Herzlich Willkommen im STVC!

Community-Menü

Brücke Chat Forum TrekBay Wer ist online?


Forum



Ein fremdes Sonnensystem, eine andere Kultur und Janeway mittendrin
Fähnrich
Rabenlady Geschlecht-Symbol
Kommunikator

Mitglied der Familie:
Angels of Darkness Familienlogo

2338 CP

Aktivitätsquote:

0.00%

Benutzergrafik
Beitraglink: 1307
Handri

Der gellende Ton des roten Alarms riß den 1. Offizier der Voyager aus einem unruhigen Schlummer. Mit einer hastigen Bewegung schob der große, dunkelhaarige Mann die Bettdecke von sich und stieg mit routinierten Bewegungen in seine Uniform.
Die Türen des Turboliftes hatten sich noch nicht vollständig geöffnet, als sich Chakotay hindurchzwängte, mit einem raschen Blick feststellte, daß die Seniorcrew schon auf der Brücke war.
"Was ist es dieses Mal, Mr. Tuvok? Haben wir eine Spur?"
"Die Sensoren melden einen unbemannten Flugkörper. Die Energiesignatur entspricht der des Raumschiffes mit dem der Captain verschwand."
Der erste Offizier atmete tief durch. Nach fast fünf Wochen vergeblicher Suche gab es endlich einen Hinweis auf den Verbleib von Captain Kathryn Janeway.
"Scannen Sie den Flugkörper und versuchen Sie dann ihn an Bord zu holen."
"Ich habe die Scans schon durchgeführt," teilte der Vulkanier mit hochgezogenen Augenbrauen mit.
"Sie ergaben keine großen Aufschlüsse. Ich rate davon ab, die Sonde an Bord zu holen, bevor wir nicht herausgefunden haben, ob eine Gefahr davon ausgeht."
Mit müden Bewegungen ließ sich der hochgewachsene Mann in den Sessel des Captains sinken.
"Gehen sie auf gelben Alarm. Tom, bringen Sie uns näher an den Flugkörper heran."
Mit einem Blick zu dem unbewegt wirkenden Sicherheitsoffizier, fügte Chakotay hinzu:
"Falls diese Sonde dann nicht auf irgendeine Weise reagiert, werden wir sie an Bord holen."
Tuvoks Augenbraue wanderte weiter in die Höhe, sofern das noch möglich war. Dann begab er sich wortlos zu seiner Konsole und wandte sich den Kontrollen zu.
Der 1. Offizier schüttelte leicht den Kopf und seufzte fast unhörbar. Nach all diesen Jahren waren er und Tuvok noch immer nicht das, was man Freunde nennen konnte. Die Art des Vulkaniers machte den sonst so ruhigen und beherrschten Mann rasend. Und gerade jetzt, wo seine Nerven ohnehin fast blank lagen, kostete es ihn einige Mühe, gelassen zu bleiben.
Chakotay fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, als er bemerkte, das ihn jemand beobachtete.
Er richtete sich auf und warf einen Blick zu dem Sessel neben dem seinen, in dem Seven of Nine Platz genommen hatte und ihn aufmerksam beobachtete. Wie immer fühlte er sich unter dem Eisblick der Frau unbehaglich.
So richtete er sein Augenmerk auf den Hauptbildschirm, währenddessen seine Gedanken zu dem Thema wanderten, das ihn momentan am stärksten beschäftigte. Wo war Kathryn Janeway?
Nach der Reassimilierung vom Borgkollektiv war sie verändert gewesen. Auch wenn sie es nicht wahrhaben wollte, hatte sie doch das traumatische Erlebnis noch nicht verarbeitet. Auch B'Elanna Torres und Tuvok hatten unter den Nachwirkungen ihres Abenteuers gelitten, aber B'Elanna redete darüber und Tuvok fand mit intensiven Meditationen wieder zu seinem Gleichgewicht. Kathryn dagegen hatte sich zurückgezogen und versuchte allein mit ihren Ängsten fertig zu werden. Nur Chakotay gegenüber hatte sie letztendlich die Maske fallen lassen. Dabei waren sie sich, nach langer Zeit, wieder näher gekommen.
Als sie auf ein Raumschiff unbekannter Bauart stießen, dessen Besatzung augenscheinlich durch eine Viruserkrankung ausgelöscht worden war, bestand Janeway darauf, den Erkundungstrupp selbst anzuführen, was sie dann, ungeachtet der Proteste ihres 1. Offiziers, auch tat. Bei dem Versuch, die Datenbänke des fremden Schiffes in die Computer der Voyager zu transferieren, erwachten die Systeme des rochenförmigen Raumers plötzlich zum Leben..
B'Elanna, Harry und Seven, die den Captain begleitet hatten, konnten noch zurückgebeamt werden, dann umgab ein undurchdringlicher Schutzschirm das fremde Schiff, bevor es mit Warpgeschwindigkeit verschwand.
Bevor die Voyager folgen konnte, schienen die Fremden spurlos verschwunden zu sein. Es gab keine Energiesignaturen, einfach nichts, was auf den Verbleib des Captains hinwies.
Seither suchten sie verzweifelt nach Kathryn und Tag für Tag wurde die Hoffnung sie zu finden geringer.
Chakotay wollte sich noch nicht an den Gedanken gewöhnen, sie vielleicht nie mehr wieder zu sehen, und doch wußte er, daß er eines Tages vor der Entscheidung stehen würde, die Suche abzubrechen oder das Wohl der ganzen Crew aufs Spiel zu setzen.
"Commander?"
"Etwas Neues, Harry?"
"Der Flugkörper weicht uns aus. Immer wenn wir uns nähern, vollzieht er eine Kurskorrektur, die uns von unseren derzeitigen Koordinaten wegführt."
"Traktorstrahl!"
"Nicht ausführbar, Sir. Wir kommen einfach nicht in die Reichweite."
Seven hatte die eingehenden Daten mitgelesen.
"Die Sonde will uns führen."
Chakotay sah die ehemalige Borgdrohne fragend an:
"Was soll das heißen?"
"Sie versucht uns von unserem bisherigen Kurs abzubringen. Wir sollten ihr folgen."
"Nicht so schnell. Tom, drosseln Sie unser Tempo."
"Schon geschehen."
Harry sah auf seine Kontrollen.
"Die Sonde wird auch langsamer."
Der erste Offizier überlegte nicht lange.
"Tom, wir fliegen von der Sonde weg."
"Aye Sir."
"Na Harry, was macht sie jetzt?"
"Sie folgt uns, scheint näher heran zu kommen."
Der junge Fähnrich schwieg einen Augenblick, dann sagte er aufgeregt:
"Ich empfange Signale, Commander."
"Können Sie sie entschlüsseln?"
Harry berührte einige Sensoren.
"Sieht so aus, als wären es Koordinaten."
Chakotay war aufgestanden.
"Harry, Sie gehen mit Seven in die Astrometrie, versuchen Sie herauszufinden, ob es wirklich Koordinaten sind und wohin sie uns führen werden. Tom, wir folgen bis auf Weiteres der Sonde."
"Commander, wollen Sie das wirklich tun? Ich halte es nicht für besonders klug."
Tuvok klang unbewegt.
Chakotay bedeutete dem Vulkanier, ihm zu folgen.
Nachdem sich die Türen des Bereitschaftsraumes hinter ihnen geschlossen hatte, ergriff Tuvok das Wort.
"Ich weiß, Commander, dass Sie ein Mensch sind, der oft seinen Instinkten folgt. Aber ich halte es für unlogisch und unbedacht, hinter dieser Sonde her zu fliegen. Ich denke, Sie bringen damit das Schiff in Gefahr."
"Ganz recht, Tuvok, ich folge meinen sogenannten Instinkten. Ich weiss, dass es Ihnen als Vulkanier widerstrebt, auf Gefühle zu hören. Aber irgendwie glaube ich, dass diese Sonde ausgeschickt wurde, um uns zu suchen.
Vielleicht hilft sie uns, den Captain wieder zu finden."
"Ich kann Ihre Schlussfolgerung nicht nachvollziehen. Was tun Sie, wenn ihre Ahnungen die Voyager in eine Katastrophe führen?"
"Was schlagen Sie vor, Tuvok? Meditationsübungen? Diese Möglichkeit ist so gut oder so schlecht, wie jede andere. Ist Ihnen nicht klar, dass wir seit fast fünf Wochen nicht die geringste Spur von Captain Janeway haben? Ich will
sie finden und ich werde sie finden! Und darum werde ich jede Chance nutzen, sollte sie auch noch so klein sein."
Tuvok's Stimme war so emotionslos, wie immer.
"Ihr Wille allein wird uns nicht auf die Spur des Captains bringen. Überdenken Sie Ihre Entscheidung noch einmal. Außerdem sollten Sie sich fragen, wie lange wir noch suchen wollen. Irgendwann werden Sie die Suche nach dem Captain abbrechen müssen, so hart das auch sein mag. Das Wohl vieler wiegt mehr als das Wohl Einzelner. Irgendwann müssen wir den Weg in den Alpha Quadranten wieder aufnehmen."
Chakotay, der bis dahin unter einem der großen Fenster gestanden hatte, drehte sich so abrupt um, daß der Vulkanier unwillkürlich einen Schritt zurückwich. Mit leiser, dadurch um so gefährlich klingender Stimme, sagte der 1. Offizier:
"Wie können Sie es wagen, Tuvok! Glauben Sie wirklich, ich würde Janeway aufgeben, den Captain im Stich lassen? Nach allem, was wir durchgemacht haben? Sie wissen, daß ich Sie genauso wenig mag, wie Sie mich, aber ich dachte zumindestens, daß Sie ein Freund des Captains sind. Kathryn vertraut Ihnen und Sie wollen die Suche nach ihr aufgeben? Das werde ich nicht zulassen."
"Und ich habe es von Anfang an nicht verstanden, daß der Captain so großes Vertrauen in Sie setzte. Sie würde nicht wollen, daß Sie bei einer sinnlosen Suche die Sicherheit der Mannschaft und des Schiffes aufs Spiel setzen."
Chakotay erwiderte mit äußerster Beherrschung;
"Das werfen Sie mir vor! Das ist es, was Sie stört. Das Kathryn auch in mir einen Freund sieht, daß ihr Vertrauen in mich manches Mal größer ist als in Sie. Ich wußte nicht, daß Vulkanier zur Eifersucht fähig sind. Aber, das wird mich nicht davon abhalten, die Suche nach Kathryn fortzusetzen."
Der dunkelhäutige Sicherheitsoffizier stand ohne sichtbare Gemütsregung mitten im Raum.
"Sie sind zur Zeit der Erste in der Kommandohierarchie und ich muß Ihren Befehlen Folge leisten, doch werde ich nicht zögern, Sie von Ihrem Posten zu entbinden, falls ich der Meinung bin, das Schiff und die Crew seien in Gefahr. Notfalls werde ich den Doktor hinzuziehen."
"Das bleibt Ihnen unbenommen, Tuvok." Chakotay hatte sich wieder in der Gewalt.
"Folgen Sie dem Kurs der Sonde, mit ausreichendem Abstand. Sämtliche Kontrollstationen bleiben rund um die Uhr besetzt. Sie haben die Brücke. Rufen Sie mich sofort, wenn sich etwas tut."
"Aye, Commander." Der Vulkanier drehte sich abrupt herum und verließ mit schnellen Schritten den Bereitschaftsraum.

Fortsetzung folgt Fette Schrift

Beitrag wurde am 4. November 2005, 19:08 Uhr editiert.




Wenn du einem Raben zu lange in die Augen siehst, dann stiehlt er deine Seele und fliegt mit ihr davon

04.11.2005, 19:06

Fortsetzung
Fähnrich
Rabenlady Geschlecht-Symbol
Kommunikator

Mitglied der Familie:
Angels of Darkness Familienlogo

2338 CP

Aktivitätsquote:

0.00%

Benutzergrafik
Beitraglink: 1308
Orangefarbenes Licht fiel durch die Fensteröffnung auf ein mit Fellen bedecktes Bett.
Die Frau, die darauf lag, bemerkte es nicht. Genauso wenig, wie die drei humanoiden Wesen, die daneben standen und sie beobachteten.
"Der Schlaf währt lange bei dieser Fremden," bemerkte die weibliche Humanoide, die, genau wie die beiden anderen, etwa zwei Meter groß, schlank, mit muskulösen Oberarmen und kräftigen Beinen ausgestattet war. Alle waren in lederne Kleidung gehüllt. Die Gesichter waren oval, mit hoher Stirn, schmalen Lippen und großen, runden Augen. Die Haare trugen die drei lang, die Farbe variierte zwischen sehr hellen bis dunkelblauen Tönen.
"Sie ist keine Buzidi," konstatierte einer der anderen.
"Nein, keine von den Feinden unseres Volkes, auch wenn sie in einem der Himmelsschiffe kam."
"Kannst Du sie heilen, Handri?"
"Ich bin nicht sicher. Sie ist uns nicht unähnlich, auch wenn sie so zerbrechlich ist. Aber meine Medizin dürfte ihr nicht schaden."
"Dann kümmere Dich um sie. Wir werden mit den anderen Männern zum Himmelsschiff gehen und versuchen, etwas Nützliches zu finden. Schicke jemanden, wenn sie erwacht."
"Das werde ich, Tomka!"

