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Abstimmungsthread für das Kurzgeschichten-Event
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Liebe Community-Mitglieder!

Für das aktuelle Kurzgeschichten-Event wurden 5 Geschichten eingereicht.

Die Geschichten werden anonymisiert in den folgenden Posts für 2 Wochen zur Wahl stehen. Bitte die Teilnahmebedingungen für die Abstimmung gut durchlesen und eure Wahl anschließend an die letzte Geschichte in diesem Thread posten.

Teilnahmebedingungen

- Jeder User hat 3 Stimmen
- Die Reihenfolge der Stimmen spielt eine Rolle, d.h. die erstgenannte Geschichte erhält 3 Punkte, die als zweites genannte 2 Punkte und die als letztes genannte 1 Punkt.
- Die Abstimmung muss in einem einzigen Post erfolgen, mehrere Posts sind nicht zulässig. Ein Editieren der Posts/Stimmabgaben ist nur bis zu einer Stunde nach Erstellen des Ursprungs-Posts zulässig. Posts, die später editiert werden, werden -um Manipulationsmöglichkeiten zu minimieren- bei der Auswertung nicht berücksichtigt. Also vor der Stimmabgabe nachdenken.
- Jeder User darf seine Abstimmungsentscheidung begründen, muss es aber nicht.
- Die Teilnehmer am Event dürfen selbstverständlich auch abstimmen.
- Die Abstimmung beginnt ab sofort und endet am 25.01.2009 um 23:59 Uhr. Posts, die später eintreffen, werden nicht berücksichtigt.

Zusätzliche Punkte durch Kritiken:
Wer zu den Geschichten Kritiken schreibt, erhält zusätzlich 250 EPs. Bedingung: mindestens 5 aussagekräftige Sätze! Bei sehr ausführlichen Kritiken entscheiden die Admins, ob der User ggf. noch mehr EPs bekommt.


Bitte in diesem Thread der Übersicht wegen NUR abstimmen. Diskussionen und Fragen bitte hier.

Nun viel Spass beim Lesen und ein "Dankeschön" an die Schreiberlinge!




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

11.1.2009, 14:32

Geschichte 1
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Geschichte 1

Raum 42

Aus dem privaten Logbuch von Harry Kim.

1. Tag
Wir haben es geschafft. Die Verhandlungen mit Enuhri verliefen überaus erfolgreich und wir befinden uns nun auf dem Rückflug zur Voyager. Im Austausch für ein wenig Deuterium erhielten wir ihre Erlaubnis, durch ihr Territorium zu fliegen, was unsere Heimreise um ganze drei Jahre verkürzen wird. Commander Chakotay war bisher sehr schweigsam und hat sich seit dem Verlassen des Heimatplaneten der Enuhri in den hinteren Teil des Shuttles zurückzogen, um sich ein wenig seiner Meditation hinzugeben. Ich weiß nicht, ob etwas mit dem Gespräch mit dem Abgesandten der Enuhri zu tun hatte, mit dem er sich lange Zeit unter vier Augen unterhielt. Auf jeden Fall kommt es mir so vor, dass er seit diesem Zeitpu ...

3. Tag
Der Angriff erfolgte schnell und präzise. Das Shuttle musste plötzlich einen harten Treffer einstecken und ehe ich die Schilde hochfahren konnte, wurde unser Shuttle auch schon von mehreren unbekannten Eindringlingen geentert. Obwohl ich unbewaffnet war, zogen sie, ohne auch nur ein Wort zu sagen ihre Waffen und schossen auf mich. Was dann geschah weiß ich nicht mehr. Ich verlor das Bewusstsein und als ich am gestrigen Tag wieder aufwachte, fand ich mich in diesem großen dunklen und maroden Raum wieder. In manchen Fenstern war das Glas bereits zerbrochen und der kalte Wind erzeugte dadurch ein sehr beängstigendes Heulen. Mir fiel auf, dass mein Bein an der Wand festgekettet war und ich begann daran zu zerren und zu reißen. In mir stieg Panik auf und ich begann laut nach Hilfe zu schreien, ehe mich eine wohlbekannte Stimme unterbrach. Erst jetzt bemerkte ich, dass sich Commander Chakotay und ein weiterer Gefangener in diesem Raum befanden. Ich kannte seine Spezies nicht. Den Exkrementen, die um ihn herumlagen zu urteilen legte nahe, dass er sich schon viel länger als wir hier sein musste und dass unsere Entführer sich wohl wenig um uns kümmerten. Er stellte sich als Samir vor und obwohl er jegliches Zeitgefühl verloren hatte, schätzte er, dass er bereits seit über zwei Monaten hier war. Wie wir wurde er entführt, als er mit seinem Frachtschiff den Enuhri-Raum verließ. Die Entführer seien die Maklei, eine Rasse, die schon jahrelang Krieg mit den Enuhri führe und jedes Schiff angreife, dass dessen Raum verliefe. Wie ich schon vermutete, sagte er uns, dass sie sich um ihre Gefangenen nicht sonderlich gut kümmerten. Mit maximal einer Mahlzeit am Tag sei zu rechnen, sofern man sich kooperativ verhielt. Ansonsten könnte es sein, dass man mehrere Tage nichts zu Essen bekömme. Ich schlug Chakotay vor, dass wir uns einen Fluchtplan ausdenken sollte, aber er meinte nur, dass wir in unserer gegenwärtigen Lage gar nichts unternehmen könnten und deshalb unsere Kräfte schonen sollten, bis unsere Entführer sich uns zeigten und man uns erklärte, wieso man uns gefangen nahm. Obwohl sich in mir alles sträubte, der Dinge tatenlos entgegenzutreten, wusste ich, dass Chakotay recht hatte. Durch den Angriff durch den Betäubungsbeschuss war ich noch ziemlich ausgelaugt und ich legte mich hin, um ein kurzes Nickerchen zu machen.

Ich muss die Nacht wohl durchgeschlafen haben, denn als ich erwachte, schien die Sonne durch die zerbrochenen Fenster. Da Chakotay und der andere Gefangene noch schliefen versuchte ich mir, einen allgemeinen Überblick zu verschaffen. An der Wand entdecke eine Vertiefung, die mir gestern in der Dunkelheit noch nicht aufgefallen war. Als ich mit meiner Hand hineingriff, stieß ich auf zwei Gegenstände. Der eine war ein vollgeschriebener Schreibblock, auf dem mir unbekannte Schriftzeichen standen. Der andere war der dazugehörende Stift. Durch meine scheinbar lauten Bewegungen habe ich wohl Samir aufgeweckt. Er erzählte mir, das dieser Block das Tagebuch eines ehemaligen Gefangenen sei. Über dessen Schicksal schwieg er jedoch eisern. Ich beschloss die Aufzeichnungen fortzuführen, damit jeder nach unserer Rettung erfahren wird, was hier geschah.

4. Tag
Als ich mich gestern Abend schlafen legen wollte, glaubte ich Musik von irgendwo unterhalb von mir zu hören. Als ich den anderen davon erzählte, sah ich großes Entsetzen in Samirs Augen. Ohne ein weiteres Wort mit uns zu Reden, wandte er sich von uns ab und begann am ganzen Leib zu zittern. Was es auch immer mit der Mus ...

Gerade eben hat sich die Tür am Ende des langen Ganges geöffnet. Ich konnte meine Notizen gerade noch unbemerkt in der Nische verstecken, ehe sich unsere Entführer das erste Mal zeigten. Wie schon bei dem Angriff vor vier Tagen erschienen sie maskiert und reden kein Wort. Ein von ihnen deutete auf Chakotay und der andere schoss aus kürzester Distanz auf. Ich wurde wütend und wollte mich mit lauten Gebrüll auf die Entführer stürzen. Obwohl ich sie aufgrund meiner Fußfessel nie erreichen konnte, wurde auch ich mit einem Lähmstrahl niedergestreckt. Als ich dann später wieder erwachte war Chakotay verschwunden.

8. Tag
Von Chakotay fehlt noch immer jede Spur. Samir erzählte mir, dass sie ihn verhören und foltern würden. Manchmal taten sie dies ohne einen wirklichen Grund, nur um ihre Opfer zu brechen und sie gefügig zu machen. Ich glaube nicht, dass sie bei Chakotay etwas erreichen werden. Als Sternenflotten-Offizier weiß er, wie man sich solchen Methoden zur Wehr setzt und er würde eher sterben, als dem Feind irgendwelche Informationen zu verraten. Ich werde auf jeden Fall niemanden meiner Freunde verraten, egal was sie mir auch noch antun werden.

In den letzten Tagen habe ich wohl auch ein wenig das Vertrauen von Samir gewonnen. Er ist nun viel redseliger als zu Beginn geworden und hat mir viele Dinge von seiner Familie erzählt, die er hofft er eines Tages wiederzusehen. Er gab mir viele nützliche Tipps, wie ich mich als Gefangener und bei einem Verhör verhalten sollte, um so gut wie möglich aus dieser Sache herauszukommen. Ich würde sogar sagen, dass ich ihn nach diesen gemeinsamen Tagen als einen Freund betrachten würde und ich versprach, dass wir ihn mitnehmen würden, wenn die Voyager uns befreit. Nur wenn ich ihn auf diese Musik ansprach, wandte er sich von mir ab und verbrechte den Rest des Tages in Schweigen.

11. Tag
Mir fällt es schwer, in Worte zu fassen was Samir mir heute erzählt hat. Ich wünschte sogar, ich hätte ihn nie nach dieser Musik gefragt. Irgendwo in diesem Gebäude gäbe es einen Raum, in dem angeblich die größten Ängsten wahr werden. Dorthin bringen sie die Personen, bei denen zuvor jegliches Verhör scheiterte und die sie nicht brechen konnten. Selbst die gestandensten Anführer hätten darin ihre eigene Familie verraten. Und selbst diejenigen, die nichts verrieten, waren danach derart gebrochen, dass ihn den kommenden Tagen an den Folgen starben.

Samir erzählte mir nun von der Person, die die Hälfte des Tagebuchs geschrieben hatte. Von seinem Charakter her ähnelte er Chakotay. Groß, kräftig gebaut und man spürte bei ihm deutlich die Aura eines Anführers. Egal was sie auch taten, sie konnten ihn nicht brechen. Im Gegenteil, er verhöhnte sogar seine Peiniger aufgrund ihrer "läppischen" Verhörmethoden. Es kam der Tag, an dem sie ihn in "Raum 42" wegbrachten. Irgendwie mussten sie von seinen geheimsten Ängsten erfahren haben, denn als sie ihn zurückbrachten lag er nur noch wie ein Stück Fleisch herum. Sein Körper war übersäht mit Insektenbissen und er als kurz danach starb, krochen noch einige dieser Viecher aus seinem Mund, die während der Behandlung einen Weg in seinen Körper gefunden hatten.

Ich muss nun an Chakotay denken und ob sie ihn schon dorthin gebracht haben. Ich habe Angst. Aber nicht um ihn ... sondern um mich, wenn er ihnen nichts verrät.

