehme meinen Weg auf, in der immer noch währenden Hoffnung, endlich mein Rudel, meine Freunde und Gefährten zu finden.
Hmm, ich hab Hunger, aber es ist nichts zu finden, kein Hase, kein Reh, nichts.

Es kann doch nicht sein, daß alles Wild schon erlegt ist? Ich suche nach Spuren, aber ich finde nichts. Auch meine immer verläßliche Nase verrät mir nichts. Ich wandere weiter mit knurrendem Magen und die Sonne brennt mir auf den Pelz, oh wie ich es hasse, am Tag unterwegs zu sein. So sehr ich die Nacht auch liebe, so interessant ist es, die Welt am Tage zu sehen, es ist anders als sonst. Es ist ungewohnt, alles so direkt zu sehen, was sonst durch die Schwärze der Nacht verdeckt ist.

Ich laufe weiter und schaue dem Spiel des Lebens zu, sehe, wie die Tiere erwachen, umhertollen, jagen, fliegen oder einfach nur den Tag genießen. Ich freue mich, wie alles umhertollt und fange an zu rennen, ich springe und flitze den Berg hinab, springe über Felsen , lande auf dem Gras, renne weiter und springe erneut voller Übermut bergabwärts, bis ich im Tal ankomme. Dort renne ich weiter, ich renne und renne und genieße die Bewegung, die Schnelligkeit und Energie die mich durchströmt.

Ich hebe die Schnauze an, suche nach einer Witterung und tatsächlich steigt mir der Geruch eines kleinen Tieres in die Nase. Ich renne los und überrasche meine Beute, bevor sie mich überhaupt ahnte. Ich fasse zu und töte sie schnell und lasse sie mir erstmal so richtig schmecken.
Nach dem kurzen Mahl wandere ich weiter und durchstreife das Land, in der Hoffnung endlich die anderen zu finden, doch nichts, rein gar nichts, kein heulen, keine wölfe, kein nichts, verdammt nochmal!!

Ich renne los und laufe und flitze, keine ahnung wie lange immer geradeaus, renne mir die Wut von der Seele und den Schmerz, auch meinen verletzten Hinterlauf spüre ich nicht, ich flitze und laufe und höre nicht auf, zweige schlagen mir ins gesicht, ich trete auf Steine und in Gruben, reiße mir die Pfoten auf, Holzsplitter bohren sich in mein Fell, doch ich nehme es kaum wahr, ich laufe und laufe und renne und bleibe nicht stehen, sämtlicher hass setzt sich frei und lässt mich laufen, eine welle des zorns überrollt mich und ich laufe noch schneller, ich fühle wie meine Läufe anfangen vor Erschöpfung und Schmerz zu brennen, doch ich ignoriere es, ich bin dem Rausch des Laufes verfallen und kann mich ihm nicht entziehen, meine Lunge brennt nun ebenfalls, ich keuche und japse, doch ich zwinge mich weiter, ich will nicht stehenbleiben, ich will weiter, immer weiter und weg, nur weg und die anderen finden, egal wo sie sind, ich weiß ich finde sie, irgendwann, ich muss nur laufen, immer weiter laufen, weiter, immer weiter.

Ich weiß nicht, wie lange ich so gelaufen bin, als ich zu tode erschöpft zu Boden falle und mich kaum noch rühre, kaum noch etwas wahrnehme, meine augen sind schwach, meine Läufe und die Lunge brennen wie Feuer, mein Atem geht immer schwächer, ich merke, wie die Kraft und das Leben meinen Leib verlassen.

Ich schaue zu den Sternen hinauf und denke an die anderen und ich vermisse sie, doch ist es wohl besser, daß sie mich in dieser Stunde nicht so sehen, ich versuche nochmal zu heulen, aber nur ein leises Winseln verlässt meine Schnauze.
Ich denke an Crane und daran, was er für mich getan hat und freue mich darauf, ihn in den ewigen Jagrevieren wiederzusehen, ja mein Kamerad, bald sind wir wieder vereint und dann werden wir wieder jagen und umhertollen und für immer und ewig zusammen sein, wir zwei, Crane und Lobo, die Legenden.

Ich höre ein Heulen, das wird sicher Crane sein, er heult, um mir den Weg zu weisen und ich versuche zu antworten, aber mir fehlt einfach die Luft, ich bringe wieder nur ein Winseln zustande, ich versuche die Läufe zu bewegen, aber sie versagen den Dienst, ich liege wehrlos da, ich schließe die Augen, sammele nochmal alle Kraft und versuche aufzustehen, ich komme halb auf die Pfoten, aber ich falle wieder um, ach verdammt, nun komm schon Lobo, los auf die Läufe!
Aber sie versagen den Dienst, wie sehr ich mich auch anstrenge, ich kann einfach nicht mehr, ich schaff es nichtmehr in die ewigen Jagdreviere einzutreten, ich schaue erneut zu den Sternen hinauf und erhoffe mir Rat, ich hoffe, Crane zu sehen, oder zu hören, aber nichts, nur die Stille, mir entflieht wieder ein Winseln, das eigentlich ein Heulen sein soll und verärgert versuche ich es wieder und bringe ein halbwegs ordentliches heulen zustande, doch keine antwort. Die stille und die anbrechende dämmerung ist das einzige was ich wahrnehme und so langsam gebe ich alles auf, es ist alles so sinnlos, meine Freunde sind, weg ich kann nichtmehr laufen, nicht mal richtig heulen, wozu soll ich dann noch kämpfen? Ich mach einfach die Augen zu und warte auf das unvermeidliche und dann werde ich wieder bei Crane sein, ihn endlich wiedersehen.

