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Abstimmungsthread für das Kurzgeschichten-Event 2010/2
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Liebe Community-Mitglieder!

Für das aktuelle Kurzgeschichten-Event wurden 4 Geschichten eingereicht.

Die Geschichten werden anonymisiert in den folgenden Posts für 3 Wochen zur Wahl stehen. Bitte die Teilnahmebedingungen für die Abstimmung gut durchlesen und eure Wahl anschließend an die letzte Geschichte in diesem Thread posten.

Teilnahmebedingungen

- Jeder User hat 3 Stimmen
- Die Reihenfolge der Stimmen spielt eine Rolle, d.h. die erstgenannte Geschichte erhält 3 Punkte, die als zweites genannte 2 Punkte und die als letztes genannte 1 Punkt.
- Die Abstimmung muss in einem einzigen Post erfolgen, mehrere Posts sind nicht zulässig. Ein Editieren der Posts/Stimmabgaben ist nur bis zu einer Stunde nach Erstellen des Ursprungs-Posts zulässig. Posts, die später editiert werden, werden -um Manipulationsmöglichkeiten zu minimieren- bei der Auswertung nicht berücksichtigt. Also vor der Stimmabgabe nachdenken.
- Jeder User darf seine Abstimmungsentscheidung begründen, muss es aber nicht.
- Die Teilnehmer am Event dürfen selbstverständlich auch abstimmen.
- Die Abstimmung beginnt ab sofort und endet am 06.02.2011 um 23:59 Uhr. Posts, die später eintreffen, werden nicht berücksichtigt.

Zusätzliche Punkte durch Kritiken:
Wer zu den Geschichten Kritiken schreibt, erhält zusätzlich 250 EPs. Bedingung: mindestens 5 aussagekräftige Sätze! Bei sehr ausführlichen Kritiken entscheiden die Admins, ob der User ggf. noch mehr EPs bekommt.


Bitte in diesem Thread der Übersicht wegen NUR abstimmen. Diskussionen und Fragen bitte hier posten.

Nun viel Spass beim Lesen und ein "Dankeschön" an die Schreiberlinge!

Beitrag wurde am 16. Januar 2011, 14:44 Uhr editiert.




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

16.1.2011, 14:15

 
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Geschichte 1

Der große Sturm

Lieber Unbekannter, ich hoffe, dass du diese Zeile jetzt liest, denn dies würde bedeuten, dass die Menschheit weiterhin existiert. Denn das, was ich zu berichten habe, ist nichts weniger als die letzten Tage der Menschheit auf diesem Planeten, die Tage bevor der große Sturm über die Erde hinwegfegen sollte. Vielleicht helfen diese Aufzeichnungen, aus unseren Fehlern zu lernen und ein Neuanfang zu wagen. Denn eines lieber Unbekannter sollte dir klar sein. Nicht Gott war für all dies verantwortlich, sondern wir.

Meine Geschichte beginnt mit einem fast gewöhnlichen Tag im Dezember 2012. Weihnachten stand wieder vor der Tür und auf den Straßen und in den Kaufhäusern herrschte die übliche Hektik. In Eile rannten die Menschen auf der Suche nach dem passenden Geschenk für ihre Liebsten von Kaufhaus zu Kaufhaus und stießen dabei des öfteren mit vollen Tragtaschen beladenen Personen zusammen, die sich nach erfolgreiche Suche wieder auf dem Heimweg befanden. In der Nachbarschaft spielten die kleine Petra und der drei Jahre ältere Hannes miteinander im Garten. Ein süßes Paar die beiden, wie sie miteinander lachen und sich gegenseitig den Ball zuwarfen. Vielleicht bin ich noch ein alter Romantiker, aber ich hätte mir gut vorstellen können, dass aus dieser Kindergartenliebe ein traumhaftes Paar hätte werden können, wenn sich diese Katastrophe nicht ereignet hätte. Das einzige Ungewöhnliche waren die frühlingshaften Temperaturen zu dieser Jahreszeit. Kein Schnee, keine vereisten Fahrbahnen und in einigen Vorgärten sprießen bereits die Knospen. Es war nichts, worüber man sich groß Gedanken machte, denn schließlich war dies in den vergangenen Jahren bereits häufiger passiert und der Winter nahm erst im Januar oder Februar des kommenden Jahres seine Arbeit auf.

Es war schließlich am Abend des 18. Dezember, als der gesamten Menschheit zeitgleich die Nachricht unseres Untergangs verkündet wurde. Es war eines dieser Ereignisse im Leben, bei denen man sich viele Jahre später noch an jedes kleinste Detail seines Tagesablaufs erinnern kann, als es passierte. Genauso wie man vor ein paar Jahren noch jede beliebige Person fragen konnte, was sie gerade zurzeit der Anschläge des 11. Septembers gemacht haben, so hat sich auch bei mir jede einzelne Sekunde unlöschbar in das Gedächtnis eingebrannt. Meine Uhr zeigte 19:53 Uhr an und ich bereitete mich auf einen gemütlichen Fernsehabend vor. Gemütlich richtete ich mir in der Küche mein Abendessen her, zwei Scheiben Brot belegt mit Wurst und Käse. Die Vorberichte zum heutigen Fußballspiel flimmerten bereits über den Bildschirm, als das Programm für eine Sondersendung unterbrochen wurde. Nichts Ungewöhnliches an diesen Tagen, fanden doch wieder vermehrt Anschläge auf zivile Ziele in unseren Großstädten statt. Ich selbst fand diese Unterbrechung eher nervig, hatte ich mich doch so auf das Spiel gefreut. Und so widmete ich mich auch weiter meinem Abendessen, ein Gürkchen auf dieses Brot, eine Tomate auf das andere, ehe ich entfernt die Stimme unseres Staatsoberhaupts vernahm. Seine Worte klangen sanft und ruhig, was er verkündete war jedoch die Apokalypse, die Vernichtung der gesamten Menschheit. Er sprach von den ungewöhnlich hohen Temperaturen zu dieser Jahreszeit, die sich auf eine erhöhte Sonnenaktivität zurückführen ließen. Sonnenstürme peitschen über die Erde und schwächten das Magnetfeld, das uns vor den kosmischen Strahlen schützt. In drei Tagen würde ein so heftiger Sturm die Erde erreichen, der das Magnetfeld zusammenbrechen ließe. Alles Leben auf der Erde wäre von diesem Zeitpunkt an innerhalb weniger Monate dem Untergang geweiht. Um das Überleben der Menschheit zu gewährleisten habe man bereits vor ein paar Tagen ein paar auserwählte Personen in unterirdische Schutzanlagen gebracht, die seit Bekanntwerden dieser Katastrophe vor einigen Jahren errichtet wurden. Wahrscheinlich nur die Superreichen dieses Landes, die für die Finanzierung dieses Projekts verantwortlich waren. Den Rest der Bevölkerung rief er auf die Ruhe zu bewahren und die letzten Tagen nach besten Möglichkeiten zu nutzen. Große Worte für jemanden, der seinen Platz in den Schutzräumen bereits sicher hatte.