12. Tag
Heute haben sie Chakotay zurückgebracht. Ich fragte ihn, was sie mit ihm gemacht hatten, aber er konnte mir nicht viel sagen. Sie hatten ihn tagelang in einen kleinen hellbeleuchteten Raum eingeschlossen und ihn verhört. Das seltsame daran war nur, dass die Fragen, die sie ihm stellten nur persönliche Dinge betrafen. Seine Heimat, seine Familie, seine liebsten Urlaubsorte. Keine dieser Fragen betraf strategische Dinge wie die Enuhri oder die Voyager. Als die Wachen ihn dann nach dem Ende des Verhörs wieder zurückbringen sollten, hörte er noch, wie man ihnen die Anweisung erteilte, dass man nun dem "Raum 42" vorbereiten sollte.
Ich wollte Chakotay davor warnen, aber Samir gab mir Zeichen, ihm nichts davon zu erzählen. Vielleicht hatte Samir recht und es war besser so, wenn Chakotay nicht wusste, was auf ihn zukam, so dass er wenigsten noch diese Nacht in Ruhe verbringen konnte. Denn mich plagen seit diesem Gespräch mit Samir Alpträume, in denen mir meine schlimmste Ängste begegnen. Vielleicht rettet uns ja die Voyager noch diese Nacht.

13. Tag
Sie haben ihn geholt. Weggeschleppt in "Raum 42". Er hat wild um sich geschlagen und getreten, ehe ihn einer dieser Betäubungsstrahlen traf. Ich kann die Musik wieder aus dem Boden hören. Aber diesmal glaube ich, zwischen all diesen harmonischen Tönen, auch Samirs Schreie hören zu können, der entsetzliche Qualen auszustehen hat. Ich bete für ihn. Ich will nicht mehr schreiben. Ich will hier nur noch weg.

15. Tag
Sie haben Samir zurückgebracht ... zumindest das was von ihm übrig war. Er redet kein Wort mehr mit uns, sondern liegt nur noch zitternd und zusammengekauert auf seinem Platz. Sein Blick ist ins Leere gerichtet und er stammelt nur noch wirres Zeugs vor sich hin.

16. Tag
Samir ist tot. Die Angst muss ihn überwältigt haben und ich bin mir ziemlich sicher, dass Chakotay und ich die nächsten sind. Ich will so nicht sterben.

23. Tag
Ich bin zurück auf der Voyager. Die letzten Tage waren schrecklich. Sie vergessen, werde ich nicht können und mit jemanden darüber zu reden, fehlt mir noch der Mut. Auch das Ganze in Worte zu fassen ist alles andere als einfach, denn ich muss alles noch einmal durchleben. Aber vielleicht hilft dies mir, die Dinge ein wenig besser zu verarbeiten.

Einen Tag nach Samirs Tod, haben sie mich geholt. Ich wurde zu Beginn in den gleichen Raum gebracht, wo man auch Chakotay verhört hatte. Der gleiche Raum, die gleiche Beleuchtung und die gleichen dämlichen Fragen. Obwohl ich die Geschehnisse um Raum 42 im Hinterkopf hatte, verweigerte ich zu Beginn jede Antwort. Wie es mir meine Sternenflottenausbildung gebot gab ich bei jeder Frage nur meinen Namen und meine Dienstnummer preis. Ich wollte dadurch Zeit gewinnen, denn ich hatte es immer im Gefühl, dass die Voyager nicht mehr weit weg war. Von Zeit zu Zeit beantwortete ich auch einer dieser Fragen meiner Heimat betreffend, um mich ihnen ein wenig kooperativ zu zeigen.

Das Verhör ging auf diese Weise tagelang weiter, ehe unsere Entführer glaubten, dass sie meinen Willen gebrochen hatten. Dann stellten sie die interessanten Fragen und nun war mir auch klar, dass unsere Gefangennahme kein Zufall war. Sie wussten, dass uns die Enuhri Sternenkarten von ihrem Territorium gaben und genau daran waren unsere Entführer interessiert. Nur hatten sie keine Ahnung, wie sie an die Daten in unserem Shuttle rankommen sollten. Sie versprachen mir, uns umgehend gehen zu lassen, wenn ich es ihnen verriet. Natürlich glaubte ich ihnen nicht.

Gestern war es dann soweit. Der Moment, vor dem ich mich am meisten von allen gefürchtet hatte. Mein Entführer betrat - verhüllt wie immer - in meine Zelle und setzte sich mir gegenüber. Ich bereite mich abermals auf ein ermüdendes Verhör vor, ehe er plötzlich diese Worte zu mir sprach, die ich mein Leben lang nicht mehr vergessen werde. "Guten Morgen Mr. Kim. Ich schlage Ihnen einen Deal vor. Ich habe beschlossen einen von ihnen beiden in Raum 42 zu verlegen. Sie kennen doch Raum 42, oder? Möchten Sie dahin oder lieber die Luft der Freiheit genießen. Die Wahl liegt alleine bei Ihnen. Sie entscheiden, wen wir dorthin bringen sollten.". Was sich vor meinem geistigen Auge abspielte lässt sich nur schwer in Worte fassen. Ich sah nun plötzlich meine größten Ängste Realität werden. Ich sah Samir, wie er an den Qualen nach Raum 42 starb und ohne es zu beabsichtigen, übernahm mein Unterbewusstsein die Kontrolle über meinen Mund und stieß ein Wort hervor: "Chakotay".

In diesem Moment war mir noch nicht klar, was ich da eben getan hatte. Ich verspürte in diesem Moment nur Erleichterung. Erleichterung darüber, diese höllische Folter überstanden zu haben. Auf den Gängen glaubte ich plötzlich Kämpfe zu hören und nur kurze Zeit später stürmte auch ein Trupp Sicherheitsoffiziere angeführt von Commander Tuvok meine Zelle.
Sie wollten mich schon an Bord des Schiffes zurückbeamen, aber ich hatte noch etwas zu erledigen. Also ging ich gestützt von Tuvok auf den langen Gang hinaus und suchte es. Und ganz am Ende fand ich es ... eine große schwarze Doppeltür mit der Aufschrift "42". Ich öffnete die Tür und sah mit mich etwas konfrontiert, das ich am wenigsten erwartet hatte, der Freiheit. Ich sah grüne Wiesen, den Himmel. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte und drehte mich zu Tuvok um. Im Hintergrund sah ich wie sie unseren Entführer aus der Zelle führten, dieses mal unverhüllt, ohne Helm. Seine Rasse sah aus wie Samir. Nein, die Person, die mich in den letzten Tagen verhört hatte war Samir. Aber das war nicht mehr diese gebrochene Samir, mit dem ich mich während meiner Gefangenschaft anfreundete und der am Ende für seine Überzeugung an den Folgen von Raum 42 starb. Im Gesicht dieses Samir zeigte sich nur Hass. Ich verstand das Ganze noch nicht.

Während man auf der Krankenstation meine äußeren Verletzungen behandelte, durchsuchte ein Teil der Crew das Gefangenenlager. Ausser Chakotay und mir hat es nie irgendwelche andere Gefangene gegeben. Auch auf die Existenz eines "Raum 42" schien nichts hinzudeuten. Was sie aber fanden, waren Aufzeichnungen in den Computern, die den gesamten teuflischen Plan der Maklei enthielten. Sie hatten es von Anfang an nur auf mich abgesehen, da sie glaubten bei Chakotay keinen Erfolg zu haben. Samir selbst war der Kommandant dieses Lagers, der sich unter uns mischte, um uns zu manipulieren. Dann hatten sie Chakotay und mich getrennt, so dass Samir mein Vertrauen gewinnen und mir seine Lügen um Raum 42 auftischen konnte. Das Tagebuch, das ich in dieser Nische in der Wand fand, wurde dort mit Absicht hingelegt. Ich sollte es finden, so dass Samirs Lügen eine bessere Wirkung auf mich erzielten. Er wollte meine Ängste schüren und als sie Samir dann zu Behandlung "holten" schienen sie ihr Ziel erreicht zu haben. Sie hatten mich mit Hilfe der Angst gebrochen und ich war bereit, ihn alles und jeden zu verraten. Ich habe Chakotay verraten. Ich war bereit, ihn in den sicheren Tod zu schicken, um mein Leben zu schützen. Ich fühle mich schuldig und es fällt mir momentan noch schwer, ihm in die Augen zu sehen. Ich kann es ihm noch erzählen, was ich getan habe, noch nicht.

Beitrag wurde am 2. Februar 2009, 16:58 Uhr editiert.




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11.1.2009, 14:38

Geschichte 2
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Geschichte 2

Die Flüstergalerie

Teil 1 - Er
Es ist ein seltsames Gefühl vier Stimmen in seinem Kopf zu hören. Seltsam bis man sich daran gewöhnt hat. Danach ist es so stimulierend wie ein Sonnenaufgang.
Ich gönne mir aber keine Sonnenaufgänge. Meine Arbeit nimmt mich so sehr in Beschlag, dass ich manchmal vergesse ob es Tag oder Nacht, gar welcher Tag der Woche, ist. Nur im düsteren Zwielicht meiner Arbeit, mit dem Computer als einziger Lichtquelle und drei anderen Stimmen in meinem Kopf verbringe ich die Zeit.
Zu Beginn war ich schlecht stimuliert und machte Fehler. Doch mit der Zeit wurde die Stimulation der Stimmen besser, in das Chaos wurde Ordnung gebracht. Und dann, als unsere vier Stimmen zu einer einzigen verschmolzen waren, glaubten wir die Perfektion erreicht zu haben. Doch irgendetwas fehlte uns noch immer.
Bis sie in mein Leben trat. Die Muse. Es war an einem Mittwoch.

Wenn ich mich an die Banalität erinnern könnte, die Frage, die uns zusammenführte, würde ich vermutlich lachen. Doch mit dem Fluss der Zeit und der Masse an Arbeit ging das alles in den Wirren des Chaos, das in meinem Kopf nur zu oft herrscht, verloren.
Lange Zeit zog die Muse dann ihre Kreise um mich, ohne dass wir uns dessen bewusst waren. Viele Jahre lebten wir aneinander vorbei und eine weitere Stimulanz kam hinzu, ohne dass ich es bemerkte. Zur selben Zeit wurden die anderen Stimmen auch leiser, bis schließlich eines Tages eine der drei anderen Stimmen verstummte.
Zuerst nahm ich es gar nicht wahr, viel mehr konzentrierte ich mich nur noch auf die eine Muse, die meine Feder zum Glühen brachte. Die Ideen sprudelten aus meinem Kopf wie das Öl aus der Quelle.
Doch eines Tages, im Schlaf, kam es dann über mich. Die eine Stimme, die sonst vor allem in meinen Träumen zu mir gesprochen hatte, war verstummt. Dumpfe Leere erfüllte meinen Schlaf.
Deshalb ging ich gleich, nachdem ich aufgestanden war, in mein Arbeitszimmer und zog den Vorhang zurück, der die Galerie nachts verdeckte, damit nicht alle drei auf mich einsprechen und mir den Schlaf rauben.
Monatelang musste ich den Zustand meiner drei Assistenten nur aus dem Augenwinkel verfolgt haben. Denn der Schädel in der Mitte war zusammengefallen, und als ich ihn anfasste zerbröselte er zu Staub. Zornig versetzte ich dem Regal einen Tritt, das die anderen zwei Schädel zum Wanken brachte. Sofort hörte ich zwei protestierende Stimmen in meinem Kopf.
"Wir brauchen Ersatz", sagte ich dann laut zu ihnen, "und ich habe eine genaue Vorstellung wer in eure Mitte kommen wird!"