IIIII

Chakotay lag schlaflos auf der Couch des Bereitschaftsraumes.
Seit drei Tagen folgte die Voyager nun schon der Sonde, ohne mehr zu wissen als vorher. Die Geschwindigkeit des Flugkörpers war nicht sehr hoch, jedenfalls empfand er Warp 5 als Schleichen.
Er war müde, doch der Schlaf wollte nicht kommen. So erging es ihm schon seit Kathryn's Verschwinden. Er wußte, daß es so nicht mehr lange weiter machen konnte, er brauchte dringend ein paar Stunden Ruhe, aber der Gedanke an seinen Captain hielt ihn wach.
Wo mochte sie sein, lebte sie überhaupt noch? Nein, den Gedanken verbot er sich sofort. Sie konnte, sie durfte nicht tot sein.
Schließlich erhob sich der Mann und ging auf die Brücke. Er registrierte die besorgten Blicke B'Elanna's. Seine Kameradin aus Maquistagen machte sich offensichtlich Sorgen um ihn.
"Keine Neuigkeiten, Commander," teilte Harry Kim unaufgefordert mit.
"Danke, wo ist Seven?"
"In der Astrometrie." Chakotay wandte sich zum Turbolift als er eine Hand auf seinem Arm spürte. Er nahm den Kopf herum und sah in B'Elanna's besorgte Augen.
"Chakotay, ich weiß, Du willst es nicht hören, aber Du siehst furchtbar aus. Warum legst Du Dich nicht in Deinem Quartier hin?"
"Ich kann nicht schlafen."
"Du mußt aber. Geh zum Doktor, laß Dir irgend etwas geben, sonst klappst Du zusammen. Ich muß Dir doch nicht erst sagen, daß Tuvok nur darauf wartet?"
"Ja ich weiß, ich weiß auch Deine Fürsorge zu schätzen. Aber meine Gedanken drehen sich im Kreis, ich finde keine Ruhe."
Die Halbklingonin verzog den Mund zu einem hilflosen Lächeln.
"Ich weiß nur zu gut, wie Du Dich fühlst. Aber Du hilfst weder ihr noch Dir, wenn Du so weiter machst. Komm zur Ruhe, wir sind auf dem richtigen Weg. Deine Instinkte haben Dich nur selten getrogen, ich weiß, daß wir das Richtige tun.
Chakotay sah die Chefingenieurin forschend an.
"Hast Du noch eine Verbindung zu ihr, aus der Zeit im Borg Kollektiv? Das könnte uns sehr helfen, Kathryn zu finden."
Die dunkelhaarige Frau schüttelte den Kopf.
"Nein, da ist gar nichts mehr. Der Doktor hat gute Arbeit geleistet, außerdem war die Verbindung ohnehin nur oberflächlich."
Der erste Offizier nickte.
"Ich werde zunächst mit Seven reden und dann gehe ich in mein Quartier, versprochen."
"Gut, und Chakotay...ich bin da, wenn Du jemanden zum Reden brauchst."
"Danke, B'Elanna, ich weiß das zu schätzen."



Seven of Nine stand hinter dem halbkreisförmigen Kontrollpult der astrometrischen Station und blickte konzentriert auf den Bildschirm, der eine verwirrende Anzahl von Sonnensystemen zeigte. Fast unwillig blickte sie zur Seite, als Chakotay neben sie trat.
"Commander, ich habe bis jetzt noch keine relevanten Hinweise, welches Ziel die Sonde hat. Sonst hätte ich Sie schon benachrichtigt."
Ohne die Respektlosigkeit ihres Tones zu rügen, fragte der Mann:
"Was ist das? Müssen wir durch all diese Sonnensysteme hindurch?"
"Im Augenblick sieht es so aus, Commander. Wir konnten die Koordinaten noch nicht vollständig in unser System übertragen, sie enthüllen sich uns sehr zögerlich."
Die ehemalige Borg schwieg für einen Moment.
"Darf ich Sie etwas fragen, Commander?"
"Nur zu!"
"Nun, Lieutenant Commander Tuvok ist der Ansicht, daß wir nur Zeit vergeuden und sogar das Schiff in Gefahr bringen." Wieder zögerte die Frau, weiter zu sprechen.
"Glauben Sie, daß Captain Janeway noch lebt?"
"Ja, Seven. Davon bin ich fest überzeugt. Vielleicht wissen Sie ja, daß auch ich einmal Teil eines Kollektivs war? Kath...der Captain und ich hatten eine Verbindung während sie auf dem Kubus war. Ich glaube, ich würde es spüren, wenn..."
"Das ist eine irrelevante Annahme. Aber...,ich glaube auch, daß Janeway noch lebt!"
Chakotay wußte, daß Seven gesagt hatte, was es zu sagen gab und es sinnlos war, das Gespräch fortzusetzen.
"Informieren Sie mich sofort, wenn sich die Situation ändert."
"Das werde ich tun, Commander."


Als der 1. Offizier die Krankenstation betrat, unterbrach er ein Gespräch zwischen Tuvok und dem Doktor.
"Störe ich?"
"Nein, Commander, wir sprachen gerade über Sie," erwiderte der holografische Arzt.
"Und ich kann Ihnen sagen, daß sich Mr. Tuvok Sorgen um Sie macht."
"Das kann ich mir vorstellen," die Ironie in Chakotay's Stimme war schwerlich zu überhören.
Der Vulkanier verzog nicht eine Miene.
"So ist es in der Tat. Aber Sie entschuldigen mich jetzt wohl."
Chakotay ließ sich auf eines der Biobetten sinken.
"Na, was wollte er? Eine Meuterei anzetteln? Oder wollte er mich nur des Kommandos entheben?"
"Nun, er deutete an, daß Sie aufgrund von Übermüdung nicht mehr zu logischen Entscheidungen fähig sind. Aber wenn ich mir ihre Daten ansehe, weisen Sie keinerlei Anzeichen auf, die mir das Recht geben würden, medizinische Bedenken gegen Sie zu äußern. Allerdings werde ich Ihnen mindestens zwölf Stunden Schlaf verordnen."
"Wenn Sie mir auch noch sagen, wie ich Ihre Verordnung in die Tat umsetzen soll, werde ich Ihrer Anweisung gerne folgen."
"Ich kann Ihnen ein Mittel geben, daß Ihnen hilft, einzuschlafen."
Das Gesicht des Commanders verriet deutlich, was er davon hielt.
"Vielen Dank, aber ich versuche es doch lieber mit einer großen Tasse Kräutertee in der Mess Hall. Und Doktor...was auch immer Tuvok gesagt haben mag, ich weiß, was ich tue."
"Davon bin ich überzeugt. Gute Nacht, Commander.


Neelix winkte Chakotay freundlich zu, als dieser die Messe betrat. Der ehemalige Maquis suchte sich einen Platz unter den Fenstern und sah sich aufmerksam um. Es war nicht viel los um diese Zeit, er entspannte sich etwas und genoß die relative Stille im Raum.
Der Mann sah auf, als der Talaxianer mit einer großen Tasse in der Hand auf ihn zukam.
"Liege ich richtig mit einem Tee?"
"Sie kennen mich, Neelix, natürlich liegen Sie richtig."
Der Moraloffizier der Voyager zögerte, setzte sich dann aber doch zu dem dunkelhaarigen Commander.
"Sie sehen müde aus."
"Ich bin auch sehr müde, Neelix."
"Und Sie sehen traurig aus."
Chakotay seufzte tief.
"Auch das bin ich. Müde, traurig, verzweifelt. Wissen Sie, Neelix, als Kathryn, B'Elanna und Tuvok von den Borg ´assimiliert´waren und wir alle nicht wußten, ob unser Plan gelingen würde, wir unsere Kameraden und Freunde wiedersehen würden, da war ich oft genug nahe daran aufzugeben. Trotzdem wußte ich immer, was ich als nächstes zu tun hatte."
Er machte eine Pause.
"Doch nun? Ich glaube, ich will glauben, daß diese Sonde mich zu Janeway führt. Aber...sicher bin ich mir nicht. Ich mache mir große Sorgen um Kathryn, aber ich muß auch an die Crew denken. Was ist richtig, was ist falsch?
Der kleine Talaxianer hatte aufmerksam zugehört.
"Sie haben mir einmal von Ihrem tierischen Berater erzählt, haben Sie ihn noch nicht zu Rate gezogen?"
"Nein, nein ich habe schon sehr lange keinen Kontakt mehr zu ihr gesucht, es schien nicht nötig zu sein, da ich ihre Gegenwart immer spürte. Aber wenn ich genau nachdenke, hatte ich schon lange nicht mehr das Gefühl, sie sei bei mir."
"Warum versuchen Sie es nicht jetzt?"
Der erste Offizier erhob sich langsam.
"Vielleicht haben Sie recht, Neelix! Vielen Dank für den Tee...und Ihren Rat."


Chakotay betrat sein Quartier, das im schwachen Licht der Sterne kalt und abweisend wirkte. Nachdem er den Computer angewiesen hatte, die Beleuchtung einzuschalten, entkleidete er sich und ging in die sonische Dusche. Das warme, prickelnde Gefühl vertrieb ein wenig die innere Unruhe und nachdem er ausgiebig geduscht hatte, ging er schließlich zu Bett.
Eine Stunde lang versuchte er vergeblich einzuschlafen, stand dann entnervt auf und ging in seinen Wohnraum. Zögernd ging er zu einem Regal und griff nach einem verschnürten Bündel. Unschlüssig betrachtete er es, ehe er sich in Meditationshaltung auf dem Teppich niederließ. Als er dann das Bündel aufschnürte, das Fell auseinander klappte und sein Blick auf die vertrauten Gegenstände fiel, da gab es kein Zaudern mehr. Er ordnete die Dinge vor sich an, legte die linke Hand auf das Akoonah und sagte die Worte, die ihn in die Welt seines Schutzgeistes bringen sollten.
"Akoochemoja, ich bin fern der Stätten meines Volkes, ich bin weit weg von den Gebeinen meiner Ahnen. Ich brauche die Führung meines Beraters auf diesem Weg, dem ich folge und von dem ich nicht weiß, ob er der richtige ist.

IIIII

Die Heilerin Handri vom Volk der Moridi schrak aus dem leichten Schlaf, in den sie gefallen war, auf. Die Frau auf dem fellbedeckten Lager hatte laut gestöhnt. Mit einem Blick erkannte die Medizinfrau, daß ihre Patientin immer noch schlief. Aber sie schien einen schlimmen Traum zu haben. Vorsichtig versuchte Handri der Fremden etwas von ihrer Medizin einzuflössen. Es gelang ihr und die Frau mit dem rotblonden Haar beruhigte sich wieder. Handri setzte sich zu ihr und versuchte zu verstehen, was ihre Besucherin flüsterte. Es war eine Sprache, die die Moridia nicht kannte, aber sie begriff mit dem ihr eigenen Instinkt, daß diese Frau nach jemandem rief. Beruhigend legte Handri ihre feingliedrige Hand auf die Stirn ihrer Patientin, die plötzlich mit einem lauten Schrei in die Höhe fuhr. Handri sagte schnell:
"Sei ganz ruhig, Du bist in Sicherheit. Niemand wird Dir etwas tun."
Aber die Fremde schien sie ebensowenig zu verstehen, wie sie die Fremde verstand.
Janeway sah mit weit aufgerissenen Augen auf das große humanoide Wesen, daß vor ihr stand und mit unverständlichen Lauten auf sie einredete. Das einzige, was sie begriff, war, daß sie sich nicht bei den Borg befand. Sie fühlte sich schwindelig und ließ sich zurücksinken. Was war nur geschehen? Nur nebelhaft konnte sie sich an etwas erinnern. Da war ein Raumschiff, aber was war dort passiert? Sie spürte, wie sie die Müdigkeit wieder übermannte, noch einmal riß sie die Augen auf und flüsterte:
"Sucht die Voyager, ich muß zu meinem Schiff."

IIIII

Chakotay fand sich auf dem Boden seines Quartiers liegend wieder. Nach einigen Sekunden kehrte die Erinnerung an seine Vision zurück. In seinem Unterbewußtsein fühlte er die beruhigende Gegenwart seines tierischen Beraters. Jetzt war er sicher, den richtigen Weg zu gehen. In seiner Vision war er geflogen, er war der Sonde gefolgt. Nachtschwärze hatte ihn umgeben, doch ganz in der Ferne war ein merkwürdiges Leuchten, fast wie ein Feuerschein. Er flog darauf zu, doch er erreichte das Licht nicht, er sah einen Planeten, oder eine Raumstation, da war er nicht ganz sicher, aber er flog dorthin. Seine Erinnerung zeigte ihm seltsame Wesen, die ihn gefangennahmen und ihn auf ein rochenförmiges Schiff zwangen. Er sah ein zweites Schiff und er sah Tuvok, der leblos war und dann war da wieder dieser Feuerschein auf den die beiden Rochen zuhielten. Sicher konnte man diese Vision auf verschiedene Arten deuten, aber für ihn stand fest, daß die Voyager der Sonde folgen mußte, und er wußte, daß Tuvok eine wichtige Rolle in dieser Vision innehaben mußte. Außer dieser spirituellen Wahrnehmung war nichts geschehen, sein tierischer Begleiter war an seiner Seite gewesen, hatte aber nicht zu ihm gesprochen. Doch die Tatsache, sie in seinem Geist zu spüren, verlieh Chakotay neue Hoffnung.
Doch ob Tuvok zu überzeugen war? Er zweifelte daran, andererseits galten auch bei den Vulkaniern Visionen als ernst zu nehmende Hinweise.



Harry Kim wandte sich um, als sich ein paar Stunden später die Türen des Turboliftes hinter dem 1. Offizier schlossen. Der ehemalige Maquisarde wirkte verschlossener denn je und doch strahlte er etwas aus, das vorher nicht da gewesen war. Eine neue Selbstsicherheit, eine Entschlossenheit, die nicht nur Kim's Aufmerksamkeit weckte.
Nach einem Blick auf den Hauptbildschirm, fragte Chakotay:
"Wie ist der Status, Mr. Kim?"
"Unverändert, Commander. Wir folgen der Sonde im gleichen Abstand. Keine Anzeichen von fremden Schiffen. Das nächste Sonnensystem werden wir bei gleichem Kurs und gleicher Geschwindigkeit in 1 1/2 Tagen erreichen."
"Gut, ich erwarte die Senioroffiziere in einer Stunde im Konferenzraum. Wenn bis dahin etwas Unerwartetes geschieht erreichen Sie mich in der Krankenstation."
"Ja, Sir."

