Herzlich Willkommen im STVC!

Community-Menü

Brücke Chat Forum TrekBay Wer ist online?


Episodeninhalt

Familienbande

Titelgrafik zur Episode

Vorherige Episode:
Die Saat
Nächste Episode:
Der kalte Krieg
Originaltitel:
"Fortunate Son"
Regie:
LeVar Burton
Story:
James Duff
Drehbuch:
James Duff
Gaststars:
Lawrence Monoson als Matthew Ryan

Cross Kieran Mulroney als Shaw

Vaughn Armstrong als Admiral Forrest

Danny Goldring als nausicaanischer Captain

Charles Lucia als Captain Keene

D. Elliot Woods als nausicaanischer Gefangener

Elyssa D. Vito as Mädchen

Erstausstrahlung in Deutschland:
23.05.2003
Erstausstrahlung in den USA:
21.11.2001

Inhalt

Auf einem unbekannten Schiff, vom Aussehen her offensichtlich ein Frachter, werfen sich zwei Männer einen Football zu. Aufgrund der geringeren Schwerkraft benötigt der Ball ganze zwanzig Sekunden, um die 50 bis 100 Meter Distanz, die zwischen den Männern liegt, zurückzulegen. Dann wird das Schiff jedoch plötzlich von unbekannten Schiffen, die den Nausicaanern gehören, angegriffen.

An Bord der "Enterprise" erhält Captain Archer einen Anruf von Admiral Forest - um vier Uhr morgens. Der Admiral erzählt Archer, dass sie einen Notruf von einem Frachter namens "Fortunate" empfangen haben, die angegriffen worden wären und Hilfe benötigten. Die "Enterprise" sei das einzige Schiff, welches die "Fortunate" innerhalb eines Tages erreichen könne. Captain Archer ändert daraufhin den Kurs und fliegt zum ersten Mal seit Beginn der Mission wieder Richtung Erde zurück.

Im folgenden Briefing erklärt Travis Mayweather, dass er selbst an Bord eines solchen Schiffes aufgewachsen ist. Als die "Enterprise" bei der Fortunate eintrifft, antwortet diese nicht auf die Rufe des Sternenflottenschiffes. Vierundzwanzig Lebenszeichen befinden sich an Bord und Archer geht mit Doktor Phlox, Travis Mayweather und Malcolm Reed an Bord.

Dort werden sie bereits von einigen Schiffsangehörigen, darunter auch dem ersten Offizier, erwartet. Er erklärt der "Enterprise"-Crew, dass sie angegriffen wurden und ihr Captain verletzt sei. Archer bietet seine Hilfe bei den Reparaturen an, die allerdings nur widerwillig angenommen wird. Doktor Phlox kümmert sich um die Verletzungen des fremden Captains, der noch einige Zeit bewusstlos bleiben wird.

Der Anführer der "Fortunate", Ryan ist sein Name, sucht unter dessen einen Frachtraum auf, in dem ein Nausicaner gefangen gehalten wird. Er weißt Blessuren auf und wurde offensichtlich bereits gefoltert.

Travis Mayweather unterhält sich anschließend mit Ryan und erzählt ihm, dass er auch auf einem Frachtschiff aufgewachsen ist und dass sein Weggang nichts damit zu tun hatte, dass er seine Familie nicht geliebt hat. Er musste sich entscheiden, welche Zukunft er für sich sah. Als sie zusammen beim Abendessen sitzen, bietet Travis dem Fremden sogar an, ebenfalls auf ein Föderationsschiff zu wechseln, immerhin befinden sich drei weitere Schiffe der NX-Klasse kurz vor der Fertigstellung. Jedoch würde es bedeuten, dass die Sternenflotte alle guten Crews bekommt und die Frachter noch schneller unterbesetzt würden. Ryan meint außerdem, dass Travis' Familie ihm bei seinem Weggang nicht widersprochen hätte, damit er sich nicht schuldig fühlte. Von der anfänglichen Freundschaft ist nicht viel übrig geblieben, als der Fremde das Kasino verlässt.

T'Pol unterstützt die Reparaturen an der "Fortunate" und entdeckt dabei mehrere Kinder, die wohl erst während der Reise des Frachtschiffes geboren wurden. Außerdem entdeckt sie, dass sich ein Lebewesen an Bord befindet, das nicht menschlich ist. Sie kehrt an Bord der "Enterprise" zurück und unterrichtet den Captain, der daraufhin den Ersten Offizier der "Fortunate" an Bord bittet und ihn mit der Tatsache konfrontiert. Dieser rechtfertigt die Geiselnahme damit, dass die Nausicaaner die "Fortunate" monatelang angegriffen, die Fracht gestohlen und ihren Captain beinahe getötet haben. Dennoch verlangt Archer, den Gefangenen zu sehen.