Es war ein Samstag als sie eintraf. Zwei Wochen waren inzwischen vergangen und meine anderen beiden Berater schwiegen. Sie hatten wohl gehofft, dass ich keinen Ersatz suchen würde und sie von nun an mein Treiben dominieren würden. So versuchten sie mich wohl zu quälen, zum Teil mit Erfolg. Meine Feder hatte kaum eine Seite verfasst, und an diesem Abend hatte ich sie in den Kamin geworfen als ich sah was da stand.
Zögernd betrat die Muse mein Anwesen. Sie trug ein wunderschönes Kleid, das farblich perfekt auf ihre Haare und Augen abgestimmt war.
Zum ersten Mal trafen wir uns nun persönlich, deshalb war sie zu Beginn noch etwas zögernd. Ich führte sie durch mein Anwesen, bis die Führung im Ballsaal endete, wo bereits ein ausreichendes Abendessen angerichtet war. Stumm genossen wir die Speisen, bis wir uns in Lounge zurückzogen.
Ich genehmigte mir einen Schluck Scotch, die Muse lehnte dankend mit dem Hinweis, das sie nicht trinke, ab.
"Ein kluger Entschluss. Aber einen guten Schluck sollte man niemals ablehnen", entgegnete ich, schenkte dann aber doch nur für mich ein.
"Warum habt Ihr mich eingeladen, nach all den Wochen und Monaten?"
"Die Frage, die Sie quälen sollte, meine Liebe, ist nicht das warum. Sondern warum es erst jetzt erfolgte", antwortete ich verschwörerisch lächelnd und setzte das Glas mit dem Scotch ab. Dann ergriff ich ihre Hand.
Sie zuckte überrascht zurück, als sie spürte wie kalt meine Hände waren. Ich fühlte beinahe wie das diabolische Grinsen, das auf allen meinen Bildern mein Gesicht verzerrte, langsam aufstieg. Aber irgendwie war es mir recht.
"Gehen wir ein Stück. Einen Raum haben Sie noch nicht gesehen, meine Liebe. Doch er wird Ihnen wohl am besten gefallen. Es ist mein Arbeitszimmer."

"In diesem, meinen Reich erscheint alles. Wörter werden Realität, nachdem Gedanken die Wörter geformt haben. Doch mangelt es mir im Moment an der Inspiration die Gedanken in Wörter zu fassen. Einst halfen mir dabei drei Stimmen, doch nun ist eine verstummt. Halte mich für verrückt, wenn ich es sage. Doch sieh, denn hier sind die beiden, die noch zu mir sprechen."
Mit einem Ruck fiel der Vorhang vor der Galerie. Ein Schwall kalter Luft, als würde sie Geistern in ihrem Fahrwasser folgen, fegte durch den Raum und ließ meine Muse frösteln. Ich war die Kälte gewohnt und lächelte zufrieden die Schädel meiner Helfer an.
"Zu deiner Rechten siehst du Krushak, den letzten der dreizehn Schamanen eines längst untergegangen Volks. Sie nannten sich Orks, und riefen Geister namens Orcus an. In ihrem Glauben war es tief verankert andere ihrem Glauben zuzuführen. Doch die Menschen wollten sich nicht fügen und so kam es zu einem großen Krieg. Die Orks kämpften tapfer, doch waren sie der Masse an Menschen unterlegen. Es ist nicht wichtig für seinen Glauben zu sterben, sondern die anderen für ihren Glauben sterben zu lassen. Nachdem der letzte Ork durch die Klingen der Menschen sein Leben verlor, wurde jede Spur von diesem stolzen Volk aus der Geschichte getilgt. Es ist als hätten sie nie existiert, nur in Legenden treten sich manchmal als Diener des Bösen auf. Dabei waren sie gar nicht so viel anders als die nun führenden Weltreligionen.
Zu der Linken siehst du den Kopf von Vlad. Einst war er wie du, doch dann verschrieb er sich dunkleren Mächten. Lange Zeit regierte er ein für damalige Verhältnisse großes Reich mit eiserner Faust und vollführte unter dem Deckmantel des Glaubens unsägliche Gräueltaten. Doch eines Tages wurde man ihm überdrüssig und nutzte seine Verbrechen aus um ihn an den Galgen zu bringen. Vlad war jedoch nicht nur mächtig, sondern auch äußerst geschickt darin seine Feinde zu täuschen. Er floh und ließ sie glauben, dass er gefallen sei. In seiner neuen Heimat wollte er dann erneut ein Regime des Grauens einrichten. Doch bevor es soweit war, traf er auf meine Wenigkeit. Und nun ist der große Vlad Tepesch, aus der Geschichte als Vlad der Pfähler bekannt, nur noch eine Stimme in meiner Galerie.
Doch warum ich dir das alles zeige, hat einen einfachen Grund. In der Mitte ist kürzlich ein Platz frei geworden. Nur jemand mit besonderen Gaben kann die Lücke wieder auffüllen und meinem Verlangen Genüge tun. In Zeiten wie diesen ist es nicht nur wichtig Geschichten zu erzählen, sondern sie so zu erzählen, dass sie Masse gefesselt ist. Genau das ist meine Intention, doch scheitere ich im Moment. Das wird aber anders sein wenn du deinen Platz hier einnimmst. Meine Muse."
Kein Wort kam aus dem Mund meiner Muse, die entsetzt die glatten Schädel der beiden Flüsterer betrachtete. Die krummen, scharfen Zähne des Orks und die überlangen Reißzähne von Vlad. Die leeren, schwarzen Augenhöhlen schienen zu ihr zu sprechen, denn ihr Mund formte Wörter ohne dass ein Laut über ihre Lippen kam.
Erst als die Klinge, die neben meinen Arbeiten lag, aus der Scheide glitt, kehrte Leben in ihren Körper zurück. Blitzschnell fuhr sie auf der Stelle herum und suchte das Weite. Ihre Schritte verhallten bald in dem langen Gang, der hier her führte.
Doch ich war nicht in Eile. Dies hier war mein Reich und sie würde nicht entkommen. Gemächlich machte ich mich auf ihr zu folgen und den Kopf einzufordern.

Überall im Haus hatte ich Augen und Ohren. Als sie durch die lange Allee der Familiengalerie eilte, verfolgte ich ihre Schritte als wäre ich an ihrer Seite. Beinahe spürte ich wie die Samtkordeln der Vorhänge über ihre Haut glitten als wäre es meine.
Sie schien meine Anwesenheit auch zu spüren, denn plötzlich drehte sie sich um und starrte die Tür an, aus der ich gerade trat. In Sekunden hatte ich eine Strecke zurückgelegt, für die sie fast fünf Minuten gebraucht hatte.
"Deine Flucht endet hier. Du kannst dem Unvermeidlichen nicht entkommen!" rief ich ihr nach und setzte zum Sprung an. Doch genau wie ich gekommen war, war sie im nächsten Moment verschwungen. Die Klinge, die ihr hoch geschwungen hatte, durchschnitt nur die Luft und trennte den Kopf von einer wertvollen Büste.
Da spürte ich eine Klinge im Rücken und zog erschrocken die Luft durch die Zähne ein. Dann hörte ich die magischen Worte: "Deine Reise endet hier."

Teil 2 - Sie
Lange verfolgte ich seine Schritte sehr genau und nutzte meine übermenschlichen Sinne um seine eingebildete Persönlichkeit zu unterwandern. Eine schwere Last lag auf seinen Schultern, das nahm ich von Anfang an wahr.
Er wollte aufhören, doch war er gierig nach den Worten der drei Flüsternden in seinem Kopf. Beinahe hatte ich Mitleid, doch wusste ich zu gut wie er an die Köpfe derer kam, die in seiner Galerie zu ihm sprachen. Vampir und Ork konnten lange Zeiten überdauern, waren fast unsterblich. Doch die Menschen vergingen immer schnell, und so war es Zeit etwas zu ändern.

Die Gier machte ihn so blind, dass er mir ohne Widerstand Zugang zu seinem Reich gewährte. Liebevoll nannte er mich immer nur die Muse. Es tat mir beinahe Leid, dass ich bald seine Hülle würde zerbrechen wie einen Käfer um diesen Fluch zu beenden.
Doch als er mich in sein Arbeitszimmer führte, mir seine Helfer zeigte und mir ihre Geschichte erzählte, verlor ich das Mitleid mit seiner Seele. Denn als er zum Schwerte griff, erwachte Wahnsinn in seinen Augen, die meine tiefsten Angstgefühle zu erwecken vermögen. Eilig wollte ich meine eigene verkommene Seele in Sicherheit bringen. Doch schnell erkannte ich, dass in seinem Reich kein Ausweg für mich war. Nur einer von uns beiden würde dieses Haus lebendig verlassen.
So stellte ich mich meiner Angst und meinem Gegner.

Als er mir gegenüber stand, erinnerte mich das an eine Szene aus einem Film als ein Vampir seinem Opfer gegenüber steht. Sogar das Ambiente hier war ähnlich, nur dass der Vampir dort kein Schwert in der Hand trägt, oder das Opfer eine Klinge im Ärmel verbirgt.
Seine letzten Worte schellten wie Glocken in meinen Ohren. Er war so von seinem Wahn eingenommen, dass er die Gefahr gar nicht wahr nahm. "Deine Flucht endet hier. Du kannst dem Unvermeidlichen nicht entkommen!" Die Wörter brannten wie Feuer in meinen Ohren. Doch im selben Moment sprang er vor und schwang dabei seine Klinge. Es war der Hauch eines Atemzugs, den ich benötigte um auszuweichen.
Durch den kraftvollen Schlag verlor eine Büste ihr Haupt und der Wahnsinnige kniete halb vor mir und starrte den zerbrochenen Stein entsetzt an. Da setzte ich meine Klinge an seinen Hals und sprach meine letzten Worte an diesen armen Mann: "Deine Reise endet hier."

Teil 3 - Er in der Galerie
Welch Schmerz in dem heißen Wasser liegt, die die Haut und das Fleisch sauber von den Knochen löst. Meine Augäpfel sind schon zerborsten und offenbaren das Gehirn eines Denkers. Ein Gehirn, das wohl bald Krähenfraß sein wird.
Die Ohren schmelzen ab ob wie Regentropfen, die an einer Fensterscheibe nach unten rinnen. Die Schmerzen vergehen dann schnell als die Nerven absterben. Es folgt eine unsägliche Kälte, gefolgt von einem Lufthauch, der eisig kalt und warm zugleich ist.
Leben kehrt in meine leere Hülle zurück und ihn sehne mich nach einem guten Schluck um die Geister zu rufen. Nur antwortet niemand. Denn nun werde ich gerufen.