Nachdem der erste Offizier die Brücke verlassen hatte, drehte sich Tom Paris auf seinem Stuhl herum, stand langsam auf und ging betont lässig hinüber zu Harry's Konsole.
"Na, was hat er vor, weißt Du etwas?"
"Keine Ahnung Tom, Aber hast Du ihn Dir angesehen, er wirkte.....irgendwie anders!"
"Stimmt. Und egal was er vorhat, ich bin dabei. Schon um Tuvok widersprechen zu können."
Kim warf einen Blick zu der Station des Vulkaniers, ehe ihm einfiel, dass dieser zur Zeit keinen Dienst hatte.
"Klar, ich bin auch auf Chakotays Seite. Aber bist Du überzeugt, dass wir den Captain wieder finden?"
"Harry, mein Junge, kannst Du Dir vorstellen, dass wir sie nicht wieder finden?"
Kim schüttelte den Kopf.
"Nein. Und Du kannst sicher sein, dass ich diesen ganzen, verdammten Quadranten nach ihr absuchen werde, wenn es sein muss."
Paris grinste.
"So ist es richtig, Harry. Aber warten wir mal ab, was unser Rebell vor hat."
B'Elanna hatte die ganze Zeit über die Ohren gespitzt, aber nur die letzte Bemerkung mit bekommen.
"Wer ist hier ein Rebell?"
"Unser erster Offizier, wer sonst?"
Die Halbklingonin verzog das Gesicht.
"Bist Du sicher, dass Du das beurteilen kannst? Früher, beim Maquis, da war er ein Rebell, aber jetzt? Er ist so zahm wie ein Kätzchen, wenn Du mich fragst. Wir können nur hoffen, dass noch so viel Rebellengeist in ihm schlummert, dass er sich gegen Tuvok durchsetzen kann, gegen Janeway konnte er es jedenfalls nicht."
Paris grinste.
"Na, wie sollte er auch. Ich kann mich ja auch nur selten gegen Dich durchsetzen."
"Jetzt reicht es aber, Tom Paris. Das lässt sich ja wohl nicht miteinander vergleichen. Ausserdem setzt Du Dich doch meistens durch."
Wieder grinste der Navigator.
"Meinst Du! Aber, Spass beiseite, ich würde Dich genauso durch den ganzen Delta Quadranten hindurch suchen, wie Chakotay es jetzt nach Janeway tut. Ich kenne vielleicht Chakotay nicht so gut wie Du, B'Elanna, aber da ist mehr, als es nach aussen dringt."
Die Chefingenieurin tippte sich gegen die Stirn und wandte sich zum Gehen.
"Du bist ein Träumer, Ich glaube, Janeway ist gegen diese Art von Empfindungen resistent."

IIIII

Der holografische Arzt führte den Tricorder über den Körper seines Patienten.
"Commander, ich kann Ihnen eine ausserordentlich gute Konstitution bescheinigen. Sie sind absolut fit. Sieht aus, als hätten Sie schlafen können."
"Ja, Dank Neelix Kräutertee und einem guten Ratschlag."
Der Doktor legte seine hohe Stirn in fragende Falten.
"Ein guter Rat von Mr. Neelix? Nun ja, wie sagt man: Auch ein blindes Huhn findet manchmal ein Korn!"
Der erste Offizier verbiss sich ein Grinsen.
"Er hat mich an etwas erinnert, dass ich in letzter Zeit sträflich vernachlässigt habe."
"Werden Sie mir erzählen, was das ist?"
Der Commander sprang vom Biobett.
"Ich habe eine alte Freundin um Rat gefragt und diese schickte mir eine Vision. Nachher, in der Offiziersbesprechung, werde ich darauf zurückkommen. Danke, Doktor, ich wollte nur sicher gehen, dass keine Erschöpfungserscheinungen für die Dinge, die ich sah, verantwortlich sind."
Chakotay ging zum Schott.
"Trotzdem glaube ich nicht, das Tuvok von meiner Entscheidung begeistert sein wird."
"Wäre es nicht einfacher, wenn Sie und Commander Tuvok ihre gegenseitige Ablehnung begraben würden, solange wir den Captain nicht gefunden haben?"
"Sagen Sie das ihm, nicht mir!"


IIIII


Handri trat aus der Hütte und ging hinüber zu dem grossen Feuer in der Mitte des Versammlungsplatzes.
Tomka stand auf und geleitete sie zu ihrem Platz.
"Nun, Medizinfrau, wie geht es unserem Gast?"
"Sie schläft wieder und das ist wohl auch das Beste für sie. Diese Frau ist sehr müde, ihr Körper und ihr Geist sind müde. Ich verstehe ihre Sprache nicht, sie sagte auch nicht sehr viel, aber ich fühle, dass sie so viel erlebt hat, dass sie eine Zeit der absoluten Ruhe braucht, um zu genesen". Die Heilerin wechselte das Thema.
"Hattet ihr Erfolg bei Eurer Suche nach nützlichen Gegenständen?"
Somara, der zweite Älteste, ergriff das Wort.
"Wir haben Nahrung gefunden auf dem Himmelsschiff, aber Du solltest sie Dir zuerst ansehen, Handri. Und wir haben Geräte entdeckt mit denen wir nichts anzufangen wissen. Vielleicht weiß die Reisende von diesem Schiff, wofür sie gut sind. Es wäre also von Vorteil, wenn sie bald zu Kräften kommt."
"Wir haben Zeit, Somara. Sie ist keine Buzidi und unsere Feinde haben sich schon seit langem nicht mehr gezeigt."
Tomka, der Älteste, erhob sich.
"Aber die Fremde kam in einem der fliegenden Schiffe unserer Feinde. Sie werden es suchen. Es herrscht jetzt seit zehn grossen Sonnenwanderungen Frieden. Ich will nicht, dass er durch eine Fremde gefährdet wird."
Zustimmendes Gemurmel begleitete die Worte des Anführers, aber die Medizinfrau widersprach in ihrer ruhigen Art.
"Dieser Frieden war immer unsicher, ich glaube nicht, dass unsere Feinde diese Frau suchen werden, sie war sicher eine Gefangene, so wie es viele unseres Volkes auch waren. Sie ist nicht wichtig genug, dass man sie suchen wird. Die Buzidi werden glauben, dass ihr Himmelsschiff in die Sonne unserer Welt gefallen ist."
"Nun gut, Handri. Du bleibst bei ihr und kümmerst Dich um sie. Somara, Timura und ich werden die jungen Männer in die Berge führen, wie es seit Anbeginn der Zeiten Brauch ist. Wenn die Fremde erwacht, zeige ihr die Gerätschaften im Sammlungshaus. Vielleicht erkennt sie etwas davon. In der Zwischenzeit wirst Du die Nahrung, die wir fanden, prüfen. Wenn sie geniessbar ist, sollen die jungen Frauen ein Festmahl vorbereiten, um die neuen Krieger zu feiern, wenn sie aus den Bergen heimkehren.
Handri neigte leicht den Kopf.
"So soll es geschehen. Ich wünsche Dir Erfolg, Tomka. Mögen aus den jungen Männern Stützen unseres Volkes werden. Wer wird die Alten und Kinder beschützen, während ihr fern seid?"
"Meine Söhne Tohara und Mokara werden hier bleiben. Es ist an der Zeit, ihnen Verantwortung zu geben."
Im Gesicht der Heilerin zuckte es kurz, zu kurz, als das der Anführer es bemerkte. Aber auch ohne es gesehen zu haben, wusste Tomka, dass Handri unzufrieden war.
"Ich erwarte, dass Du ihnen mit Deiner Weisheit zur Seite stehst, aber die beiden haben mein Vertrauen, handle also in meinem Sinne."


IIIII


Commander Chakotay stand mit dem Rücken zu dem langen Tisch im Konferenzraum. Er atmete tief durch, bevor er sich herumdrehte und jeden der Anwesenden eindringlich musterte.
"Sie haben meine Worte gehört. Wir leben auf diesem Schiff nach den Sternenflottenprotokollen und somit gelten meine Befehle, aber ich sehe ein, dass diese Situation etwas ganz besonderes ist. Also bitte ich Sie um ihre Meinung."
Der erste Offizier war nicht sehr erstaunt, dass der Vulkanier das Wort ergriff.
"Commander, Sie wissen, dass ich dagegen war, der Sonde zu folgen. Auch jetzt bin ich nicht überzeugt, dass wir das Richtige tun. Doch da auf Vulkan Visionen eine ebenso grosse Bedeutung haben, werde ich mich nicht gegen Ihre Befehle stellen." Er sah dem ehemaligen Maquisarden in die Augen.
"Vorerst jedenfalls nicht."
Wenn Chakotay überrascht war, liess er es sich nicht anmerken.
"Sie haben ihren Standpunkt klar definiert, Tuvok, danke!"
Bevor noch jemand etwas sagen konnte, knackte ein Lautsprecher und die Stimme von Lieutenant Carey, der die Brücke übernommen hatte, war zu hören.
"Wir haben ein fremdes Schiff geortet, haben aber noch keinen visuellen Kontakt."
"Wir sind unterwegs," antwortete Chakotay.

Harry hatte sich sofort zu seiner Konsole begeben.
"Wir sind gleich in Reichweite, Sir."
"Gut. Tuvok, Schutzschilde!"
"Sir?"
"Seien wir auf der Hut. Haben Sie das nicht erst letztlich gesagt?"
"Schilde sind oben."
Die gesamte Brückencrew starrte gebannt zum Hauptbildschirm, auf dem ein rasch größer werdender Punkt zu sehen war, der sich dann als Walze entpuppte.
Chakotay, der jetzt im Sessel des Captains sass, lehnte sich zurück.
"Mr. Kim, stellen Sie eine Verbindung her!"
"Sie können sprechen, Sir."
"Hier ist Commander Chakotay vom Föderationsraumschiff Voyager. Wir sind in friedlicher Mission unterwegs und wollen Sie nicht angreifen. Geben Sie sich zu erkennen."
Zunächst schien es als würde es keine Antwort geben, dann jedoch erhellte sich der grosse Bildschirm und zeigte das Innere des fremden Raumschiffes. Drei humanoide Gestalten mit langen dunklen Gewändern waren zu sehen.
"Wir grüssen Sie, Commander Chakotay. Auch wir sind in friedlicher Absicht hier. Aber wir fragen uns, warum Sie der Buzidi Sonde folgen?"
Seven, die unbemerkt auf die Brücke gekommen war und wieder im Sitz des ersten Offiziers sass, sagte leise:
"Spezies 5054, Eigenname Derewaner."
Der größte der drei Fremden hatte es gehört.
"Sie haben eine Borg an Bord? Dann haben wir schon von Ihnen gehört, auch das Sie den Borg einen empfindlichen Schaden zufügten. Allein das ist ein Grund, Ihnen wohlgewogen zu sein."
Chakotay erwiderte:
"Seven ist keine Borg mehr. Aber es wäre schön, wenn wir etwas über Sie erfahren könnten."
"Wir sind ein Forschungsteam vom Planeten Derew. Als wir die Signatur der Buzidi Sonde erfassten, wollten wir nachsehen, was es damit auf sich hat. Offensichtlich sind auch Sie sehr interessiert daran."
"Wer sind die Buzidi? Wir kennen kein Volk dieses Namens. Wir folgen der Sonde in der Hoffnung, ein verloren gegangenes Besatzungsmitglied wieder zu finden.
Die Derewaner steckten die Köpfe zusammen und kamen offensichtlich zu einem Entschluss.
"Wir würden uns gerne mit Ihnen persönlich unterhalten. Wie Sie sicherlich festgestellt haben, sind wir so gut wie unbewaffnet."
Chakotay warf Tuvok einen fragenden Blick zu, dieser nickte und senkte dann die Schutzschilde.
Der dunkelhaarige Commander lächelte.
"Sie sehen, wir vertrauen Ihnen und laden Sie ein, auf die Voyager zu kommen. Ich freue mich auf die Gespräche mit Ihnen. Wir haben uns sicher viel zu erzählen."


Die drei Fremden, die sich als Farth, Urti und Bira vorgestellt hatten, sassen sichtlich entspannt in der Mess Hall. Chakotay, der im Laufe der Jahre eher misstrauisch geworden war, gestatte sich die Erkenntnis, endlich mal wieder eine freundliche Spezies getroffen zu haben.
Derew war, laut der Erzählungen der drei Fremden, ein erdähnlicher Planet mit einer hochentwickelten Kultur. Von der jetzigen Position der Voyager fast 700 Lichtjahre entfernt, befand sich das Schiff der Derewaner auf einem mehrjährigen Erkundungsflug.
Farth, der körperlich größte Derewaner, trank einen Schluck aus seinem Glas, wandte sich dann wieder zu Chakotay.
"Die Buzidi bewohnen ein Sonnensystem, das ca. 25 Lichtjahre von hier entfernt ist. Wie wir wissen, gehört es zu ihren üblichen Gepflogenheiten, Leute zu entführen, egal welcher Spezies. Wahrscheinlich ist auch ihr Besatzungsmitglied längst auf Buzidim oder einem der anderen Planeten des Territoriums der Buzidi gelandet."
"Diese Spezies entführt wahllos andere Wesen? Warum?"
"Sie brauchen Arbeiter, Denker und Forschungsobjekte. Die Buzidi sind ein degenerierendes Volk. Sie besitzen grosses Wissen, können aber nicht mehr damit umgehen. Sie sind dabei, sich zurück zu entwickeln, verstehen Sie. Und nun grassiert auch noch eine unbekannte Seuche unter ihnen. Der Hauptplanet, Buzidim, soll am schwersten betroffen sein. Unser Schiff ist ein Forschungsschiff, wir sind Wissenschaftler und Ärzte. Wir sammeln Wissen und versuchen zu helfen, wenn es uns möglich ist."
"Das klingt sehr selbstlos," liess sich der Holodoc vernehmen.
Farth musterte ihn interessiert.
"Nicht ganz so selbstlos. Wir tauschen unsere Hilfe gegen neue Technologien, unbekannte Tier- oder Pflanzenarten, Sternkarten und dergleichen. Was man bereit ist, uns zu geben."
Der Doktor erwiderte:
"Es ist mir gelungen, den Krankheitserreger zu isolieren, der die Besatzung des Buzidi Schiffes auslöschte und ich habe bereits ein Gegenmittel entwickelt."
Urti sah zu seinen beiden Kollegen und meinte dann:
"Wir wären an diesem Mittel natürlich sehr interessiert. Werden Sie uns die Formel geben? Natürlich werden wir auch Ihnen etwas dafür anbieten. Ich bin sicher, wir werden uns einigen können."
Chakotay mischte sich wieder ins Gespräch.
"Wir werden noch darüber reden. Aber zunächst möchte ich wissen, ob ich Sie vorhin recht verstanden habe, Mr. Farth. Demnach war das Schiff mit dem unser Crewmitglied verschwand, ein Schiff dieser Buzidi? Und diese Sonde ist so etwas wie ein Scout, der uns in ihr Sonnensystem bringen soll?"
"Es ist sehr merkwürdig. Diese Sonden sind eigentlich darauf programmiert, die eigenen Schiffe aufzuspüren. Kann es sein, dass ihr Kamerad in der Lage war, die Sonde so zu programmieren, dass sie nach ihnen sucht?"
Chakotay nickte nachdenklich.
"Bei diesem Besatzungsmitglied schliesse ich das nicht aus."
Neelix brachte neue Getränke und erklärte den Besuchern, dass er den Saft aus einer Pflanze, die er von einem Planeten, den sie vor einigen Monaten besucht hatten, gewonnen hätte. Die Derewaner zeigten sich sehr interessiert an der hydroponischen Anlage, in der Neelix diese Pflanzen kultiviert hatte.
Chakotay stimmte zu, als der Talaxianer sich erbot, die Besucher auf dem Schiff herumzuführen.
Urti und Bira nahmen das Angebot begeistert an, während Farth eher an dem Weg, den die Sonde der Voyager wies, interessiert war.
Während Neelix den Arzt Bira und den Botaniker Urti durch die Korridore der Voyager lotste, forderte Chakotay Farth auf, ihn zusammen mit Seven of Nine in die Astrometrie zu begleiten.
Der hochgewachsene Derewaner zeigte sich beeindruckt von den technischen Fähigkeiten der Voyager und deutete mehr als einmal an, wie gerne er und seine Kollegen längere Zeit hier verweilen würden.
Tuvok, der mittlerweile auch in der Astrometrie erschienen war, nahm den Commander beiseite.
"Es wäre von Vorteil, wenn wir uns nicht allein in das System dieser Buzidi wagen würden. Die Derewaner hatten offensichtlich schon des öfteren Kontakt zu dieser Spezies."
"Habe ich Sie recht verstanden, Tuvok. Wir sollen unseren Gästen einen längeren Aufenthalt anbieten?"
"Aufenthalt ist nicht der richtige Begriff. Sie könnten uns in ihrem Schiff begleiten und in begrenzten Gruppen die Voyager aufsuchen."
Chakotay nickte.
"Das ist ein guter Vorschlag. Mal sehen, was Mr. Farth dazu meint."
Wie erwartet, war der Wissenschaftler sehr erfreut.
"Es kommt in diesem Sektor nicht so oft vor, dass man auf kooperative Lebensformen trifft. Ich freue mich auf diese Zusammenarbeit. Seven of Nine sagte mir, dass ihre Kenntnisse dieses Gebietes begrenzt sind. Vielleicht können wir einen Handel machen. Das Medikament gegen Sternkarten, die ihnen nicht nur in diesem Sektor von Nutzen sein werden."
"Ich denke, das ist ein gutes Geschäft. Kommen Sie, Mr. Farth, ich zeige Ihnen die Brücke."