Und obwohl die Sternenflotte kein Recht besitzt, die "Fortunate" überhaupt zu betreten, willigt der Fremde ein, nachdem Archer Commander Tucker angewiesen hat, alle reparierten Komponenten der "Fortunate" wieder zu entfernen.

Erneut geht das Außenteam an Bord, doch befindet sich in dem Frachtraum kein Nausicaaner mehr. Ein Feuergefecht entsteht, bei dem die "Fortunate"-Crew Archer und seine Gefolgsleute in dem Frachtraum einsperren, ein Loch in die Wand schießen und den Frachtcontainer vom Rest des Schiffes abtrennen. Sie beschädigen sogar die "Enterprise", die die "Fortunate" daraufhin an ihrer Flucht nicht hindern kann.

Das Außenteam wird mit einem Shuttle wieder an Bord der "Enterprise" gebracht, die die Verfolgung der "Fortunate" aufnimmt - allerdings erst nach einigen Stunden, da die Sensoren beschädigt wurden. Travis Mayweather sucht indes den Captain auf und führt ein langes Gespräch mit ihm. Er ist der Meinung, dass sich die "Enterprise" nicht einmischen sollte und die Frachtercrews solche Angelegenheiten immer unter sich geregelt haben. Archer erklärt ihm, dass es für alle Menschen Verhaltensregeln gäbe, die auch für diejenigen gelten würden, die im Weltall geboren wurden. Es sei eine Zeit der Veränderung - mit der Geburt der Föderation - und die Frachtercrews könnten sich davor nicht verschließen.

Ryan, der Anführer der "Fortunate", foltert den Nausicaaner so lange, bis er ihm die Frequenzen ihrer Schildmodulationen verrät, anschließend wagt er einen Angriff auf die Nausicaaner. Allerdings sind die Frequenzen nutzlos und die "Fortunate" fortan unter Beschuss durch mehrere nausicaanische Schiffe.

Die "Enterprise" nähert sich dem Geschehen und die Brückencrew der "Fortunate" zieht sich in den Frachtraum mit dem nausicaanischen Gefangenen zurück, anschließend wird die "Fortunate" von den Nausicanern geentert.

Archer nimmt Kontakt mit den Nausicaanern auf und schlägt vor, den Konflikt friedlich zu lösen - es sei eine Gelegenheit, die Beziehungen zwischen den beiden Völkern zu vertiefen. Zudem könnten die Nausicaaner es nicht mit der "Enterprise" aufnehmen, ganz zu schweigen von den weiteren Föderationsschiffen, die in Kürze kommen würden. Der Nausicaaner stimmt widerwillig zu und gibt Archer die Möglichkeit, den Gefangenen von der "Fortunate" zu befreien.

Der Erste Offizier der "Fortunate" zeigt sich jedoch wenig kooperativ, als Archer ihn kontaktiert und ihn zu überreden versucht. Schließlich redet Travis auf Ryan ein und macht ihm klar, dass den Gefangenen zu töten keine Lösung ist - die Nausicaaner würden sich nicht nur an der "Fortunate", sondern an allen anderen Frachtschiffen der Menschheit rächen. Ryan willigt ein und lässt den Nausicaaner gehen, woraufhin sich diese zurückziehen.

Archer stattet der "Fortunate" einen letzten Besuch ab, der Captain des Schiffes hat sich indes wieder erholt und bietet Archer sogar einen Drink an, der dies jedoch ablehnt. Er würde sich um seinen Ersten Offizier selber kümmern - so wie es seit jeher auf einem Frachtschiff gehandhabt würde. Jonathan Archer erzählt ihm auch, dass in Zukunft immer mehr Schiffe ihre Routen kreuzen würden und dass mit dem Fortschritt auch Hilfe immer näher rücken wird. Es sei eine Zeit des Umbruchs und auch die Frachterschiffe müssten sich anpassen, dann verlässt er die "Fortunate" und kehrt auf die "Enterprise" zurück.

Kritik

Was wie eine 08/15-Episode aussieht, entpuppt sich unter der Oberfläche als eine sehr detailreiche und vor allem detailfreudige Episode mit der bekannten "Star Trek"-Moral. So beginnt die eigentliche Raumfahrt der Menschheit nicht wie bisher angenommen, mit der Föderation, sondern, wie die Schifffahrt auch, mit dem Handel.