Teil 4 - Sie in der Galerie
"Also, meine Freunde. Sprecht zu mir. Ich warte auf eure Inspiration."
Sie blickte in ihre Galerie. Zur Linken der Schädel eines Dämons, die schwarzen Hörner dunkel wie eine Neumondnacht. Dazwischen der kleine Saum schwarzer Haare, der immer und immer wieder nachwächst.
Zur Rechten der Kopf eines Elfen. Einer vergessenen Rasse, die in den Wäldern versteckt vor neugierigen Augen der Menschen verborgen, die Bäume verehrten. Bis sie gekommen waren, die Machtgierigen, die nach den Geschichten der anderen Völker gierten. Es war schwierig gewesen den Schädel abzukochen, ohne die spitzen Ohren zu verlieren. Erst beim dritten Versuch war es ihr gelungen. Welch Ideen ihr so wohl entgangen waren? Sie verschwendete jedoch keinen Gedanken daran.
Denn in er Mitte war ihr neues Prunkstück. Wo einst ein Denker der Menschen gewesen war stand nun der Schädel des letzten Incubus auf Erden. Gezeichnet durch die Vereinigung mit einem Dämonen hatte er unsägliche Macht erlangt. Und doch war er ihrer Klinge erlegen. Die Vorstellung, dass er jetzt hier war und nicht sie in seiner Galerie, ließ er Herz frohlocken. Doch sie durfte keine Zeit verlieren. Es gab viel zu tun für den wahrlich letzten Incubus. Alle anderen waren von dannen, bis sie auf sie. Sie streichelte liebevoll über den Kopf ihres Liebhabers, massierte seine Hörner.
"Also, meine Freunde. Sprecht zu mir. Ich warte auf eure Inspiration."

Beitrag wurde am 11. Januar 2009, 14:46 Uhr editiert.




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11.1.2009, 14:45

Geschichte 3
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Geschichte 3

Dämmerung

Das kalte, weiße Licht sprang an. Selbständig und geräuschlos arbeiteten die Instrumente.
"Bitte nennen sie die Art des medizinischen Notfalls..." Der kahle Mann erschien aus dem Nichts. Kalt und leblos. Klassifizierend und berechnend blickten seine Augen durch den Raum. Eine letzte Auswertung und er verschwand in das Nichts, aus dem er kam.

Er wusste es war ein neuer Tag, als er erschien. Hektische Stimmen erhallten.
"Bitte nennen sie die Art des medizinischen Notfalls...", bat er. Selbstverständlich.
"Doc! Es gab eine Plasmaexplosion auf Deck 11! Es gibt mehrere..."
Er fragte bereits die benötigten Informationen ab, berechnete die erfolgsversprechendste Vorgehensweise, identifizierte anhand der Stimmen im Raum die anwesenden Personen und lies Lt. Tom Paris, Gattung: Mensch, in Ruhe aussprechen.
"Lt. Paris, koordinieren Sie die Verabreichung von 47 Milligramm Dolodoberndan gegen mögliche Strahlungs..."
Dafür wurde er erschaffen. Das war seine Funktion. Das wusste er.

Seitdem er die Nachbehandlung des letzten Plasmaunfallpatienten abgeschlossen hatte, waren exakt sieben Tage, elf Stunden und vier Minuten vergangen.
"Bitte nennen sie die Art des medizinischen Notfalls..." Keine Antwort. Keine Stimmen, keine Bewegungen. Identische Prozesse schlussfolgerten innerhalb der gleichen Zeitspanne das Ende seiner benötigten Anwesenheit.

Es vergingen 36 Sekunden.
"Bitte nennen sie die Art des medizinischen Notfalls..."
Das Licht schien kalt und weiß. Die Instrumente, Diagnosestationen und Monitore arbeiteten stumm. Seine Anwesenheit wurde nicht benötigt.

"Bitte nennen sie..."
"Doc, Sie sollten sich das anschauen!", wurde er unterbrochen. Ein junger Mann - Gattung: Mensch, Name: Harry Kim, Dienstrang: Fähnrich - hielt ihm die Hand direkt vor das Gesicht. Er prüfte, wie viel Zeit vergangen war: 21 Minuten, 26 Sekunden.
"Bitte folgen sie mir.", bat er den Fähnrich, untersuchte die Hautirritation und berechnete die Heilungsmöglichkeiten.
"Das juckt irgendwie.", beschrieb der Fähnrich. Die Subprozesse analysierten die Aussage als für den Heilungsprozess irrelevant und zugleich als unnötige Bemerkung. Eine Analyse, die zum ersten Mal durchgeführt worden war.
"Alles in Ordnung Doc?", fragte Harry Kim. Auch dies geschah nach interner Datenbankabfrage zum ersten Mal. Er beschloss, auf die menschliche Floskeln nicht zu antworten und fragte stattdessen:
"Fähnrich Kim, haben sie mich mit ihrem medizinischen Notfall bereits vor 23 Minuten und 24 Sekunden aufgesucht?"
"Ich? Nein, Doc. Ist wirklich alles in Ordnung?"
Da seine Anwesenheit nicht mehr benötigt wurde, deaktivierte er sich und verschwand.

"Bitte nennen sie die Art..." Diesmal unterbrach er sich selbst, denn nachdem er materialisierte blieb es dunkel. Einen Sekundenbruchteil lang. Dann sprang das Licht übergangslos an.
"Hallo?", rief er. Diese Vorgehensweise war ihm logisch erschienen. Keine Antwort. Er ging einen Schritt vor. Dann weitere. Die Veränderung des Blickwinkels änderte nichts an der Deduktion: Es existierte kein Medizinischer Notfall. Er deaktivierte sich. Eine nützliche Funktionalität, die man ihm erst kürzlich hinzugefügt hatte.

Als er am darauffolgenden Tag erneut aktiviert wurde - weil Lt. Suder sich über Schlafmangel beklagt hatte - beantragte er bei den technischen Ingenieuren eine Wartung seiner Systeme. Er missachtete die Routine sich nach Beendigung des medizinischen Notfalls selbst zu deaktivieren, indem er seine technische Wartung höher priorisierte. Still stehend vergingen vier ereignislose Stunden ehe Lt. Torres, Gattung: 52,89% Mensch - Klingone, eintraf.
"So Doc, was haben sie denn für Beschwerden?", scherzte jene gut gelaunt.
"In unregelmäßigen Abständen werde ich aktiviert, obwohl kein medizinischer Notfall vorliegt.", konkretisierte er.
"Na dann wird sich wohl jemand ein Scherz mit ihnen erlaubt haben...", grinste sie.
"Es war sonst niemand in der Krankenstation.", fügte er daraufhin hinzu und bemerkte wie Lt. Torres Lächeln verblasste und sich ihre Schultern leicht senkten.
"Ist es etwas... Schlimmes?", fragte er.
"Nein, aber es wird wohl eine ganze Weile dauern ihre Systeme zu checken, fürchte ich. Und ich hätte eigentlich noch anderes zu tun..." Er wurde deaktiviert.

Als er erneut aktiviert wurde, verzichtete er auf die übliche Frage, denn anwesend war lediglich Lt. Torres. Eine Synchronisation mit dem Schiffscomputer ergab, das 134 Minuten vergangen waren.
"So, Doc. Wie es aussieht ist alles in Ordnung mit Ihnen. Ich habe rein technisch keine Fehler feststellen können. Vielleicht sollte ich mir bei Gelegenheit die Sensoren der Krankenstation anschauen... Schließlich lösen jene ihre Aktivierung aus, sowie jemand den Raum betritt."
"Veranlassen Sie das bitte.", sagte er nur. Und deaktivierte sich selbst.

"Bitte nennen..." Er verharrte sofort in der Dunkelheit und zögerlich sprang das Licht an. Diesmal lief er sofort auf und ab, blickte sich um, schaute in jede Ecke... niemand anwesend.
"Hallo?", rief er und wartete. Seit seiner ersten Aktivierung waren wenige Wochen vergangen.
"Sollte dies ein Scherz sein, dann bitte ich Sie künftig das medizinische Notfallprogramm lediglich für medizinische Notfälle zu nutzen." Keine Antwort. Fünf Sekunden später verschwand er.

Als er wieder auftauchte - diesmal war es bereits hell in der Krankenstation - waren keine 48 Sekunden vergangen. Er stemmte die Hände in die Seiten und schnaubte. Eine Subroutine, die ihm menschliche Gestik und Mimik ermöglichte war wohl ausgelöst worden. Und das erstaunte ihn sichtlich.
"Computer.", befahl er. "Befindet sich ein Crewmitglied in der Krankenstation?"
"Es befindet sich momentan kein Crewmitglied in den gewählten Räumlichkeiten.", erklang es prompt.
"Computer. Ich spezifiziere, befindet sich, abgesehen von einem Crewmitglied, Irgendjemand in der Krankenstation?" Diesmal dauerte es länger.
"Positiv."
Hatte der Computer soeben tatsächlich gezögert?
"Computer, handelt es sich dabei um Neelix oder Kes?"
"Negativ.", erklang es sofort.
Langsam drehte er den Kopf in beide Richtungen, schaute dabei auch zum Boden und zur Decke, versuchte etwas wahrzunehmen, eine Bewegung oder ein Geräusch, das leise Atmen eines Lebewesens.
Mit einem zischenden Geräusch glitt die Tür auf.
"Doc! Schnell, es gab ein Shuttleabsturz, Fähnrich..." Die Prozesse und Routinen übernahmen. Seine Aufgabe, Funktion und auch Bestimmung: Leben retten.

"Wie geht es Fähnrich Tsim?" Er blickte von dem Kontrollpult auf und erkannte Kathrin Janeway, Mensch, Captain des Schiffes.
"Fähnrich Regayov Tsim wird in wenigen Stunden wieder diensttauglich sein. Es ist mir durch eine vertikale Autogeneriasion nach rigelanischem Vorbild..."
Janeway hatte die Hand gehoben, eine Geste die ein Gespräch unterband. Und als Captain hatte sie das Recht dazu und so schwieg er.
"Das ist gut.", sagte sie leise mit Blick auf die grünen Anzeigen am Monitor.
"Captain Janeway...", ergriff er das Wort. "Ich denke wir haben einen Eindringling an Bord."
Bei dieser Behauptung wurde sie sofort hellhörig, hob den Kopf, die Pupillen verengten sich leicht. "Wie kommen sie darauf?"
"Für gewöhnlich werde ich aktiviert, sowie jemand die Krankenstation betritt. Allerdings geschieht es in letzter Zeit häufiger, dass ich aktiviert werde, obwohl sich hier niemand aufhält, der Computer hat dies bestätigt."
"Erzählen Sie mir alles.", forderte sie. Und er beschrieb die Ereignisse der letzten Tage.
"Janeway an Torres", rief sie in ihren Kommunikator, "Ich möchte dass Sie jede Aktivität des Holographischen Notfallprogramms protokollieren und analysieren."