Fortsetzung folgt




Wenn du einem Raben zu lange in die Augen siehst, dann stiehlt er deine Seele und fliegt mit ihr davon

04.11.2005, 19:07

Fortsetzung
Fähnrich
Rabenlady Geschlecht-Symbol
Kommunikator

Mitglied der Familie:
Angels of Darkness Familienlogo

2338 CP

Aktivitätsquote:

0.00%

Benutzergrafik
Beitraglink: 1502
Kühles Wasser umgab ihren Körper, sie drehte sich auf den Rücken, blinzelte im hellen Licht der Sonne und liess sich treiben. Es tat gut, wie schwerelos in dem grünlichen Nass zu schwimmen, alle Ängste hinter sich zu lassen. Aus den Augenwinkeln nahm sie die Bewegungen eines anderen Körpers wahr. Lächelnd streckte sie die Hand nach dem Gefährten aus und war plötzlich von Dunkelheit umgeben. Furcht stieg in ihr auf, als sie die Augen öffnete und in das Gesicht einer Borgdrohne sah. So schnell sie konnte, schwamm sie davon, hatte aber plötzlich das Gefühl in einer zähen Masse fest zu stecken. Die Borgdrohne war dicht hinter ihr, in ihrem Kopf dröhnte es- Widerstand ist zwecklos-, immer wieder und wieder hörte sie die bedrohlich klingende Stimme, bis sich die Umgebung vor ihren Augen veränderte. Sie stellte entsetzt fest, dass sie sich nicht mehr auf dem Planeten, an dessen Namen sie sich nicht mehr erinnern konnte, befand. In der diffusen Beleuchtung erkannte sie, dass sie wieder auf einem Borg Kubus war. Sie lief los, irrte durch verwirrend viele Gänge und landete immer wieder an ihrem Ausgangsort. Im wabernden Nebel, der den Kubus durchzog, sah sie einen Menschen. Einen Mann der die schwarzrote Uniform der Sternenflotte trug. Er stand mit dem Rücken zu ihr und als sie auf ihn zu rannte, entfernte er sich immer weiter von ihr, sie lief, so schnell sie konnte, erreichte ihn aber nicht. Sie wusste, dass nur er sie retten konnte und rief seinen Namen, doch er hörte sie nicht. Verzweifelt hielt sie sich an einer Konsole fest und schrie mit letzter Kraft:
"Chakotay, Chakotay!" und erwachte von ihrem eigenen Schrei, der in ihren Ohren gellte.
Schweissgebadet richtete sich Kathryn Janeway auf. Sie stellte fest, dass sie auf einer fellbedeckten Liege sass, es war dunkel, nur durch eine runde Öffnung in der Wand fiel der rötliche Widerschein eines Feuers. Janeway atmete heftig und blickte sich voller Verwirrung um. Ein Geräusch liess sie aufspringen, an dem Perlenvorhang, der den Eingang verbarg, hatte sich etwas bewegt.
Eine Gestalt mit einem Licht in der Hand trat ein und Kathryn erkannte die Humanoide, die sie schon einmal gesehen und für einen Teil ihres Albtraumes gehalten hatte.
Handri hatte den Schrei gehört und war schnell zu ihrer Hütte geeilt. Die Fremde, die so klein und zerbrechlich gegen die hochgewachsene Moridia wirkte, stand wie zum Sprung bereit neben der Liege. Beruhigend sprach die Heilerin auf ihre Patientin ein, streckte ihre Hand aus und bedeutete mit einer Bewegung, dass sich Janeway wieder ins Bett legen sollte.
Kathryn spürte, dass von der fremden Frau keine Gefahr ausging und setzte sich langsam auf die Kante der Liege, denn ihre Beine gaben plötzlich nach und sie fühlte sich schwach und immer noch furchtbar müde.
Handri ging zu dem Tisch mitten im Raum, entzündete ein Talglicht in einer Steinschale und setzte sich auf einen der Stühle.
Aufmerksam betrachtete sie ihre Patientin.
"Wie fühlst Du Dich, Frau aus dem Himmelsschiff?"
Janeway hob die Schultern und schüttelte den Kopf.
"Ich verstehe Sie nicht!"
Handri seufzte, stand wieder auf, nahm einen Krug, goss etwas Wasser in einen Becher und reichte ihn der Frau.
Kathryn lächelte zaghaft und trank einen Schluck. Handri nickte zufrieden, ging in den hinteren Teil der Hütte, machte sich dort zu schaffen und kam mit einer Schale wieder, in der sich ein körniger Brei befand.
Janeway beäugte die Speise misstrauisch, nahm dann aber den angebotenen Löffel und begann zu essen. Sie konnte nicht sagen, wonach der Brei schmeckte, ihr wurde nur bewusst, wie hungrig sie gewesen war. Als die Schale leer war und Handri sie erneut füllen wollte, machte Janeway eine abwehrende Bewegung. Die Heilerin hatte ihre Patientin nicht aus den Augen gelassen, sie ass, also musste es ihr besser gehen. Die Moridia ging hinüber zur Liege, sah Kathryn in die Augen und sagte dann:
"Du musst schlafen. Morgen werden wir reden."
Handri deutete auf die Liege und machte eine Bewegung, die Schlafen ausdrücken sollte.
Janeway lächelte zaghaft, legte sich hin und zog die Decke über sich. Die Heilerin erwiderte das Lächeln, löschte das Licht und ging leise hinaus.
Kathryn schloss die Augen, lauschte auf die ungewohnten Geräusche, die hereindrangen und fühlte sich wieder sehr schläfrig. Ob in dem Brei irgend etwas gewesen war um sie zu betäuben? Aber das glaubte sie nicht. Wenn sie nur wüsste, wo sie sich befand, was war mit der Voyager? Mit ihrer Crew? Und wenn sie sich bloss verständlich machen könnte. Aber über diesem Gedanken war sie auch schon eingeschlafen.

IIIII

Computerlogbuch von Commander Chakotay, Sternzeit 05831,5: "Wir folgen weiterhin der Sonde, die uns nach den Karten der Derewaner genau ins Buzir System führt. Farth, Urti und Bira sind auf ihr eigenes Schiff zurückgekehrt und haben sich unserer Mission angeschlossen, wir haben einen regen Besucheraustausch mit den Derewanern, die sich als umgängliche, freundliche und sehr wissbegierige Spezies erweisen. Durch ihre lange Reise in diesem, von Sonnensystemen nur so wimmelnden, Gebiet haben sie ausserordentlich viele Informationen gesammelt. Aber auf meine Frage nach einem Planeten, der von fern orangefarbenen leuchtet, konnten sie mir keine Auskunft geben. Ihr Wissen über die Buzidim wird sich hoffentlich als nützlich erweisen, wenn wir den Heimatplaneten dieses Volkes erreicht haben."
Der hochgewachsene Mann beendete die Logbuchaufzeichnung, stand aus dem Sessel im Bereitschaftsraum auf und ging zu den grossen Fenstern. Wie oft hatte er hier schon mit Kathryn gestanden, wie viele Entscheidungen hatten sie unter diesen Fenstern schon gefällt und wie oft hatten sie auf der Couch darunter gesessen, diskutiert und geschwiegen, gestritten oder im besten Einvernehmen geredet? Erinnerungen, die ihm jetzt auch nicht halfen, ganz im Gegenteil, er musste seine Sinne nach vorn richten, auf die nächstliegenden Aufgaben, doch es fiel ihm schwer.
"Commander!"
Harry Kims Stimme riss ihn aus der sinnlosen Grübelei,
"Was gibt es, Harry?"
"Wir bekommen Besuch, drei rochenförmige Schiffe, Sir."
"Ich bin sofort auf der Brücke, senden Sie die üblichen Grußbotschaften."
Ungeduldig drängte sich der erste Offizier durch die sich öffnende Türhälften und erkannte sofort die Lage. Ein Blick auf den Bildschirm, zeigte ihm, dass die Buzidi Schiffe die Voyager eingekreist hatten.
Er wandte sich zu Harry.
"Haben wir Kontakt?"
"Keine Antwort, Sir."
"Tuvok, Schilde hoch.
Hier spricht Commander Chakotay vom Förderationsraumschiff Voyager, wir sind in friedlicher Absicht hier, wir folgten Ihrer Sonde."
Die Antwort bestand aus einem Phaserstrahl, der sich vom größten der Rochen löste.
"Roter Alarm, Tuvok!"
Die Voyager bebte unter einem Treffer.
"Die Schilde halten, Treffer abgewehrt."
"Status?"
" Kein direkter Treffer, die Waffen der Buzidi sind schwach."
Nun eröffneten auch die beiden anderen Schiffe das Feuer.
"Tuvok, versuchen Sie, die Schilde der Buzidi zu schwächen, wie ist unser Status?"
"Drei Treffer, aber die Schilde halten."
"Commander Chakotay an die Buzidi Schiffe, Stellen Sie das Feuer ein, wir wollen Ihnen keinen Schaden zufügen."
Wieder erschütterten mehrere Treffer die Voyager.
"Commander, direkte Treffer, Schilde bei 92%"
"Commander, wir haben den Funkkontakt verloren."
"Harry, versuchen Sie, den Kontakt wieder her zu stellen. Tuvok, zielen sie auf die Triebwerke, versuchen Sie die Rochen manovrierunfähig zu schiessen."
"Ich bekomme keinen Kontakt, Sir."
Tom Paris starrte auf den Bildschirm und rief verwundert:
"Was zum Teufel haben die denn vor?"
Der Vulkanier antwortete in der für ihn typischen Manier, mit hochgezogenen Augenbrauen.
"Sie versuchen offensichtlich uns zu rammen, Lieutenant Paris."
"Vielen Dank, Tuvok, die Frage war rein rhetorisch!"
Wenn Chakotay verwundert war, liess er es sich zumindestens nicht anmerken.
"Was ist mit den Schilden der Gegner? Und haben wir Nachricht von den Derewanern?"
"Schilde sind unten. Die Derewaner sind hinter uns und fliegen in unserem Schatten.."
"Was machen die Buzidi?"
Tom drehte sich zu dem ersten Offizier.
"Im Moment nichts. Sie haben die Position nicht verändert, aber es tut sich nichts. Soviel zu der Theorie, dass sie uns rammen werden."
Chakotay überlegte einen Moment, dann wandte er sich um.
"Tuvok, schicken Sie auf jeden Rochen ein Aussenteam, jeweils drei Leute. Ich gehe mit auf das grösste Schiff,"
"Sir, Sie sollten..."
"Hierbleiben, ich weiss," unterbrach der Commander die Ausführungen des Vulkaniers.
"Aber ich gehe mit. Sie haben die Brücke, Tuvok. Und sagen Sie unseren derewanischen Freunden, sie sollen sich aus der Gefahrenzone heraushalten."