Frachtschiffe pendeln zwischen den Planeten hin und her mit Routen, die sie jeweils mehrere Jahre an Bord des Schiffes fesseln. Auch ist die "Enterprise" bei weitem nicht der einzige Vertreter der Menschheit im All: Die Frachtercrews ziehen schon seit Generationen ihre Bahnen - die Föderation hingegen hat weder eine rechtliche Grundlage für Handlungen an Bord der Schiffe, noch die Sympathien der Crews. Im Gegenteil, der Föderation stehen die meisten Menschen im Weltall sehr misstrauisch und skeptisch gegenüber, immerhin wandern die meisten guten Offiziere früher oder später zur Sternenflotte über und berauben die Frachter so ihren Crews.

Leider versinken diese Details meist in der arg vorhersehbaren Story und der dicken Moralschicht, die die Autoren über die guten Ansätze gekleistert haben.

Schon bei der Eröffnungsszene werden diese Details sichtbar: Der unendlich langsam fliegende Football, den sich der Captain und der Erste Offizier der "Fortunate" zuwerfen, zeigt, dass die Autoren ihre Hausaufgaben gemacht haben und den Zuschauer immer wieder überraschen können und wollen. Auch die Tatsache, dass Captain Archer nur ein verrauschtes Bild von Admiral Forest zu Gesicht bekommt und er ihm mitteilt, dass sie demnächst eine Subraumboje aussetzen wollen, die die Übertragungsqualität deutlich erhöhen wird, lässt den Zuschauer zuerst kurz stutzen - dann kommt jedoch die Lösung, immerhin ist die gesamte Infrastruktur, die aus den nachfolgenden "Star Trek"-Serien bekannt ist, noch nicht vorhanden - die "Enterprise" wird diese erst noch schaffen. Zudem wird deutlich, dass die "Enterprise" mehr als ein anderes Föderationsschiff weiterhin Rücksprache mit dem Haupt-Quartier hält und halten muss, damit die Mission ein Erfolg wird.

Bei der darauf folgenden Besprechung kommt Travis Mayweather zum Zug: Nachdem er in den letzten Episoden eher zum Nebendarsteller degradiert wurde, bekommt er eine Rolle auf den Leib geschrieben, die seinen Charakter in einem anderen Licht zeigt. Er wuchs auf einem Frachter auf und kennt somit beide Seiten der Medaille - die Föderation und das Frachterleben. Die "Fortunate" erinnert dahingegen schon vom Aussehen her an einen typischen Erdfrachter. Die Anordnung der Kammern ist sinnvoll und das Design durchaus vorstellbar, wobei dem Zuschauer nicht erklärt wird, wo diese Frachter denn gebaut wurden, die immerhin zehnmal so groß wie die "Enterprise" sind.

Als sich das Shuttle der "Fortunate" nähert, zeigt sich ein weiteres Detail, das man in früheren ST-Serien sehr selten beobachten konnte: Unzählige Trümmer und Schiffsteile treiben um den Frachter herum und erschweren es Fähnrich Mayweather, das Shuttle zur "Fortunate" zu manövrieren.

Der Empfang auf der "Fortunate" verläuft in etwa so, wie man es sich denken könnte - die leichte Ablehnung der Crew gegenüber fremder Hilfe ist verständlich. Wie die Crew jedoch einen Nausicaaner gefangen nehmen konnte, ist unklar, immerhin wurden sie angegriffen und schwer beschädigt - dass die Nausicaaner daraufhin einen Angehörigen ihrer Spezies zurücklassen, ist unglaubwürdig und unwahrscheinlich. Die Maske des Fremden ist hingegen hervorragend, auch wenn sie wie eine Mischung zwischen einem Cardassianer und einem Predator wirkt.

Dass sich zwischen Ryan und Travis eine Freundschaft entwickeln würde, war ebenfalls abzusehen, dass diese dann jedoch so abrupt endet - mit einem kleinen, aber heftigen Streit, das war in der Tat überraschend. Wieder hat der Zuschauer etwas mehr über die "Enterprise" erfahren - ein kleiner Rundgang von Ryan macht es möglich. Dagegen wirkt die "Fortunate" regelrecht geräumig und weitläufig, wobei die Setdesigner darauf achteten, die Technik der "Fortunate" derjenigen der "Enterprise" unterlegen wirken zu lassen. Die "Enterprise" wirkt vielmehr wie eine Weiterentwicklung. Auch, dass einige Kinder an Bord der "Fortunate" geboren wurden, ist verständlich und nachvollziehbar. Vor allem das Versteckspiel, bei dem T'Pol beinahe als Spielverderberin aufgetreten wäre, lässt den Zuschauer wieder lächeln.