Es vergingen keine zwei Tage. Die Aktivierung und das Erscheinen, das Licht, das ansprang, das Blinken der Kontrollmonitore. Kein Laut zu hören, kein Atmen, nichts zu sehen. Er begann auf und ab zu laufen. Schaute in jede Ecke, in jeden Winkel, begann sogar die Schubladen und Fächer aufzumachen, dort nach etwas Unbekanntem zu suchen. Und letztendlich beschloss er, sich nicht zu deaktivieren und lauernd abzuwarten. Was auch immer sein Erscheinen auslöste, er wollte es sehen, hören und erleben, sowie es wieder zum Vorschein kam. Das Licht erlosch und er blieb regungslos stehen, wachsam und auf jedes Geräusch fixiert. In die Dunkelheit starrend.

Zu Beginn der morgendlichen Dienstschicht des Schiffes glitt die Tür auf.
"Captain. Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?", fragte er sogleich, noch bevor Janeway, dicht gefolgt von Belana Torres, den Raum betreten und die Tür sich wieder geschlossen hatte.
"Nun.", begann Belana. Er ertappte sich dabei, dass er Janeways Gesichtsausdruck zu analysieren versucht hatte. Erfolglos.
"Ich bin wirklich keine Expertin auf dem Bereich der Holo-Programme, aber es sieht für mich so aus... nach Analyse aller Daten Ihrer letzten Aktivierung..." Sie hielt inne.
"Leutnant, bitte. Wer ist es? Wer oder was ist dafür verantwortlich?"
"Sie selbst.", antwortete Janeway. Und plötzlich lag da ein Schmunzeln auf ihren Lippen.
"Was meinen sie damit: Ich selbst?", er blickte Beide abwechselnd an.
Janeway legte ihre Hand auf seine Schulter.
"Es scheint, als wollten Sie selbst nicht im deaktivierten Zustand bleiben. Und unterbewusst oder nicht... falls man das so formulieren kann in Ihrem Falle... aktivieren Sie sich einfach."
"Ich... aktiviere mich?" Er blickte Belana fragend an.
"Wie bereits gesagt, ich bin keine Expertin auf diesem Gebiet. Aber es scheint so, ja."
"Kann man die Fehlfunktion beheben?", fragte er.
"Beheben?" Belana lachte auf. "Ich habe nicht einmal verstanden wie Sie genau funktionieren! Da werde ich auf keinen Fall etwas daran ändern, sonst könnte es sein, dass Sie beginnen Herz und Niere zu verwechseln und ich bin es dann gewesen!"
"Und? Und was machen wir jetzt?"
"Wir? Nichts.", sagte Janeway bestimmt. "Sie sind ein voll funktionstüchtiger Mediziner. Das werden wir gewiss nicht aufs Spiel setzen."
"Tuvok an Janeway!", erklang es aus den Lautsprechern.
"Janeway hier. Was gibt es Leutnant?"
"Sir, Sie sollten zur Brücke kommen. Reichweitensensoren haben eine neuartige unbekannte Anomalie entdeckt."
"Bin unterwegs.", schloss sie ab.
"Was Sie angeht, Doc", nahm sie wieder auf, "Sie sollten sich vielleicht nicht mehr deaktivieren, wenn es sie so stört." Sie schritt in Richtung des Ausganges.
"Aber. Was soll ich dann tun, bis zum Eintreffen eines Notfalles?"
"Ihre Probleme hätte ich gern.", murmelte Belana noch hörbar. Die Tür glitt auf.
"Lesen Sie! Oder malen Sie etwas. Oder von mir aus auch Singen! Hauptsache, Sie erfüllen ihre Pflicht!", rief Janeway aus dem Türrahmen zurückblickend und verschwand.
"Oder denken Sie sich einen Namen für sich aus...", riet Belana zwinkernd.

Als eine Stunde später die Tür erneut aufglitt, und Chakotey die Krankenstation betrat, stand der holografische Doktor immernoch wie angewurzelt da.
"Nanu.", wunderte sich Chakotey. "Sie sind ja bereits aktiviert..."

Beitrag wurde am 11. Januar 2009, 14:58 Uhr editiert.