Fortsetzung folgt




Wenn du einem Raben zu lange in die Augen siehst, dann stiehlt er deine Seele und fliegt mit ihr davon

05.11.2005, 12:20

fortsetzung
Fähnrich
Rabenlady Geschlecht-Symbol
Kommunikator

Mitglied der Familie:
Angels of Darkness Familienlogo

2338 CP

Aktivitätsquote:

0.00%

Benutzergrafik
Beitraglink: 2045
Kathryn öffnete unwillig die Augen, orangefarbenes Licht blendete sie. Für einen Augenblick, wusste sie nicht, wo sie sich befand.
"Computer, Licht auf ein Drittel Helligkeit."
Da erst merkte sie, dass sie nicht auf der Voyager war.
Ihr Kopf dröhnte, mühsam versuchte sie sich zu erinnern. Da war ein Schiff, nicht die Voyager, ein anderes Schiff, was hatte sie dort gesucht? Und wie war sie hier her gekommen? Da war eine blauhaarige, grosse Frau. Hatte sie das geträumt oder war es Wirklichkeit?
Als sie aufzustehen versuchte, verlor sie das Gleichgewicht und fiel zurück auf ihr Lager. Das Schwindelgefühl drohte übermächtig zu werden. Langsam und tief atmete sie ein und aus und versuchte es dann erneut. Dieses Mal kam sie auf die Füsse. Sie sah sich um. Eine einfache Behausung aus Baumstämmen, sie erinnerte sie an die Blockhäuser, von denen Chakotay ihr erzählt hatte und die in den uralten Filmen, die Tom Paris so liebte, vorkamen. Das Fenster hatte kein Glas, der Eingang war mit einem Vorhang aus schimmernden Perlen verhängt, die sich leicht bewegten. Vorsichtig ging Janeway auf die Türöffnung zu, schob den Perlenvorhang etwas zur Seite und sah auf einen runden Platz dessen Rand von mehreren Blockhütten gesäumt war. Das Dorf wirkte verlassen, es war absolut still, bis auf das Geräusch des leichten Windes. Langsam schob sich Kathryn aus der Tür, hielt sich mit einer Hand am Rahmen fest, denn ihre Knie schienen aus Gummi zu bestehen. Wieder atmete sie tief durch, bemerkte, wie warm und würzig die Luft war. Dann liess sie probeweise ihre Hand sinken und ging, als sie sich sicherer auf den Beinen fühlte, einige Schritte vorwärts.
Aus den Augenwinkeln nahm Janeway eine Bewegung wahr, sofort blieb sie stehen und sah nach rechts. Aber da war nichts. Vorsichtig und aufmerksam ging sie weiter. Sie sah, dass sich hinter einem der Blockhäuser etwas regte, achtete jedoch darauf, sich nichts anmerken zu lassen. Sie überquerte mit unsicheren Schritten den Dorfplatz und hatte das unbestimmte Gefühl, beobachtet zu werden. Als sie sich umwandte, sah sie, halb versteckt hinter einer der Behausungen, einen Humanoiden mit blauem Haar und einem ovalen Gesicht. Kathryn sah hinüber und wartete geduldig. Schließlich gab der Fremde sein Versteckspiel auf und kam auf die Frau zu. Er hielt einen einfachen Speer in der Hand und gab sich den Anschein völliger Furchtlosigkeit. Aber der Captain der Voyager spürte die Unsicherheit hinter dieser Geste. Der Fremde wirkte sehr jung, seine hellbraune Gesichtsfarbe bildete einen seltsamen Kontrast zu den lichtblauen Haaren, die zu einem gedrehten Zopf gebunden waren.
Der Moridi war inzwischen bis auf einen Meter an Janeway herangekommen, er hielt den Speer vor der Brust verschränkt, wahrscheinlich hatte man ihm eingeschärft, er dürfe die Fremde nicht verletzen.
"Ich bin Mokhara, der Sohn von Tomka, dem Weisen. Ich werde Dich, Frau aus dem Himmelsschiff, zu Handris Hütte zurück bringen."
Janeway hob die Schultern und griff an die linke Brustseite, ihr Kommunikator war weg. Daher hatte sie auch die Frau an ihrem Bett nicht verstanden. Erneut hob sie die Schultern und versuchte, dem jungen Mann begreiflich zu machen, dass sie nicht wusste, was er gesagt hatte.
Mokhara betrachtete die Fremde neugierig, selbst gegen ihn, der noch nicht voll ausgewachsen war, wirkte sie klein. Es ging nichts Bedrohliches von ihr aus und doch war er vorsichtig. Sein Bruder Tohara hatte ihm genaue Anweisungen geben, bevor er mit Handri zu dem grossen Rochen von Himmel gegangen war. Und die Worte seines Bruders waren für Mokhara Gesetz. Der junge Moridi versuchte energisch zu wirken, als er Kathryn aufforderte, zurück zu gehen. Janeway leistet keinen Widerstand, musste aber ein Lächeln unterdrücken, als sie die Erleichterung in den Zügen des jungen Mannes sah.

IIIII

Das erste, was Chakotay nach seiner Rematerialisierung wahrnahm, war der Geruch von verschmortem Kunststoff und eine kleine Rauchschwade die unter Decke des langen Korridors hing. Er sah zu B'Elanna und Fähnrich Saxton, die beide mit der Waffe im Anschlag auf seine Anweisungen warteten.
" Saxton, Sie decken unseren Rücken. Torres, Sie waren doch auf dem Buzidi Schiff, wissen Sie, wie wir am schnellsten zur Brücke gelangen?"
"Nicht genau, aber das Schiff ist nicht so gross, als dass wir lange suchen müssten."
Das Aussenteam bewegte sich vorsichtig vorwärts.
"Merkwürdig," Chakotay sah sich aufmerksam um, "die müssen doch gemerkt haben, dass Besuch an Bord ist."
B'Elanna zuckte mit den Schultern.
"Vielleicht sind sie krank, wie die Besatzung des anderen Schiffes."
"So plötzlich?"
"Wir werden es ja gleich erfahren."
"Tuvok an Aussenteam eins!"
"Chakotay hier, was gibt es?"
"Wir haben Kontakt zu Team zwei und drei, sie melden, dass die Besatzungen der Schiffe nicht mehr in der Lage sind, etwas sinnvolles zu tun."
"Der Virus?"
"Offensichtlich. Wir haben zwei der Leute in die Krankenstation gebracht. Der Doktor ist dabei, sie zu untersuchen."
"Gut, wir haben leider keinen Sprechkontakt zu den beiden anderen Teams. Wäre gut, wenn uns jemand den Weg zur Brücke weisen könnte."
"Mr. Kim wird den Kontakt herstellen."
"Danke, Tuvok, Ende."
"Hier ist Lieutenant Blackman, Sir. Die Lifte funktionieren ähnlich wie unsere. Der oberste Sensor bringt Sie zur Kommandozentrale."
"Danke, Blackman. Wer ist bei Ihnen?"
"Seven of Nine und Dr. Tavares, die Biologin."
"Gut, versuchen Sie, das Schiff zu stabilisieren und still zu legen."
"Aye, Sir."
Saxton, Torres und Chakotay hielten die Waffen in den Händen als sich die Tür des Liftes öffnete, liessen sie aber sofort sinken. Der Anblick, der sich Ihnen bot, war schockierend. Etwa 30, sehr menschenähnliche, Humanoide sassen entweder teilnahmslos auf ihren Sitzen, während andere wahllos auf irgendwelche Sensorfelder drückte, gefolgt von grellem Gelächter, wenn ein buntes Licht aufleuchtete.
"Mein Gott, das ist ja furchtbar." entfuhr es Saxton.
Chakotay nickte nur und tippte auf seinen Kommunikator.
"Chakotay an Voyager. Tuvok, schicken Sie den Doktor sofort her."
"Doktor an Aussenteam eins. Es ist sinnlos, das ich zu Ihnen komme. Das Mittel gegen den Virus hilft nur gegen die Krankheit, aber diese Buzidi sind einer speziellen Konditionierung unterzogen worden, damit sie in der Lage waren, ihr Raumschiff zu steuern. Dr. Bira ist bei mir und hat festgestellt, dass die Degenerierung der Buzidi inzwischen so weit fortgeschritten ist, dass sie ohne eine Sonderbehandlung nicht einmal mehr ein Spielzeugraumschiff steuern könnten. Diese Leute gehen mit einer Technik um, die vor Generationen entwickelt wurde und die wohl heute keiner mehr beherrscht.“
"Verstanden, was sollen wir tun?"
Wieder war es der holografische Arzt, der antwortete.
"Wir haben die Besatzungen der anderen Schiffe in Frachtraum zwei gebeamt und ihnen das Gegenmittel gegen die Viruserkrankung verabreicht. Sie sind jetzt gesund, aber leider so lethargisch wie ein Sehlat im Winterschlaf."
Chakotay verbiss sich ein Grinsen, als er Tuvok sagen hörte:
"Sehlats, Doktor, halten keinen Winterschlaf."
"Doktor, sorgen Sie dafür, dass auch diese Besatzung in Frachtraum zwei gebracht wird."
"Wird veranlasst, die Derewaner werden die Hälfte der Leute auf ihr Schiff bringen."
"Sehr gut. B'Elanna und Saxton werden dieses Schiff deaktivieren. Ich komme zurück. Was ist mit der Sonde?"
"Behält die bisherige Position bei, keinerlei Anzeichen für Aktivität."
"Hier ist Team drei, unser Schiff hat den Autopiloten aktiviert, ich kann ihn nicht abschalten."
"Tuvok, beamen Sie uns alle sofort zurück."
"Die Schiffe haben die Schilde hochgefahren, wir können Sie nicht erfassen."
"Dann folgen sie den Rochen, ich bin sicher, sie fliegen zurück nach Buzidim. Scheint eine Art Schutzmechanismus zu sein, falls die Besatzung ausfällt. Wir werden versuchen den Autopiloten zu deaktivieren. Wie ist die Situation bei Team zwei und drei?"
"Hier Paris, Team drei, dass Schiff setzt sich in Bewegung, ich versuche, den Antrieb lahm zu legen."
"Seven hier. Lieutenant Blackman kümmert sich um den Antrieb und ich versuche die Dateien des Bordcomputers so umzukonfigurieren, dass ich die gesammelte Datenbank zur Voyager senden kann. Auch unser Schiff setzt sich in Bewegung."
"Chakotay an Voyager, Tuvok, Sie haben das Kommando, folgen Sie uns."
"Aye, Sir. Die Sonde hat sich auch in Bewegung gesetzt, allerdings auf einem anderen Kurs."
"Schicken sie eine von unseren Aufklärungssonden hinterher. Chakotay, Ende."
Lieutenant Torres sass an einer Konsole, die offensichtlich die Energieversorgung regelte.
"Commander, ich kann zwar bisher den Autopiloten nicht abschalten, aber es ist mir gelungen, die Geschwindigkeit zu drosseln. Habe die Daten schon an die anderen weiter gegeben."
"Sehr gut, dann kann uns die Voyager folgen. Es ist vielleicht gar nicht so eine schlechte Idee, dass wir uns auch "entführen" lassen. Mag sein, dass wir dadurch den Captain wieder finden."

Fortsetzung folgt...




Wenn du einem Raben zu lange in die Augen siehst, dann stiehlt er deine Seele und fliegt mit ihr davon

06.11.2005, 17:48

Fortsetzung
Fähnrich
Rabenlady Geschlecht-Symbol
Kommunikator

Mitglied der Familie:
Angels of Darkness Familienlogo

2338 CP

Aktivitätsquote:

0.00%

Benutzergrafik
Beitraglink: 3310
Der Derewaner Farth hatte sich zur Voyager transportieren lassen, um mit Tuvok die neueste Entwicklung zu besprechen. Seiner Meinung nach, befanden sich die drei Aussenteams nicht in Gefahr, aber er bezweifelte, dass man das verlorengegangene Besatzungsmitglied, man hatte ihm immer noch nicht gesagt, dass es sich um den Captain des Schiffes handelte, dadurch wieder fand. Er kannte den Planeten Buzidim nicht persönlich, hatte auch noch nicht gehört, dass die Degeneration dieses Volkes derart weit fortgeschritten war. Die Buzidi, die er kennengelernt hatte, waren seit längerer Zeit auf einem anderen Planeten angesiedelt, wo sie eine Kolonie gegründet hatten. Dort war der Virus zwar auch aktiv, aber hatte nicht so verheerende Folgen gezeitigt, wie sie hier zu sehen waren.
"Mr. Tuvok, haben Sie eine Ahnung, wohin diese Sonde fliegt?"
"Wir haben eine Erkundungsbarke hinterher gesandt, wir werden es erfahren."
"Commander Chakotay teilte uns mit, dass ihr vermisstes Crewmitglied ausserordentlich intelligent sei. Es wäre doch immerhin möglich, dass die Sonde von ihm geschickt worden ist."
"Das ist eine Option, die man in Betracht ziehen muss, aber wenn es der Fall wäre, dann hätte unser Crewmitglied einen Weg gefunden, uns davon zu unterrichten, wo es gestrandet ist. Was Commander Chakotay auch immer gesagt haben mag, es ist unwahrscheinlich, dass Janeway noch lebt."
"Janeway?! Ihr Crewmitglied heisst Janeway?"
"Ja, Kathryn Janeway ist der Captain der Voyager. Weshalb fragen Sie?"
"Wir haben diesen Namen schon des öfteren gehört. Sie soll eine sehr ...nun sagen wir mal...ungewöhnliche Person sein."
Tuvok zog die Augenbrauen in die Höhe.
"Das ist sie mit Sicherheit. Was haben sie von ihr gehört.?"
"Nun, dass sie schon mehrmals mit den Borg zusammen gestossen und immer davon gekommen ist. Auch, dass sie...nein lassen wir das. Wenn sie ihr Captain ist, dann kann sie keine brutale und unkooperative Person sein. Nicht, wenn ich die Leute auf diesem Schiff als Maßstab nehme."
"Das sehen Sie richtig, Mr. Farth. Aber sie wollten mir etwas sagen in bezug auf die Sonde?"
"Diese Sonden haben eine ausserordentliche grosse Reichweite. Es wäre zu bedenken, dass sich ihr Ziel nicht in diesem Sonnensystem befindet."
"Unsere Aufklärer sind Langstreckenflugkörper, wir bleiben an der Sonde dran."
Farth schien beunruhigt zu sein.
"Wenn es um das Volk der Buzidi so schlecht steht, kann das zu einer Katastrophe in dieser Region führen. Die Buzidi sind so lange die Herrscher hier gewesen, dass sie sich eine Menge Feinde gemacht haben. Da gibt es eine ganze Menge unterdrückter Völker, die nun ihre Chance suchen werden. Die Raumfahrttechnik beherrschen die meisten, es gibt nicht mehr viele Planeten, deren Bewohnern diese Technologie fremd ist. Wenn Sie und Ihre Leute den Buzidi helfen werden, dann sind wir bereit, an Ihrer Seite zu kämpfen, wir könnten sehr viel daraus lernen."
Tuvok wurde plötzlich klar, dass sich die Voyager auf einer Mission befand, welche die oberste Direktive verletzen könnte.
"Mr. Farth, wir werden uns in nichts einmischen. Unsere Gesetze verbieten es. Wir suchen unseren Captain und sonst nichts."
"Sieht Commander Chakotay das auch so?"
"Er wird mir zustimmen, denn gerade der Commander legt grossen Wert darauf, Kathryn Janeway zurück zu holen."
Der Derewaner nickte nachdenklich.
"Ihr Doktor gab uns die Formel für das Gegenmittel, das verbieten ihre Gesetze nicht?"
"Mit diesem Mittel kann die Krankheit geheilt werden, aber nicht die Degeneration. Wir werden uns nicht einmischen, aber wir wollen auch niemanden töten. Und sei es nur durch unterlassene Hilfeleistung. Sie sehen, Mr. Farth, es ist eine Gratwanderung, auf der wir uns befinden."
"Ich verstehe, wenn Sie es gestatten, werden wir Sie weiterhin begleiten."
Der Vulkanier nickte gelassen.
"Es ist uns eine Ehre."
Als der Derewaner gegangen war, verliess Tuvok den Bereitschaftsraum und fand auf der Brücke die Situation unverändert vor. Die rochenförmigen Schiffe flogen mit höchstens Warp 2, die Voyager und das derewanische Walzenschiff folgten ohne Probleme, auch wenn die Com-Verbindung zu den drei Aussenteams gestört war.
Harry sah zu dem sehr nachdenklich wirkenden Vulkanier.
"Unser Aufklärer ist an der Sonde dran, nichts neues von daher."
"Mr. Kim, Sie haben die Brücke, halten Sie mich auf dem Laufenden."
Verwundert sah der Fähnrich dem Mann hinterher, das sah Tuvok so gar nicht ähnlich, während einer solchen Situation die Brücke zu verlassen. Andererseits tat sich im Augenblick nicht sehr viel.
Und er genoss es, endlich mal wieder im Captains-Sessel Platz zu nehmen.