So saß ich also da und konnte nicht glauben, was ich da gerade gehört hatte. Die Gefühle, die in so einem Moment in einem stattfinden lassen sich nur schwer in Worte fassen. Man fühlt sich wie in einem Alptraum, aus dem man jeden Moment gerne erwachen würde. Aber wie sehr man es sich auch wünscht und versucht in die Realität zurückzukehren, man bleibt man darin gefangen und Stunden vergingen, ehe mein Geist realisierte, dass dies die Wirklichkeit ist. Hatten die Maya und Nostradamus also recht, die den Weltuntergang für dieses Jahr prophezeit hatten. Sendungen zu diesem Thema gab in den letzten Wochen häufig, aber wie viele meiner Mitmenschen tat ich dies in das Reich der Legenden und Mythen ab. Schlaf fand ich in dieser Nacht nur wenig. Erst gegen 3 Uhr übermannte mich die Müdigkeit und nur wenige Stunden später wurde ich unsanft aus meinen wirren Träumen gerissen. Es war mein Wecker, der mich jeden Morgen zur gleichen Zeit in die Welt der Lebenden zurückholte, damit ich pünktlich bei meinem Arbeitgeber erscheinen konnte.

Der Tag darauf begann im Nachhinein betrachtet sonderbar. Die Leute verhielten sich größtenteils normal. Nichts erweckte den Anschein davon, dass vor ein paar Stunden noch das Todesurteil über sie verkündet wurde. Die Läden waren besetzt, die Leute gingen ihre Einkäufen nach und die Straßen waren vom morgendlichen Berufsverkehr verstopft. Vereinzelt gab es einige Übergriffe und Einbrüche, die von den vermehrt auftretenden Sicherheitskräften sofort niedergeschlagen wurden. Auf dem Weg zu meinem Arbeitsplatz begab ich mich zum nächsten Bäcker und ließ mein Frühstück einpacken. Ein belegtes Brötchen wie jeden Morgen. Ein kleiner Imbiss, der mich bis zur Mittagspause bei Kräften halten sollte. Und wie ich so in mein Brötchen biss, traf mich die Erkenntnis wie ein Schlag. Was mache ich hier eigentlich? Wieso gehe ich zur Arbeit? In wenigen Wochen oder Monaten werde ich den Tod finden. Sollte ich nicht irgendetwas tun, um mir diese letzten Tage so angenehm wie möglich zu machen? Ich machte kehrt und beschloss noch einige Lebensmittel einkaufen. Ich ging in den nächsten Laden, holte mir mehrere Liter Wasser in Plastikflaschen und so viel Fleisch ich tragen konnte. Die Kasse war nicht mehr besetzt. Scheinbar realisierten immer mehr Leute, dass sie ihre letzten Tage nicht mit Arbeit verbringen möchten. Ich holte meine Geldbörse und legte den erforderlichen Betrag neben die unbesetzte Kasse. Warum ich das tat, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich wollte sich selbst in so einer Situation mein Gewissen nicht des Diebstahls schuldig machen.

Die Erkenntnis, keiner Autorität, keinem Arbeitgeber und keinem Gesetz mehr hörig sein zu müssen verbreitete sich in den kommenden Tagen rasend schnell. Niemand ging mehr arbeiten, selbst die Sicherheitskräfte legten ihre Arbeit nieder. Auf den Straßen herrschte Anarchie. Das Recht des Stärkeren regierte nun. Jeder war nur noch sich selbst am Nächsten. Die Läden und Geschäfte wurden geplündert, hauptsächlich Lebensmittel, aber auch Elektroartikel und andere Waren von Wert. Wieso man sich in seinen letzten Tagen noch mit dem Diebstahl von Fernsehern und Spielkonsolen beschäftigt, ist mir schleierhaft. Das Stromnetz existierte mit Niederlegung der Arbeit in den Kraftwerken nicht mehr. Ebenso ließen sich diese Waren nicht mehr zu Geld machen, denn auch dies hatte in diesen Zeiten längst seinen Wert verloren. Es war ein Rückfall ins tiefste Mittelalter, in dem Tauschhandel das einzige Zahlungsmittel war. Nahrung, Medikamente und Kleidung waren nun die Waren von Wert, die einzigen Dinge die wir noch zum Leben brauchten.

Am Abend des 21. Dezember traf uns der große Sturm mit voller Wucht. Der Himmel wurde in strahlendes grünes und blaues Licht getaucht. Nicht wenige Menschen, wie auch ich, sahen sich darin an die Offenbarung des Johannes erinnert, an die vier apokalyptischen Reiter als Vorboten des nahenden Weltuntergangs, die Krieg, Hunger, Pest und Tod über die Menschheit bringen sollten. Damals wussten wir noch nicht, dass die Wissenschaftler sich geirrt hatten. Das Magnetfeld hatte den Sturm schadlos überstanden, für unser Leben bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr. Wir jedoch, die dieses Himmelsspektakel betrachten durften, fühlten uns wie zum Tode Verurteilte, die man auf seinen letzten Schritten zum Schafott begleitete.