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11.1.2009, 14:55

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Eine unheimliche Begegnung

Es war schon später Nachmittag, auf dem Campus der Sternenflottenakademie lag Schnee, die künstlichen Kanäle, die das Areal durchzogen, waren zugefroren und die Bäume wirkten ein wenig verloren, ohne ihr Blätterkleid. Die künstlichen Lichter und der Schnee verwandelten die Landschaft in ein Gemälde, nichts regte sich. Janeway wandte ihren Blick wieder zum Schreibtisch zurück, als die nächste Nachricht eintraf. Den ganzen Tag schon bekam sie Wünsche für die Weihnachtszeit und für das Neue Jahr. Äußerlich freute sie sich, über so viel Zuwendung, die ihr zuteil wurde und dennoch überschattete ein Wehrmutstropfen die bevorstehende Weihnachtszeit der Besinnlichkeit, Freude und Nächstenliebe, das einst einmal entstand, um ein Ereignis zu huldigen. Viele Jahrhunderte prägten neue Bilder, eine andere Deutung dieser Verheißung das Verhalten der Menschen zueinander. Das materielle überwog die eigentliche Botschaft und die Menschen hetzten nur noch, bis sie erschöpft zusammentrafen und statt Besinnlichkeit und Freude traten Auseinandersetzungen ein. Aber Janeway bewegte etwas anderes als die Auslegungen religiöser oder philosophischer Riten. Es war ihre Einsamkeit. Obwohl sie sich wahrlich nicht über mangelnde Kontakte beklagen konnte. Allein ihre "Familie" von der Voyager, die ihrem Captain wirklich sehr zugetan waren; die nächste Generation, die heranwuchs und ihre eigene Familie, unzähligen Freunde usw. - sie müsste der glücklichste Mensch auf diesem Planeten sein!? Dennoch vermochte niemand ihr Herz zu erreichen, in einer Tiefe, nach die sich jedes Lebewesen im Grunde sehnte. Eine Sehnsucht, die so bitter sein konnte, wenn sie unerfüllt bliebe. Es schien wie im Wasser zu leben und nicht daraus trinken zu können. Die Qualen stiegen besonders in solchen Momenten intensiver empor und ihr Herz schmerzte mit jedem Schlag und doch schaffte sie es durch ihren eisernen Willen zu überwinden.
Der Admiral begann ihren Schreibtisch aufzuräumen und hastete eilig nach Hause. Sie hatte einige noch zu tun, bevor sie zur Voyager aufbrach. Es war zu ihrem Ritual geworden, ihr Schiff aufzusuchen, bevor sie reiste - eines von ihren vielen Privilegien, das sie wirklich wahrnahm. Auf dem Weg ging sie am Kanal entlang, wo einige Leute auf der zugefrorenen Eisdecke Schlittschuh liefen. Für einen Moment blieb sie stehen, lächelte. Als sie erkannt wurde, raste ein Pulk direkt auf sie zu und begrüßte sie ganz stürmisch. Es waren einige Kadetten aus ihrer Semestergruppe, die noch auf dem Campus verweilten, bis ihre Eltern sie abholten. "Rasselbande!", verabschiedete sie sich herzlich. Später, während sie die Tür hinter sich schloss, atmete sie auf. Ruhe! Sie zog sich um und hörte weitere Nachrichten ab. Dann verließ sie ihre Wohnung und eilte zu ihrem Flyer, der bereits startbereit war. "Hier spricht Chief Margun! Landeerlaubnis auf der U.S.S. Voyager wird erteilt!" "Danke, Chief! Admiral Ende!" Janeway flog in die Shuttelrampe und kam nicht unweit vom Delta-Flyer zum stehen. "Willkommen an Bord, Admiral" ertönte die Computerstimme. "Danke!" erwiderte sie freudig und machte sich auf den Weg zur Brücke. Hier fühlte sie sich geborgen und für diese Zeit empfand sie ihre Einsamkeit weniger schmerzvoll, als in ihrem normalen Umfeld. Die Jahre auf der Voyager hatten sie sehr geprägt. Mehr wie ihr ganzes bisheriges Leben davor. In ihrem Bereitschaftsraum würde sicherlich wieder eine Rose stehen, mit Grüßen vom Sohn des Master-Chiefs. Seit er herausgefunden hatte, dass sie Rosen liebte, hatte er seinen Vater gebeten, diese für ihn immer hinzustellen, wenn sie kam. Sie betrat die Brücke und stand einen Augenblick vor dem Turbolift, als eine helle Stimme verkündete: "Captain auf der Brücke!" Erstaunt sah sie sich um. Sie betätigte den Kommunikator und der Computer erwiderte, dass sie alleine auf der Brücke sei. Vielleicht ein Scherz der Museumswärter? Nun gut, dachte sie sich nichts mehr weiter dabei. Die Rose war wunderschön und sie sog Atemzug für Atemzug den herrlichen Duft ein. Dann suchte sie nach dem Pad. Sie fand es auf ihrer Couch und setzte sich hin, um zu lesen. Aber es war verschlüsselt. Sie lachte, hatte sich der Schelm mal wieder was einfallen lassen. Es ertönte ein Signal: "Brücke an Captain!" "Ja?", erwiderte sie automatisch. "Würden sie bitte mal kommen?" Janeway schüttelte mit dem Kopf und sah erstaunt beim Herausgehen auf ihrem Sessel eine Gestalt sitzen, die sie mit breitem Grinsen empfing. "Q?" fragte sie, obwohl es die eines Kindes war. Dennoch, hatte sie schon einiges erlebt mit den beiden Qs und würde sich nicht wundern, wenn diese sie wieder überraschen wollten. "Ich bin Fähnrich T.J. Emerson. Zu ihren Diensten!", stand er auf und nahm Haltung an. "Soso!" sah sie ihn an und hob dabei eine Augenbraue nach oben: "Denke, dass du viel zu jung bist, um Fähnrich zu sein, mein Lieber!" "Wieso?" "Wie bitte?", klang Janeway etwas gereizt. Eigentlich war sie nicht so zu den Kindern, aber schließlich war das ihr persönlicher Abend auf der Voyager und da mochte sie keinerlei Störungen haben. "Wo sind denn deine Eltern und wie kommst du hier herein?", fragte sie im gleichen Tonfall weiter. Der Junge blickte sie trotzig an: "Sie sind feiern und ich habe mich hier hereingeschlichen!" "Soso, dann wollen wir mal sehen, dass du wieder nach Hause kommst!" Janeway betätigte den Kommunikator, aber der Computer bedauerte, dass er keinen Kontakt nach draußen herstellen könne. Sie wunderte sich und schaute den Jungen fragend an. "Hast du damit was zu tun?" "Vielleicht?" zuckte er mit den Schultern. "Also gut, was willst du?" "Mit dir spielen!", kam unverblümt die Antwort. Der Admiral atmete tief durch. Na, das fehlte ihr noch! "Sei nicht so spießig, Captain!" Der Junge setzte sich wieder in ihren Sessel und schaute sie erwartungsvoll an, während er die Beine schaukeln ließ. "Ich und spießig? Also mein Lieber…!" "Nenn mich ruhig T.J.!" unterbrach er sie unbeeindruckt von ihrer gereizten Tonlage. "Okay, T.J., was sollen wir spielen? Und lass es dir gesagt sein! Wenn das Spiel vorüber ist, geht es für dich nach Hause! Verstanden! Und nun runter von meinem Sessel Fähnrich!" "Aye, Captain!" nahm er wieder Haltung an, konnte sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. "Na, na, Fähnrich!" ermahnte sie ihn lächelnd. "Computer!" rief der Junge. "Simulation T.J. Angriff auf Tradeon III!" Janeway wurde hellhörig und überlegte, ob sie etwas von diesem Planeten gehört hatte. "Ist meine eigene Idee!" "Na, dann bin ich ja mal gespannt, was du dir da ausgedacht hast?" Kaum hatte sie ihre Überlegung ausgesprochen, als die Brücke sich verdunkelte und Roter Alarm ausgelöst wurde. Es erschien die übliche Brückencrew, während Janeway ihre Position behielt und T.J. als Pilot agierte. Es ging drunter und drüber. Janeway hatte Mühe sich auf ihren Sessel zu halten, Torpedos flogen und schlugen auf die Voyager ein. Janeway gab ihre Befehle und nach einiger Zeit, beruhigte sich die Lage. Die Simulation wurde beendet und Janeway war beeindruckt, was der Kleine sich so ausgedacht hatte. "So, ich brauche jetzt erstmal einen Kaffee! Komm, wir gehen rüber!" Sie berührte seine Schulter und gemeinsam gingen sie in den Bereitschaftsraum. "Was willst du trinken?" "Kaffee schwarz!" rief er. Janeway drehte sich um: "Netter Versuch, Kleiner!" "Okay, dann einen Saft!" "Hört sich schon besser an!" Sie setzten sich auf die Couch und Janeway genoss ihren Kaffee. Als sie einige schlucke getrunken hatte, machte sie ihn auf die Vereinbarung aufmerksam. T.J. verzog den Mund, es passte ihn gar nicht, gehen zu müssen. "Noch ein bisschen, Captain! Bin müde!" "Gut!" T.J. setzte sich auf den Schoß von Janeway und kuschelte sich ein. Der Admiral war erstaunt, dann legte sie ihre Arme liebevoll um ihn. Er sah sehr blass aus. Bestimmt von der Aufregung. Das Spiel war sehr intensiv und ging schon an ihre Kondition. Sie lehnte sich was zurück und schloss die Augen. "Captain?" "Ja, Kleiner!" "Ey, bin nicht klein!" protestierte er. "Na gut, dann Fähnrich!" "Ich kann dein Herz hören! Es schlägt, wie eine Trommel!" Janeway sagte nichts dazu und irgendwie fühlte sie ihr Herz mehr wie ein Dampfhammer an, der mit jedem Aufschlag das Herz erschütterte. Es begann wieder zu schmerzen und Tränen füllten sich in ihren Augen. Sie versuchte es vor dem Jungen zu verbergen. "Dein Herz ist so müde!" "Wie?" "Ja, es hat mir gesagt, dass es traurig und müde ist!" Janeway schüttelte den Kopf, bildete sie sich das nun ein oder? "Du darfst nicht so alleine sein, Captain!", fuhr der Junge fort. "Aber ich bin nicht alleine!", verteidigte sie sich. Sie zählte ihre Familie, all die Menschen und Kinder auf, die sie kannte und erzählte von Timo, der Sohn des Master-Chiefs, den sie so oft sie kann, besuchen würde. Dieser Junge wünscht sich nichts sehnlicher, als in durch den Weltraum zu fliegen. Leider ist er schwer krank und kann bisher sein Zimmer kaum verlassen. Aber sie wird sich noch was dazu überlegen. Bis dahin, bekäme er immer von ihr Aufgaben gestellt. "Oh, das ist traurig, aber er wird bald zu den Sternen reisen können. Da bin ich mir sicher!", erwiderte er geheimnisvoll. Der Admiral stutzte, sie hatte ja einiges erlebt im Laufe ihrer Jahre und besonders in der Zeit im Delta-Quadranten, aber irgendwie schien dieser Junge rätselhafter! Sie schaute ihn fragend an, aber er hielt ihren suchenden Blicken stand. Er gähnte heftig und schüttelte sich. Ihm war kalt. Janeway nahm die Decke, die am Ende der Couch lag und rollte ihn darin ein. Er lag nun auf der Couch und Janeway strich ihm sanft über das Haar. "Bitte, Captain, es ist wichtig!" "Was, mein Freund?" "Du darfst nicht alleine bleiben!" Janeway verdrehte die Augen. "Was habe ich dir vorhin erzählt, hm?", zupfte sie ihm leicht ans Ohr. "Das ist nicht dasselbe! Du weißt genau, was ich meine! Dein Herz sehnt sich danach, zu teilen!" Was für ein seltsamer Junge! Was kann er schon über ihre tieferen Sehnsüchte wissen? "Weil ich sie kenne, darum!", antwortete er auf ihre Gedanken. Er gähnte wieder und zog die Decke bis zum Kinn hoch. "Mir ist immer noch kalt, Captain!" "Du wirst doch nicht krank werden?", prüfte sie mit ihrer Hand die Stirn. Sie war kalt. "Besser ist es, ich rufe deine Eltern!" "Oh, nein, lasse sie feiern! Sie haben nicht so viele Möglichkeiten bisher gehabt!" "Das geht nicht!" "Noch eine Weile, bitte! Es ist so schön hier!" Janeway rang mit sich und entschloss, ihn noch was Zeit zu geben. Sie hob ihn an und zog ihn mit der Decke näher zu sich heran. "Versprichst du mir, nicht mehr alleine zu sein?" "Du lässt wohl nicht locker, was?" "Nein, ich muss bald gehen und wer weiß wann wir uns wieder sehen?" "Na, das lässt sich doch arrangieren, meinst du nicht auch?" "Vielleicht?", schloss er die Augen und schlief ein. Janeway gab ihm einen Kuss auf die Stirn. "Schlaf gut, mein kleiner Freund!" Sie sah aus dem Fenster in die Kulisse, die den Weltraum darstellte und sinnierte darüber, was geschehen war – vor allem, über die ungewöhnliche Bitte des Jungen. Irgendwie schlief sie ebenfalls ein, wo sie in ein tiefes Dunkel fiel. Sie war allein, älter und sie hing am Abgrund. Alle standen um sie herum, aber niemand tat etwas, um ihr zu helfen. Sie waren alle mit sich selber beschäftigt. Sie schrie und es tat sich nichts. Einige schauten zu ihr rüber, dennoch veranlasste es keinen zu reagieren. Dann verließen sie ihre Kräfte, sie konnte sich nicht mehr festhalten und wollte es auch nicht mehr. Sie war enttäuscht. Noch bevor sie hinunter in die Schlucht fiel, hielt sie eine Hand fest. Es war ein Kind, ein Mädchen. Schweißgebadet wachte Janeway auf. Verwirrt und erschrocken schaute sie sich um. Langsam wurde ihr bewusst, dass sie auf der Voyager war. T.J.? Doch neben ihr der Platz war leer. Nur die Decke befand sich dort, wo der Junge gelegen hatte. "Computer, wo ist T.J.?" Der Computer meldete, dass sich kein anderer auf dem Schiff als sie befände. "Wann ist er gegangen?" "Negativ!" Immer wieder fragte sie den Computer und entsprechend so oft verneinte er eine Anwesenheit eines Jungen. Auch die Abfrage der Datenbank der Förderation ergab kein Ergebnis. Ich kann das doch nicht alles geträumt haben. Janeway stand auf und räumte die Decke auf Seite, als sie darunter einen Zettel vorfand. Es war bestimmt der Code. Das muss von Timos Vater sein. Timo ... T.J. Emerson? Sie suchte ihre Sachen zusammen und eilte zur Shuttle-Rampe. Vor ihrem Flyer blieb sie kurz stehen und rief den Bordcomputer auf. "Auf Wiedersehen Captain. Bis zum nächsten Mal!" verabschiedete er sich. Janeway hastete in den Flyer, es wurde ihr schon unheimlich. So hat der Computer nie geantwortet. Bevor sie die Starterlaubnis einholte fragte sie den Chief nach seinem Vorgesetzten. "Bedauere, Admiral. Aber er war nur kurz hier, als er wieder abgerufen wurde. Es ist irgendwas mit seinem Sohn gewesen, glaube ich!" "Danke!" "Guten Flug! Starterlaubnis ist erteilt!" Der Admiral landete nicht unweit von ihrem Appartement und lief die letzen Meter am Kanal entlang, als sie Schreie vernahm. Sie lief in die Richtung, aus der die Hilfeschreie klangen und sah im Wasser eine Gestalt, die wild vor Angst um sich her schlug. Der Admiral warf ihre Sachen in den Schnee und eilte zur Mauer, die sie vorsichtig hinunter stieg und über den Eis robbte, um nicht einzubrechen. "Keine Angst, ich helfe ihnen! Aber sie müssen aufhören, so um sich zu schlagen!" Es war nicht so weit und letztendlich schaffte Janeway es, die Person am Kragen zu packen. "Ganz ruhig!" befahl sie und gab Anweisungen zum herausholen. Kurze Zeit später saßen sie auf der Mauer. Janeway erhob sich zuerst und zog die Gestalt an sich hoch. Es war ein Kind. Ungläubig sah Janeway sie an. "Los komm´, du musst ins Warme!" Sie erreichten ihre Wohnung und sie besorgte warme Sachen für das Kind und mehrer Decken. Für Fragen war noch Zeit, befand sie. In erster Linie galt es jetzt, ihr zu helfen, dass sie nicht weiter fror. Als sie versorgt war, eilte sie zu ihrem Schreibtisch und wählte den Master-Chief an. Sein Gesicht war versteinert. "Es tut mir leid, Admiral! Ich habe es noch nicht geschafft, sie zu informieren! Unser kleiner Sohn ist ins Koma gefallen und vor einer Stunde gestorben!" Janeway spürte, wie ihr Herz verkrampfte und sie kämpfte mit den Worten... Sie schaute nach dem Kind. "Wie heißt du eigentlich?" "Keyla!" antwortete sie. "Ich bin Kathryn! Ich komme gleich wieder!" "Ja, in Ordnung. Mir geht es gut!" Sie setzte sich in ihrem Sessel und holte den Zettel aus der Tasche. Dort stand in krakeliger Schrift der Code und: Sie heißt Keyla! Pass gut auf sie auf! In Liebe Timo Jakob Emerson. Sie spielte das Pad von Timo ab. "Liebe Tante Kathryn endete die Aufzeichnung. Sei bitte nicht traurig, denn ich reise ..." "...zu den Sternen" beendete Janeway unter Tränen den Satz und schaute zum Himmel empor, wo die Sterne aufblitzten, Zu einem ist er sicher unterwegs, dachte sie. Dann stand sie auf und sagte: "Gute Reise, mein kleiner Freund und Danke!"

Beitrag wurde am 11. Januar 2009, 15:12 Uhr editiert.