Fortsetzung folgt...




Wenn du einem Raben zu lange in die Augen siehst, dann stiehlt er deine Seele und fliegt mit ihr davon

08.11.2005, 22:38

Fortsetzung
Fähnrich
Rabenlady Geschlecht-Symbol
Kommunikator

Mitglied der Familie:
Angels of Darkness Familienlogo

2338 CP

Aktivitätsquote:

0.00%

Benutzergrafik
Beitraglink: 4329
Als Janeway Stimmengemurmel hörte, sah sie aus der Fensteröffnung des Blockhauses. Der junge Mokhara stand noch immer vor der Tür, aber am äussersten Ende des Dorfplatzes sah sie eine Gruppe von blauhaarigen, braunhäutigen Humanoiden, die offensichtlich von einem Jagdausflug oder etwas ähnlichem zurück kehrten.
Eine Gestalt löste sich aus der Menge und Kathryn erkannte die hochgewachsene Frau, die bei ihr gewesen war.
Handri hatte schon von weitem gesehen, dass Mokhara vor ihrer Tür Wache stand. Das konnte nur bedeuten, dass die Fremde aufgewacht war und zu fliehen versucht hatte. Die Heilerin gestand sich selbst ein, selten so neugierig gewesen zu sein, wie auf diese Frau. Hoffentlich fand sich eine Möglichkeit zur Verständigung.
Mit ein paar, wie sie hoffte nicht zu schnellen, Schritten war Handri bei ihrer Hütte.
"Nun Mokhara, was hast Du zu berichten?"
Vor der Heilerin hatte der junge Moridi grossen Respekt, ihre Meinung zählte viel und er wusste sehr wohl, dass sie seinen Bruder nicht gerade schätzte, Er hoffte, dass sie ihn mit günstigeren Augen ansah, denn im Rat kam ihre Stimme gleich nach der seines Vaters.
"Die Fremde ist erwacht, Handri. Sie verliess Deine Wohnstätte und lief auf den Dorfplatz. Tohara hatte mir aufgetragen, dass ich sie nicht aus den Augen lassen soll. Ich brachte sie zurück, aber ich habe sie nicht bedroht oder verletzt."
Die Moridia hörte die Furcht bei den letzten Sätzen in der Stimme des Jungen und verbiss sich ein Lächeln. Er war nicht so überheblich und dumm wie sein Bruder. Sie würde dafür sorgen müssen, dass er dem Einfluss des Älteren entzogen wurde.
"Du hast recht gehandelt, Mokhara, und Deine Aufgabe erfüllt. Geh nun zu den anderen und hilf bei den Vorbereitungen für das Fest. Am morgigen Abend werden Dein Vater, die Ältesten und die neuen Krieger würdig empfangen werden. Ich werde mich zunächst um die Fremde kümmern, sage Deinem Bruder, dass ich ihn sprechen möchte."
Janeway war stand hocherhobenen Hauptes neben dem Tisch.
Handri ging zu ihr, deutete eine leichte Verbeugung an und nahm dann die Hände Kathryn's in die ihren.
"Du siehst erfrischt aus, Fremde aus dem Himmelsschiff, ich weiss, dass wir uns noch nicht verständigen können. Aber wir finden einen Weg. Du musst hungrig und durstig sein, wir werden zusammen essen, ja."
Mit entsprechenden Gesten hatte die Heilerin ihre Worte untermalt und Janeway glaubte zumindestens, dass sie die Frau verstanden hatte. Ein zufriedenes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als die Fremde einen Krug und Becher, sowie eine grosse und zwei kleine Schalen auf den Tisch stellte. Das war das, was sie zu erkennen geglaubt hatte.
Die beiden , so unterschiedlichen, Frauen setzten sich einander gegenüber. Nachdem beide gegessen und getrunken hatten, lehnte sich die Heilerin zurück, deutete auf sich selbst und sagte:
"Ich bin Handri, die Heilerin des Stammes Shoha der Moridi."
Kathryn lauschte dem Klang der Worte nach und deutete dann auf die Frau.
"Shoha?"
Die Moridia schüttelte den Kopf.
"Handri, ich heisse Handri."
"Handri?"
Jetzt nickte die Heilerin und lächelte dabei. Das war so menschlich, dass sich Janeway gleich besser fühlte. Sie zeigte nun auf sich.
"Kathryn Janeway. Ich heisse Kathryn Janeway!"
Handri überlegte.
Kess yn Jenney?"
Janeway lächelte nun auch.
"Kathryn, nenn mich Kathryn."
"Kesrin, ja?"
Diese nickte und sagte dann:
"Du hast mir geholfen, danke, Handri."
"Dan' ke? Kesrin?"
Bevor Janeway etwas sagen konnte, wurde der Perlenvorhang an der Tür zur Seite geschleudert und ein grobschlächtig wirkender Moridi betrat die Hütte.
"Was willst Du von mir, Heilerin?"
Handri, die den jungen Mann um einen halben Kopf überragte, sagte ganz ruhig:
"Zunächst einmal mehr Respekt. Du zählst noch nicht zu den Kriegern, trotzdem ist Dir bekannt, wie man mit den Ältesten zu reden hat. Ich habe Dich zu mir gebeten, weil Du mich und Kesrin zum Sammlungshaus begleiten sollst."
„Das Sammlungshaus untersteht meinem Vater und Somara, das weißt Du genau."
"Dein Vater war es, der mich bat, der Fremden die gefunden Gegenstände zu zeigen, damit sie vielleicht eines davon erkennt. Und wir die Möglichkeit haben uns mit Kesrin zu verständigen."
Tohara verzog den Mund zu einem abschätzigen Grinsen.
"Ich gehöre zwar noch nicht zu den Kriegern, was ich Dir zu verdanken habe, aber was ich mit der Fremden machen würde, weiss ich. Sie ist es nicht wert, die Reichtümer der Shoha zu betrachten. Wir sollten sie töten, bevor ihre Freunde, die Buzidi hierher gelangen."
"Und ich weiss, warum ich meine Zustimmung verweigere, Dir die Kiegerehren zu erteilen. Dein Vater hat einen Wunsch geäussert und Du wirst jetzt dafür sorgen, dass ich ihn erfüllen kann."
Sie winkte Janeway mit einer Handbewegung zu sich, sah den jungen Moridi auffordernd an und folgte ihm dann, nachdem er sich murrend in Bewegung gesetzt hatte.
Kathryn hatte den Wortwechsel zwar nicht verstanden, aber gemerkt, dass Handri und dieser Moridi aneinander geraten waren. Sie war gespannt darauf, wohin man sie führen würde. Das sie persönlich nichts zu fürchten hatte, war ihr schon klar geworden.
Wenn sie doch nur eine Möglichkeit zur Kommunikation fände, dann wäre alles leichter.
Tohara grollte innerlich. Diese Hexe hatte ihn wieder einmal an seinen Platz verwiesen. Eines Tages würde er es ihr heimzahlen. Und vielleicht konnte er ja die Fremde als Mittel dazu benutzen.



B'Elanna Torres hatte es aufgegeben, den Autopiloten abschalten zu wollen. Sie sah sich nach ihren Kameraden um. Robert Saxton, der Spezialist für Astrophysik stand vor einem Terminal und versuchte offensichtlich, einen Zugang zu der Datenbank des Schiffes zu bekommen. Chakotay war nicht zu sehen.
"Wo ist der Commander?"
Saxton sah auf.
"Er macht einen Erkundungsgang durch das Schiff."
"Haben Sie etwas interessantes gefunden?"
"Ja, aber es ist schwierig, Zugang zu den weiterführenden Dateien zu bekommen. Scheinbar waren die Buzidi richtige Eroberer. Hier habe ich eine ganze Menge Koordinaten von verschiedenen Sonnensystemen. Wenn ich das richtig deute, dann sind das alles Kolonien oder Planeten, die Rohstoffe und dergleichen liefern. Ein wahres Imperium."
"Ein Imperium das untergeht!"
"Ja, und wie es aussieht, sind wir mitten drin!"
Torres zuckte mit den Schultern.
"Mag sein! Ich suche Chakotay. Sie halten hier die Stellung."
"In Ordnung, ich werde versuchen, die Kommunikation zur Voyager wieder herzustellen."
"Gute Idee."
Mit einer ruckartigen Bewegung drehte sich Chakotay um, als er ein Geräusch hinter sich hörte.
"B'Elanna!"
"Was machst Du hier?"
Wie immer, wenn sie unter sich waren, benutzte die Halbklingonin den vertraulichen Umgangston aus Maquisarden Zeiten.
"Das hier ist das Buzidi Äquivalent einer Krankenstation. Ich hoffte, einen Hinweis auf den Verbleib von Kath...des Captains zu finden."
"Bei mir musst Du Dich nicht verstellen. Sag ruhig Kathryn, das tust Du doch sonst auch."
"Woher willst Du das wissen?"
"Wenn ihr morgens zusammen in der Mess Hall frühstückt, dann habe ich noch nie gehört, dass ihr Euch mit dem Dienstrang anredet."
"So ist das eben. Wir sind auch nicht förmlich, wenn wir unter uns sind."
Er grinste verhalten.
"Ich wusste gar nicht, dass Kathryn und ich unter Beobachtung stehen."
"Auch nicht mehr, als Tom und ich, bevor wir offiziell als Paar auftraten Aber Spass beiseite. Hast Du irgend etwas entdeckt?"
Der hochgewachsene Mann schüttelte den Kopf.
"Nein, es war auch nur eine vage Hoffnung. Was hast Du Neues?"
"Genauso wenig. Ich konnte nicht mehr tun, als die Geschwindigkeit zu drosseln. Es ist wahrscheinlich ein Sicherungsmechanismus falls die geistige Konditionierung versagt.
Saxton versucht, Kontakt zur Voyager zu bekommen."
"Haben sich die anderen Teams gemeldet?"
"Blackman gab vorhin eine Nachricht durch. Sinngemäß sagte er etwas wie: Befreit mich von der Borg!"
Der erste Offizier sah die Halbklingonin verständnislos an.
B'Elanna grinste.
"Anscheinend erzählt ihm Seven dauernd, wie schrecklich ineffizient diese Mission doch ist."
Chakotay nahm die Frau bei den Schultern und schob sie auf den Korridor.
"Ihr könnt Euch immer noch nicht leiden!"
"So ist das nicht. Aber...als meine beste Freundin würde ich sie nicht gerade bezeichnen."

Fortsetzung folgt...




Wenn du einem Raben zu lange in die Augen siehst, dann stiehlt er deine Seele und fliegt mit ihr davon

11.11.2005, 18:45

 
Fähnrich
Rana Geschlecht-Symbol
Kommunikator

2135 CP

Aktivitätsquote:

0.00%

Benutzergrafik
Beitraglink: 6961
*seufz* Wann gehts denn weiter? Bin doch soooo neugierig! Und ich liebe Deine Geschichten! bitte mach bald weiter!




Nichts ist so eilig, als das es duch liegenlassen nicht noch eiliger wird oder sich am Ende von selbst erledigt

17.11.2005, 20:54

Es geht weiter
Fähnrich
Rabenlady Geschlecht-Symbol
Kommunikator

Mitglied der Familie:
Angels of Darkness Familienlogo

2338 CP

Aktivitätsquote:

0.00%

Benutzergrafik
Beitraglink: 7010
"Mr. Kim, ich habe hier ein Audiosignal von einem der Buzidi Schiffe." Die Stimme Crewman Washingtons, der die OPS übernommen hatte, riss Harry aus seinen Grübeleien.
"Lassen Sie hören."
"Hier ist Fähnrich Saxton, Voyager bitte melden."
"Wir hören Sie, wie haben Sie es geschafft den Kontakt herzustellen?"
"Langsam begreife ich die Technik hier. Ich habe auch einige Dateien herausgelöst, ich überspiele sie an unseren Computer. Allerdings haben wir keine Ahnung was vor sich geht."
"Nichts Neues, wir folgen Euch immer noch. Die Derewaner sagten uns, dass es nicht mehr weit ist, bis wir das Buzir System erreichen. Wo sind Chakotay und Torres?"
"Wir sind hier Harry," meldete sich der erste Offizier zu Wort.
"Geben Sie mir einen Lagebericht."
"Keine besonderen Vorkommnisse, ausser..." Harry zögerte, weiterzusprechen.
"Ausser was?"
"Nun, Lieutenant Commander Tuvok hat mir vor fast vier Stunden die Brücke übergeben und ist seither in seinem Quartier."
"Hat er irgendeinen Grund genannt?"
"Nein, er hatte eine Unterredung mit Mr. Farth. Danach zog er sich zurück."
"Ist der Derewaner noch auf der Voyager?"
"Nein, Sir, aber ich kann versuchen, ihn auf seinem Schiff zu erreichen."
"Tun Sie das, Harry und sagen Sie Tuvok, er soll mir Bericht erstatten."
"Aye, Sir."
Der Doktor, der auf die Brücke gekommen war, um ‚nach dem Rechten‘ zu sehen, meinte:
„Sieht aus, als wenn Mr. Tuvok etwas ausbrütet.“
" Vielleicht meditiert er ja auch nur. Oder er überlegt, wie er die Abwesenheit von Chakotay dazu nutzen kann, die Voyager wieder auf den Kurs in den Alphaquadranten zu bringen. Erinnern sie sich noch daran, dass er sich genau an Janeway's Anweisung, nicht nach Hilfe zu suchen gehalten hat, als sie und Chakotay auf diesem erdähnlichen Planeten im Exil waren?"
"Nun, Mr. Kim," liess sich die emotionslose Stimme des Vulkaniers vernehmen,
„dass war eine andere Situation. Wenn ich jetzt die Anordnungen Commander Chakotays ignorieren würde, wäre es nicht nur Befehlsverweigerung, sondern Meuterei."
"Entschuldigen Sie, Sir. Übrigens möchte der Commander mit Ihnen sprechen."
"Dann stellen Sie eine Verbindung her."
Washington berührte einige Sensortasten.
"Sie können sprechen, Sir."
"Tuvok an das Buzidi Schiff, Commander Chakotay?"
"Hallo Tuvok, ich habe gerade ein Gespräch mit Mr. Farth, der mir etwas Interessantes erzählte. Die Sonde der Buzidi ist offenbar auf dem Weg in ein 20 Lichtjahre entferntes Sonnensystem, über das es nur wenige Informationen gibt. Wie sieht es mit unserer Aufklärungsbarke aus, ist sie der Sonde noch auf der Spur?"
"Ja, das ist sie. Ich wollte Ihnen vorschlagen, dass der Delta Flyer startet und der Sonde folgt."
"Nein, Tuvok, wir werden uns darum kümmern, wenn die drei Rochen ihr Ziel erreicht haben. Solange wir nicht sicher wissen, dass der Captain nicht auf der Heimatwelt dieser Leute gestrandet ist, werden wir nichts unternehmen. Was war das eigentlich mit der Bemerkung, dass die Derewaner schon öfter etwas von der Voyager, aber besonders von Janeway gehört haben?"
"Das ist mir auch nicht klar, aber wenn Sie bedenken, wie viele bewohnte Sonnensysteme wir in der letzten Zeit gestreift haben und dabei nicht immer alles friedlich ablief, ist es nicht verwunderlich, dass die Voyager einen, nun sagen wir mal, gewissen Ruf hat."
"In Ordnung, was war mit Ihnen los, alles in Ordnung? Mr. Kim wunderte sich etwas über Ihre Abwesenheit."
"Ich benötigte eine Zeit zur Meditation, um meine Gedanken zu reinigen."
"Gut, dann übernehmen Sie jetzt wieder die Brücke, wir melden uns jede Stunde einmal."
"Ja, Commander."
Chakotay schaltete die Funkverbindung ab und schüttelte nachdenklich mit dem Kopf. Irgend etwas hatte ihn eben an Tuvok gestört, aber wenn er es recht bedachte, störte ihn dauernd etwas an Tuvok. Sicherlich sah er Gespenster.



Aufmerksam sah sich Janeway um, als sie zusammen mir der Heilerin dem stämmigen Moridi folgte. Der vorher wie ausgestorbene Dorfplatz wimmelte nun vor Leben. Ihr fiel gleich auf, dass es sich ausschliesslich um Kinder, Frauen und ältere Männer handelte, wenn sie doch nur mit Handri reden könnte. Das musste schliesslich irgend etwas zu bedeuten haben.
Tohara leitete die beiden Frauen auf einen schmalen Pfad, der vom Dorf weg führte. Handri berührte Kathryn am Ellenbogen und bedeutete ihr, dass sie hinter der Heilerin gehen sollte. Sie begriff gleich, warum. Der Weg war sehr steinig und voller Gestrüpp, Handri sorgte dafür, dass Janeway den sichersten Tritt fand und möglichst wenig von Ästen und Pflanzen gestreift wurde.
Schliesslich blieb der Sohn des Anführers stehen. Kathryn erkannte den getarnten Eingang zu einer Höhle. Tohara räumte das Geäst weg und stellte sich mit dem Speer in der Hand neben die Felsöffnung. Handri bemerkte den finsteren Gesichtsausdruck des jungen Mannes sehr wohl, aber sie schwieg, es würde eine andere Gelegenheit geben, ihn zurecht zu weisen. Sie winkte der Fremden, ihr zu folgen und bückte sich dann, um in das Innere der Höhle zu gelangen.
Als Handri sah, dass Kathryn ihr gefolgt war, entzündete sie eine der Fackeln, die an der Wand hingen und ging an den Wänden entlang, um die dort hängenden Talglichter anzuzünden.
Janeway stand immer noch im Eingang und konnte einen erstaunten Ruf nicht unterdrücken. In dieser Höhle lagen, säuberlich sortiert, eine Unmenge an technischen Gerätschaften, aber auch Schmuckgegenstände und Kleidungsstücke.
Handri machte eine ausladende Armbewegung, die Janeway so deutete, dass sie sich umsehen sollte. Langsam ging sie zur rechten Seite, um sich die dort befindlichen Sachen anzusehen. Die Heilerin war ihr gefolgt und zog an ihrem Ärmel. Als Kathryn sie verständnislos ansah, deutet die Moridia in die gegenüber liegende Ecke.
Handri hoffte, dass die Fremde verstand, dass die Gegenstände auf der anderen Seite aus dem Himmelsschiff waren, dass sie hierher gebracht hatte.
Neugierig geworden, begab sich Kathryn zu den aufgestapelten Sachen und besah sie sich genau. Zunächst entdeckte sie nichts, dass ihr bekannt vorkam. Dann nahm sie einige der Gegenstände, untersuchte sie und legte sie an die Seite. Handri sah ihre Patientin besorgt an, als diese einen Schrei von sich gab, bemerkte aber sofort die Freude auf dem Gesicht der Fremden.
Voller Erleichterung hielt Janeway ihren Kommunikator und den Tricorder in den Händen. Mit einer hastigen Bewegung aktivierte sie beides und steckte sich das Kommunikationsgerät an ihre, wie sie erst jetzt feststellte, ziemlich schmutzige und zerissene, Uniform.
Handri erstarrte fast, als sie die Frau nun sprechen hörte und sie auch verstand.
"Handri? Das ist Dein Name, habe ich recht? Ich bin Captain Kathryn Janeway vom Föderationsraumschiff Voyager. Ich weiss leider nicht, wie ich hierher gekommen bin und was überhaupt geschehen ist. Wie heisst dieser Planet und wo liegt er?"
Es dauerte einen Augenblick bis sich die Heilerin wieder gefasst hatte.
"Wie kommt es, dass ich Dich jetzt verstehe, Fremde aus dem Himmelsschiff? Ist das eine Art Zauber?"
Janeway wurde sich erst jetzt wirklich bewusst, dass die Einwohner dieses Planeten auf einer noch nicht so weit entwickelten Daseinsstufe befanden. Aber sie war nun mal hier gelandet und konnte es nicht verhindern, dass sie Gefahr lief, die oberste Direktive zu verletzen.
"Nein Handri, das ist kein Zauber. Es ist ein Gerät, dass meine Sprache in Deine übersetzt und umgekehrt. Du braucht davor keine Angst zu haben, denn so können wir endlich miteinander reden."
Die Moridia trat vorsichtig näher. Möglichst unauffällig versuchte Kathryn, den Tricorder einzusetzen, aber die Heilerin wich sofort einige Schritte zurück, als die Geräusche des Scannens vernahm.
"Was...was ist das. Bist Du doch eine von unseren Feinden?"
"Ich tue Dir nichts, ich bin kein Feind." Kathryn schloss den Tricorder schnell.
"Handri, ich weiss, dass es schwer zu verstehen ist, aber diese Geräte helfen mir herauszufinden wo ich bin und vielleicht auch, was geschehen ist."
"Du bist mit dem grossen Himmelsschiff hierher gekommen. Es war voller toter Feinde, voller Buzidi, nur Du hast überlebt, warst aber verletzt. Ich bin eine Medizinfrau unseres Stammes. Wir fanden Dich inmitten der Trümmer, nicht weit vom Eingang der Höhle der Weisheit entfernt. Du siehst nicht aus wie eine Buzidi und so gestattete der Älteste des Stammes der Shoha, dass ich Dich pflegen durfte."
"Danke, Handri, aber ich weiss immer noch nicht, wie ich hierher kam. Es kann nicht die Voyager gewesen sein. Und wer sind die Buzidi?"
"Sie sind unsere Feinde, seit Generationen holen sie immer wieder Leute unserer Stämme. Die moridianischen Stämme sind teilweise ausradiert worden von ihnen. Seit einer Generation etwa herrschte Frieden, keine Himmelsschiffe kamen mehr hierher.
Aber nun bist Du mit einem dieser Schiffe gestrandet. Warum ist es hier auf Moridia abgestürzt."
Janeway rieb sich die Stirn, Dann sagte sie stockend:
"Das Himmelsschiff sieht aus wie ein Rochen?"
Anscheinend konnte Handri mit diesem Begriff nichts anfangen.
"Es ist wie ein Vogel aus Stahl. Ist ein Rochen der grosse Göttervogel?"
"Nein, auf meiner Welt ist ein Rochen ein Meeresbewohner."
"Was ist ein Meeresbewohner?"
"Habt ihr auf diesem Planeten keine Ozeane, kein grosses Wasser?"
"Der Legende nach, gibt es im Gebirge auf der anderen Seite unserer Welt, viele mit Wasser gefüllte Löcher in der Erde."
"Seen also. Ich glaube Handri, wir werden uns viel zu erzählen haben, ehe ich weiss, was mit mir passiert ist."
"Wir gehen zurück ins Dorf, damit Dich alle kennenlernen."
Janeway hatte noch sehr viele Fragen, aber sie wollte sich erst ein besseres Bild von ihrer Situation machen. Wahrscheinlich war die Voyager schon auf dem Weg hierher.
Sie versuchte, sich zu erinnern, was geschehen war. Offensichtlich war sie mit einem fremden Raumschiff abgestürzt. Aber wie war sie dort hin gekommen?
Sie unterbrach ihre Grübelei, als Handri sie beim Arm nahm und sie in Richtung Ausgang zog.
Der junge Moridi stand immer noch neben dem Eingang, so als habe er sich bis jetzt nicht einmal bewegt. Er beachtete weder die Heilerin noch die Fremde, bedeckte die Öffnung der Höhle wieder mit Geäst und ging dann langsam hinter den Frauen her.

Fortsetzung folgt




Wenn du einem Raben zu lange in die Augen siehst, dann stiehlt er deine Seele und fliegt mit ihr davon

17.11.2005, 22:41

Fortsetzung
Fähnrich
Rabenlady Geschlecht-Symbol
Kommunikator

Mitglied der Familie:
Angels of Darkness Familienlogo

2338 CP

Aktivitätsquote:

0.00%

Benutzergrafik
Beitraglink: 10191
Tuvok, wir stürzen auf den Planeten!“ Harry wusste, dass die Panik, die er empfand, in seiner Stimme mitschwang und wagte es nicht, den Vulkanier anzusehen, der sicherlich wieder einmal sehr missbilligend aussah.
Zu Kim’s Verwunderung blieb ein Tadel aus.
„Lieutenant Jarrod, sind wir noch im Traktorstrahl gefangen.“
„Nein Sir.“
„Dann gehen Sie auf Modus Blau, wir werden eine Notlandung versuchen. Wie lange dauert es noch, bis wir die Oberfläche erreichen?“
„Wir treten gerade in die Atmosphäre ein,“ gab Harry bekannt.
„Commander Tuvok, die Stabilisatoren funktionieren nicht vollständig.“
„Tuvok an die Crew, wir werden in einigen Minuten auf Buzidim niedergehen, alle Stationen besetzen und auf Aufprall vorbereiten.“
Harry bewegte die Lippen und der Vulkanier, der ihn beobachtete, wusste nicht, ob der junge Mann nun ein Gebet sprach oder seine Anzeigen beschwor. Laut würde er es ja nicht zugeben, aber selbst ihm wäre jetzt wohler, wenn an der Conn Tom Paris sässe.
Jarrod versuchte sich verzweifelt daran zu halten, was Paris ihm über den Landevorgang der Voyager beigebracht hatte, aber es war keine normale Landung möglich, er musste improvisieren. In all den Jahren auf der Voyager hatte er versucht, wie ein Sternenflottenoffizier zu handeln, aber in diesem Sekunden wurde ihm klar, dass er jetzt den Maquisweg nehmen musste.
„Jarrod an Maschinenraum, Carey ich brauche dreiviertel Impulsgeschwindigkeit, nur für ca. 5 Sekunden, ist das machbar?“
„Carey an Brücke, ich versuche es j e t z t!“
„Was haben Sie vor, Jarrod.“ Tuvok war zu dem Bajoraner getreten
„Das erkläre ich Ihnen, wenn wir unten sind.“
Jarrod berührte mit traumwandlerischer Sicherheit die Sensorfelder, seine Instinkte, die er schon lange vernachlässigt hatte, brachen wieder auf, er fühlte mit dem Schiff, glaubte die Bewegungen der Voyager mit zu vollziehen.
Das Sternenflottenschiff wurde tüchtig durchgeschüttelt, für einen Moment glaubte Kim, dass sie es nicht schaffen würden, aber dann setzte die Voyager mit einem sehr harten Ruck auf. Es knackte und knirschte, aber sie waren am Boden.
„Mr. Kim, Schadensmeldung.“
Harry las seine Anzeigen ab.
„Ausfall des Antriebs, Risse in der Hülle auf den Decks 12, 13, 14 und 7. Die Krankenstation meldet ein paar Leichtverletzte und auf dem ganzen Schiff sind alle möglichen Gegenstände zu Bruch gegangen.“
„Danke, wir haben, um es in der irdischen Terminologie zu sagen, wohl Glück gehabt. Haben wir Nachricht von den Derewanern?“
„Nein, aber ich befürchte, sie sind in unseren Sog geraten und abgestürzt.“
„Versuchen Sie weiter, Kontakt zu bekommen, auch zu unseren Leuten. Ich werde mit einem Erkundungstrupp von Bord gehen, Sie haben die Brücke.“
Bevor Tuvok zum Turbolift ging, wandte er sich an den jungen Bajoraner.
„Das war eine sehr gute Leistung, Lieutenant, ich werde es im Logbuch festhalten. Und...bei Gelegenheit müssen Sie mir mehr über dieses Manöver erzählen.“