In den kommenden Wochen brach das, was wir unter einer Zivilisation verstanden völlig in sich zusammen. Die apokalyptischen Reiter ritten unaufhaltsam durch unsere Straßen. Die Lebensmittel gingen zuneige, Krankheiten breiteten sich aus und überall herrschte die Gewalt und der Tod. Der Tauschhandel kam völlig zum erliegen. Man nahm sich einfach was man brauchte. Eine Bande von fünf jungen Männern, darunter auch der zu Beginn erwähnte Hannes, überfiel heute die Familie der kleinen Petra. Sie nahmen alles mit, was sie in ihre Finger bekamen, selbst die Leichen der Familie. Fleisch war sehr kostbar zu dieser Zeit, egal ob es von Tieren oder Menschen stammte. Vermutlich haben sie sie vorher noch vergewaltigt, wie diese junge Frau vor ein paar Tagen. Auf offener Straße wurde sie überfallen, die Kleider vom Leib gerissen und an Ort und Stelle missbraucht. Immer wieder fielen sie über sie her, einer nach dem anderen. Ihre Hilfe-Schreie hallten durch die Straßen. Niemand kam, niemand half ihr. Nur ein mutiger Passant näherte sich dem Geschehen. Er bot der Gruppe ein Stück Fleisch an und durfte sich als Gegenleistung unter deren Blicken ebenfalls über das schreiende Opfer hermachen. Danach schleppten sie das bewusstlose Opfer an einen unbekannten Ort, vermutlich zur Unterkunft der Bande. Sie töten sie nicht sofort, was darauf schließen lässt, dass sie sich erst noch einige Male mit ihr vergnügen möchten, bevor sie aus ihrem Fleisch ein Festessen veranstalten. Armes kleines Ding. Aber Mitgefühl ist etwas, dass wir uns nicht mehr leisten können.

Mittlerweile haben wir auch herausgefunden, dass das Magnetfeld den großen Sturm unbeschadet überstanden hatte, zumindest vermuten wir es. Über ein Jahr ist seither vergangen, seit uns dieses Unglück ereilte. Niemand ist an den Folgen irgendwelcher Strahlung gestorben, die Flora und Fauna dieses Planeten existiert weiterhin, als wäre nie etwas geschehen. Nur die Menschheit hatte sich verändert, ist bis auf einige Ausnahmen völlig vom Erdboden verschwunden. Aber nicht eine äußere Macht oder Gottes Wille hat uns vernichtet, sondern wir uns selbst. In der Stunde unserer größten Not, haben wir jede Banden untereinander gebrochen und sind wie wilde Tiere übereinander hergefallen. Wobei, ich muss mich korrigieren. Selbst das Tier steht in schwierigen Zeiten zueinander, versucht in der Gemeinschaft diese Lage zu meistern. Es tötet, missbraucht oder frisst nicht sein eigen Fleisch und Blut. Der Maya-Kalender und Nostradamos hatten recht. Es ist nicht das Ende Menschheit, es ist vielmehr die Chance für Neuanfang. Du, lieber Unbekannter, bist diese nächste Generation. Lerne aus unseren Fehlern und hilf der Menschheit, in ein neues und besseres Zeitalter vorzustoßen. Meine Zeit auf diesem Planeten ist vorbei.




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

16.1.2011, 14:24

 
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Geschichte 2

Erstschlag

Ganz langsam kehrte er aus seiner Ohnmacht zurück. Ihm war schwarz vor Augen geworden und er hatte keine Erinnerung an das, was geschehen war. Er spürte in den ersten Sekunden nur das leere Gefühl in seinem Kopf, die Übelkeit vom Aufprall. Dann aber durchzog ein Kribbeln seinen ganzen Körper und gleich darauf in seiner linken Schulter ein sehr schmerzhaftes, tiefes Stechen, das ihn immer mehr aus seiner Trance holte.
Ein Offizier, der Commander, beugte sich über ihn. Sie blutete aus einer Platzwunde über dem rechten Auge und die Uniform war angekokelt.
"Alles in Ordnung?"
"Ich glaube schon", stöhnte er.
"Dann auf die Beine, Lieutenant!" befahl der Commander.
Er versuchte sich aufzurichten, doch ihm wurde schwarz vor Augen. Das Klingeln und Rauschen in seinen Ohren machte es ihm schwierig nachzudenken und der heiße stechende Schmerz wurde immer deutlicher und stärker.
"Ich glaube mein Arm ist gebrochen, Commander", flüsterte er. Doch der Offizier riss ihm erbarmungslos in die Realität zurück indem sie ihm ein paar Ohrfeigen gab. Dann zerrte sie ihn auf die Beine. Der gebrochene Arm hing nutzlos an seiner Seite, aber er stand und schaffte es das Gleichgewicht zu halten.
Die Brücke war ein einziges Chaos. Ein Stützträger war von der Decke gebrochen und hatte den Piloten unter sich begraben. Die meisten Konsolen waren dunkel, verletzte oder tote Crewmitglieder lagen auf oder neben ihren Konsolen. Der Captain saß in seinem Sessel, den Kopf auf die Brust gesunken. Blut war aus einem Ohr gelaufen, er war eindeutig tot.
Ein anderer Mann, der Wissenschaftsoffizier, lag auf dem Rücken neben dem Kommandosessel. Ein Stück eines Trägers hatte sich in seinen Bauch gebohrt. Mit schmerzverzerrtem Gesicht versuchte er das Metallstück zu bewegen. Der Commander ging mit zwei großen Schritten zu ihm und packte den Verletzten an der Schulter. "Drin lassen, oder wollen Sie verbluten?" Dann wandte sie sich an den anderen Überlebenden auf der Brücke. "Lieutenant, ich will Energie haben und wissen was das war!"
"Ich werde mein Bestes tun", versprach er. Ihm war noch immer schlecht und sein gebrochener Arm pochte wie verrückt. Aber er hatte eine Aufgabe. Wenn er sich nur erinnern könnte was geschehen war.
Der Commander hatte neben dem verletzten Wissenschaftsoffizier einen Notfallkoffer ausgebreitet. Sie lud ein Spray mit einem Schmerzmittel und spritzte es ihm in den gesunden Oberarm. "Das sollte für den Moment reichen. Und jetzt an die Arbeit, Lieutenant!" Aus den Fetzen, die sie aus ihrer Uniform riss, formte sie eine Schlinge für seinen Arm. Dann deutete sie mit einer Kinnbewegung auf die Konsole.
Es ging los.