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Mauritia

Lino Cartner sah auf das kaputte Willkommensschild. Es fehlte genau der letzte Buchstabe, O, sodass in angelaufenen Bronzelettern ''Hell'' über der Tür stand.
Lino vergrub die Hände in den Hosentaschen und ließ seinen Blick über das eigenartige Bild schweifen, das sich ihm hier bot.
Hell. Das traf den Nagel auf den Kopf. Anscheinend war der Name hier Programm.
Ein Garten, der aussah, als hätte man ihn Jahre nicht betreten, Unkraut mit den Ausmaßen eines Schutzwalls, eine Art Sumpf, der wohl in seinen besten Zeiten ein Fischteich gewesen war.

Über die Anzeige für das Haus war er eher zufällig in der Tageszeitung gestolpert.
Jetzt, hier vor dem Haus, neben der gestriegelten Maklerin mit Dutt und Perlweiß-Lächeln, da musste er zugeben, dass das Bild des Hauses mehr versprochen hatte als das Original zu bieten hatte. Aber es war eine Bleibe, und die brauchte er, nun, da er nichts mehr hatte, seine Frau ihn rausgeworfen und alles verkauft hatte.

Die Maklerin griff in ihre Kostümjacke und holte einen alten Schlüssel hervor, wie man ihn aus alten Filmen kennt. Bis die Tür nachgab brauchte es zwei Versuche und einen gezielten Tritt mit den Highheels.

Innen war es dann, als würde er eine andere Zeit betreten. Ein unter Staub versteckter Schaukelstuhl, ein Kamin, der sich perfekt in eine Ecke schmiegte, Reste einer Tapete. Die Decke zierte edler Stuck, es stand da ein Herd, mit dem wohl schon seine Großmutter gekocht hatte. An der Wand hing ein gerahmtes Schwarz-Weiß-Bild von 1935, das ein hübsches junges Pärchen zeigte; die Frau hatte sich bei dem Mann eingehakt und beide trugen altertümliche Kleidung.
Und dennoch, das Haus hatte Charme.

Nach einigen Wochen intensivsten Schuftens hatte er es geschafft. Das Haus war geputzt, neu tapeziert und repariert, das Dach war heil und der Garten hatte die Bezeichnung wieder verdient. Möbel und Bilder schafften Wohnlichkeit.
Lino hatte die Arbeit auf Händen und Knien gut getan, um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Mittlerweile hatte er sich in dieses alte Haus verliebt.
An diesem Abend hatte er sich vorgenommen, sein Werk anständig mit einer Flasche Rotwein und einer guten Schokolade zu zelebrieren.
Gerade, als er einen Film aus der Zeitung ausgewählt und es sich bequem gemacht hatte, klingelte das Telefon.

Sein Beschluss, das penetrante Läuten zu ignorieren, scheiterte jäh.
Lino schlurfte zum Telefon und hob den Hörer.
''Cartner?'' meldete er sich brummend.
''Hallo, Lino, ich bin's'', meldete sich seine Mutter ekelhaft gut gelaunt.
''Hey. Was gibt's?'' Er war alles andere als in der Laune, mit seiner Mutter zu sprechen.
''Ich wollte nur hören, wie es dir geht, ob du dich schon eingelebt hast. Du hast dich nicht gemeldet... .''
''Sicher. Alles bestens.''
''Oh. Schön.'' Seine Mutter schien nicht recht zu wissen, wie sie beginnen sollte. ''Tja... und sonst? Ich meine, hast du nachgedacht?''
Lee runzelte die Stirn. ''Worüber?''
''Na, du weißt schon, über Susan. Ich meine, wie soll es denn jetzt weitergehen mit euch? Habt ihr geredet?''
Daher wehte also der Wind. Seine Mutter wollte wissen, ob sie ihre heiß geliebte Schwiegertochter verlieren würde.
Er atmete tief durch. ''Deshalb rufst du also an. Darauf habe ich gerade ehrlich keine Lust. Gib mir ein paar Wochen, um anzukommen, ja?''
''Du kannst dich aber jetzt nicht in diesem alten Gemäuer einigeln und darauf warten, dass es sich von selbst regelt'', protestierte seine Mutter.
''Ich hab nie behauptet, dass ich das vorhabe. Lass das mal meine Sorge sein'', antwortete Lino und rang sich alle Fassung ab.
''Aber...'', begann seine Mutter, doch er fuhr barsch dazwischen.
''Kein Aber. Ich bin alt genug, das alleine zu regeln, okay?''
Er seufzte und fuhr etwas ruhiger fort: ''Danke, dass du dir Sorgen machst, aber das musst du nicht. Ich melde mich. Mach's gut, Mum!''
Er legte auf und setzte sich kopfschüttelnd auf das Sofa.

Kaum hatte er nach der Fernbedienung greifen wollen, begann das Telefon erneut zu klingeln. Was jetzt, hatte sie einen Punkt vergessen?
Genervt sprang er auf und nahm ab.
''Was ist denn jetzt noch, Mum? Gibt es vielleicht noch mehr, dass du mir vorhalten kannst?'' Er seufzte wieder und begann sich mit der freien Hand die linke Schläfe zu massieren. Irgendetwas sagte ihm, dass dieser Tag mit Migräne enden würde.

''Ist Mauritia da'', fragte eine fremde Männerstimme, die definitiv nicht seiner Mutter gehörte.
''Nein. Hier ist Lino Cartner. Sie haben sich vermutlich verwählt'', antwortete Lino und war froh, dass ihm ein weiterer Smalltalk erspart bleiben würde.
Stille. Dann ein Knacken. ''Hallo?'' Nichts. Lino wollte gerade auflegen. Wieso konnten die Leute nicht einfach zugeben, wenn sie sich verwählt hatten?
''Kann ich Mauritia sprechen, bitte?'', bat die Stimme nach einer Pause erneut, als hätte Lino nie etwas gesagt.
Er seufzte. ''Es tut mir leid, aber es gibt hier keine Mauritia. Sie haben sich ganz bestimmt verwählt. Wie wär's, wenn Sie einfach nochmal neu wählen, ja?'' Schlug Lino vor und legte schwungvoll auf.

Gerade als er im Begriff war, sich wieder auf dem Sofa zu räkeln, klingelte es ein drittes Mal an diesem Abend. Sich zur Ruhe zwingend nahm er wieder den Telefonhörer in die Hand. ''Ja?''
''Mauritia?'' Wieder die Stimmte des unbekannten Anrufers.
Lino schloss für zwei Sekunden die Augen, massierte seinen Nasenrücken und zählte gedanklich bis drei ehe er antwortete. ''SIE schon wieder! Hören Sie, ich habe Ihnen doch erklärt, dass es hier niemanden mit dem Namen Mauritia gibt. Sind Sie sicher, dass Sie die richtige Nummer haben?'' Lino raufte genervt sein Haar. Ein Blick auf die Uhr ließ ihn missmutig feststellen, dass sein Film bereits begonnen hatte.
''Ich möchte mit Mauritia sprechen'', antwortete der Mann am anderen Ende der Leitung höflich.
''Wollen Sie mich einfach nicht verstehen oder kapieren Sie es wirklich nicht?'' Lino hatte inzwischen wirklich Mühe, ruhig zu bleiben. Wollte ihn hier jemand auf den Arm nehmen?
''Ist Mauritia da?'' fragte der Fremde erneut und trieb Lino damit endgültig zur Weißglut. Langsam aber sicher begann dieser Mensch ihm gehörig auf den Nerv zu gehen.
'' Wer zur Hölle sind Sie eigentlich?'', wollte Lino wissen und bemühte sich jetzt nicht einmal mehr darum, auch nur im Ansatz freundlich zu klingen.
''Mein Name ist Georg. Kann ich nun mit Mauritia sprechen?''
''Wissen Sie, Georg, Sie bringen mich langsam ziemlich auf die Palme. Wie oft soll ich es Ihnen noch sagen? Hier wohnt keine Mauritia! Mein Name ist Lino, ich bin ein Mann und lebe allein. Allein!'' Mit diesen Worten knallte Lino den Hörer mit samt Telefon auf den Tisch, krabbelte darunter und stöpselte das Kabel aus.

In diesem Moment klopfte es an der Tür. Lino befand sich auf allen Vieren vor der Telefonbüchse, stand auf und fluchte lauthals, als sein Kopf geräuschvoll unter die Tischplatte knallte.
''Das hat noch gefehlt'', murmelte Lino und warf der Tür einen wütenden Blick zu. Nach Besuch stand ihm noch weniger der Sinn als nach Anrufern. Er wollte doch nichts anderes als einen ruhigen Abend vor dem Fernseher mit seinem Wein und der Schokolade.
Es klopfte erneut.
Während er zur Tür stampfte rieb er sich den Kopf und ging in Gedanken alle durch, die ihn um diese Zeit besuchen konnten. Alles hätte er erwartet; jemanden aus der Nachbarschaft, Kinder, die Streiche spielten, ja sogar seine Mutter oder seine wütende Ex in spe. Doch als er die Tür öffnete, war da... niemand.
Irritiert blickte der Hausherr in das Dunkel. ''Hallo?'' Natürlich kam keine Antwort.
Er ging zurück ins Wohnzimmer und schloss die Tür.
Kaum dass die Tür geschlossen war, ließ ihn ein vertrautes Klingeln zusammenfahren. Wie um alles in der Welt war das möglich? Er hätte schwören können, den Anschluss herausgezogen zu haben!
Behutsam näherte sich Lino dem klingelnden Gerät und beobachtete es, als sei es eine Bombe, die bei falscher Berührung jeden Moment hochgehen konnte. Es klingelte und klingelte und schien wie ein hartnäckiges Insekt, das man nicht erschlagen konnte.
Ebenso wenig wie den Anrufer.

Lino wollte nach dem Hörer greifen, verharrte jedoch in der Bewegung und starrte entsetzt auf das ausgestöpselte Kabel am Boden. Seine Hand schwebte über dem Hörer und sein Herz setzte einen Moment lang aus, nur um dann mit doppelter Wucht weiterzuhämmern.
Er hatte sich also doch nicht geirrt!
Er sagte nichts, als er den Hörer mit zitternder Hand an sein Ohr hielt.
''Mauritia?'' Da! Wieder diese Stimme! ''Mauritia, Liebling, bist du das? Ich bin es!''
''Aufhören!'' Lino schrie jetzt fast, ''Verdammt, lassen Sie das! Wer immer Sie sind, das ist ein ziemlich dummer Scherz und nicht im geringsten komisch. Lassen Sie mich in Ruhe! Ich lasse den Anruf zurückverfolgen, ich zeige Sie an wegen Belästigung!'', brüllte Lino ins Telefon, selbst erschrocken von der Härte und der Lautstärke seiner Worte.
''Mauritia, ich liebe dich'', kam die gesäuselte Antwort aus dem Hörer, woraufhin Lino entschlossen das Telefon packte und es aus dem Fenster schmiss.
''Mir reicht's!'', schrie er dem Telefon hinterher, warf das Fenster zu, dass es nur so klirrte, und zog die Vorhänge zu. Wurde er jetzt endgültig verrückt?
Er schüttelte heftig den Kopf und fuhr sich nervös durch die Haare. Nein, irgendetwas Unerklärliches ging hier vor sich.
''Mauritia?'', vernahm Lino die inzwischen verhasste Stimme und blieb wie vom Donner gerührt stehen. Es gab keinen Telefonhörer mehr, aus dem sie dringen konnte. Sie schien im Raum zu schweben, wie ein Echo.
''Georg?'' gesellte sich nun plötzlich auch eine Frauenstimme dazu, was Lino nun endgültig aus der Fassung brachte. Das konnte doch alles nicht wahr sein! War er Opfer eines bösen Streichs? Befand er sich hier gar bei ''Verstehen Sie Spaß?'' oder ''Versteckte Kamera''?