IIIII

Die Welt um ihn herum schien in einem roten Feuerball zu explodieren und es dauerte einen Moment, bis Chakotay begriff, dass seine Netzhäute das letzte Bild vor seiner Entmaterialisierung projizierten. Er sah sich um. Zu seiner Erleichterung standen B’Elanna und Saxton neben ihm, als er die Stimme Sevens hörte, drehte er sich herum.
„Wir scheinen es alle geschafft zu haben, Commander.“
„Und das, obwohl wir ja alle so ineffizient sind,“ murmelte Blackman, doch laut genug, dass es die ehemalige Borg gehört hatte.
„Ganz richtig, aber es ist die Hauptsache, dass wir am Leben sind und nun nach dem Captain suchen können.“
B’Elanna, die glücklich war, Tom gesund bei sich zu haben, grinste spöttisch, aber sie verkniff sich eine Bemerkung.
Chakotay tat so, als hätte er nichts gehört.
„Paris, Sie versuchen, Kontakt zur Voyager zu bekommen, wir anderen werden Scans vornehmen. Suchen wir nach Lebenszeichen des Captains und der Buzidi, Seven, Saxton und Dr. Tavares werden die nähere Umgebung erkunden.“
„Merkwürdiger Planet, sieht so aus, als gäbe es hier nur bebaute Flächen,“ Lieutenant Torres liess ihre Blicke bis zum Horizont wandern. Dann sah sie wieder auf die Anzeigen ihres Tricorders.
„Keine Vegetation, keine Signaturen von tierischen Lebewesen, aber auch keine der Buzidi. Und nichts von Kathryn Janeway.“
Die Halbklingonin sah, wie sich das Gesicht des Commanders verfinsterte. Sie wusste, wie sehr er gehofft hatte, den Captain hier zu finden. Sie wollte ihm irgend etwas tröstliches sagen, aber sie kam nicht dazu.
„Chakotay, sehen Sie! Da stürzt etwas auf die Planetenoberfläche!“ Fähnrich Wildman, die zu Paris‘ Team gehörte, deutet geschockt in den Himmel. Sie sprach aus, was alle dachten.
„Hoffentlich ist es nicht die Voyager!“
Der erste Offizier blickte gebannt nach oben, das Schiff sank mit rasanter Geschwindigkeit und machte ihre Hoffnungen zunichte. Es war die Voyager! Plötzlich schien sie eine Drehung zu machen und wieder an Höhe zu gewinnen.
„Das muss Jarrod sein, der sie fliegt!“ rief Chakotay, und Torres stimmte ihm sofort zu.
„Das ist ein erstklassiges Maquismanöver, er konnte das immer am besten von uns allen, ausser Ihnen natürlich, Commander!“ grinste die Chefingenieurin.
„Trotzdem wird es eine Bruchlandung werden.“
Tom und Chakotay versuchten mit den Tricordern die Flugbahn und den möglichen Landeplatz zu berechnen.
„Blackman, sie haben die meiste Erfahrung mit Ausseneinsätzen, sie werden zusammen mit Seven, nein, kein Protest bitte, ich werde ihr sagen, dass sie die Leitung des Teams haben, also zusammen mit Seven, Fähnrich Saxton und Dr. Tavares versuchen, irgendwelche Lebensformen auf diesem Planeten zu finden. Wir anderen machen uns auf den Weg zur Voyager, bis jetzt haben wir zwar keinen Kontakt, aber, ich bin sicher, dass wir bald von ihnen hören. Unsere Gruppen bleiben in Verbindung. Seien Sie vorsichtig, wenn sie auf die Bewohner dieses Planeten treffen sollten und vor allem, wenn sie es mit irgendwelcher Technologie zu tun bekommen, die scheint hier gefährlicher zu sein als die Einwohner.“
Fortsetzung folgt

Beitrag wurde am 23. November 2005, 18:22 Uhr editiert.




Wenn du einem Raben zu lange in die Augen siehst, dann stiehlt er deine Seele und fliegt mit ihr davon

23.11.2005, 18:20

Fortsetzung
Fähnrich
Rabenlady Geschlecht-Symbol
Kommunikator

Mitglied der Familie:
Angels of Darkness Familienlogo

2338 CP

Aktivitätsquote:

0.00%

Benutzergrafik
Beitraglink: 11360
Tuvok war als erster aus der Luftschleuse getreten. Aufmerksam blickte er sich um.
„Irgendwelche Signale,“ wandte er sich an Crewman Washington.
„Ja, Sir, sie kommen aus östlicher Richtung. Es sind Commander Chakotay und die anderen.“
„Tuvok an Chakotay!“
„Ich hätte ja nie geglaubt, dass ich das mal sage, aber, schön ihre Stimme zu hören!“
„Wo befinden Sie sich?“
„Laut Tricorder 25 km entfernt von ihrem Landeplatz. Übrigens Landung! Wer sass an der Conn?“
„Lieutenant Jarrod.“
Chakotay und Torres schenkten sich einen lächelnden Blick, aber dann wurde der erste Offizier sofort wieder ernst.
„Was ist mit den Derewanern?“
„Der Kontakt brach ab, als wir unter Beschuss gerieten. Wir versuchen, sie zu erreichen, aber bis jetzt ohne Erfolg. Wo sind Seven of Nine und die anderen?“
„Sie haben sich in der Gegend, in der wir materialisierten, umgesehen, aber Blackman meldet, dass sie nichts Wichtiges gefunden haben. Können Sie uns ein Shuttle schicken?“
„Ist schon unterwegs.“

HHHHH

Chakotay verzog erschrocken das Gesicht, als er die Voyager sah, das Schiff war doch schwerer beschädigt, als angenommen.
„Lagebericht, Mr. Tuvok!“
„Die Reparaturarbeiten werden unter den gegebenen Umständen einige Wochen in Anspruch nehmen. Die Tatsache, dass wir uns auf einem Planeten mit einer hochtechnisierten Gesellschaft befinden, sollte uns die Arbeit erleichtern.“
„Bis jetzt haben wir noch keine Anzeichen von irgendwelchen Lebensformen aufgezeichnet, Tuvok.“
„Das heisst aber nicht, dass es hier kein Leben mehr gibt, Mr. Kim scannte 758913 Individuen.“

HHHHH

Chakotay hatte Tom mit dem Delta Flyer und Seven mit einem der anderen Shuttles losgeschickt, um einen Überblick des Planeten zu erhalten. Nachdenklich sass der Mann im Sessel des Captains. Die Reparaturen auf der Brücke waren in vollem Gang und irgend wie störten ihn die vielen Leute. Er beschloss in den Bereitschaftsraum zu gehen und die Daten, die ihre Sonde geschickt hatte, auszuwerten. Je länger er las, desto mehr kam er zu der Überzeugung, dass die Buzidi Sonde zu dem Planeten geflogen war, den er in seiner Vision gesehen hatte. Er lag im Streit mit sich selbst. Einerseits trieb es ihn mit unbändiger Macht, nach Kathryn zu suchen. Aber was, wenn er sich irrte, wenn sie nicht dort war. Im Moment konnte er das Schiff nicht verlassen.
Der Türmelder riss ihn aus seiner Grübelei. Nach seiner Aufforderung glitten die Türhälften auseinander und Tuvok kam mit einem Padd in der Hand herein.
„Wir haben Kontakt mit den Derewanern. Sie konnten in unserem Windschatten dem Traktorstrahl entgehen und sind nun einige Lichtjahre entfernt in Sicherheit. Lieutenant Paris hat eine Art Tunnelsystem entdeckt, in dem wohl die Buzidi leben. Ausserdem befindet sich am Nordpol des Planeten ein riesiger Raumhafen mit einer Art Werft.“
„Gut Tuvok. Die Derewaner sollen bleiben, wo sie sind, zunächst erst einmal. Wir werden zunächst das Tunnelsystem untersuchen. Wenn wir einen, wie auch immer gearteten Kontakt zu den Planetenbewohnern aufgenommen haben, werden wir mit ihnen verhandeln, vielleicht besteht ja die Möglichkeit, den Raumhafen für unsere Zwecke zu nutzen. Vorausgesetzt die Buzidi sind in der Lage für Verhandlungen.“
„Die Derewaner bezweifeln es.“ Tuvok rieb sich mit einer ganz untypischen Geste über die Stirn.
„Ich werde drei Teams aussenden. Seven of Nine bat darum, an der Aussenmission teilnehmen zu dürfen.“
Mit einem versteckten Grinsen fragte Chakotay;
„Sie bat darum? Na gut, Erlaubnis erteilt, aber sehen Sie zu, dass sie nicht schon wieder mit Blackman in einem Team ist.“ Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Haben wir noch Kontakt zu unserer Erkundungsbarke?“
„Ja, sie sendet immer noch Daten. Die Buzidi Sonde ist in eine Umlaufbahn um einen Planeten gegangen und unsere Barke hat sich ihr angeschlossen. Wir werden hier sicherlich einige Zeit verbringen müssen, ehe die Voyager weiter fliegen kann. Logisch gesehen, müssen wir den Delta Flyer hinter unserer Sonde her schicken, denn die Wahrscheinlichkeit, auf diesem Planeten den Captain zu finden beträgt nach meinen Berechnungen 97,99965%.“
„Sie sollten mich gut genug kennen, um zu wissen, dass ich am liebsten schon unterwegs wäre, Tuvok, aber wir können momentan hier nicht weg. Zunächst müssen wir Kontakt zu den Buzidim aufnehmen, versuchen wir herauszufinden, was mit dem Rochen, auf dem Captain Janeway war, geschehen ist.“
„Sie könnten mich schicken!“
„Nein, Sie sind hier genauso unentbehrlich wie ich es bin. Senden Sie einen Funkbefehl an unsere Barke, wir brauchen alle verfügbaren Daten des fremden Planeten. Zunächst werden wir das Tunnelsystem untersuchen.“
Der Vulkanier wollte protestieren, unterliess es aber. Er würde seine Befehle befolgen, wie er sie dann aber interpretierte, war seine Sache.
Chakotay sah auf, als Tuvok beim Aufstehen Schwierigkeiten hatte, sein Gleichgewicht zu halten.
„Was ist, Lieutenant Commander, fühlen sie sich nicht wohl?“
„Es ist nichts, worüber Sie sich Sorgen machen müssen. Die Schwerkraft dieses Planeten scheint meinen Gleichgewichtssinn zu beeinflussen.“
„Gehen Sie in die Krankenstation und lassen Sie sich untersuchen.
Das ist ein Befehl!“
„Der Doktor wird mir nicht helfen können, denn ich bin nicht krank!“
„Dann wird es Ihnen ja auch nichts ausmachen, sich untersuchen zu lassen.“

Als Tuvok den Bereitschaftsraum verlassen hatte, blieb er einen Moment unschlüssig stehen, ging dann zu seiner Konsole und gab einige Befehle ein.
„Mr. Kim, ich begebe mich zur Krankenstation. Sorgen Sie dafür, dass die Aussenteams ausgerüstet wird. Sie sollen das Tunnelsystem erforschen.“
„Aye, Sir!“
Harry sah dem Lieutenant Commander verwundert hinterher. Irgend etwas kam ihm merkwürdig vor, aber er konnte nicht sagen, was es war.
Kopfschüttelnd wandte er sich wieder seinen Aufgaben zu.

IIIII

Handri füllte ihre Schale erneut mit der Flüssigkeit aus dem Tonkrug und wollte auch Janeway etwas einschenken. Diese schüttelte den Kopf, denn sie hatte gemerkt, dass dieses Getränk eine berauschende Wirkung hatte. Ihr Kopf fühlte sich so merkwürdig leicht an und wenn sie ihn schnell zur Seite drehte, überkam sie ein Schwindelgefühl. Die Moridi hingegen zeigten keinerlei Anzeichen von Trunkenheit.
Die Nacht war weit vorangeschritten und der Dorfplatz leerte sich langsam. Handri und ein paar der älteren Frauen begannen ein Lied zu summen. Die Melodie mischte sich mit den Geräuschen der Nacht und versetzten Janeway in eine angenehme, träumerische Stimmung. Unwillkürlich schloss sie die Augen und entspannte sich. Aus dem Summen war ein leiser Gesang geworden, ein Chor, in dem Handris Stimme die Führung hatte. Nach einer Weile verstand Kathryn die Worte. Ein Lied, in dem eine Frau nach ihrem lange Zeit verschollenen Liebsten sucht, die Welt durchstreift, immer auf der Suche, ohne Ruhe, bis sie ihn dann endlich findet. Er aber hatte sie vergessen und eine andere Frau genommen. Etwas selbstironisch dachte Janeway, dass dieses Lied für sie gedichtet sein könnte. So lange hatte sie nicht mehr an Mark gedacht, der nun längst verheiratet war, vielleicht auch schon Kinder hatte. Auch sie war allein zurück geblieben. Nein, das stimmte nicht, sie war nicht allein. Da gab es jemanden, der immer da war. Jemanden, den sie sich gerade jetzt an ihre Seite wünschte. Chakotay würde den Aufenthalt auf Moridia geniessen, er würde sich wohl fühlen unter diesen Leuten, die seiner Natur so nahe kamen. Wo er jetzt wohl war? War die Voyager in Sicherheit, suchte man nach ihr oder waren ihre Leute wieder auf dem Weg nach Hause? Sie hatte nicht die geringste Ahnung, wie lange sie schon von ihrem Schiff fort war. Aber Chakotay würde nicht aufgeben, nie aufhören, nach ihr zu forschen. Und er würde sie nie vergessen, genauso wenig, wie sie ihn. Sie hatte sich immer geweigert, seine Empfindungen für sie anzunehmen, genau so wenig, wie sie bereit war, sich ihre eigenen Gefühle für ihren ersten Offizier einzugestehen. Sie erinnerte sich an einen Satz, den sie vor langer Zeit gelesen hatte:
-Die Entfernung ist wie der Wind, er löscht die kleinen Flammen und macht die grossen um so grösser.-
Wenn das stimmte, so war sie momentan im Zentrum eines Feuersturms. Oder lag es nur daran, dass sie sich so einsam und verlassen fühlte, wie selten in ihrem Leben?
Die Moridi hatten erneut ein Liebeslied angestimmt, Handris Stimme und die einer anderen Frau wechselten sich in einer Art Sprechgesang ab. Der Verstand und das Gefühl liegen in einem Streit, den nach langen Kämpfen das Herz gewinnt.
Ohne sich dagegen wehren zu können, rannen Kathryn Tränen über das Gesicht.
Schnell erhob sie sich und ging weg vom Feuer, zur Hütte der Heilerin.

Fortsetzung folgt....




Wenn du einem Raben zu lange in die Augen siehst, dann stiehlt er deine Seele und fliegt mit ihr davon

26.11.2005, 15:00

Optionen
Als Gast steht nur zur Auswahl das Thema als RSS Feed abonnieren.

Copyright