Die meisten Plasmaleitungen waren verschmort. Daran mit nur einem Arm zu arbeiten war verdammt schwierig. Das kribbelnde Gefühl in seinem Arm war inzwischen einer unangenehmen Taubheit gewichen.
Der Commander versuchte noch immer die Wunden des anderen Überlebenden zu versorgen. Doch das meiste Verbandsmaterial war bereits verbraucht und der Verletzte lag nur noch apathisch auf dem Rücken. Ein weiterer Schuss Schmerzmittel lenkte ihn kurz von seiner Arbeit ab.
"Wie sieht es aus?"
"Schlimm. Aber ich versuche etwas."
Eine weitere Plasmaleitung barst als er versuchte mit seiner gesunden Hand zwei Kabel zu verbinden. Erschrocken wich er zurück und stieß gegen die Leiche des Sicherheitschefs, die jetzt von der Konsole rutschte. Tote Augen starrten ihn an. Doch die Lichter auf der Brücke gingen wieder an und die Konsolen begannen wieder zu blinken.
"Gut gemacht, Lieutenant", lobte der Commander. Sie ging zu ihrem taktischen Monitor und sah sich die Daten an. "Wir sind vom Rest des Schiffs abgeschnitten. Wir haben nur bedingt äußere Sensoren und die Lebenserhaltung. Können Sie mehr rausholen?"
"Ich werde es versuchen", versprach er und ging zu seiner Konsole zurück. Hier liefen alle technischen Systeme zusammen, die gesamten Datenströme aus dem Maschinenraum und den Systemen des Schiffs.
"Commander, im Maschinenraum ist noch jemand. Sie leiten die Energiesysteme zur Shuttlerampe um."
"Die Sensoren zeigen zwei Hüllenbrüche zwischen dem Maschinenraum und der Rampe. Können Sie es schaffen?"
"Ich weiß es nicht", gestand er. "Soll ich auf uns aufmerksam machen?"
"Wir wissen nicht, ob das welche von unseren Leuten sind", antwortete der Commander.
"Wissen Sie was passiert ist, Sir?"
"Sie kamen aus dem Nichts. Ein Schiff unbekannter Bauart. Der Captain hat sie gerufen, doch sie haben gefeuert. Zwei Breitseiten. Die erste Salve traf uns mittschiffs, die zwei hier. Wir hatten Glück." Sie deutete über die Brücke. "Außer uns und Lieutenant Gallagher sind alle hier tot."
"Ich versuche den Hauptschirm wieder in Betrieb zu bekommen. Dann sehen wir wenigstens ob sie es schaffen", schlug er vor, und ergänzte dann: "Falls es welche von unseren Leuten sind."

Lieutenant Gallagher stöhnte noch einmal auf bevor er starb. Einfach so. Im einen Moment hatte er noch den Arm gehoben und nach Wasser verlangt. Im nächsten Augenblick stöhnte er und sank zusammen. Der Commander fühlte seinen Puls, obwohl sie genau wusste, dass er gerade sein Leben ausgehaucht hatte.
"Wie sehen wir aus?"
"Ich glaube… Ich weiß, das ich es gleich habe", antwortete er und verband mit dem Werkzeug die beiden Energieleiter in der geöffneten Konsole. Dann klappte er sie zu und schaltete die Energie wieder zu. Die Lichter auf dem Pult gingen wieder an und das Rauschen auf dem Hauptschirm wich einer unklaren Sicht auf Weltraum vor dem Bug des Schiffs. Um den Bildschirm zu aktivieren hatte er allerdings die verbliebenen Sensoren abschalten müssen. So konnten sie zwar nach vorne sehen, waren aber ansonsten blind.
"Sollten wir nicht einen Notruf absetzen? Das Hauptquartier informieren?" wagte er es endlich zu fragen.
"Wir sind jetzt fast drei Wochen geflogen seit wir das Wurmloch passiert haben. Eine Notrufsonde würde ebenso lange brauchen um zum Wurmloch zu kommen, und eine Rettungsmannschaft noch einmal drei Wochen um hier her zu kommen. Bis dahin könnten wir sonst wohin abgetrieben sein. Vorausgesetzt die Lebenserhaltung hält solange durch", erklärte der Commander kalt. Sie hatte seit dem Tod von Lieutenant Gallagher die ganze Reparatur über in ihrem Sessel neben dem toten Captain gesessen als wäre es das Normalste im Universum. Jetzt stand sie auf und ging zur Konsole des Sicherheitschefs. Zärtlich strich sie über die blutigen Konsolen. "Wissen Sie, Lieutenant, nach dieser Mission wäre das mein Schiff geworden. Der Captain wäre in Ruhestand gegangen. Eigentlich war es ja schon meins. Der Skipper wollte nur noch ein letztes Mal raus, das mysteriöse Neue im Gamma-Quadranten erkunden."
"Commander?" fragte er skeptisch. Hatte sie jetzt etwas den Verstand verloren? Wo war der Offizier, der ihn unsanft aus dem Halbschatten zwischen dem Chaos hier und der Bewusstlosigkeit geholt und dann zu Höchstleistungen motiviert hatte?
"Schalten Sie den Bildschirm ab, Lieutenant. Es gibt nichts zu sehen. Wir werden sowieso sterben."
"Aye", antwortete er skeptisch und schaltete den Bildschirm ab. In diesem Moment wurde ihm klar, dass er so schnell wie möglich von der Brücke runter musste. Verletzt oder nicht, nur weg von seinem Commander und der Hoffnungslosigkeit, die sie versprühte.