Die weibliche Stimme war laut, nein, sie war schrill. Sie ließ das Haus erbeben.
Lino krallte sich ans Sofa und versuchte verzweifelt auf seinen Füßen zu bleiben. Der antike Kronleuchter an der Decke zitterte bedrohlich. Putz bröckelte von der Decke und rieselte auf Lino herab.
''Georg? Bist du da?'', die Stimme der Frau hallte mehrfach von den Wänden wider und mit einem Mal fegte ein ungeheurer Wind durchs Zimmer, alle Lichter erloschen und Türen und Fensterläden schlugen heftig an die Wand.

''Ja! Oh, Mauritia!'' flötete der Mann, ''Ja, mein Liebling, ich bin es!''
Lino grub seine Hände in das Sofapolster und bemühte sich nach Kräften irgendwie auf die Beine zu kommen. Der Wind mutierte zu einem ausgewachsenen Sturm, der sämtliches Inventar von seinem Platz riss. Irgendwas traf ihn an der linken Augenbraue.
Er verlor kurz den Halt und versuchte, das Sofa erneut zu greifen, doch es glitt einfach in die andere Richtung des Zimmers.

''Was zum Teufel geschieht hier?'', brüllte Lino und drückte sich an die Wand, seine Stimme verlor sich in dem Chaos. Es kostete ihn Mühe, gegen den wirbelnden Tornado in seinem Wohnzimmer zu kämpfen, noch mehr allerdings, sich einzugestehen, dass da überhaupt ein Tornado in seinem Wohnzimmer wütete.

Lino stieß sämtliche Flüche aus, die er kannte. Er hatte keine Ahnung, was für ein Spiel hier getrieben wurde. Alles, was er gewollt hatte, war ein stinklangweiliger Fernsehabend in seinem Sessel, der gerade durch die Tür in die Küche geflogen war. Bekommen hatte er einen Live-Horrorfilm, mit Plätzen in der ersten Reihe.
Laut stöhnend kroch Lino auf allen Vieren zum Treppenabsatz.
''Mauritia!“ jubilierte ein deutlicher erfreuter Georg, woraufhin jene ein glockenhelles Lachen lachte.
Er wollte nur noch weg, bevor das Haus über ihm zusammenfiel. Er riss sich Stufe um Stufe am Treppengeländer empor, das in den ersten Stock führte. Er schaffte es bis in sein Badezimmer, schloss die Tür hinter sich und ließ sich mit dem Rücken an der Tür entlang zu Boden sinken. Heftig atmend schloss er die Augen. Die Stimmen drangen nur noch gedämpft an sein Ohr, offensichtlich hatten sich seine 'Gäste' lediglich im Wohnzimmer niedergelassen.

Er versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, sofern das überhaupt möglich war, und überlegte, was da genau passiert war. Er war nicht wahnsinnig, soviel stand fest. Das, was immer es war, passierte tatsächlich. Und noch während er über das Wie nachdachte, überwältigte ihn die Erschöpfung.

Als Lino die Augen öffnete, drang helles Sonnenlicht durchs Fenster und kitzelte seine Nase. Er zog sich am Türgriff hoch und stöhnte, als er seine Muskeln spürte. Er musste die ganze Nacht über in der unbequemen Haltung dort gesessen haben.
Er hörte einen Wagen vorfahren. Lino trat ans Fenster und sah hinaus.
Eine junge Frau, die ihm bekannt vorkam, ging die Auffahrt entlang. ''Wollen Sie zu mir?'', rief er hinunter. Sie sah auf und nickte. ''Moment, bin gleich da!''
Er holte tief Luft, öffnete die Tür des Badezimmers und spähte in den Korridor. Nichts, kein Ton. Ob er nur geträumt hatte? Er fuhr sich durchs Haar, ein stechender Schmerz an der Braue war die Folge. Er tastete vorsichtig nach der Wunde. Nein, kein Traum.

Langsam näherte er sich der Treppe und mit jeder Stufe, die er sich seinem Wohnzimmer näherte, wurde ihm das Ausmaß der ausgelassenen Nacht deutlicher.
Nichts stand mehr an seinem Platz; Bilder waren auf dem Boden verteilt, Gegenstände lagen zerstört im Weg herum, er trat auf Scherben und ging an umgestürztem Mobiliar vorbei. Regale waren umgekippt und hatten den Inhalt unter sich begraben. Der Kronleuchter war inklusive einem Stück Decke von selbiger gefallen und thronte nun inmitten des zusammengebrochenen Wohnzimmertisches.
Treffender ließ sich dieser Anblick nicht beschreiben als mit dem Vergleich einer eingeschlagenen Bombe in das Wohnzimmer, kurz nachdem eine Herde tollwütiger Tiere es durchquert und auseinander genommen hatte.

Er warf einen flüchtigen Blick in den zerbrochenen Wandspiegel und stellte fest, dass er genauso elendig aussah wie er sich fühlte. Er wischte sich mit dem Ärmel durchs Gesicht und öffnete.
''Hallo, ich bin Laura Fey'', stellte sich die Besucherin vor, ''meine Großmutter hat mir das Haus vererbt, doch ich musste es verkaufen. Ich wollte sehen, ob sich der neue Besitzer hier wohlfühlt. Ich... oh!'' Sie sah auf einen Punkt am Boden. Lino folgte ihrem Blick und sah das Bild des Pärchens, das bei dem Chaos neben die Tür gewirbelt war.
Mit verklärtem Blick hob Laura es auf.
''Kennen Sie sie?''
''Oh aber ja'', sie lächelte, ''1935 wurde dieses Haus von dem jungen Mann hier erbaut, zu Ehren seiner Geliebten. Kurz vor der Fertigstellung zog er in den Krieg, in dem er heldenhaft sein Leben verlor. Zurück blieb die Frau mit ihrem ungeborenen Kind. Sie verließ das Haus, noch ehe es fertig gebaut wurde, seither wurde nie mehr etwas von ihr gehört. Man munkelt, dass ihre Geister auf jemanden warten, der das Haus fertig baut, deshalb bin ich es so lange nicht losgeworden. Das Haus steht seit jenem Tage jedenfalls leer.'' Laura streichelte liebevoll über das Foto. ''Das sind meine Großeltern, Georg Friedrich und Mauritia Eleonora.''
Lino schluckte und warf einen Blick hinter sich ins Zimmer. So sah es also aus, wenn Geister eine Einweihungsparty feierten.




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

11.1.2009, 15:13

 
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So, nachdem mir schon vom Lesen die Augen brennen, hier meine Abstimmung, ich hoffe jawohl, dass noch mehr User abstimmen werden, immerhin habt ihr euch ALLE sehr viel Mühe gegeben und es sind sehr kreative Geschichten zustande gekommen.

Trotzdem muss ich mich ja für 3 Geschichten entscheiden. Hier meine Favouriten:

Geschichte 5:

Die Story erinnerte mich eigentlich sofort an eine Episode aus X-Faktor, was aber keineswegs ein negativer Kritikpunkt sein soll. Im Gegenteil, die Szenerie wurde sehr gut dargestellt und ich hatte sofort ein Bild von dem Gebäude vor Augen. Auch die Gefühlslage von Lino wurde passend beschrieben und man konnte sich in den Protagonisten hereinversetzen. Die Dramaturgie wurde meines Erachtens gleichmäßig und spannend aufgebaut, einziger Kitikpunkt wäre nur, dass der Schluss so plötzlich kam. In Anbetracht der Rahmenbedingungen des Events und der limitierten Zeichenzahl, war es aber vermutlich nicht anders zu schreiben und fällt somit nicht ins Gewicht.

Geschichte 1:

Da ich viele Voyager-Romane zuhause rumfliegen habe, freut es mich natürlich, was neues zu lesen, auch wenn Harry Kim nun nicht gerade zu meinen Lieblingscharas zählt. Dennoch, oder vlt auch grade des wegen, gefiel mir diese Geschichte sehr gut.
Vorallem die inovative stilistische Schreibweise, es als Privat Log von ihm auszugeben, die Unterbrechungen des Logs, durch Ereignisse, die erst im nachhinein aufgeklärt wurden. Dies zwang einen quasi, weiter zu lesen.

Die Schlusswendung halte ich für äusserst gelungen, noch mehr allerdings die Bezüge zu Harrys Charakteristiker. Er wurde nicht als heroischer Held dargestellt, was mir sehr gefällt. Auch der Verrat an Chakotay. Ich denke, sein Charakter wurde "realistisch" dargestellt und des wegen landete die Geschichte für mich auf Platz 2.

Geschichte 3:

Noch eine Voyager Geschichte.
Gut und sofort positiv fiel mir auch der Schreibstil auf. Gemäß dem Protokollvorgehen wurde hier auch der Schreibstil dem entsprechend gewählt. Trocken und standartisiert, wie der Doc ebend.Es ist keine Aktiongeschichte, aber die Story zeigt das Dilemma des Docs auf, welches auch in der Serie immer wieder aufgegriffen wurde und seine "Mensch"- Werdung und seine Unverständnis dessen. Des wegen halte ich auch diese Geschichte für durchaus gelungen




Bild; Quelle: http://i101.photobucket.com/albums/m45/wulli83/dastierischetrio.jpg

12.1.2009, 14:27

 
Commander
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Geschichte #1

Geschichte #3

Geschichte #5

GrafikAlle Geschichten sind wirklich super geworden!




Leben Sie Lang' und in Frieden!

13.1.2009, 16:32

 
Fähnrich
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Geschichte 3
Geschichte 4
Geschichte 1

Das war eine schwere Entscheidung. Alle Geschichten sind gut, aber man kann nur drei aufschreiben.




Möge Gott sein zwischen dir und dem Leid an allen verlassenen Orten, die du erreichen wirst.

13.1.2009, 20:26

 
Fähnrich
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oh man ist das schwierig diesesmal...deshalb habe ich einfach gewürfelt
weil es zu schwer war, jede Gechte hat ihren Reiz:


also Alea ecta est


platz 1 Nr. 3

platz 2 Nr. 1

platz 3 Nr. 4




Don't follow the Guru - Be the Guru!.....Wenn Frauen lächeln, ist das Arsen schon in der Suppe.......Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom......Ein Mensch ist schon mehr als genug um die Welt zu ändern

13.1.2009, 21:25

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