Captain Archer konfrontiert Ryan mit der Tatsache, dass sich ein Nausicaner an Bord befindet, auf eine Art, wie man es ihm nicht so recht zugetraut hätte. Seine Entscheidung, alle reparierten Komponenten entfernen zu lassen, sollte Ryan ihm keinen Besuch bei dem Gefangenen ermöglichen, ist ebenfalls ungewohnt, fügt sich aber in seine Charakterzüge makellos ein und beweist einmal mehr, dass er der Position des Captains voll auf gerecht wird.

In der Szene wird jedoch auch deutlich, auf welch wackeligem Boden die Föderation noch steht - die Mehrheit der Menschen im Weltall stehen der neuen "Wunderorganisation" skeptisch gegenüber und möchten die Dinge so regeln, wie es seit Jahrzehnten der Brauch war. Die Sternenflotte besitzt keine Handlungsbefugnis an Bord dieser Schiffe und sowohl zahlenmäßig, als auch was auch die Kampfkraft angeht, wäre die "Enterprise" ihnen sogar unterlegen.

Der Hinterhalt, in den das Außenteam dann gelockt wird, ist zwar gut vorbereitet, dass die "Enterprise"-Crew sich darauf jedoch nicht vorbereitet und erst merkt, dass der Nausicaaner nicht da ist, wenn sie vor nichts stehen und T'Pol den Kopf schüttelt, wirkt etwas übertrieben, immerhin hat ihr Tricorder zuvor den Nausicaaner über Duzende Meter aufspüren können und nun läuft sie blindlings in eine Falle, ohne dies mit ihrem Tricorder zu überprüfen?

Die Actionsequenz ist toll gespielt und gefilmt, vor allem die Tatsache, dass der erste Schuss von Malcolm Reed und nicht von einem Frachteroffizier abgegeben wird, fällt auf. Die Idee, den Frachtcontainer vom Rest des Schiffes zu trennen und ein Loch in die Wand zu schießen, ist erfrischend neu und gut - dass sich die "Fortunate" mit der gesamten Föderation anlegen würde, überrascht jedoch.

Wenig später unterhält sich Travis mit Archer, ein Gespräch, dessen Verlauf der Zuschauer versteht, werden darin doch die Werte und die Moral, die "Star Trek" vertritt, nochmals deutlich. Zu deutlich - der Ausgang des Gesprächs ist äußerst vorhersehbar.

Der Angriff der "Fortunate" auf die Nausicaaner ist wieder toll gefilmt und gut gemacht - wie Travis Mayweather den aufrührerischen und verbitterten Ryan mit einem Standard-Plädoyer jedoch überzeugen kann, eine friedliche Lösung zu suchen, wirkt unglaubwürdig. Eine Standard-Lösung für ein Problem, das auch anders hätte gelöst werden können. Filmisch gibt es daran nichts auszusetzen, nur inhaltlich erinnert es zu stark an unzählige andere "Star Trek"-Episoden - mit etwas mehr Innovation wäre ein deutlich besserer Schluss möglich gewesen. Dabei stört der versöhnliche Ausklang nicht so stark wie die Tatsache, dass dasselbe Muster schon so oft beobachtet werden konnte. Und die Tatsache, dass Travis zu seiner Predigt auch noch aufstehen und in der Brücke umhergehen muss, verstärkt den Eindruck noch.

Dagegen wirkt der eigentliche Schluss mit dem Gespräch zwischen Archer und dem Captain der "Fortunate" gar nicht so "Star Trek"-typisch: Die Zeit des Umbruchs ist gekommen, die Menschen werden sich an Veränderungen gewöhnen müssen und auch an viel mehr Schiffe im Weltall. Eine Aussicht, die wohl weiterhin für Konflikte sorgen könnte.

Fazit

Trotz der Voraussehbarkeit der Episode rettet die Detailverliebtheit "Familienbande" über den Durchschnitt - für eine positivere Wertung nicht weit genug. Trotz der hervorragenden Spezialeffekte und der gut choreografierten Actionsequenzen die schwächste Folge der Staffel - vor allem inhaltlich weitgehend überraschungsfrei.

Note: 3-

Inhalt von Alexander Dennebaum (ad), Kritik von Jens Adrian (ja); aktualisiert am 25.08.2004 [12717 Aufrufe; 0 Kommentare]


Copyright