Nach ausgiebigem Studium der Baupläne des Schiffs hatte er zwei mögliche Wege gefunden um die Shuttlerampe zu erreichen. Ersterer würde schwieriger für ihn werden, weil der Großteil der Strecke kriechend durch die Versorgungs- und Wartungsschächte führen würde. Die Alternative dazu war durch den Turboliftschacht zwei Decks nach unten zu klettern und dann über den äußeren Rundkanal, dem Gang, der rund um die Untertasse auf jeden Deck des Schiffs, führte. Beide Wege würden nicht einfach werden, vor allem würde er die Hilfe des Commander benötigen um die Türen zu öffnen.
"Commander, ich habe vielleicht einen Weg gefunden um die Shuttlerampe zu erreichen", wandte er sich schließlich an seinen kommandierenden Offizier. Gelangweilt sah sie ihn an. "Wozu? Wir werden sowieso sterben sobald die Energie aufgebraucht ist."
"Die Shuttles haben eigene Lebenserhaltungssysteme und Notrationen für mehrere Wochen. Außerdem eigene Notfallbojen. Erreichen wir einen Klasse-M-Planeten könnten wir die Zeit absitzen bis eine Rettungsmannschaft eintrifft. Mit meinem Handicap bekomme ich aber die Türen nicht allein auf. Deshalb brauche ich Ihre Hilfe. Zusammen können wir es schaffen."
Der Commander stand auf, strich ihre Uniform so gut es ging glatt und ging dann zur Tür des Turbolifts. "Versuchen wir es."
Zufrieden lächelte er und richtete den Tricorder auf die Tür. "Der Lift liegt zwei Decks unter uns. Wahrscheinlich ist er abgestürzt und die Notklammern haben dort gegriffen. Öffnen Sie den Schacht, es ist sicher."
Der Commander legte einen Türöffner, den sie aus dem Versorgungsfach neben der Tür holte, an und schob dann die Flügel der Tür auseinander. Er leuchtete mit einer Lampe aus demselben Fach in die Tiefe. "Ich steige voraus. Sichern Sie mich."
Sie banden sich aneinander und er kletterte voran. Nach zwanzig anstrengenden Minuten ließ er sich in die Nische im Schacht sinken und holte keuchend Luft. Der Commander kletterte behände an ihm vorbei und hielt eine Sprosse über dem Lift an. "Zwei der Bremsen sind schon gebrochen. Die dritte sollte einfach zu lösen sein. Geben Sie mir einen Laserschneider."
"Wir sollten zuerst nachsehen ob jemand im Lift ist", bemerkte er. Der Commander seufzte und klopfte gegen die Notluke des Ausstiegs vom Lift. Keine Reaktion erfolgte, deshalb reichte er den Schneider nach unten. Der Commander begann die Bremse zu durchtrennen.
"Gleich habe ich es", keuchte sie, mit einem Arm an der Leiter hängend. "Nur noch ein paar Millimeter." Das Material kreischte bereits wegen der Belastung. Plötzlich ging der Kommunikator ab. "Hallo? Ist da jemand? Ich liege in Turbolift 2. Mein Bein ist gebrochen."
"Wir sind in Schacht 2!" rief er entsetzt. Der Commander hörte sofort auf zu schneiden, doch das Material brach von selbst. Der Lift stürzte Funken schlagend nach unten. Aus dem Kommunikator ertönte nur noch ein panischer Schrei, bis der Lift krachend am Boden zerschellte.

Bedrückt gingen die beiden Überlebenden weiter. Kurz darauf erreichten sie die Korridore und mussten nicht mehr klettern, was ihr Vorankommen vereinfachte. Der Commander gab ihm die letzte Patrone Schmerzmittel.
Im Korridor fanden sie kurz darauf ein weiteres totes Crewmitglied. Es war ein Sicherheitsoffizier, so konnten sie einen Phaser an sich nehmen. Der Commander schloss dem Mann die Augen und dann gingen sie weiter.
"Ich habe keine Ursache für den Tod des Mannes erkennen können. Kein Trauma oder eine Fraktur. Seltsam", überlegte er schließlich. Der Commander schwieg. Als sie um die nächste Ecke bogen, es waren vielleicht noch fünfzig Meter zum Eingang zur Rampe, sahen sie sich plötzlich einer Barrikade gegenüber. Tische, Stühle und Schränke waren übereinander getürmt worden, einige hatten Verbrennungen durch Phaserfeuer.
"Hier wurde gekämpft", stellte der Commander entsetzt fest und zog den Phaser. Er aktivierte den Trikorder und scannte. "Hinter der Barrikade empfange ich schwache Lebenszeichen." Er deutete auf ein paar Stühle, die der Commander und er mit vereinten Kräften aus der Barrikade lösten und dann über einen Tisch stiegen.
Hinter dem Wall lagen drei Sternenflottenoffiziere mit Schusswunden. Die Batterien ihrer Phaser waren fast leer geschossen.
"Gegen wen haben sie gekämpft?" fragte er vorsichtig und suchte nach den Lebenszeichen. Einer der drei Offiziere zuckte in diesem Moment. "Hilfe", stöhnte er. Der Commander suchte sofort nach einem Notfallkoffer, er ging neben dem Kameraden in die Hocke. "Alles in Ordnung. Gegen wen habt ihr gekämpft?"
"Ich habe dieses Volk noch nie gesehen. Sie kämpfen wie Tiere, mit Phasern und Schwertern. Wir kamen aus dem Maschinenraum. Dort sind jetzt alle tot", stöhnte der Verwundete und hob seine Hand. Darunter lag eine blutende Wunde.
Der Commander kehrte mit leeren Händen zurück. "Kein Notfallkoffer in der Nähe", erklärte sie und sah sich die Wunde an. "Sie blutet noch immer."
"Die Waffen sind seltsam. Das Wunde wird nicht kauterisiert", stöhnte der Verletzte.
"Wir machen einen Druckverband. Die Rampe ist gleich dahinten", entschied der Commander. Sie riss den zweiten Ärmel ihrer Uniform ab und presste ihn auf die Wunde des Verletzten.
In diesem Moment piepte der Trikorder am Gürtel des Commander. Er hatte sich beim Laufen etwas geöffnet und begonnen zu scannen. Sie klappte ihn auf.
"Ich empfange Bewegung", sagte sie entsetzt.
"Von wo?"
"Überall!"
Rund um sie schienen sich Portale in der Dimension zu öffnen. Kriegerisch aussehende, schwer bewaffnete Außerirdische kreisten sie ein und bedrohten sie mit ihren Waffen. Die Sternenflottenoffiziere ließen ihre Ausrüstung fallen und hoben die Hände.
Ein weiterer Fremder mit seltsam blauen Augen kam zu der Gruppe der Angreifer. Sie wichen respektvoll vor ihm zurück.
"Meister Weyoun. Das sind die letzten Lebenden", sagte der Anführer der Krieger. Weyoun musterte die Gefangenen aufmerksam.
"Gut, heute habt ihr euch eure Ration verdient. Dieser hier wird sowieso sterben", sagte er und deutete auf den Verletzten. "Wie viele können wir mitnehmen?"
"Noch einen", antwortete der Anführer. Weyoun nickte. "Dann ihn. Tötet die anderen!"
Die Unbekannten erschossen blitzschnell den Verletzten und den Commander mit Kopfschüssen. Dann schlugen sie ihn nieder.
Kurz darauf wurde das Schiff durch eine weitere Breitseite zerstört.