Meine Kraft und mein Wille lösen sich in nichts auf, während mein Körper langsam immer freier und leichter wird und ich höre ein erneutes Heulen, etwas entfernt, aber es scheint näher zu kommen, das muss Crane sein, mein Freund, er kommt, er kommt um mich zu retten, er hat überlebt! Ich versuche verzweifelt irgendwas zu tun, doch mein Leib gehorcht mir nicht. Erneut höre ich ein Heulen und versuche zu antworten, doch wieder versagt meine Stimme. Ich knurre leise und strenge mich noch mehr an, aber ich spüre wie die Stärke meinen Körper verlässt. Mir ist kalt, ich friere, eine kalte nasse Flüssigkeit läuft mir über das Fell und sickert zu Boden. Seltsam, es regnet doch nicht. Im nächtlichen Mondschein erkenne ich erst, daß die Schusswunden, die mir der Jäger zugefügt hat stark bluten und ich werde zornig. Ich werde mich diesem Menschen nicht ergeben, ich werde wieder auf die Beine kommen, ich werde überleben! Ich rolle mich auf den Bauch und stemme die Pfoten in den schwarzen, feuchten Dreck. Knurrend und winselnd kämpfe ich mich auf die Beine, doch dieser Kraftakt kostet mich meine letzten Reserven, ich breche erneut zusammen und jetzt schwindet jegliche Stärke. Ich kann nicht mehr, ich bin am Ende, verletzt, müde und erschöpft. Ich möchte Ruhe, Frieden und mein Rudel, ich möchte zu den anderen, möchte bei ihnen sein. Doch ich kann nicht mehr, helft mir... Ich weiß ihr seht mich.. Helft mir doch... Bringt mich zu den anderen... Seht doch nicht nur zu...

Langsam umschließt mich eine angenehme Stille, alles wird ruhiger. Der Mond wird von Wolken verdeckt und ein fahles Licht fällt nieder. Unergründlicher Frieden umfängt mich und ich versinke in einer tiefen finsteren Schwärze... Endlich kann ich schlafen...


Wenn ihr Menschen so weitermacht wie bisher, dann werden und Lobo und seine Freunde nicht die einzigen Toten auf eurer Liste sein...
Wenn ihr Menschen weiterhin die Natur vergewaltigt und ihre Geschöpfe quält, ermordet und massakriert...
Wenn ihr Menschen nicht endlich Achtung und Respekt vor der Natur und dem Leben lernt...

Dann werden eure Sünden auf euch zurückfallen, wenn Terra zur Rache schreitet...

Wieviele Tote könnt ihr Menschen noch vertreten?

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Resistance is futile

05.11.2005, 16:29

 
Kadett
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Wow - eine tolle Geschichte, echt!!! - Es hat zwar ne Weile gebraucht, sie durchzulesen, aber es hat ishc echt gelohnt Grafik und sie macht einen doch schon nachdenklich Grafik




Jeder kann entscheiden, ob er LAUT träumt oder still!

05.11.2005, 17:10

 
Fähnrich
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Joa, da kann ich mich nur anschließen...
Eigentlich müsstest du dafür einen Boni bekommen!




26.1.2007, 20:35

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Fähnrich
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Findet hier sicher mehr Beachtung.




Bild; Quelle: http://bilder.stvc.de/albums/userpics/10019/blog_divider.jpg
Der Zynismus ist meine Rüstung, der Sarkasmus mein Schwert und die Ironie mein Schild.

14.8.2007, 23:02

 
Fähnrich
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Sehr starke Geschichte.




Having a smoking section in a restaurant is like having a peeing section in a swimming pool.

17.8.2007, 13:19

 
Fähnrich
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Sie ist gut. Und ich stimme auch mit der Botschaft vollkommen überein. Aber bitte lass micht trotzdem etwas Kritik üben. Ich glaube nicht dass ein Wolf sich so verhalten würde. Du hast ihn, glaube ich, trotz oder gerade durch deine Bemühungen ihn so anders als die Menschheit darzustellen, vermenschlicht. Ein Wolf würde sich nicht so vermeiden. Ein Wolf würde umkehren wenn er die Gefahr die bei den Schafen lauert erkennt. Ein Wolf kann auch keine logischen Schlüsse ziehen.
Im Grunde tut das deiner Geschichte alles nix. Die bleibt trotzdem spannend und traurig und gut zu lesen.
Aber die Aussage verliert meiner Meinung nach etwas an Kraft. Ich sehe das Dilemma. Du möchtest aus dem Standpunkt eines Wesens schreiben, welches unter den Menschen zu leiden hat. Und die Wölfe haben ganz sicher gelitten. Aber sobald du deine Gedanken auf den Wolf überträgst wird es unrealistisch. Der Mensch ist aber eine ganz reale Bedrohung.
Ich würde es deshalb vermeiden ernsthafte Geschichten wie deine aus dem Standpunkt eines Tieres zu schreiben.
Aber verstehe mich nicht falsch. Ich fand die Geschichte sehr schön geschrieben und akzeptieren die Botschaft darin 100 prozentig.




Wenn du auf Rache aus bist, dann schaufele zwei Gräber.

17.8.2007, 14:35

 
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Ich finde die Geschichte echt toll.Grafik
Sie ist wirklich klasse geschrieben.Grafik




The truth is out there

17.8.2007, 20:39

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