Sternzeit 48213,2
Die Föderation muss davon ausgehen, dass alle Schiffe, die in den Gamma-Quadranten entsandt worden sind, ebenso wie die Kolonie Neu-Bajor von den Jem Hadar zerstört worden sind. Über Schicksale der Besatzungen können nur Theorien aufgestellt werden, doch es muss davon ausgegangen werden, dass es keine Überlebenden gibt. Eine komplette Liste der verlorenen Schiffe, des zerstörten Inventars und eine Verlustliste sind im Anhang enthalten.




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16.1.2011, 14:33

 
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Geschichte 3

Der große Sturm


Hier saß ich nun, auf diesem nackten öden Planeten irgendwo am Arsch der Galaxis. Dieser Planet hatte nicht einmal einen Namen, sondern nur irgendeine Registriernummer, da er völlig ungeeignet als Kolonie oder ähnlichem war. Der einzige Nutzen lag darin, dass die Grenze zu einem fremden Volk, dessen richtigen Namen wir nicht einmal kannten, ganz in der Nähe war. Und deshalb wurde hier ein Horchposten eingerichtet, kurz nachdem diese Fremden zum ersten Mal eins unserer Raumschiffe angegriffen haben. Seitdem sind wir im Krieg. Das war vor ca. einem Jahr.

Die Besatzung dieses Horchpostens besteht lediglich aus einem Mann, da nicht mehr zu tun ist, als an den Geräten zu sitzen und zu warten ob man irgendwelche Funksignale oder sonstige Signale hört. Irgendetwas das Aufschluss geben könnte, was der Gegner als nächstes vorhat. Und diese Aufgabe ist verdammt langweilig. Gott sei Dank wird man alle 3 Monate abgelöst, ansonsten würde man hier in dieser Einsamkeit verrückt. Jeglicher Kontakt ist natürlich verboten, es sei denn es ist ein Notfall wie z.B.: ein bevorstehender Angriff.

Mittlerweile bin ich seit fast einem Monat hier, hab also noch nicht einmal die Hälfte geschafft. Und ich sehne mich schon jetzt nach meiner Heimat und meiner Familie. Bisher hatte sich hier nichts ereignet. Auf dem Planeten gibt es keinerlei Lebewesen, nur hier und da ein paar dürre Pflanzen. Mehr gab dieser Felsbrocken nicht her. Die Luft hier ist kaum zu atmen, nur mit einem Helm kann man länger nach draußen gehen. Darum mache ich meine Kontrollgänge rund um den kleinen Horchposten immer sehr schnell. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass hier jemand landet. Doch sicher ist sicher.

Und seit 2 Tagen habe ich das Gefühl, dass ich nicht mehr alleine bin. Mag sein, dass ich langsam irre werde und anfange Geister zu sehen. Aber ab und zu kommt es mir vor, als würde mich jemand beobachten. Deshalb beschloss ich, trotz der schlechten atmosphärischen Bedingungen, von nun an mehr Kontrollgänge zu machen. Schließlich wollte ich nicht von irgendjemand überrascht werden. Es war zwar eher unwahrscheinlich, dass der Posten entdeckt worden ist, aber nicht unmöglich. Sicher ist Sicher, dachte ich mir.

Das Dumme war, das sich ausgerechnet jetzt ein Sturm zusammenbraute. Und diese Stürme konnten mehrere Tage sogar Wochen dauern, das wusste ich inzwischen aus eigener Erfahrung. Falls sich also jemand auf diesem Planeten befand, war es nun um einiges schwieriger ihn zu finden. So machte ich nun meine ausgiebigen Kontrollgänge. Ab jetzt hatte ich allerdings immer eine Waffe dabei. Und mit jedem Tag wurde ich nervöser. Immer wenn ich irgendwo einen Schatten sah, zuckte ich zusammen, nur um dann meist festzustellen das es mein eigener war. Und irgendwann war es soweit, ich entdeckte Fußspuren die noch ganz frisch waren. Es war ein Zufall, denn der Wind verwehte Spuren immer sehr schnell. Ich hatte mich also doch nicht geirrt. Einen Tag später, sah ich dann den Fremden durch mein Fernglas. Er hatte sich hinter einem Felsen versteckt, nur sein Kopf sah hervor. Er wiederum beobachtete mich ebenso. Die Situation war schon irgendwie merkwürdig. Zwei Lebewesen belauerten einander auf einem öden Felsen, in einem Krieg der von ganz anderen begonnen wurde. Ich wusste natürlich nichts über den Außerirdischen, aber es war gut möglich, das er genauso ungern wie ich hier war. Und nur seine Pflicht erfüllte.

So ging es ein paar Tage, dass wir nichts anderes taten, als uns gegenseitig zu belauern. Jeder hoffte, dass der Andere einen Fehler beging und gefangen genommen werden könnte. Der Wind pfiff mir dabei heftig um die Ohren. Und dann geschah etwas, womit ich nie gerechnet hätte. Ich war gerade wieder auf meinem Rundgang, als sich über mir ein Felsen lockerte. Ich versuchte noch weg zu springen, aber es war zu spät. Mein Bein wurde unter dem Felsen eingeklemmt. Ich versuchte mich mit aller Kraft zu befreien, doch für mich allein war der Brocken zu schwer. Leider war auch meine Waffe kaputt gegangen. Ich überlegte was ich tun könnte, denn der Fremde würde sicher ganz in der Nähe sein. Und wenn er mich so fand, war ich ihm hilflos ausgeliefert. Und es dauerte auch nur ein paar Minuten, da tauchte er auch schon auf. Mit einer Waffe auf mich gerichtet, kam er auf mich zu. Ich schloss die Augen und dachte: „Das war es also, so endet mein Leben.“ Doch es geschah nichts. Es vergingen einige Sekunden, bis ich die Augen öffnete. Und zu meiner Verwunderung sah ich, dass der Fremde seine Waffe hatte sinken lassen. Und nicht nur das, er schien zu überlegen was er tun soll. Dann schaltete er an seiner Waffe irgendetwas herum und zielte. Aber nicht auf mich sondern auf den Felsen. Er sprengte dadurch einige Brocken weg, sodass ich meinen Fuß heraus ziehen konnte.

Als ich eine Weile etwas verwundert da saß, kam er auf mich zu und fing an zu sprechen. Er konnte unsere Sprache zwar extrem schlecht, doch es reichte aus um uns verständigen zu können. Er sagte, seine Vorgesetzten hätten entdeckt, dass sich hier auf dem Planeten jemand befindet. Deshalb sei er hierher geschickt worden, um dem nachzugehen. Und eventuelle Gefahren zu beseitigen. Als er mich aber so hilflos sah, konnte er mich nicht töten. Auch wenn wir im Krieg sind, brachte er es nicht fertig einen wehrlosen Mann zu töten. Sollten wir uns im Kampf wieder sehen, wäre es etwas anderes. Er würde von seinen Vorgesetzten vermutlich Ärger kriegen, doch das war ihm egal. Ein bisschen Ehre sollte auch ihm Krieg bestehen bleiben. Er sagte dann noch, dass er den Planeten sofort verlassen werde, dann verschwand er auch schon.
Ich humpelte zurück in den Horchposten, immer noch verwirrt über das was gerade passiert war. Ich sendete sofort eine Meldung an die Basis, über die Ereignisse. Man beschloss, jetzt wo der Posten ohnehin aufgeflogen war, ihn aufzugeben und mir sofort ein Schiff zu schicken, das mich nach hause bringen sollte. Der Krieg dauerte noch 2 Jahre, bis endlich ein Friedensabkommen erreicht werden konnte. Ich sah den Fremden nie mehr, doch bis heute bin ich froh, dass er dort auf dem Planeten war. Wer weiß, ein anderer hätte mich vielleicht nicht am Leben gelassen.




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16.1.2011, 14:34

 
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Geschichte 4

Verloren und vergessen

Es war mein Bruder, der zuerst auf ihn zeigte. Inmitten der in warmen Terra und sand Tönen durchleuchteten Gedenkstätte ragte er heraus wie ein grauer Stein an einem weißen Strand. Trauer umgab ihn. Natürlich konnte ich das damals nicht so erkennen, ich war noch ein Kind, aber es ist überwiegend die Trauer an die ich mich erinnere, wenn ich mir diesen Moment vor Augen führe. Die große Halle war in mehrere Etagen unterteilt worden und ich weiß noch, wie ich mich mehr für das Herunterschauen zu den Besucher der anderen Ebenen faszinieren konnte, als für die Exponate an den Wänden.
"Vater, das ist er oder?", hörte ich meinen Bruder rufen und blickte auf. Er zeigte unverblümt auf einen sehr alten, sonderbar gekleideten Mann, der am anderen Ende des Raumes nachdenklich eine Gedenktafel betrachtete.
"Tomalak, man zeigt nicht auf Fremde", tadelte unsere Mutter. Ich selbst konnte den Blick nicht mehr abwenden. Zu sehr hatten die Gespräche der Erwachsenen meine Neugier geweckt. Der fremde Mann bemerkte mein Starren und unsere Blicke trafen sich kurz. Ich drehte mich zu meinen Eltern um, doch jene debatierten in langen Sätze über eine schlichte und in meinen Augen langweilige Vase. Heute weiß ich, dass es sich um eine der wenigen gut erhaltenen Artefakte der ehemaligen Kolonie Vulkanis handelte. Als ich wieder zurück blickte, hatte der Fremde seine Aufmerksamkeit erneut der Gedenktafel zugewandt. Ich kann nicht erklären warum, aber langsam lief ich auf ihn zu, blieb neben ihm stehen und schaute ebenfalls zur Gedenktafel hoch. Sie war voller Namen. Ich blickte zu ihm herauf, er zeigte keine Reaktion.
"Sie sind der, von dem alle immer reden.", sagte ich direkt. "Der Außenseiter" Er hob fasziniert von meiner Wortwahl eine Augenbraue.
"Meine Eltern haben gesagt, sie sind nicht von hier.", hakte ich nach und endlich reagierte er und blickte zu mir herab.
"Wie lautet dein Name?", fragte er höflich.
"N'alae und ich bin fünf Jahre alt", grinste ich. "Und wie heißt du?"
Er schien zu zögern.
"Spock. Mein Name ist Spock.", sagte er mit ruhiger Stimme.
"Ich kenne niemanden, der so heißt.", bemerkte ich. Er schaute kurz zur Tafel. Die Namen verblassten und wurden durch neue ersetzt.
"Sind sie nun alle in Vorta Vor?", fragte ich.
Er blickte zu mir herab.
"Vorta Vor... die romulanische Idee eines Lebens nach dem Tode." Er musterte mich kurz. Jahre später erfuhr ich an der Universität von den vulkanischen Theorien zum Leben nach dem Tode. Und der Katra. Es ist gut möglich, dass mir Spock an jenem Tag etwas darüber erzählte, aber wie hätte ich es mir in jenem Alter merken können?
"Kanntest du jemanden?", deutete ich auf die Namen.
"Nein. Nicht persönlich.", sagte er.
"Und du bist wirklich nicht von hier?" Ich musterte ihn akribisch genau und sehr sorgsam.
"Ich stamme aus Vulkan, jedoch sind meine Erinnerungen... andere."
"Das verstehe ich nicht.", sagte ich.
Er schwieg eine Weile.
"Möchtest du eine Geschichte aus meinem Universum hören?", fragte er mich. Ich nickte eifrig.
"Es gab einmal ein verloren geglaubtes Raumschiff der Föderation...", begann er. Und er erzählte mir die Geschichte eines kleinen Forschungsschiffes der Föderation, welches auf der Suche nach einem anderen Schiff eines Tages, in einer von Plasmastürmen geplagten Region, spurlos verschwand. Das Schiff strandete weit entfernt, nahezu auf der anderen Seite unserer Galaxis und wenn sie sich unverzüglich und ohne jemals anzuhalten auf dem Heimweg gemacht hätten, dann hätte es die Besatzung nicht mehr erlebt nach Hause zu gelangen. Mit Ausnahme eines der Offiziere, der kein Mensch, sondern ein Vulkanier war. Ich habe mir leider nicht Alles merken können, und Spock hat diese Anekdote aus seiner Zeitlinie nie ausreichend dokumentiert - natürlich mit Ausnahme der Informationen und Verwicklungen bezüglich der Borg. Aber wenn ich meine Augen schließe und mich auf Spocks Stimme konzentriere, dann sehe ich regelrecht die Bilder, die Spock damals beschrieb. Wie das Raumschiff auf eine gigantische Raumstation namens Fürsorger traf, der ganze Planeten beschützte. Wie es sich durch ein Meer von Kaazon Piraten hindurchpflügen musste. Wie sich die Besetzung mit fremden Kulturen anfreundete und gegenseitig half. Aber am Meisten in Erinnerung geblieben ist mir das Treffen mit den Borg und wie das kleine Schiff und dessen Besatzung mit List und Glück und Zusammenhalt - wahre romulanische Eigenschaften! - jahrelang auf der Flucht vor den Borg überleben konnte! Nur an Details kann ich mich nicht mehr erinnern. Nicht an den Namen des Schiffes. Nicht an den Namen des Vulkaniers an Bord. Und da Spock vor vielen Jahren bereits verstorben ist und ich selbst auch nicht mehr viele Jahre vor mir haben werden, befürchte ich, dass die Erinnerung an das kleine, tapfere Schiff aus dieser nahen und doch fernen Zeit, weiter verblassen wird.
"... und auf dem festlichen Empfang zur Widerkehr, lernte ich diesen Vulkanier kennen und traf auch dessen Captain" - auch hier fällt mir der Name nicht ein " und wir verabredeten uns zu einem Essen um meine Neugier über deren Abenteuer zu stillen."
Er blickte wirder kurz zur Gedenktafel.
"Aber auf der Tafel ist doch niemand, den du kennst?", fragte ich unsicher.
"Ich kannte seine Eltern nicht.", antwortete er nur.
Und so standen wir noch eine Weile da, der alte Mann und das kleine Kind. Die Zukunft die es nicht mehr gab, und die neue Zukunft. Ein großer Sturm hatte die Zeit hinweggefegt und nicht einmal Scherben hinterlassen... nur die Erinnerungen, getragen, von einer einzigen Seele.




Homer Simpson speaks FLUENT German on my hotel room TV. ~ The tongue is MY thing ;)

16.1.2011, 14:41

 
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Geschichte 4
Die Geschichte ist gut geschrieben und befasst sich mit einem typischen ST-Thema - stellt sich die Frage ob der Tomalak aus der Geschichte der Tomalak auf TNG ist (wäre nett wenn der Autor nach Auflösung das bekannt geben könnte).

Geschichte 3
Befasst sich gut mit dem Thema sinnlose Kriegsschauplätze, dem zermürbenden Gefühl der Isolation und der Gnade zwischen einzelnen Kämpfern, wenn gerade kein Offizier hinschaut.

Geschichte 1
Ein guter Gedankengang den "großen Sturm" als Apokalypse des Maya-Kalenders zu verarbeiten, gepaart mit dem eigenen Zerstörungsdrang der Menschen. Vor allem die Gefühlskälte vor der Bedrohung ist typisch für unsere Gesellschaft, und die angedeuteten Ereignisse von Terroranschlägen vor Weihnachten spiegelt unsere jetzigen Verhältnisse wider

Beitrag wurde am 23. Januar 2011, 21:11 Uhr editiert.




Angst vor der Zukunft haben nur Leute, die nicht vorbereitet sind

23.1.2011, 21:03

 
Fähnrich
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Geschichte 1
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Ich saufe, lese Pornos und bin tätowiert

27.1.2011, 16:30

 
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Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better. (Samuel Beckett)

28.1.2011, 20:42

 
Fähnrich
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Umfeld prägt. | Man muss halt Prioritäten setzen.

30.1.2011, 18:37

 
Fähnrich
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Die Grundidee von Geschichte 1 fand ich hübsch - eine neue Variante von Endzeitszenario. In der Ausführung hat sie meinen Geschmack nicht getroffen, denn sie war mir viel zu gewalttätig.

Geschichte 2 gefiel mir besser. Ich mag Sternenflottengeschichten. Der Schluss kam dann schnell und überraschend, was mir am meisten gefiel.

Geschichte 3 erinnerte mich an "Enemy Mine", doch ich bin froh, dass sie hier kein Kind zusammen bekommen haben.

Am Interessantesten zu lesen war für mich Geschichte 4. Sie hat auch eine hübsche Grundidee und erreichte mich damit. Deshalb hat sie mir auch am besten gefallen.

Meine Bewertung:
Platz 1: Geschichte 4
Platz 2: Geschichte 2
Platz 3: Geschichte 3
Platz 4: Geschichte 1

Vielen Dank den fleißigen Autoren für Ihre Geschichten!




Don't tell The Truth to anybody who didn't ask for it. (Samarpan)

31.1.2011, 21:52

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